Das Verhältnis zwischen Altem und Neuem Testament

Das Verhältnis zwischen Altem und Neuem Testament

Gottes Wahrheit ist in allen Zeitaltern dieselbe, auch wenn sie in den verschiedenen Epochen unterschiedlich entwickelt wurde, um den Bedürfnissen seines Volkes gerecht zu werden. Unter der alttestamentlichen Dispensation war jedes wichtige Werk eng mit dem Heiligtum verbunden. Im Allerheiligsten wohnte der große ICH BIN, und kein Mensch durfte es betreten, es sei denn auf göttliche Anordnung hin. Dort, über dem Gnadenstuhl, überschattet von den Flügeln der Cherubim, wohnte die Schekina seiner Herrlichkeit, das immerwährende Zeichen seiner Gegenwart, während das mit Edelsteinen besetzte Brustschild des Hohenpriesters die feierliche Botschaft Jehovas an das Volk aus dem heiligen Bezirk des Heiligtums verkündete. Wunderbare Dispensation, wenn der Heilige, der Schöpfer der Himmel und der Erde, auf diese Weise seine Herrlichkeit offenbart und den Menschenkindern seinen Willen offenbart!

Die typischen Opfer und Gaben jener Dispensation stellten Christus dar, der das vollkommene Opfer für den sündigen Menschen werden sollte. Neben diesen mystischen Symbolen und schattenhaften Typen, die auf einen zukünftigen Erlöser hinweisen, gab es einen gegenwärtigen Erlöser für die Israeliten. Er war es, der sie bei Tag in eine Wolkensäule und bei Nacht in eine Feuersäule gehüllt auf ihrem Weg führte; und er war es, der Mose direkte Worte gab, die er dem Volk wiederholen sollte. Diejenigen, die sich über die alte Dispensation lustig machen und behaupten, Christus in der neuen zu akzeptieren, erkennen nicht, dass derselbe Christus der alte Führer Israels war und dass von seinen Lippen alle Gebote, alle Regeln und Vorschriften kamen, um mehr als eine Million von Menschen zu regieren. Er, der bei der Erschaffung des Menschen dem Vater gleich war, war Befehlshaber, Gesetzgeber und Führer für sein altes Volk. Der Christus, der in der früheren Dispensation typisiert wurde, ist der Christus, der in der Dispensation des Evangeliums offenbart wurde. Die Wolken, die damals seine göttliche Gestalt verhüllten, sind zurückgeworfen worden; die Nebel und Schatten sind verschwunden; und er steht offenbart, nicht wie das jüdische Volk erwartete, als ein mächtiger König, der seine Feinde besiegen und für sie glorreiche Siege erringen würde, sondern als ein Mann der Schmerzen und des Leids. Seine Göttlichkeit ist nun verborgen, nicht unter einer Wolke, sondern unter dem Gewand der Menschlichkeit.

Im Laufe der Zeit, die seit der Schöpfung und dem Kreuz von Golgatha verstrichen ist und in der sich die Prophezeiungen erfüllt haben und noch erfüllen, haben Licht und Wissen stark zugenommen. Aber es steht Gott- und Bibelgläubigen nicht an, das Zeitalter zu verachten, das Schritt für Schritt zur Gegenwart geführt hat. Im Leben und Sterben Christi fällt ein Licht auf die Vergangenheit, das der gesamten jüdischen Ordnung Bedeutung verleiht und aus der alten und der neuen Ordnung ein vollständiges Ganzes macht. Auf nichts, was Gott im Erlösungsplan vorgesehen hat, kann verzichtet werden. Er ist die Verwirklichung des göttlichen Willens in der Erlösung des Menschen.

Die Opfergaben wurden von unendlicher Weisheit eingesetzt, um der gefallenen Rasse die feierliche Wahrheit einzuprägen, dass es die Sünde war, die den Tod verursachte. Jedes Mal, wenn das Leben eines Opfers genommen wurde, wurden sie daran erinnert, dass es keinen Tod gegeben hätte, wenn es keine Sünde gegeben hätte. „Der Lohn der Sünde ist der Tod.“ (Röm. 6,23) Das Wort Gottes umfasst einen geschichtlichen Zeitraum, der von der Schöpfung bis zum Kommen des Menschensohns in den Wolken des Himmels reicht. Ja, mehr noch, es führt den Geist vorwärts in das zukünftige Leben und eröffnet ihm die Herrlichkeit des wiederhergestellten Paradieses. Durch all diese Jahrhunderte hindurch ist die Wahrheit Gottes dieselbe geblieben. Das, was am Anfang Wahrheit war, ist auch jetzt Wahrheit. Obwohl neue und wichtige Wahrheiten, die für nachfolgende Generationen geeignet sind, dem Verständnis eröffnet wurden, widersprechen die gegenwärtigen Offenbarungen nicht denen der Vergangenheit. Jede neue Wahrheit, die verstanden wird, macht die alte nur noch bedeutender.

Mit dem breiteren, klareren Licht, das auf uns scheint, können wir mit größerer Deutlichkeit die Herrlichkeit der früheren Dispensation sehen. Wir können uns mit den alten Patriarchen unterhalten; wir können Mose zuhören, wie er Gesetze für Israel erlässt, den Propheten, wie sie in künftige Zeitalter hinabblicken und kommende Ereignisse voraussagen, und den Aposteln, wie sie die Geheimnisse der neuen Dispensation offenlegen und von ihren persönlichen Erfahrungen und den wunderbaren Worten dessen berichten, der geredet hat, wie nie ein Mensch geredet hat. Wenn wir sehen, wie sich die Vorhersagen der Propheten um uns herum erfüllen, werden wir ihnen näher gebracht und lesen sie mit einem tieferen und intelligenteren Interesse. Und wenn die Zeit weitergeht und wir uns dem Ende der Erdgeschichte nähern, werden wir, wenn wir demütige Schüler in der Schule Christi sind, die göttliche Weisheit noch klarer begreifen können. Noah, Abraham, Isaak, Jakob, Mose und alle Patriarchen und Propheten hörten das Evangelium durch Christus; sie sahen die Rettung des Geschlechts durch den Stellvertreter und Bürgen, Jesus, den Erlöser der Welt. Sie sahen einen Erlöser, der in Menschengestalt in die Welt kommen sollte, und hatten mit ihm in seiner göttlichen Majestät Gemeinschaft. Abraham wandelte und sprach mit den himmlischen Engeln, die in menschlichem Gewand zu ihm kamen. Jakob sprach mit Christus und den Engeln. Mose unterhielt sich mit Jesus von Angesicht zu Angesicht, wie einer, der mit einem Freund spricht.

Von der Erschaffung und dem Fall des Menschen bis zur heutigen Zeit hat sich der Plan Gottes zur Erlösung des gefallenen Volkes durch Christus immer weiter entfaltet. Die Stiftshütte und der Tempel Gottes auf Erden wurden nach dem Vorbild des Originals im Himmel gestaltet. Um das Heiligtum und seine feierlichen Gottesdienste versammelten sich auf mystische Weise die großen Wahrheiten, die von den nachfolgenden Generationen weiterentwickelt werden sollten. Zu keiner Zeit hat Gott größere Beweise seiner Größe und erhabenen Majestät gegeben, als zu der Zeit, als er der anerkannte Herrscher Israels war. Die Manifestationen eines unsichtbaren Königs waren großartig und unaussprechlich schrecklich. Ein Zepter wurde geschwungen, aber es wurde von keiner menschlichen Hand gehalten. Die heilige Lade, die mit dem Gnadenstuhl bedeckt war und das heilige Gesetz Gottes enthielt, war ein Sinnbild für Jehova selbst. Sie war die Kraft der Israeliten, um im Kampf zu siegen. Vor ihm wurden Götzenbilder niedergeworfen, und Tausende kamen um, weil sie voreilig in ihn hineingeschaut hatten. Niemals in unserer Welt hat der Herr seine Überlegenheit so offen kundgetan wie zu der Zeit, als er allein der anerkannte König Israels war.

Wie weise war die Anordnung Gottes, die Erkenntnis seiner selbst auf der Erde zu bewahren, indem er den Menschen sein heiliges Gesetz gab, das die Grundlage seiner Regierung im Himmel und auf Erden war, und indem er damit ein System der Anbetung verband, das eine ständige Erinnerung an einen kommenden Erlöser sein sollte. Während Finsternis die Erde bedeckte und grobe Finsternis die Menschen, hatte der Herr einige wenige, die seine Souveränität anerkannten, indem sie die Verfassung seines Reiches, die zehn Gebote, respektierten und befolgten. Durch die Zeitalter des Götzendienstes und des Glaubensabfalls hindurch ließ die Verheißung eines Messias den Stern der Hoffnung am verfinsterten moralischen Himmel leuchten, bis die Zeit kam, in der Christus sein erstes Erscheinen hatte. In der Opfergabe auf jedem Altar wurde ein Erlöser gesehen. Mit der Weihrauchwolke erhob sich aus jedem zerknirschten Herzen das Gebet, dass Gott ihre Opfergaben als Zeichen des Glaubens an den kommenden Erlöser annehmen möge. Unser Erlöser ist gekommen und hat sein Blut als Opfer vergossen, das er nun im himmlischen Heiligtum vor seinem Vater vertritt. Heute wie damals kann der Übertreter des Gesetzes Gottes nur durch die Verdienste dieses Blutes Vergebung finden. Dies geschieht durch die Ausübung von Reue gegenüber Gott und den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus.

Während wir uns heute darüber freuen, dass unser Erlöser gekommen ist, dass die Opfer der früheren Dispensation Platz machten für das vollkommene Opfer für die Sünde, sind wir nicht entschuldbar, wenn wir diese Zeit verachten. Diejenigen, die sich abfällig über das alte jüdische Zeitalter äußern, zeigen, dass sie die Heilige Schrift und die Macht Gottes nicht kennen. Inmitten der moralischen Finsternis der götzendienerischen Nationen jener Zeit sind brennende Spuren des großen ICH BIN zu sehen. Sein Kommen und Gehen ist in den Seiten der biblischen Geschichte verzeichnet. Was wir jetzt brauchen, ist göttliche Erleuchtung und ein intelligenteres Wissen über das wunderbare Handeln Gottes mit seinem Volk in der Vergangenheit. Der Psalmist ruft aus: „Dein Weg, o Gott, ist im Heiligtum; wer ist ein so großer Gott wie unser Gott.“ (Ps. 77,14 Elberf.)

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