Die Freude im Herrn

Die Kinder Gottes sind dazu berufen, Stellvertreter Christi zu sein, um die Güte und Barmherzigkeit Gottes ihren Mitmenschen vor Augen zu stellen. Wie Jesus uns das Wesen des Vaters gezeigt hat, so sollen wir Christus der Welt offenbar machen, die nocht nichts von seiner innigen, barmherzigen Liebe weiß. „Gleichwie du mich gesandt hast in die Welt“, sagte Jesus, „so sende ich sie auch in die Welt… ich in ihnen und du in mir, auf dass… die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast.“(Johannes 17,18.23) Der Apostel Paulus spricht zu den Jüngern Jesu: „… die ihr offenbar geworden seid, dass ihr ein Brief Christi seid… der erkannt und gelesen wird von allen Menschen.“ (2.Korinther 3,3.2) In jedem seiner Kinder sendet Christus der Welt einen Brief. Seid ihr Christi Nachfolger, so sendet er mit euch einen Brief an die Familie, die Straße und die Stadt, in der ihr lebt. Wenn Christus in euch wohnt, wünscht er sehnlichst, durch euch mit denen zu reden, die ihn noch nicht kennen, die vielleicht die Bibel nicht lesen, die seine Stimme, die aus jeder Seite seines Wortes zu ihnen spricht, nicht hören, oder die Liebe Gottes, die aus seinem Wirken hervorleuchtet, noch nicht sehen. Seid ihr jedoch wahre Jünger Jesu, so mögen sie vielleicht zum Verständnis seiner Güte geleitet und gewonnen werden, Gott zu lieben und ihm zu dienen.

Christen sind dazu bestimmt, Lichtträger auf dem Weg zum Himmel zu sein. Sie sollten einen Abglanz des Lichtes, das sie von Christus erhalten, in die Welt ausstrahlen. Durch ihr Leben und Wesen sollten andere ein rechtes Verständnis von Christus und seinem hehren Amt bekommen. Als Nachfolger Christi sollten wir seinen Dienst anderen so anziehend darzustellen suchen, wie er wirklich ist. Christen, die Traurigkeit und Betrübnis in ihrem Herzen ansammeln, die murren und klagen, geben ihren Mitmenschen eine falsche Vorstellung von Gott und von dem Leben in Christus. Sie erwecken den Eindruck, dass Gott seine Kinder nicht glücklich sehen wolle, und legen damit ein falsches Zeugnis gegen unseren himmlischen Vater ab. Satan frohlockt, wenn es ihm gelingt, Gottes Kinder zum Unglauben und zur Verzweiflung zu verleiten. Es ist seine Freude, wenn wir dem Allwaltenden misstrauen oder an seiner Willigkeit und Macht, uns zu erlösen, zweifeln; es ist seine Lust, wenn wir meinen, der Herr wolle uns durch seine Schickungen Schaden zufügen. Satans Werk ist es auch, den Herrn so darzustellen, als habe er für uns kein Mitleid und kein Erbarmen. Er verdreht die Wahrheit in allem, was auf Gott Bezug hat; er erfüllt unsere Herzen mit falschen Vorstellungen vom himmlischen Vater. Statt dass wir die göttliche Wahrheit in uns aufnehmen, denken wir nur zu oft an die Vorspiegelungen Satans und entehren Gott, indem wir ihm misstrauen und gegen ihn murren. Satan versucht, unser Glaubensleben zu verdüstern; er versucht, unser Dasein als mühselig und beschwerlich hinzustellen. Wenn ein Christ dieser Glaubensanschauung in seinem eigenen Leben huldigt, so unterstützt er durch diesen Unglauben den Betrug Satans.

Viele Menschen beschäftigen sich während der Pilgerfahrt hienieden gern mit ihren Fehlern, Schwächen und Enttäuschungen. Infolgedessen werden ihre Herzen mit Trauer und Mutlosigkeit erfüllt. Eine mir bekannte Dame, die das getan hatte, schrieb an mich und bat um einige ermunternde Worte. In der darauffolgenden Nacht hatte ich einen Traum. Ich sah mich in einem Garten und wurde von einem Manne, der mir der Eigentümer des Gartens zu sein schien, hindurchgeführt. Ich pflückte Blumen und ergötzte mich an ihrem Wohlgeruch, als die Bekannte, die an meiner Seite wandelte, meine Aufmerksamkeit auf hässliche Disteln lenkte, die ihr im Wege waren. Da stand sie betrübt und klagte. Sie folgte nicht ihrem Führer auf dem richtigen Pfad, sondern wanderte umher unter Dornen und Disteln. „Oh“, jammerte sie, „ist es nicht betrübend, dass dieser herrliche Garten durch das Unkraut so entstellt wird?“ Ihr Begleiter antwortete darauf: „Kümmere dich nicht um die Dornen, sie stechen und verwunden dich nur. Pflücke die Rosen, die Lilien und Nelken.“  Habt ihr nicht auch einige angenehme Erfahrungen in eurem Leben gemacht? Durchlebt ihr nicht wertvolle Augenblicke, in denen eure Herzen dem Geiste Gottes freudig entgegenschlagen? Finden sich bei der Rückschau auf euer Leben nicht auch einige freundliche Erinnerungen? Stehen nicht Gottes Verheißungen gleich den blühenden Blumen überall auf eurem Erdenweg? Soll nicht ihre Schönheit und ihre Pracht eure Herzen mit Freude erfüllen? Die Dornen und Disteln werden euch nur Wunden beibringen und Schmerzen bereiten; wenn ihr sie aber sammelt und andern gebt, dann verachtet ihr nicht nur selbst Gottes Güte, sondern haltet auch andere von dem Pfad des Lebens fern. Wir handeln nicht weise, wenn wir nur der trüben und bitteren Erinnerungen der Vergangenheit gedenken, nur über die Ungerechtigkeiten und Enttäuschungen des Lebens nachgrübeln, von ihnen reden, über sie klagen, bis wir von Mutlosigkeit übermannt werden. Ein Verzagter ist mit Finsternis erfüllt; er schließt das Licht Gottes aus dem eigenen Herzen aus und wirft einen Schatten auf den Lebensweg anderer Menschen. Gott sei Dank für die hellen, freundlichen Ausblicke, die er uns gewährt hat. Lasst uns die Segensverheißungen seiner Liebe so zusammenstellen, dass wir sie allezeit vor Augen haben.

Der Sohn Gottes, der seines Vaters Thron verlässt und seine Göttlichkeit mit der Menschlichkeit bekleidet, um uns von der Gewalt Satans zu erlösen, sein Sieg, den er erringt, indem er den Himmel öffnet und uns einen Einblick in das Reich göttlicher Herrlichkeit gestattet; das gefallene Menschengeschlecht, errettet vom Verderben, in das es durch die Sünde gestürzt ist, wie es zurückgebracht wird in die Gemeinschaft mit dem unendlichen Gott, wie es die Prüfung durch den Glauben an unseren Erlöser besteht, mit der Gerechtigkeit Christi angetan und zu seinem Thron erhöht wird; diese Bilder empfiehlt der Allwaltende unserer Betrachtung. Wenn wir Gottes Liebe bezweifeln oder seinen Verheißungen misstrauen, entehren wir ihn und betrüben seinen Heiligen Geist. Welche Gefühle stiegen wohl in einer Mutter auf, wenn ihre Kinder fortwährend über sie klagten, als meinte sie es nicht gut mit ihnen, während doch ihr ganzes Leben in dem Bestreben aufging, das Wohl ihrer Kinder zu fördern und sie mit allen Annehmlichkeiten zu umgeben? Gesetzt, solche Kinder bezweifelten die Liebe der Mutter, würde dies nicht ihr Herz brechen? Wie empfände es ein Vater, würde er so von seinen Kindern behandelt? Was soll nun unser himmlischer Vater von uns denken, wenn wir seiner Liebe nicht vertrauen? Sie allein hat ihn bewogen, seinen eingeborenen Sohn in den Tod zu geben, damit wir das ewige Leben erlangen. Der Apostel schreibt: „Welcher auch seines eigenen Sohnes nicht hat verschont, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben; wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?“(Römer 8,32)

Dennoch, wie viele sprechen, obschon nicht mit Worten, so doch durch ihre Handlungen: „Gott hat dies nicht für mich beabsichtigt. Er liebt vielleicht andere, aber nicht mich.“ Solche Gedanken sind ein Schaden für euch; denn jedes geäußerte Wort des Zweifels ist eine Einladung für Satans Versuchungen; es bestärkt in euch den Hang zum Zweifel und treibt die dienenden Engel von euch hinweg. Wenn Satan euch versucht, so äußert nicht ein Wort der Unsicherheit oder des Unglaubens. Wenn ihr seinen Einflüsterungen Gehör schenkt, dann werden Misstrauen und trotzige Gedanken in eure Herzen einziehen. Gebt ihr euren Gefühlen Ausdruck, dann wird jeder ausgesprochene Zweifel nicht nur auf euch selbst zurückwirken, sondern als Samen in den Herzen anderer Wurzel schlagen und schädliche Früchte tragen; auch ist es unmöglich, dem Einfluss eurer Worte entgegenzuarbeiten. Ja, ihr selbst mögt von der Zeit der Versuchung wieder genesen und euch von dem Fallstrick Satans losmachen, andere aber, angesteckt von eurem bösen Einfluss, können vielleicht nicht von dem Unglauben frei werden, den eure Worte auf sie übertragen haben. Wie wichtig ist es deshalb, dass wir nur von solchen Dingen reden, die geistliche Stärke und Leben verleihen! Engel merken auf und hören, welchen Bericht ihr der Welt von eurem himmlischen Meister gebt. Sprecht in euren Unterhaltungen von dem, der euch vor dem Vater vertritt! Wenn ihr einem Freunde die Hand zum Gruß reicht, dann lasst das Lob Gottes auf euren Lippen und in euren Herzen sein. Das wird auch seine Gedanken auf Jesus lenken. Alle leiden unter Prüfungen, Schmerz und Trauer, die schwer zu ertragen sind, Versuchungen, denen nur mühsam zu widerstehen ist. Klagt eure Sorgen nicht euren Mitmenschen, sondern bringt sie im Gebet vor Gott.

Macht es euch zur Regel, nie ein Wort des Zweifels oder der Niedergeschlagenheit auszusprechen. Ihr könnt viel dazu beitragen, das Leben anderer zu erheitern und sie in ihren Bestrebungen durch Worte der Hoffnung und heiliger Aufmunterung zu stärken. Manche, die sonst unerschrocken sind, werden empfindlich von Versuchungen gepeinigt; sie sind nahe daran, im Kampfe mit sich selbst und den Mächten Satans zu unterliegen. Entmutigt solche nicht in ihren schweren Anfechtungen. Richtet sie mit begeisternden, hoffnungsfreudigen Worten auf, die sie auf ihrem Wege anspornen. Wenn ihr so handelt, wird Christi Licht von euch ausstrahlen; „denn unser keiner lebt sich selber“. (Römer 14,7) Durch unsern unbewussten Einfluss werden andere entweder gestärkt oder von Christus und seiner Wahrheit weggetrieben. Viele Menschen haben eine irrige Vorstellung von dem Leben und Wesen Christi. Sie meinen, dass dem Erlöser Wärme und Sonnenschein gemangelt habe, dass er ernst, streng und freudlos gewesen sei. In vielen Fällen enthält die ganze christliche Erfahrung durch so dunkle Bilder einen trüben Anstrich. Man hört so oft sagen, Jesus habe geweint, aber es sei nichts davon bekannt, dass er jemals gelächelt habe. Unser Heiland war wohl ein Mann der Schmerzen; Kummer und Betrübnis waren ihm nicht fremd; denn sein Herz stand den Leiden aller offen. Aber obgleich sein Leben ein Leben der Selbstverleugnung war und von Mühen und Sorgen beschattet wurde, ließ sich doch sein Geist nicht niederdrücken. Sein Antlitz trug nicht den Ausdruck von Gram und Verdruss, sondern war stets heiter und voller Frieden. Sein Herz war die tiefe Lebensquelle; wohin er auch immer ging, brachte er Ruhe und Frieden, Freude und Wonne mit sich. Unser Heiland zeigte stets einen tiefen und heiligen Ernst, niemals aber Trübsinn oder mürrische Laune.

Das Leben derer, die ihn zum Vorbild nehmen, wird von festen Vorsätzen erfüllt sein; sie werden ein wirkliches Verständnis persönlicher Verantwortung haben. Der Leichtsinn wird schwinden; es ist keine Rede mehr von ungezügelter Lustigkeit und rohen Scherzen (Epheser 4,29). Die Gottesanschauung Jesu wirkt Frieden wie ein Wasserstrom. Dieser Glaube löscht das Licht der Freude nicht aus, er unterdrückt nicht den Frohsinn und verdunkelt nicht das sonnige Lächeln auf den Gesichtern. Christus kam nicht in die Welt, dass er sich dienen lasse, sondern vielmehr, dass er diene (Matthäus 20,28); wenn daher seine Liebe unsere Herzen lenkt, werden wir seinem Beispiel folgen. Solange wir nur immer an die lieblosen, ungerechten Handlungen unserer Mitmenschen denken, werden wir es für unmöglich halten, sie so zu lieben, wie Christus uns geliebt hat. Wenn aber die wunderbare Liebe und Barmherzigkeit Christi in unseren Herzen wohnt, wird sich derselbe Geist auch über andere verbreiten. Wir sollten einander lieben und schätzen, ungeachtet der Fehler und Unvollkommenheiten, die wir nicht übersehen können. Es gilt, demütig zu sein, uns selbst nicht zu sicher zu fühlen und die Schwächen anderer geduldig zu tragen. Dies wird alle engherzige Ichsucht töten und uns edelmütig und großherzig machen.

Der Psalmdichter singt: „Hoffe auf den Herrn und tue Gutes; so wirst du im Lande wohnen und sollst wahrlich gespeist werden.“ Psalm 37,3 (englische Übersetzung). Vertraut auf Gott! Jeder Tag hat seine Lasten, Mühsale und Schwierigkeiten, und wie leicht sind wir dann geneigt, darüber zu reden, wenn wir uns sehen. Wie viele sogenannte geborgte Sorgen drängen sich ein; wieviel unnötige Furchtanwandlungen überkommen uns; wie oft erdrückt uns die Last unserer Besorgnisse, dass wir meinen, wir hätten keinen barmherzigen, liebevollen Heiland, der stets bereit ist, unsere Bitten zu hören und uns zu jeglicher Zeit, in jeder Not hilfreich beizustehen. Etliche Menschen leben in steter Furcht und bereiten sich unnötig Kummer. Jeden Tag haben sie handgreifliche Beweise der Liebe Gottes. Sie nehmen wohl die Gnadengeschenke seiner väterlichen Fürsorge hin, aber sind sich doch dieser Wohltaten nicht bewusst. Sie beschäftigen sich in ihren Gedanken mit unangenehmen Dingen und fürchten ihr Kommen. Treten dann wirklich Schwierigkeiten ein, so machen die kleinen Hindernisse diese bedauernswerten Menschen blind gegen die vielen Guttaten, für die sie dankbar sein sollten. Statt dass solche Notstände sie zu Gott, der einzigen Hilfsquelle, treiben, lassen sie sich dadurch von ihm trennen, weil die Mühsale Unruhe und Murren in ihren Herzen wachrufen. Tun wir wohl daran, wenn wir in solchem Unglauben dahinleben? Weshalb sollten wir so undankbar und misstrauisch sein? Jesus ist unser Freund; der ganze Himmel nimmt Anteil an unserm Wohlergehen. Wir sollten nicht dulden, dass die Mühen und Beschwerden des Tages unser Gemüt beunruhigen und unsere Stirn verdüstern. Lassen wir es zu, so werden wir stets etwas finden, was uns peinigt und quält. Wir sollten nicht Besorgnissen nachhängen; denn sie reiben uns nur auf und verzehren unser Leben, helfen uns aber nicht, die uns auferlegten Bürden zu tragen. Wirtschaftliche Nöte mögen über euch kommen, die Zukunft mag trübe und dunkel vor euch liegen, Verluste mögen euch bedrohen, doch verzagt deshalb nicht! Werft eure Sorgen auf Gott (1. Petrus 5,7), bleibt ruhigen und gelassenen Herzens!

Betet um Weisheit und Verstand, eure Geschäfte in rechter Weise abzuwickeln, um dadurch Einbuße und Unheil fernzuhalten. Erstrebt mit all euren Kräften günstige Ergebnisse! Jesus hat euch seinen Beistand verheißen, aber nur für den Fall, dass ihr selbst eure Schuldigkeit tut. Wenn ihr auf euren himmlischen Helfer gestützt, alles getan habt, was ihr tun konntet, dann dürft ihr dem, was kommt, ruhig ins Auge sehen. Es ist nicht der Wille Gottes, dass seine Kinder mit Sorgen beladen dahinwandeln. Aber unser Herr täuscht uns nicht. Er sagt nicht: „Fürchtet euch nicht; auf euren Lebenswegen gibt es keine Gefahren.“ Er weiß, dass Prüfungen und Fährnisse unser warten, und handelt demgemäß mit uns. Es liegt nicht in seiner Absicht, uns aus einer Welt voll Sünde und Übel zu entrücken, sondern er weist auf die Hilfe hin, die uns nie im Stich läßt. Betet er doch für seine Jünger: „Ich bitte nicht, dass du sie von der Welt nehmest, sondern dass du sie bewahrest vor dem Übel.“ (Johannes 17,15) „In der Welt“, spricht er, „habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ (Johannes 16,33) In der Bergpredigt unterwies Christus seine Jünger mit herrlichen Worten über die Notwendigkeit, auf Gott allein zu vertrauen. Diese Betrachtungen waren dazu bestimmt, die Kinder Gottes aller Zeiten zu ermutigen; sie sind auch uns zur Belehrung und zum Trost gegeben. Der Heiland lenkte die Blicke seiner Nachfolger auf die Vöglein unter dem Himmel, die ohne Sorgen ihre Loblieder erschallen lassen; denn „sie säen nicht, sie ernten nicht“. Gleichwohl sorgt der Vater im Himmel für alle ihre Bedürfnisse. Der Heiland fragt uns: „Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie?“ (Matthäus 6,26) Der erhabene Versorger der Menschen und Tiere öffnet seine Hand und erhält alle seine Geschöpfe. Er lässt die Vögel unter dem Himmel nicht unbeachtet; er legt ihnen die Nahrung zwar nicht in ihre Schnäbel, aber er versieht sie mit dem Nötigen. Sie müssen die Körner selbst sammeln, die er für sie ausstreut, sie müssen den Bedarf für ihre Nestlein vorbereiten und die Jungen füttern. Sie gehen mit einem Lobgesang an ihre Arbeit; denn „euer himmlischer Vater nährt sie“. „Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie?“ (Matthäus 6,26) Steht ihr als vernünftige, geistlich gerichtete Anbeter nicht höher im Werte als die Vögel des Himmels? Will nicht der Schöpfer unseres Daseins, der Erhalter unseres Lebens, der uns nach seinem Bilde geschaffen hat, auch für unsere Bedürfnisse sorgen, wenn wir ihm vertrauen?

Christus wies seine Jünger auf die Blumen des Feldes hin, die in reicher Mannigfaltigkeit, in schlichtem Schmuck, den ihnen der himmlische Vater als einen Ausdruck seiner Liebe zu uns Menschen gegeben hat, wachsen und blühen. Er sprach: „Schauet die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen.“ (Matthäus 6,28) Die Schönheit und Einfachheit dieser Blumen übertreffen bei weitem die Pracht Salomos. Das kostbarste Kleid, das menschliche Geschicklichkeit anfertigt, hält keinen Vergleich aus mit der natürlichen Anmut und dem strahlenden Glanz der Blumen, die der Allwaltende erstehen ließ. Jesus fragt: „So denn Gott das Gras auf dem Felde also kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr euch tun, o ihr Kleingläubigen?“ (Matthäus 6,30) Wenn Gott, der Meister der Schöpfung, den einfachen Blumen, die doch in einem Tag verwelken, ihre zarten und mannigfaltigen Farben verleiht, wieviel größere Sorge muss er da um die Menschen tragen, die er nach seinem Bilde geschaffen hat! Diese Lehre Christi ist ein Tadel für all die ängstlichen Gedanken, Sorgen und Zweifel der ungläubigen Herzen. Der Herr möchte gern alle seine Söhne und Töchter glücklich, friedvoll und gehorsam sehen. Denn Jesus sagt: „Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch… Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“ (Johannes 14,27) Und an anderer Stelle: „Solches rede ich zu euch, auf dass meine Freude in euch bleibe und eure Freude vollkommen werde.“ (Johannes 15,11) Ein Glück, das aus selbstsüchtigen Beweggründen erjagt wird und außerhalb des Weges der Pflicht liegt, ist unbeständig, launisch und vergänglich; es schwindet bald und hinterlässt das Gefühl der Einsamkeit und des Grams. Im Dienste Gottes aber sind Freude und volle Genüge. Ein Christ wandelt ja nicht auf ungewissen Pfaden, er ist nicht nutzlosen Kümmernissen und Enttäuschungen unterworfen. Wenn uns die Annehmlichkeiten dieses Lebens versagt sind, so können wir doch desto freudiger auf das Zukünftige harren. Allein schon hier auf Erden darf sich ein Christ der Gemeinschaft mit seinem Erlöser erfreuen; er darf das Licht seiner Liebe erblicken und immerwährend seine tröstende Gegenwart genießen. Jeder Schritt im Leben knüpft das Band mit Jesus enger, gibt uns tiefere Erfahrung mit seiner Liebe und bringt uns der herrlichen Heimat des Friedens näher. Werfen wir daher unser Vertrauen nicht weg, sondern seien wir zuversichtlicher als je zuvor! „Bis hierher hat uns der Herr geholfen“ und er wird uns auch beistehen bis ans Ende. (1.Samuel 7,12)

Lasst uns auf die Gedenksäulen schauen als Beweis dafür, was der Herr getan hat, um uns zu erquicken und aus der Hand des Widersachers zu erretten. Halten wir in frischem Angedenken die vielen Gnadengaben, mit denen Gott uns überhäuft hat, die Tränen, die er getrocknet, die Schmerzen, die er gestillt hat, erinnern wir uns der Schwierigkeiten, die er gelöst, der Furcht, die er verscheucht, der Bedürfnisse, für die er gesorgt, der Segnungen, die er über uns ausgeschüttet hat! Dadurch sammeln wir Stärke für die noch vor uns liegende Pilgrimschaft. Wohl müssen wir mit neuen Verwicklungen in dem bevorstehenden Kampf rechnen, aber wir können sowohl auf das Vergangene als auch auf das Zukünftige blicken und sagen: „Bis hierher hat uns der Herr geholfen.“ (1.Samuel 7,12) Und: „Wie deine Tage sei deine Kraft.“ (5.Mose 33,2) (Parallelbibel). Die uns auferlegten Prüfungen werden unsere Kraft nicht übersteigen. Lasst uns da wirken, wo wir gerade Arbeit finden, und glauben, dass in allen Fällen die Widerstandsfähigkeit der Größe der Versuchung entspricht! Zur gegebenen Zeit werden sich die Pforten des Himmels öffnen und den Kindern Gottes Eintritt gewähren. Dann werden von den Lippen des Königs der Herrlichkeit wie der lieblichste Wohlklang die Worte zu ihren Ohren dringen: „Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!“ (Matthäus 25,34) Dann werden die Erlösten in der Heimat, die Jesus für sie bereitet, bewillkommnet werden. Ihre Gefährten werden dann andere sein als auf der sündigen Erde; sie werden dann nicht mit Lügnern und Götzendienern, mit Unreinen und Ungläubigen verkehren, sondern mit denen Umgang pflegen, die Satan und die Sünde überwunden haben und durch die göttliche Gnade zur Vollkommenheit hindurchgedrungen sind. Jede Neigung zur Sünde, jedwede Unvollkommenheit, die ihnen auf Erden anhaftete, ist durch das Blut Christi weggewaschen, und der Glanz seiner Herrlichkeit, der bei weitem den der Sonne übertrifft, wird ihnen zuteil. Die Schönheit und Vollkommenheit des Wesens Christi, von viel größerem Wert als all der äußere Schimmer, wird aus ihnen leuchten. Ohne Sünde umstehen sie den großen weißen Thron und haben teil an der Hoheit und den Vorrechten der Engel. Im Hinblick auf dieses herrliche Erbteil, das seiner wartet, „was kann der Mensch geben, damit er seine Seele wieder löse?“ (Matthäus 16,26) Mag er auch arm sein, er besitzt einen Reichtum und eine Würde, die die Welt ihm nicht geben kann. Der errettete, von Sünden gereinigte Mensch mit allen seinen edlen Kräften ist im Dienste Gottes von unübertrefflichem Wert. Freude herrscht im Himmel in der Gegenwart Gottes und seiner heiligen Engel über einen einzigen Erlösten, eine Freude, die in Gesängen und lieblichen Jubelliedern ihren Ausdruck findet (Lukas 15,10).

In der Bibel wird das Erbe der Erlösten ein Vaterland genannt. (Hebr. 11, 14-16.) Dort führt der himmlische Hirte seine Herde zu Brunnen lebendigen Wassers. Der Baum des Lebens gibt seine Frucht jeden Monat, und die Blätter des Baumes dienen zur Gesundheit der Völker (Offenbarung 22,1.2). Dort sind ewig fließende Ströme, hell wie Kristall, und an ihren Ufern werfen wehende Bäume ihren Schatten auf die für die Erlösten des Herrn bereiteten Wege. Dort steigen die weit ausgedehnten Ebenen zu Hügeln der Schönheit an, und die Berge Gottes erheben ihre erhabenen Gipfel. Auf diesen friedlichen Ebenen an jenen lebendigen Strömen wird Gottes Volk, so lange Pilger und Wanderer, eine Heimat finden. „Dass mein Volk in friedlichen Auen wohnen wird, in sicheren Wohnungen und in stolzer Ruhe.“ „Man soll nicht mehr von Frevel hören in deinem Lande noch von Schaden oder Verderben in deinen Grenzen, sondern deine Mauern sollen »Heil« und deine Tore »Lob« heißen.“ „Sie werden Häuser bauen und bewohnen, sie werden Weinberge pflanzen und ihre Früchte essen. Sie sollen nicht bauen, was ein anderer bewohne, und nicht pflanzen, was ein anderer esse. … und ihrer Hände Werk werden meine Auserwählten genießen.“ (Jesaja 32,18; 60,18; 65,21.22) „Die Wüste und Einöde wird frohlocken, und die Steppe wird jubeln und wird blühen wie die Lilien.“ „Es sollen Zypressen statt Dornen wachsen und Myrten statt Nesseln.“ (Jesaja 35, 1; 55,13) „Da werden die Wölfe bei den Lämmern wohnen und die Panther bei den Böcken lagern. Ein kleiner Knabe wird Kälber und junge Löwen und Mastvieh miteinander treiben. … Man wird nirgends Sünde tun noch freveln auf meinem ganzen heiligen Berge.“ (Jesaja11,6.9) Schmerzen sind in der himmlischen Umgebung nicht möglich. Dort werden keine Tränen mehr sein, keine Leichenzüge, keine Zeichen der Trauer. „Der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei … denn das Erste ist vergangen.“ (Offenbarung 21,4.11) „Und kein Einwohner wird sagen: »Ich bin schwach«; denn das Volk, das darin wohnt, wird Vergebung der Sünde haben.“ (Jesaja 33,24)
Dort ist das neue Jerusalem, die Hauptstadt der veredelten neuen Erde, „eine schöne Krone in der Hand des Herrn und ein königlicher Reif in der Hand deines Gottes.“ (Jesaja 62, 3) „Ihr Licht war gleich dem alleredelsten Stein, einem Jaspis, klar wie Kristall. … und die Völker werden wandeln in ihrem Licht; und die Könige auf Erden werden ihre Herrlichkeit in sie bringen.“ (Offenbarung 21,11.24) Der Herr sagt: „Ich will fröhlich sein über Jerusalem und mich freuen über mein Volk.“ (Jesaja 65,19.) „Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein.“ (Offenbarung 21,3)