Markus 9,43-48

Markus 9,43-48

„Wenn dich aber deine Hand verführt, so haue sie ab! Es ist besser für dich, dass du verkrüppelt zum Leben eingehst, als dass du zwei Hände hast und fährst in die Hölle, in das Feuer, das nie verlöscht. Und wenn dich dein Fuß verführt, so haue ihn ab! Es ist besser für dich, dass du lahm zum Leben eingehst, als dass du zwei Füße hast und wirst in die Hölle geworfen. Und wenn dich dein Auge verführt, so wirf’s von dir! Es ist besser für dich, dass du einäugig in das Reich Gottes eingehst, als dass du zwei Augen hast und wirst in die Hölle geworfen, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht verlöscht.“

Um das Übergreifen einer tödlichen Vergiftung auf den ganzen Körper zu verhindern, würde sich jedermann die Hand oder den Fuß abnehmen lassen. Wieviel mehr sollte man zur Aufgabe dessen bereit sein, was unser ewiges Leben gefährdet! Durch das Evangelium sollen verkommene und vom Satan geknechtete Seelen erlöst werden, um zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes zu gelangen. Es ist nicht nur Gottes Absicht, sie von den unausbleiblichen Problemen zu befreien, die im Gefolge der Sünde auftreten, sondern sie auch von der Sünde selbst zu erretten. Die mit Schmutz bedeckte und entstellte Seele soll geläutert und umgestaltet, soll mit der Schönheit des Herrn, unseres Gottes, angetan werden, dass sie „dem Ebenbilde seines Sohnes“ (Römer 8,29) gleiche. „Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.“ (1.Korinther 2,9) Erst in der Ewigkeit werden wir einen Begriff davon bekommen, wie herrlich die Bestimmung des zu Gottes Ebenbild wiederhergestellten Menschen ist. Um dieses hohe Ziel zu erreichen, muss alles, was die Seele behindert, geopfert werden. Die Sünde übt nur in dem Maße Herrschaft über uns aus, wie wir ihr den Willen lassen. Für die Übergabe des Willens an Gott wird das Bild vom Ausreißen des Auges oder Abhacken der Hand gebraucht. Oft meinen wir, sich dem Willen Gottes zu unterwerfen, bedeute, verstümmelt oder verkrüppelt durchs Leben zu gehen. Aber Jesus spricht, es sei besser, dass das Ich verstümmelt, verwundet und verkrüppelt werde, als dass das ewige Leben verlorengehe. Was dir als Missgeschick erscheinen mag, ist Zugang zu höchster Glückseligkeit. Gott ist die Quelle des Lebens; deshalb können wir nur dann Leben haben, wenn wir mit ihm verbunden sind. Von Gott geschieden, mögen wir unser kurzes Dasein fristen, Leben besitzen wir jedoch nicht. „Welche aber ihren Lüsten lebt, die ist lebendig tot.“ (1.Timotheus 5,6) Nur dadurch, dass wir unseren Willen Gott ganz unterwerfen, kann er uns Leben verleihen. Nur wenn wir durch Selbsthingabe sein Leben empfangen, ist es nach dem Wort Jesu möglich, die von ihm angedeuteten geheimen Sünden zu überwinden. Es ist zwar auch möglich, dass wir sie tief in unserem Herzen begraben und sie auf diese Weise vor den Augen der Menschen zu verbergen suchen; doch wie wollen wir so vor Gott bestehen? Wenn der Mensch sich auf sich selbst verlässt und seinen Willen nicht Gott unterordnen will, wählt er den Tod. Gott ist der Sünde, wo er sie auch findet, ein verzehrendes Feuer. Wer die Sünde erwählt und sich nicht von ihr trennen will, den wird somit auch der sündenverzehrende Gott vertilgen. Gewiss kostet es Opfer, wenn du dich Gott übergibst. Aber es wird ja hier Geringes dem Höheren dargebracht, Irdisches dem Geistlichen, Sterbliches dem Ewigen. Und doch will Gott auch nicht unseren Willen vernichten; denn nur durch Willensanspannung ist es uns möglich, seinen Willen auszuführen. Wir sollen unseren Willen nur in seinen Dienst stellen; er will ihn uns geläutert und gereinigt wiedergeben. Hat er ihn auf seinen göttlichen Willen abgestimmt, dann kann er Fluten von Liebe und Kraft durch uns ausgießen. Wie sauer und beschwerlich diese Übergabe auch dem eigensinnigen und halsstarrigen Herzen vorkommen mag, gilt ihm dennoch das Wort: „Es ist dir besser.“ Jakob begriff den Sieg des überwindenden Glaubens erst, als er sich dem Engel des Bundes hilflos und lahm an die Brust geworfen hatte. Nun war er auch des göttlichen Fürstentums würdig. Als Jakob „hinkte an seiner Hüfte“ (1.Mose 32,32), standen Esaus Bewaffnete stille vor ihm, und Pharao, der stolze Erbe aus königlichem Geblüt, beugte sich vor ihm, seinen Segen zu erbitten. So wurde auch der „Herzog ihrer Seligkeit, durch Leiden“ vollkommen gemacht. (Hebräer 2,10) Die Kinder des Glaubens „sind kräftig geworden aus der Schwachheit und haben der Fremden Heere zum Weichen gebracht“. (Hebräer 11,34) So werden „auch die Lahmen werden plündern“ (Jesaja 33,23), die Schwachen wie „David“ werden und „das Haus David … wie der Engel des Herrn“. (Sacharja 12,8)

„in die Hölle“ Wörtlich: die „Gehenna“ (gr. geenna). „Geenna“, („Hölle“), ist eine Transliteration des hebräischen ge‘ ben hinnom, „Tal von Hinnom“, oder ge‘ ben hinnom, „Tal des Sohnes von Hinnom“ (Josua 15,8), das Tal südlich und westlich von Jerusalem, das unmittelbar südlich der Stadt Davids und des Teichs von Siloam auf das Kidrontal trifft (siehe Jeremia 19,2). Der böse König Ahas scheint zur Zeit Jesajas den barbarischen heidnischen Ritus eingeführt zu haben, Säuglinge an einem hochgelegenen Ort namens Tophet im Tal Hinnom dem Molech zu verbrennen (2. Chronik 28,3). Manasse, ein Enkel von Ahas, führte diese Praxis wieder ein (2. Chronik 33,1, 6; vgl. Jeremia 32,35). Jahre später entweihte der gute König Josia offiziell die Höhen im Tal Hinnom, wo diese abscheuliche Form der Anbetung praktiziert worden war (2. Könige 23,10), und beendete sie damit. Als Vergeltung für dieses und andere Übel warnte Gott sein Volk davor, dass das Tal Hinnom eines Tages zum „Tal der Schlachtung“ für „die Leichen dieses Volkes“ werden würde (Jeremia 7,32.33; Jeremia 19,6; vgl. Jes. 30:33). Dementsprechend wurden die Feuer von Hinnom zum Symbol für das verzehrende Feuer des letzten großen Gerichtstages und die Bestrafung der Bösen.

„in das Feuer, das nie verlöscht“ Dass mit dem Ausdruck „in das Feuer, das nie verlöscht“ nicht Feuer gemeint sind, die ewig brennen, geht z.B. aus der Vorhersage in Jeremia 17,27 hervor, wo Jerusalem mit einer solchen Feuersbrunst bedroht wird. Jeremia prophezeite, dass Gott in den Toren Jerusalems ein Feuer entzünden würde, das sogar die Paläste der Stadt verzehren und „nicht gelöscht werden“ würde. Dies erfüllte sich buchstäblich einige Jahre später, als Nebukadnezar 586 v. Chr. die Stadt einnahm. Die Feuer wurden angezündet (2. Chronik 36,19), aber sie sind längst erloschen, ganz offensichtlich brennt das Feuer heute nicht mehr. Unauslöschliche Feuer sind einfach Feuer, die niemand auslöschen kann oder will. Wenn sie jedoch das verzehrt haben, was sie verzehren, erlöschen sie natürlich.
Die Bibel definiert also eindeutig Feuer, die nicht „gelöscht“ werden sollen. Ferner ist zu beachten, dass die Ausdrücke „wo ihr Wurm nicht stirbt“ und „das Feuer, das nie verlöscht“ parallel sind. Die Bedeutung des zweiten Ausdrucks, der klar definiert ist, legt somit die Interpretation nahe, die dem ersten gegeben werden sollte. Weit davon entfernt, die Vorstellung eines ewig brennenden Feuers zu vermitteln, in dem die Bösen endlos gequält werden, betont die Heilige Schrift die Tatsache, dass die Bösen so vollständig verbrannt werden, dass nichts von ihnen übrig bleibt: „Denn siehe, es kommt der Tag, der brennen soll wie ein Ofen. Da werden alle Verächter und Gottlosen Stroh sein, und der kommende Tag wird sie anzünden, spricht der HERR Zebaoth, und er wird ihnen weder Wurzel noch Zweig lassen.“ (Maleachi 3,19) Die Vorstellung eines ewig brennenden Höllenfeuers ist dem inspirierten Wort fremd und entspricht nicht dem Charakter Gottes. Über Sodom und Gomorra heißt es in der Heiligen Schrift, dass sie „als Beispiel hingestellt werden, um die Rache des ewigen Feuers zu erleiden“ (Judas 1,7; vgl. 2. Petrus 2,6). Aber die Feuer, die diese bösen Städte verbrannten, sind längst erloschen; sie brennen heute nicht mehr. Dennoch werden diese Städte als „Beispiel“ dafür angeführt, wie die Feuer des letzten großen Tages aussehen werden.

„in die Hölle geworfen, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht verlöscht.“ (Wurm. Gr. skōlēx, „eine Made“, oder „ein Wurm“.) Der unsterbliche Wurm ist nicht das Symbol einer Seele, die nicht sterben kann, sondern das Symbol der Verderbnis, die nicht geläutert werden kann. In V. 43 wird „Leben“ im Gegensatz zu „dem Feuer, das niemals verlöschen wird“, dargestellt. In Römer 6,23 und vielen anderen Bibelstellen steht das „Leben“ im Gegensatz zum „Tod“. In Johannes 3,16 steht der Gegensatz zwischen „ewigem Leben“ und „verloren gehen“. Es ist offensichtlich, dass Jesus hier denselben Gegensatz beabsichtigt. „Das Feuer das nie verlöscht“ steht in Verbindung mit „ihr Wurm stirbt nicht“ und ist ein gleichwertiger Ausdruck, doch scheint es unpassend zu sein, dass die Maden ihre Arbeit in der Gegenwart des Feuers fortsetzen sollten. Nichts in dem Wort „skōlēx“, („Wurm“), rechtfertigt auch nur im Entferntesten die populäre Erklärung, die „Wurm“ mit „Seele“ gleichsetzt, eine Tatsache, die von fast allen Auslegern anerkannt wird, was auch immer sie persönlich über den Zustand des Menschen im Tod denken mögen.

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