Der Spiritismus

Der Dienst der heiligen Engel, wie ihn das Wort Gottes darstellt, ist für jeden Nachfolger Christi eine höchst trostreiche und köstliche Wahrheit. Aber die biblische Lehre über diesen Gegenstand ist durch die Irrtümer einer volkstümlichen Theologie verdunkelt und verfälscht worden. Die Lehre von einer natürlichen Unsterblichkeit, anfangs der heidnischen Philosophie entlehnt und in der Finsternis des großen Abfalls dem christlichen Glauben einverleibt, hat die in der Heiligen Schrift so deutlich gelehrte Wahrheit, dass die Toten nichts wissen, verdrängt. Tausende sind dahin gekommen zu glauben, dass die „dienstbaren Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die das Heil ererben sollen“, Geister der Toten seien, obwohl die Heilige Schrift das Dasein himmlischer Engel und ihre Verbindung mit der Geschichte des Menschen bezeugt, ehe noch ein menschliches Wesen gestorben war.
Die Lehre von dem Bewusstsein des Menschen im Tode, insbesondere der Glaube, dass die Geister der Verstorbenen zurückkehren, um den Lebenden zu dienen, hat den Weg für den Spiritismus der Neuzeit vorbereitet. Wenn die Toten in die Gegenwart Gottes und der heiligen Engel treten dürfen und mit weit mehr Erkenntnis begünstigt werden, als sie vorher besaßen, warum sollten sie dann nicht auf diese Erde zurückkehren, um die Lebenden zu erleuchten und zu unterweisen? Wenn die Geister der Toten, wie von den volkstümlichen Theologen gelehrt wird, ihre Freunde auf Erden umschweben, warum sollte ihnen dann nicht gestattet sein, mit ihnen zu verkehren, um sie vor der Sünde zu warnen oder sie in ihrem Kummer zu trösten? Wie können Seelen, die glauben, dass der Mensch im Tode bewusst fortlebt, das verwerfen, was verklärte Geister ihnen als göttliches Licht mitteilen? Hier ist ein als heilig betrachtetes Mittel, durch das Satan auf die Erreichung seiner Absichten hinwirkt. Die gefallenen Engel, die seine Befehle ausführen, erscheinen als Boten aus der Geisterwelt. Unter der Vorgabe, die Lebenden mit den Toten zu verbinden, übt der Fürst des Bösen seinen bestrickenden Einfluss aus.

Er hat die Macht, den Menschen die Erscheinung ihrer abgeschiedenen Freunde vorzuführen. Die Nachahmung ist vollkommen; das bekannte Aussehen, die Worte, der Ton werden mit unglaublicher Deutlichkeit wiedergegeben. Viele werden durch die Versicherung getröstet, dass ihre Lieben die Wonne des Himmels genießen, und schenken ohne Argwohn vor Gefahr den „verführerischen Geistern und teuflischen Lehren“ Gehör.
Sind sie alsdann zu dem Glauben verleitet worden, dass die Toten tatsächlich zurückkehren, um mit ihnen zu verkehren, so lässt Satan Menschen erscheinen, die unvorbereitet in das Grab sanken, und diese behaupten, im Himmel glücklich zu sein und dort sogar erhabene Stellungen einzunehmen. Auf diese Weise wird der Irrtum verbreitet, dass zwischen den Gerechten und den Gottlosen kein Unterschied gemacht werde. Die angeblichen Besucher aus der Geisterwelt äußern zuweilen Mahnungen zur Vorsicht und Warnungen, die sich als richtig erweisen. Wenn sie dann das Vertrauen gewonnen haben, bringen sie Lehren vor, die den Glauben an die Heilige Schrift direkt untergraben. Mit dem Anschein großer Anteilnahme für die Wohlfahrt ihrer Freunde auf Erden flößen sie ihnen die gefährlichsten Irrtümer ein. Die Tatsache, dass sie einige Wahrheiten darlegen und zuzeiten imstande sind, zukünftige Ereignisse vorauszusagen, gibt ihren Aussagen einen Anschein der Zuverlässigkeit; und ihre falschen Lehren werden von der Menge so bereitwillig angenommen und so einfältig geglaubt, als seien es die heiligsten Wahrheiten der Bibel. Das Gesetz Gottes wird beiseitegesetzt, der Geist der Gnade verachtet, das Blut des Bundes als etwas Unheiliges betrachtet. Die Geister verleugnen die Gottheit Christi und stellen sich sogar mit dem Schöpfer auf eine Stufe. So führt der große Empörer unter einer neuen Maske seinen Kampf gegen Gott, den er im Himmel begonnen und beinahe 6000 Jahre auf Erden fortgesetzt hat, noch immer weiter.

Viele bemühen sich, die spiritistischen Kundgebungen dadurch zu erklären, dass sie sie gänzlich dem Betrug und den Kunstgriffen des Mediums zuschreiben. Während es zwar wahr ist, dass die Künste der Taschenspielerei oft als echte Offenbarungen ausgegeben wurden, hat man auch außerordentliche Kundgebungen übernatürlicher Kräfte wahrgenommen. Das geheimnisvolle Klopfen, womit der moderne Spiritismus begann, war nicht die Folge menschlicher Kunstgriffe oder Schlauheit, sondern das unmittelbare Werk böser Engel, die auf diese Weise eine der erfolgreichsten seelenverderbenden Täuschungen einführten. Viele werden verstrickt durch den Glauben, dass der Spiritismus eine rein menschliche Betrügerei sei; werden sie aber Kundgebungen gegenübergestellt, die sie nur als übernatürlich betrachten können, dann werden sie verblendet und verführt, sie als die große Macht Gottes anzunehmen.
Diese Leute übersehen das Zeugnis der Heiligen Schrift über die durch Satan und seine Engel gewirkten Wunder. Durch satanische Hilfe wurden Pharaos Zauberer in den Stand gesetzt, das Werk Gottes nachzuahmen. Paulus bezeugt, dass vor der Wiederkunft Christi ähnliche Offenbarungen der satanischen Macht stattfinden werden. Dem Kommen des Herrn muss „Satans Auftreten mit großer Kraft und lügenhaften Zeichen und Wundern und mit jeglicher Verführung zur Ungerechtigkeit“ (2. Thessalonicher 2, 9. 10) vorangehen. Und der Apostel Johannes beschreibt die wunderwirkende Macht, die in den letzten Tagen offenbart werden wird, folgendermaßen: „Und es tut große Zeichen, so daß es auch Feuer vom Himmel auf die Erde fallen lässt vor den Augen der Menschen; und es verführt, die auf Erden wohnen, durch die Zeichen, die zu tun vor den Augen des Tieres ihm Macht gegeben ist.“(Offenbarung 13, 13. 14.) Keine bloßen Betrügereien werden hier vorhergesagt. Die Menschen werden verführt durch die Wunder, die Satans Werkzeuge ausüben können und nicht etwa nur vorgeben auszuüben.
Der Fürst der Finsternis, der so lange die Kräfte seines gewaltigen Geistes dem Werk der Täuschung geweiht hat, passt seine Versuchungen den Menschen aller Klassen und Stände geschickt an. Den Gebildeten stellt er den Spiritismus in seinen verfeinerten und verstandesmäßigen Gesichtspunkten dar, wodurch es ihm gelingt, viele in sein Netz zu ziehen. Die Weisheit, die der Spiritismus mitteilt, ist, wie der Apostel Jakobus sagt, „nicht die Weisheit, die von oben herabkommt; sondern sie ist irdisch, niedrig und teuflisch.“ (Jakobus 3,15.) Dies verbirgt der große Betrüger jedoch, wenn die Verstellung seinem Zweck am besten dient. Er, der in der Wüste der Versuchung vor Christus im Glanz der himmlischen Seraphim erscheinen konnte, kommt zu den Menschen in einer höchst anziehenden Weise als ein Engel des Lichts. Er wendet sich an den Verstand, indem er gewichtige Themen vorbringt; er entzückt die Einbildungskraft durch bestrickende Darstellungen und erwirbt sich die Zuneigung durch beredte Schilderungen von Liebe und Menschenfreundlichkeit. Er reizt die Phantasie zu einem erhabenen Aufschwung und verleitet die Menschen, eine so hohe Meinung von ihrer eigenen Weisheit zu haben, dass sie in ihrem Herzen den Ewigen verachten. Jenes mächtige Wesen, das den Erlöser der Welt auf einen sehr hohen Berg nehmen und ihm alle Reiche der Erde und ihre Herrlichkeit zeigen konnte, wird sich mit seinen Versuchungen den Menschen in einer Weise nahen, dass die Sinne aller verwirrt werden, die nicht unter dem Schutz der göttlichen Macht stehen.

Satan verführt die Menschen heute, wie er Eva in Eden verführte, indem er ihnen schmeichelt, in ihnen ein Verlangen, verbotene Kenntnisse zu erlangen und ein ehrgeiziges Streben nach Selbsterhebung anfacht. Weil er sich diesen bösen Begierden hingab, kam er selbst zu Fall, und nun versucht er, durch sie das Verderben des Menschen zu bewerkstelligen. Ihr „werdet sein wie Gott“, erklärt er, „und wissen, was gut und böse ist.“ (1.Mose 3,5.) Der Spiritismus lehrt, der Mensch sei ein Geschöpf des Fortschritts; seine Bestimmung sei, von Geburt an sich zur Gottheit hinzuentwickeln bis in die Ewigkeit. Und abermals: „Jeder Geist wird sich selbst richten, und nicht ein anderer. … Das Gericht wird ein richtiges sein, denn es ist ein Selbstgericht. … Der Thron ist in dir selbst.“ Ein spiritistischer Lehrer sagte, als das „geistige Bewusstsein“ in ihm erwachte: „Alle meine Mitmenschen, waren nichtgefallene Halbgötter.“ Und ein anderer behauptet: „Jedes gerechte und vollkommene Wesen ist Christus.“

So hat Satan an die Stelle der Gerechtigkeit und Vollkommenheit des ewigen Gottes, dem allein Anbetung gebührt, und an die Stelle der vollkommenen Gerechtigkeit seines Gesetzes, des wahren Maßstabes menschlichen Strebens, die sündhafte, irrende Natur des Menschen selbst gesetzt als den einzigen Gegenstand der Verehrung, die einzige Richtschnur des Gerichts, den einzigen Maßstab des Charakters. Dies ist der Fortschritt, aber nicht aufwärts, sondern abwärts.
Es ist ein Gesetz sowohl der geistigen als auch der geistlichen Natur, dass wir durch Betrachten umgestaltet werden (vgl. 2. Korinther 3, 18.). Das Gemüt passt sich allmählich den Dingen an, bei denen man es verweilen lässt. Es wird dem ähnlich, was zu lieben und zu verehren ihm Gewohnheit geworden ist. Der Mensch wird nie höher kommen als das von ihm vorgesteckte Ziel von Reinheit, Güte oder Wahrheit. Ist das eigene Ich sein höchstes Ideal, so wird er nie etwas Erhabeneres erreichen. Im Gegenteil, er wird beständig tiefer und tiefer sinken. Die Gnade Gottes allein hat die Macht, den Menschen zu erheben. Bleibt er sich selbst überlassen, so muss sein Lauf unvermeidlich abwärts führen.

Den ihren Leidenschaften nachgehenden, vergnügungssüchtigen, sinnlichen Menschen tritt der Spiritismus unter einer weniger feinen Maske entgegen als den Gebildeten und Geistreichen; denn sie finden in seinen gröberen Formen gerade das, was mit ihren Neigungen im Einklang steht. Satan studiert jedes Anzeichen einer Gebrechlichkeit der menschlichen Natur, er merkt sich die Sünden, welche zu begehen jeder einzelne Mensch geneigt ist, und gibt dann acht, dass es nicht an Gelegenheiten fehlt, die Neigung zum Bösen zu befriedigen. Er verleitet die Menschen, das, was an und für sich recht und gut ist, zu übertreiben, so dass sie durch Unmäßigkeit die körperliche, geistige und sittliche Kraft schwächen. Er verdarb und verdirbt Tausende durch die Befriedigung der Leidenschaften, wodurch die ganze Natur des Menschen auf die Stufe des Tieres absinkt. Um sein Werk vollständig zu machen, behauptet er durch die Geister, dass die wahre Erkenntnis den Menschen über alle Gesetze erhaben mache, dass alles, was bestehe, recht sei, dass Gott nicht verdamme und dass alle Sünden, die begangen werden, harmlos seien. Wenn die Leute auf diese Weise zu dem Glauben verleitet werden, dass die Lust das höchste Gesetz sei, dass Freiheit ein vollständiges Ungebundensein bedeute, und dass der Mensch nur sich selbst Rechenschaft zu geben habe, kann man sich dann wundern, dass Verderbtheit und sittliche Verkommenheit sich überall breitmachen? Tausende nehmen begierig die Lehren an, die ihnen die Freiheit gestatten, den Neigungen des fleischlichen Herzens freien Lauf zu geben. Die Zügel der Selbstbeherrschung werden der Lust überlassen, die Kräfte des Geistes und der Seele den tierischen Neigungen unterworfen, und Satan treibt frohlockend Tausende in sein Netz, welche vorgeben, Nachfolger Christi sein zu wollen.

Aber niemand braucht durch die lügenhaften Ansprüche des Spiritismus getäuscht zu werden. Gott hat der Welt hinreichend Licht gegeben, um die Schlinge entdecken zu können. Wie bereits gezeigt wurde, steht die Lehre, die die eigentliche Grundlage des Spiritismus bildet, in direktem Widerspruch zu den deutlichsten Aussagen der Heiligen Schrift. Die Bibel lehrt, dass die Toten nichts wissen, dass ihre Pläne dahin sind, dass sie keinen Teil haben an irgend etwas, das unter der Sonne geschieht, und nichts wissen von den Freuden und Schmerzen derer, die ihnen auf Erden am teuersten waren.
Ferner hat Gott ausdrücklich jeden angeblichen Verkehr mit abgeschiedenen Geistern verboten. Unter den Hebräern gab es Leute, die wie die Spiritisten heutzutage behaupteten, Verkehr mit den Toten zu unterhalten. Aber die „Wahrsagegeister“, wie man diese Besucher aus der andern Welt nannte, werden von der Bibel als „Geister der Teufel“ bezeichnet. (Vergl. 4. Mose 25, 1-3; Psalm 106, 28; 1. Korinther 10, 20; Offenbarung 16, 14.) Mit Wahrsagegeistern zu verkehren, wurde vom Herrn als ein Greuel erklärt und unter Todesstrafe feierlich verboten. (3. Mose 19, 31; 20, 27.) Schon der Name „Zauberei“ wird jetzt verachtet. Die Behauptung, dass Menschen mit bösen Geistern in Verbindung stehen können, wird als eine Fabel des dunklen Mittelalters betrachtet. Der Spiritismus aber, der seine Anhänger nach Hunderttausenden, ja nach Millionen zählt, der sich seinen Weg in wissenschaftliche Kreise gebahnt, sich in Kirchen gedrängt hat, dem in gesetzgebenden Körperschaften, ja sogar an den Höfen der Könige günstiger Empfang widerfuhr – diese Riesentäuschung ist nur eine Wiederbelebung der vor alters verdammten und verbotenen Zauberei in einem neuen Gewand.
Selbst wenn es kein anderes Kennzeichen des wahren Charakters des Spiritismus gäbe, sollte es für den Christen genug sein, dass die Geister keinen Unterschied zwischen Gerechtigkeit und Sünde, zwischen den edelsten und reinsten Aposteln Christi und den verkommensten Dienern Satans machen. Dadurch dass Satan die schlechtesten Menschen in den Himmel versetzt und als dort hoch erhaben darstellt, erklärt er der Welt: Gleichviel wie gottlos ihr auch seid; ob ihr Gott und der Bibel glaubt oder nicht – lebt, wie es euch gefällt; der Himmel ist eure Heimat. Die spiritistischen Lehrer behaupten tatsächlich: „Wer Böses tut, der gefällt dem Herrn, und an solchen hat er Freude“, oder: „Wo ist der Gott, der da straft?“ (Maleachi 2, 17.) Gottes Wort aber sagt: „Weh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen!“ (Jesaja 5, 20.)

Diese Lügengeister stellen die Apostel so hin, dass sie dem widersprechen, was sie unter Eingebung des Heiligen Geistes schrieben, als sie noch auf Erden waren. Sie verleugnen den göttlichen Ursprung der Bibel und reißen dadurch die Grundlage der Hoffnung des Christen hinweg und löschen das Licht aus, das den Weg zum Himmel offenbart. Satan stellt der Welt vor, dass die Bibel nur eine Erdichtung oder wenigstens ein nur für unsere Vorahnen passendes Buch sei, das jetzt geringgeschätzt oder als veraltet beiseite geworfen werden sollte. Und als Ersatz für das Wort Gottes weist er auf spiritistische Offenbarungen hin. Hier ist ein Weg, der völlig unter seiner Herrschaft steht; durch dies Mittel kann er die Welt glauben machen, was er will. Das Buch, das ihn und seine Nachfolger richten wird, stellt er in den Schatten, gerade wo er es haben will; den Heiland der Welt würdigt er zu einem gewöhnlichen Menschen herab. Und wie die römischen Soldaten, die das Grab Jesu bewachten, das lügenhafte Gerücht verbreiteten, das die Priester und Ältesten ihnen in den Mund legten, um Christi Auferstehung zu widerlegen, so versuchen die Anhänger spiritistischer Offenbarungen den Schein zu erwecken, dass in dem Leben unseres Heilandes nichts Wunderbares sei. Nachdem sie auf diese Weise versucht haben, Jesus in den Hintergrund zu stellen, richten sie die Aufmerksamkeit auf ihre eigenen Wunder und erklären, dass diese die Werke Christi bei weitem übertreffen.
Jedoch verändert der Spiritismus jetzt seine Form und hängt sich, einige seiner verwerflicheren Züge verbergend, ein christliches Mäntelchen um. Aber seine Aussprüche von der Rednerbühne herab und durch die Presse sind dem Volk schon viele Jahre bekannt, und in ihnen offenbart sich sein wirklicher Charakter. Diese Lehren können weder verleugnet noch verborgen werden.
Selbst in der gegenwärtigen Form ist die Täuschung weit davon entfernt, der Duldung würdiger zu sein als früher; in Wirklichkeit ist sie gefährlicher, weil sie weit verfänglicher ist. Während sie früher Christus und die Bibel verwarf, gibt sie nun vor, beide anzunehmen. Doch wird die Bibel in einer Weise ausgelegt, die dem nicht erneuerten Herzen gefällt, während ihre feierlichsten und wichtigsten Wahrheiten als wertlos hingestellt werden. Man spricht von der Liebe als der Haupteigenschaft Gottes, erniedrigt sie aber zu einer schwachen Gefühlsseligkeit, die wenig Unterschied zwischen dem Guten und dem Bösen macht. Gottes Gerechtigkeit, seine Verdammung der Sünde, die Forderungen seines heiligen Gesetzes werden nicht beachtet. Das Volk wird gelehrt, die Zehn Gebote als einen toten Buchstaben zu betrachten. Angenehme, bezaubernde Fabeln nehmen die Sinne gefangen und veranlassen die Menschen, die Bibel als Grundlage ihres Glaubens zu verwerfen. Christus wird ebenso verleugnet wie ehemals; aber Satan hat die Augen der Leute so verblendet, dass die Täuschung nicht wahrgenommen wird.

Es gibt nur wenige, die eine richtige Vorstellung haben von der täuschenden Macht des Spiritismus und der Gefahr, unter seinen Einfluss zu kommen. Viele beschäftigen sich damit, nur um ihre Neugierde zu befriedigen. Sie glauben nicht wirklich daran und würden zurückschrecken vor dem Gedanken, sich unter die Herrschaft der Geister zu stellen. Aber sie wagen sich auf verbotenes Gebiet, und der gewaltige Verderber übt gegen ihren Willen seine Macht auf sie aus. Können sie einmal bewogen werden, sich von ihm leiten zu lassen, so hält er sie gefangen. Es ist ihnen unmöglich, aus eigener Macht sich von diesem bezaubernden, verlockenden Bann loszureißen. Nichts außer der Macht Gottes, die in Erhörung eines ernsten, im Glauben verrichteten Gebetes gewährt wird, kann diese verstrickten Seelen befreien.
Alle, die sündhaften Neigungen nachgeben oder vorsätzlich eine bewusste Sünde pflegen, laden dadurch die Versuchungen Satans ein. Sie trennen sich von Gott und von der Fürsorge seiner Engel; und wenn der Böse dann mit seinen Täuschungen an sie herantritt, sind sie schutzlos und fallen ihm leicht zur Beute. Die sich auf diese Weise in seine Macht begeben, ahnen nicht, wo ihr Leben enden wird. Nachdem der Versucher ihren Sturz zustande gebracht hat, wird er sich ihrer als Werkzeuge bedienen, um andere ins Verderben zu locken.
Der Prophet Jesaja sagt: „Wenn sie aber zu euch sagen: Ihr müsst die Totengeister und Beschwörer befragen, die da flüstern und murmeln, so sprecht: Soll nicht ein Volk seinen Gott befragen? Oder soll man für Lebendige die Toten befragen? Hin zum Gesetz und hin zum Zeugnis! Werden sie das nicht sagen, so wird ihnen kein Morgenrot scheinen.“ (Jesaja 8, 19. 20.) Hätten die Menschen die in der Heiligen Schrift so deutlich dargelegte Wahrheit über die Natur des Menschen und des Zustandes der Toten angenommen, so würden sie in den Behauptungen und Kundgebungen des Spiritismus Satans Wirken mit Macht und Zeichen und betrügerischen Wundern erblicken. Aber anstatt die dem fleischlichen Herzen so angenehme Freiheit aufzugeben und sich von den liebgewordenen Sünden loszureißen, verschließen viele dem Licht die Augen und wandeln unbekümmert aller Warnungen weiter, während Satan seine Schlingen um sie zuzieht und sie ihm zur Beute fallen. „Weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben, dass sie gerettet würden, darum sendet ihnen Gott die Macht der Verführung, so dass sie der Lüge glauben.“ (2. Thessalonicher 2, 10. 11.)
Die sich den Lehren des Spiritismus widersetzen, greifen nicht nur Menschen, sondern auch den Teufel und seine Engel an. Sie haben den Kampf aufgenommen mit Fürsten und Gewaltigen und mit den bösen Geistern unter dem Himmel. Satan wird auch nicht einen Zollbreit von seinem Bereich preisgeben, es sei denn, dass er durch die Macht himmlischer Boten zurückgetrieben wird. Gottes Volk sollte imstande sein, ihm wie unser Heiland mit den Worten zu begegnen: „Es steht geschrieben.“ Wie in den Tagen Christi führt Satan auch heute noch Schriftstellen an und verdreht ihre Lehren, um seine Täuschungen zu unterstützen. Wer in dieser Zeit der Gefahr standhalten möchte, muss das Zeugnis der Heiligen Schrift verstehen.
Viele werden Geistern der Teufel gegenübergestellt werden, die in Gestalt geliebter Verwandter oder Freunde erscheinen und die gefährlichsten Irrlehren verkünden. Diese Besucher werden unsere zärtlichsten Gefühle anregen und Wunder wirken, um ihren Behauptungen Nachdruck zu geben. Wir müssen bereit sein, ihnen mit der Bibelwahrheit entgegenzutreten, dass die Toten nichts wissen und dass alle, die auf diese Weise erscheinen, Geister der Teufel sind.
Unmittelbar vor uns steht die „Stunde der Versuchung, die kommen wird über den ganzen Weltkreis, zu versuchen, die auf Erden wohnen.“ (Offenbarung 3, 10) Alle, deren Glauben nicht fest auf das Wort Gottes gegründet ist, werden hintergangen und überwunden werden. Satan wirkt „mit allerlei Verführung zur Ungerechtigkeit“, um die Menschenkinder unter seine Kontrolle zu bringen; und seine Täuschungen werden sich beständig mehren.

Er kann jedoch seinen Zweck nur dann erreichen, wenn die Menschen freiwillig auf seine Versuchungen eingehen. Wer ernstlich nach der Erkenntnis der Wahrheit sucht und bestrebt ist, seine Seele durch Gehorsam zu läutern (1. Petrus 1, 22.), und auf diese Weise alles tut, was in seinen Kräften steht, um sich auf den Kampf vorzubereiten, der wird in dem Gott der Wahrheit eine sichere Schutzwehr finden. „Weil du mein Wort von der Geduld bewahrt hast, will ich auch dich bewahren“(Offenbarung 3, 10), lautet die Verheißung des Heilandes. Er würde eher jeden Engel des Himmels senden, um sein Volk zu beschützen, als eine Seele, die ihm vertraut, preiszugeben, um von Satan überwunden zu werden.
Der Prophet Jesaja weist auf die furchtbare Täuschung hin, die über die Gottlosen kommen wird, so dass sie sich vor den Gerichten Gottes sicher fühlen: „Wir haben mit dem Tod einen Bund geschlossen und mit dem Totenreich einen Vertrag gemacht. Wenn die brausende Flut daherfährt, wird sie uns nicht treffen; denn wir haben Lüge zu unserem Schutz gemacht.“ (Jesaja 28, 15.) Zu der hier beschriebenen Menschenklasse gehören die, die in hartnäckiger Unbußfertigkeit sich mit der Versicherung trösten, dass es keine Strafe für den Sünder geben wird, dass alle Menschen, wie verderbt sie auch sein mögen, in den Himmel erhoben werden sollen, um den Engeln Gottes gleich zu werden. Noch weit mehr aber machen diejenigen mit dem Tode einen Bund und mit der Hölle einen Vertrag, die die Wahrheiten, die der Himmel zur Schutzwehr für die Gerechten in den Tagen der Trübsal vorgesehen hat, verwerfen und zu den von Satan angebotenen Lügen – den betrügerischen Vorspiegelungen des Spiritismus – ihre Zuflucht nehmen.

Über alle Maßen erstaunlich ist die Blindheit des gegenwärtigen Menschengeschlechts. Tausende verwerfen das Wort Gottes als unglaubwürdig und nehmen mit eifrigem Vertrauen die Täuschungen Satans an. Zweifler und Spötter verhöhnen den blinden Eifer derer, die für den Glauben der Propheten und Apostel kämpfen, und belustigen sich damit, die feierlichen Erklärungen der Heiligen Schrift über Christus, den Erlösungsplan und die Wiedervergeltung, die alle Verwerfer der Wahrheit heimsuchen soll, ins Lächerliche zu ziehen. Sie heucheln, großes Mitleid mit denen zu haben, die so beschränkt, schwach und abergläubisch sind, Gottes Ansprüche anzuerkennen und den Anforderungen seines Gesetzes zu gehorchen. Sie legen eine solche Gewissheit an den Tag, als ob sie in der Tat einen Bund mit dem Tode und einen Vertrag mit der Hölle gemacht hätten – ja als ob sie eine unübersteigbare, undurchdringliche Scheidewand zwischen sich und der Rache Gottes aufgerichtet hätten. Nichts kann ihre Furcht erwecken. So völlig haben sie sich dem Versucher hingegeben, so innig sind sie mit ihm verbunden, so gründlich von seinem Geist erfüllt, dass sie weder die Kraft noch die Neigung haben, sich aus seinen Schlingen loszureißen.

Lange hat Satan sich auf seine letzte Anstrengung, die Welt zu täuschen, vorbereitet. Die Grundlage zu seinem Werk wurde bereits durch die der Eva im Paradiese gegebene Versicherung gelegt: „Ihr werdet keineswegs des Todes sterben. … An dem Tag, da ihr davon esset, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.“ (1. Mose 3, 4. 5.) Nach und nach hat er die Vorbereitungen für sein Meisterstück des Betrugs in der Entwicklung des Spiritismus getroffen. Er hat seine Absichten noch nicht völlig ausgeführt, wird aber in der allerletzten Zeit sein Ziel erreichen. Der Prophet sagt: „Und ich sah … drei unreine Geister kommen, gleich Fröschen; es sind Geister von Teufeln, die tun Zeichen und gehen aus zu den Königen der ganzen Welt, sie zu versammeln zum Kampf am großen Tag Gottes, des Allmächtigen.“ (Offenbarung 16, 13. 14.) Mit Ausnahme derer, die durch die Macht Gottes im Glauben an sein Wort bewahrt bleiben, wird die ganze Welt in die Arme dieses Blendwerkes getrieben werden. Ohne Verzug werden die Menschen in eine gefährliche Sicherheit gewiegt und werden erst durch die Ausgießung des Zornes Gottes aufgeweckt. Gott der Herr sagt: „Und ich will das Recht zur Richtschnur und die Gerechtigkeit zur Waage machen. So wird Hagel die falsche Zuflucht zerschlagen, und Wasser sollen den Schutz wegschwemmen, dass hinfalle euer Bund mit dem Tode und euer Vertrag mit dem Totenreich nicht bestehen bleibe. Wenn die Flut daherfährt wird sie euch zermalmen.“ (Jesaja 28, 17. 18.)