Markus 7,18.19

Markus 7,18.19

„Und er sprach zu ihnen: Seid denn auch ihr so unverständig? Versteht ihr nicht, dass alles, was von außen in den Menschen hineingeht, ihn nicht unrein machen kann? Denn es geht nicht in sein Herz, sondern in den Bauch und kommt heraus in die Grube. Damit erklärte er alle Speisen für rein.“

Der Kommentar von Markus „Damit erklärte er alle Speisen für rein“ scheint nach Ansicht einiger Bibelleser zu beweisen, dass es keinen Unterschied zwischen reinen und unreinen Tieren bei Christus gab, obwohl diese Unterscheidung vom 1. Buch Mose an eindeutig und beständig aufgezeigt wird. Wenn Christus angeblich alle Tiere für rein erklärte, warum lesen wir nirgends, dass er oder die Apostel jemals unreine Tiere zu sich nahmen? Die Erklärung liegt in der Tatsache, dass Christus hier erstens nicht von unreinen Tieren sondern von „Speisen“ sprach – unreine Tiere galten nirgends in der gesamten Bibel als „Speise“. Es ist zu beachten, dass das griechische Wort „bromata“, einfach „das, was gegessen wird“, „Nahrung“, bedeutet und alle Arten von Nahrung einschließt, die Gott für den Menschen vorgesehen hat; es bezeichnet niemals das Fleisch von Tieren im Unterschied zu anderen Nahrungsmitteln. Daraus zu schließen, dass Christus hier die Unterscheidung zwischen reinem und unreinem Fleisch aufhebt (siehe 3. Mose 11), würde die Bedeutung des Griechischen völlig ignorieren.

Zweitens wird aus dem Kontext ersichtlich, dass Jesus in diesem Abschnitt auf den Vorwurf der zeremoniellen Verunreinigung durch das Essen von Speisen ohne vorgeschriebene zeremonielle Waschungen antwortete. Christus sprach dem Kontext nach nicht über unreine Tiere, die man bedenkenlos essen könne, sondern entgegnete den Pharisäern, dass die Aufnahme von Speisen ohne vorherige zeremonielle Waschungen den Menschen nicht verunreinige. Zeremoniell unreine Speisen gelangten in den Magen, und es gab kein Mittel, mit dem die zeremonielle Unreinheit, die ihnen laut rabbinischer Tradition anhaften sollte, in die Struktur des Körpers aufgenommen werden konnte. Die King James Version übersetzt diesen Text: „Denn es geht nicht in sein Herz, sondern in den Bauch, und geht in den Abfluss [Gr. aphedrōn, „ein Abort“ oder „eine Toilette“], alle Speisen reinigend.“

alle Speisen reinigend“ bzw. „Damit erklärte er alle Speisen für rein.“ Das Griechische macht deutlich, dass dies nicht die Worte Christi sind, sondern vielmehr die von Markus, und dass sie seinen Kommentar zu Christi Bedeutung darstellen. Dementsprechend ist es notwendig, diesen Ausdruck im Zusammenhang mit den Worten „er sprach zu ihnen“ in Markus 7,18 zu verstehen. So würde der letzte Teil von V. 19 lauten: „[das sprach er zu ihnen], dass er alle Speisen rein macht“, oder „damit erklärte er alle Speisen für rein“ (RSV), d. h. unabhängig davon, ob der Esser die vorgeschriebene rituelle Waschung vorgenommen hatte oder nicht. Genau darum ging es (siehe V. 2). Es geht im Kontext (Verse 1-14, 20-23) nicht um biologische Unreinheit, sondern um Unreinheit, die durch das Unterlassen der rituellen Waschung entstanden sein soll (siehe V. 15). Die Art der Nahrung, die die Jünger aßen (V. 2, 5), wird nicht einmal erwähnt, sondern nur die Art und Weise, wie sie aßen (siehe V. 2, 5, 15). Die ganze Zeit über befasst sich Christus mit dem Problem des „Gebots Gottes“ gegenüber der „Tradition der Menschen“ (siehe V. 5-15, 19.21-23)

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