Zeichen des Endes 1/2

In der Weissagung über die erste Engelsbotschaft in Offenbarung 14 wird unter der Verkündigung der baldigen Ankunft Christi (Offenbarung 14,14-16) eine große religiöse Erweckung vorhergesagt. Johannes sieht einen Engel fliegen „mitten durch den Himmel, der hatte ein ewiges Evangelium zu verkündigen denen, die auf Erden wohnen, und allen Nationen und Stämmen und Sprachen und Völkern.“ „Mit großer Stimme“ verkündigte er die Botschaft: „Fürchtet Gott und gebt ihm die Ehre; denn die Stunde seines Gerichts ist gekommen! Und betet an den, der gemacht hat Himmel und Erde und Meer und die Wasserquellen.“ (Offenbarung 14, 6.7) Die Tatsache, dass ein Engel als der Bote dieser Warnung bezeichnet wird, ist bedeutungsvoll. Es hat der göttlichen Weisheit gefallen, durch die Reinheit, die Herrlichkeit und die Macht des himmlischen Boten die Erhabenheit des durch die Botschaft zu verrichtenden Werkes und die Macht und Herrlichkeit, welche sie begleiten sollten, darzustellen. Und das Fliegen des Engels „mitten durch den Himmel“, die „große Stimme“, mit der die Botschaft verkündigt wird, und ihre Verbreitung unter allen, „die auf Erden wohnen“, „allen Nationen und Geschlechtern und Sprachen und Völkern“ – bekunden die Schnelligkeit und die weltweite Ausdehnung der Bewegung.

Das Kommen des Herrn war zu jeder Zeit die Hoffnung seiner wahren Nachfolger. Die Abschiedsverheißung des Heilandes auf dem Ölberg, dass er wiederkommen werde, erhellte den Jüngern die Zukunft und erfüllte ihre Herzen mit einer Freude und Hoffnung, die weder Sorgen dämpfen noch Prüfungen schwächen konnten. Inmitten von Leiden und Verfolgungen war „die Erscheinung des großen Gottes und unseres Heilandes, Jesus Christus,“ „die selige Hoffnung.“ (Titus 2,13) Als die Christen zu Thessalonich bei der Bestattung ihrer Lieben, die gehofft hatten, das Kommen des Herrn zu sehen, von Leid erfüllt waren , verwies Paulus, ihr Lehrer, sie auf die Auferstehung, die bei der Wiederkunft Christi stattfinden wird. Dann sollten die Toten in Christus auferstehen und zusammen mit den Lebenden dem Herrn entgegengerückt werden. „und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit. So tröstet euch mit diesen Worten untereinander.“ (1. Thesalonicher 4,17.18) 
Auf dem felsigen Patmos hörte der geliebte Jünger Johannes die Verheißung: „Siehe, ich komme bald!“ und seine sehnsuchtsvolle Antwort ertönt in dem Gebet der Gemeinde auf ihrer ganzen Pilgerreise: „Ja komm, Herr Jesu!“ (Offenbarung 22,7.20)

Aus dem Kerker, vom Scheiterhaufen und dem Schafott, wo die Heiligen und Märtyrer für die Wahrheit Zeugnis ablegten, vernimmt man durch alle Jahrhunderte hindurch die Äußerungen ihres Glaubens und ihrer Hoffnung. Von der persönlichen Auferstehung Christi und damit auch von ihrer eigenen zur Zeit seines Kommens überzeugt, verachteten diese Christen den Tod und fürchteten sich nicht. Sie waren bereit, in das Grab hinabzusteigen, damit sie frei auferstehen möchten. Sie sahen „dem Erscheinen des Herrn in den Wolken in der Herrlichkeit des Vaters entgegen, den Gerechten die Zeiten des Himmelreiches zu bringen.“ Die Waldenser hegten den gleichen Glauben. Wiklif sah der Erscheinung des Heilandes als der Hoffnung der Kirche entgegen. Luther erklärte: „Ich sage mir wahrlich, der Tag des Gerichtes könne keine volle dreihundert Jahre mehr ausbleiben. Gott will und kann diese gottlose Welt nicht länger dulden. Der große Tag naht, an welchem das Reich der Greuel gestürzt werden wird.“ (Taylor, Stimme der Kirche, S. 129 ff.) „Diese alte Welt ist nicht fern von ihrem Ende“ sagte Melanchthon. Calvin forderte die Christen auf, nicht unschlüssig zu sein und „brennend nach der Ankunft des Tages des Herrn zu verlangen, als von allen Tagen der heilsamste“; und er erklärte, dass die ganze Familie der Getreuen diesen Tag vor Augen haben wird und sagt: „Wir müssen nach Christus hungern, ihn suchen, erforschen, bis zum Anbrechen jenes großen Tages, an dem unser Herr die Herrlichkeit seines Reiches völlig offenbaren wird.“ (Ebd., S. 158. 134)
„Ist nicht unser Herr Jesus in unserm Fleische in den Himmel gefahren?“ fragte Knox, der schottische Reformator, „und wird er nicht wiederkommen? Wir wissen, daß er wiederkommen wird, und das in Kürze“. Ridley und Latimer, die beide ihr Leben für die Wahrheit ließen, sahen im Glauben der Wiederkunft des Herrn entgegen. Ridley schrieb: „Die Welt geht unzweifelhaft – dies glaube ich, und deshalb sage ich es – dem Ende entgegen. Lasset uns mit Johannes, dem Knecht Christi, rufen: Komme bald, Herr Jesu!“ (Ebd., S. 151.145)

Baxter sagt: „Der Gedanke an das Kommen des Herrn ist mir überaus köstlich und freudenvoll. Seine Erscheinung liebzuhaben und der seligen Hoffnung entgegenzusehen, ist das Werk des Glaubens und kennzeichnet seine Heiligen… Wenn der Tod der letzte Feind ist, der bei der Auferstehung zerstört werden soll, so können wir begreifen, wie ernstlich Gläubige nach der zweiten Ankunft Christi verlangen und dafür beten sollten, wenn dieser völlige und schließliche Sieg errungen werden wird“. (Baxters Werke, Bd. 17, S. 555) „Dies ist der Tag, auf den alle Gläubigen als auf die Verwirklichung des ganzen Werkes ihrer Erlösung und die Erfüllung aller ihrer Wünsche und Bestrebungen harren, hoffen und warten sollten. … Beschleunige, o Herr, diesen segenbringenden Tag.“ (Ebd., S. 182. 183) Das war die Hoffnung der apostolischen Kirche, der „Gemeinde der Wüste“ und der Reformatoren.

Die Weissagung sagt nicht nur das „Wie“ und das „Warum“ der Wiederkunft Christi voraus, sondern gibt auch Zeichen an, die uns erkennen lassen, wann sie nahe ist. Jesus sagte: „Es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen.“ „Aber zu jener Zeit, nach dieser Bedrängnis, wird die Sonne sich verfinstern und der Mond seinen Schein verlieren, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. Und dann werden sie sehen den Menschensohn kommen in den Wolken mit großer Kraft und Herrlichkeit.“ (Lukas 21,25; Markus 13,24-26) Johannes schildert in der Offenbarung das erste der Zeichen, die der Wiederkunft Christi vorausgehen, wie folgt: „Und ich sah: als es das sechste Siegel auftat, da geschah ein großes Erdbeben, und die Sonne wurde finster wie ein schwarzer Sack, und der ganze Mond wurde wie Blut, „ (Offenbarung 6,12)
Diese Zeichen wurden vor dem Anfang des 19. Jahrhunderts wahrgenommen. In Erfüllung dieser Weissagung fand im Jahre 1755 das allerschrecklichste Erdbeben statt, das je berichtet worden ist. Obgleich allgemein bekannt als das Erdbeben von Lissabon, dehnte es sich doch über den größeren Teil von Europa, Afrika und Amerika aus. Es wurde in Grönland, in West–Indien und auf der Insel Madeira, in Schweden und Norwegen, Großbritannien und Irland verspürt. Es erstreckte sich über einen Flächenraum von nicht weniger als 10.360.000 km². In Afrika war die Erschütterung beinahe ebenso heftig wie in Europa. Ein großer Teil von Algerien wurde zerstört, und in nur geringer Entfernung von Marokko wurde ein Dorf mit 8.000 bis 10.000 Einwohnern verschlungen. Eine ungeheure Woge, die Städte fortriss und große Zerstörung verursachte, fegte über die Küsten von Spanien und Afrika. In Spanien und Portugal zeigten sich die Erdstöße mit äußerster Heftigkeit. In Cadiz soll die hereinstürzende Woge 18 m hoch gewesen sein. „Etliche der größten Berge in Portugal wurden heftig, gewissermaßen vom Grunde aus, erschüttert. Die Gipfel einiger Berge öffneten sich und wurden auf erstaunliche Weise gespalten und zerrissen, wobei ungeheure Massen in die umliegenden Täler geschleudert wurden. Man erzählt, dass diesen Bergen Flammen entstiegen.“ (Lyell, Grundrisse der Geologie, S. 495)

In Lissabon „wurde ein unterirdischer Donner vernommen, und unmittelbar darauf stürzte durch einen heftigen Stoß der größere Teil der Stadt ein. Im Laufe von etwa sechs Minuten kamen 60.000 Menschen um. Das Meer zog sich erst zurück und gab die Sandbank frei, dann flutete es herein und erhob sich mehr als 15 m über seine normale Höhe.“ „Unter anderen außerordentlichen Ereignissen, die sich während der Katastrophe in Lissabon zutrugen, war das Versinken des neuen Kais, der mit einem ungeheuren Kostenaufwand ganz aus Marmor hergestellt worden war. Eine große Menschenmenge hatte sich hier sicherheitshalber, als an einem Ort, wo sie außerhalb des Bereiches der fallenden Trümmer sein könnte, gesammelt; doch plötzlich versank der Kai mit der ganzen Menschenmenge, und nicht einer der Leichname kam je wieder an die Oberfläche.“ (Ebd.) „Dem Stoß“ des Erdbebens „folgte unmittelbar der Einsturz sämtlicher Kirchen und Klöster, fast aller großen und öffentlichen Bauten und mehr als eines Viertels der Häuser. Ungefähr zwei Stunden nach dem Stoß brach in den verschiedenen Stadtvierteln Feuer aus und wütete beinahe drei Tage lang mit solcher Gewalt, daß die Stadt völlig verwüstet wurde.

Das Erdbeben trug sich an einem Feiertag zu, als die Kirchen und Klöster voll von Menschen waren, von denen nur sehr wenige entkamen.“ (Encyclopedia Americana, 1831, Art. Lisbon.) „Der Schrecken des Volks überstieg alle Beschreibung. Niemand weinte; das Unglück war zu groß. Die Menschen liefen hin und her, wahnsinnig vor Schrecken und Entsetzen, schlugen sich in das Angesicht und an die Brust und riefen: ‚Erbarmen! Die Welt geht unter!‘ Mütter vergaßen ihre Kinder und rannten mit Kruzifixen umher. Unglücklicherweise liefen viele in die Kirchen, um Schutz zu suchen; aber vergebens wurde ununterbrochen die Messe gelesen und die Hostie enthüllt; umsonst klammerten sich die armen Geschöpfe an die Altäre; Kruzifixe, Priester und Volk wurden alle miteinander in dem gemeinsamen Untergang verschlungen.“ Man hat geschätzt, dass 90.000 Menschenleben an jenem verhängnisvollen Tage umkamen.

Fünfundzwanzig Jahre später (1780) erschien das nächste in der Weissagung erwähnte Zeichen — die Verfinsterung der Sonne und des Mondes. Nach dieser Verfolgung sollte nach den Worten Christi die Sonne verdunkelt werden. Am 19. Mai 1780 ging diese Weissagung in Erfüllung. „Als die geheimnisvollste und bis dahin unerklärbare, wenn nicht gänzlich ohne Beispiel dastehende Naturerscheinung dieser Art steht der finstere Tag vom 19. Mai 1780 eine höchst sonderbare Verfinsterung des ganzen sichtbaren Himmels und der Atmosphäre Neuenglands.“ (Devens, Unser erstes Jahrh., S. 89) Ein in Massachussetts lebender Augenzeuge beschreibt das Ereignis folgendermaßen: „Am Morgen ging die Sonne klar auf, bald aber bezog sich der Himmel. Die Wolken senkten sich immer mehr, und indem sie dunkler und unheildrohender wurden, zuckten die Blitze, und der Donner grollte, und etwas Regen fiel. Gegen neun Uhr lichteten sich die Wolken und nahmen ein messing– oder kupferfarbenes Aussehen an, so daß Erde, Felsen, Bäume, Gebäude, das Wasser und die Menschen ganz verändert in diesem seltsamen, unheimlichen Licht erschienen. In wenigen Minuten breitete sich eine schwere, schwarze Wolke über das ganze Himmelsgewölbe mit Ausnahme eines schmalen Streifens am Horizont aus, und es war so dunkel, wie es gewöhnlich im Sommer um neun Uhr abends ist …

Furcht, Angst und heilige Scheu bemächtigten sich der Menschen. Frauen standen vor den Türen und schauten in die dunkle Landschaft, die Männer kehrten von ihrer Feldarbeit zurück, der Zimmermann verließ sein Werkzeug, der Schmied seine Werkstatt, der Kaufmann den Laden. Die Schulen wurden geschlossen, und die zitternden Kinder rannten heim. Reisende nahmen Unterkunft in den nächsten Landhäusern. ‚Was soll das werden?‘ fragten bebende Lippen und Herzen. Es schien, als ob ein großer Sturm über das Land hereinbrechen wollte, oder als ob das Ende aller Dinge gekommen sei. Lichter wurden angezündet, und das Feuer im offenen Kamin schien so hell wie an einem Herbstabend ohne Mondlicht. … Die Hühner erklommen ihre Ruhestangen und schliefen ein, das Vieh ging an die Weidepforten und brüllte, Frösche quakten, Vögel sangen ihr Abendlied, und die Fledermäuse begannen ihren nächtlichen Flug. Aber die Menschen wußten, daß die Nacht nicht hereingebrochen war. …

Dr. Nathanael Whittaker, Prediger der Tabernakelkirche in Salem, hielt Gottesdienst im Versammlungssaal und behauptete in seiner Predigt, daß die Dunkelheit übernatürlich sei. An vielen Orten wurden Versammlungen abgehalten, und die Bibeltexte für die unvorbereiteten Predigten waren ausschließlich solche, die andeuteten, daß die Finsternis in Übereinstimmung mit der biblischen Weissagung war. … Etwas nach elf Uhr war die Dunkelheit am stärksten.“ (Essex Antiquarian, Salem, Mass., April 1899.)

„An den meisten Orten war die Finsternis so dicht, daß man weder nach der Uhr sehen noch die häuslichen Arbeiten ohne Kerzenlicht verrichten konnte. … Die Finsternis dehnte sich außergewöhnlich weit aus. Nach Osten erstreckte sie sich bis Falmouth, nach Westen erreichte sie den äußersten Teil von Connecticut und Albany, nach Süden wurde sie an der ganzen Meeresküste entlang bemerkt, und nach Norden reichte sie so weit wie die amerikanischen Niederlassungen sich ausdehnten.“ (Gordon, Gesch. d. Ver. St., 3. Bd., S. 57.) Der tiefen Finsternis dieses Tages folgte eine oder zwei Stunden vor Sonnenuntergang ein teilweise klarer Himmel; die Sonne brach wieder hervor, obgleich noch immer verschleiert durch den schwarzen, schweren Nebel. „Nach Sonnenuntergang stiegen die Wolken wieder höher und es wurde sehr schnell dunkel.“ „Die Dunkelheit der Nacht war ebenso ungewöhnlich und erschreckend wie die des Tages, denn obgleich es fast Vollmond war, ließ sich doch kein Gegenstand ohne künstliches Licht unterscheiden, und dieses nahm sich von den Nachbarhäusern und andern Orten aus, als ob es durch eine ägyptische Finsternis dringe, die für die Strahlen nahezu undurchdringlich war.“ (Massachussetts Spy, 25. Mai 1780)

Ein Augenzeuge dieses Ereignisses sagte: „Ich konnte mich des Gedankens nicht erwehren, daß, wenn alle leuchtenden Himmelskörper in solch undurchdringliche Finsternis gehüllt oder gänzlich aus dem Dasein entschwunden wären, die Finsternis nicht vollständiger sein könnte.“ (Samml. d. Geschichtl. Ges. in Mass., 1. Serie, 1. Bd., S. 97) Obgleich um neun Uhr abends der Mond voll aufging, „vermochte er nicht im geringsten den todesähnlichen Schatten zu zerteilen.“

Nach Mitternacht verschwand die Finsternis, und als der Mond sichtbar wurde, sah er zuerst aus wie Blut. Der 19. Mai 1780 steht in der Geschichte verzeichnet als „der finstere Tag.“ Seit Moses Zeit ist keine Finsternis von gleicher Dichtigkeit, Ausdehnung und Dauer je berichtet worden. Die Beschreibung dieses Ereignisses, wie sie von Augenzeugen gegeben wurde, ist nur ein Widerhall der Worte des Herrn, wie sie der Prophet Joel 2500 Jahre vor ihrer Erfüllung kundtat: „Die Sonne soll in Finsternis und der Mond in Blut verwandelt werden, ehe der große und schreckliche Tag des Herrn kommt.“ (Joel 3,4)