Matthäus 3,10-12

Matthäus 3,10-12

„Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt. Darum: Jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Ich taufe euch mit Wasser zur Buße; der aber nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin nicht wert, ihm die Schuhe zu tragen; der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Er hat die Wurfschaufel in seiner Hand und wird seine Tenne gründlich reinigen und seinen Weizen in die Scheune sammeln; die Spreu aber wird er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer.“

Bäume werden im Alten Testament oft als Symbole für Menschen verwendet (siehe Hesekiel 17,22-24; Psalm 1,3), und die Zuhörer des Johannes verstanden sehr wohl, wovon er sprach. Wie Johannes benutzte auch Christus einen Baum, um das Volk Israel darzustellen (Lukas 13,6-9; Matthäus 21,19.20). Unter dem Symbol eines Weinbergs, der nichts als „wilde Trauben“ hervorbrachte, hatte Jesaja die zärtliche Fürsorge Gottes für sein Volk und dessen völlige Verwerfung dargestellt, weil es keine „Trauben“ hervorbringt (Jesaja 5,1-7; vgl. Matthäus 21,33-41). Nur ein guter Mensch kann eine Ernte von guten Gewohnheiten anbauen, aus der ein guter Charakter geerntet werden kann (siehe Galater 5,22.23). „Abgehauen und ins Feuer geworfen“ Vergleichen Sie Jesajas Gleichnis von den wilden Trauben (Jesaja 5,1-7) und Jesu Gleichnis vom unfruchtbaren Feigenbaum (Lukas 13,6-9). Das Gleichnis Jesu impliziert die Tatsache, dass Gott langmütig ist, dass aber seine Angebote der Barmherzigkeit, wenn sie nicht gewürdigt werden, schließlich zurückgezogen werden. Das jüdische Volk hatte die Zeit der Barmherzigkeit praktisch überlebt und stand kurz davor, verworfen zu werden. Die ungläubigen Juden würden jedoch ebenfalls in den Feuern des Endgerichts umkommen, wenn sie nicht Buße täten.

„Ich taufe euch mit Wasser zur Buße; der aber nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin nicht wert, ihm die Schuhe zu tragen; der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.“ Johannes zeigt deutlich, dass er seine Taufe nur als Vorbereitung auf das Werk Christi verstand. Er hatte bereits von seiner eigenen Aufgabe als einem Boten gesprochen, der das Kommen des Herrn ankündigt (V. 3). „Er, der kommt“ oder „der Kommende“ war eine gängige jüdische Formulierung für den Messias. Johannes war der „Bote“, der „vor“ dem Angesicht des Herrn gesandt wurde (Markus 1,2) und bezeugte später über Christus: „Er muss zunehmen, ich aber muss abnehmen“ (Johannes 3,30). Johannes‘ Predigt war so voller Kraft, dass viele Menschen ihn für den Messias hielten. Sogar die Führer des Volkes waren gezwungen, ernsthaft über diese Frage nachzudenken (Johannes 1,19.20). Christus selbst sagte über Johannes, dass „kein Größerer aufgestanden ist als Johannes der Täufer“ (Matthäust 11,11). Trotz dieses öffentlichen Beifalls bewahrte Johannes stets ein echtes Gefühl für seine Beziehung zu dem, der „stärker als“ er sein sollte. Gesegnet ist der Mann, der Erfolg und Popularität genießt und doch in seinen eigenen Augen demütig bleibt! Für die Juden war ein Schuh der bescheidenste Teil der menschlichen Kleidung. Der Ausdruck „auf Edom werfe ich meinen Schuh“ (Psalm 60,10; 108,10) war Ausdruck äußerster Geringschätzung. In der Gegenwart Gottes wurde Mose befohlen, seine Schuhe auszuziehen (2. Mose 3,5). Die Bedürftigen für ein Paar Schuhe zu kaufen oder zu verkaufen (Amos 2,6; 8,6), bedeutete, den niedrigstmöglichen Preis für sie anzusetzen. Die Schuhe „aufzulösen“ oder „zu tragen“ war die niedere Arbeit eines Sklaven. Indem er seine eigene Unwürdigkeit beteuerte, selbst diesen Dienst für Christus zu verrichten, stellte Johannes sich selbst unter das Niveau eines Sklaven. Es war, als hätte Johannes gesagt: „Ich bin unwürdig, dessen Sklave zu sein“. Von den Anhängern eines großen Lehrers wurde erwartet, dass sie viele persönliche Dienste für ihn leisteten, aber ein rabbinisches Sprichwort besagt: „Alle Dienste, die ein Sklave seinem Herrn leisten muss, muss auch ein Schüler seinem Lehrer leisten, außer dem, ihm den Schuh auszuziehen“ (Talmud Kethuboth 96a, Soncino, S. 610).

„der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.“ Die Juden waren mit diesem Begriff vertraut. David hatte gebetet: „Nimm deinen heiligen Geist nicht von mir“ (Psalm 51,13). Jesaja stellte fest, dass Israel Gottes „heiligen Geist“ „betrübt“ hatte (Jesaja 63,10.11), und bezog sich auf „den Geist Gottes des Herrn“, der auf dem Messias ruhen sollte (Jesaja 61,1). Feuer und Wasser sind zwei große natürliche Reinigungsmittel, und es ist angemessen, dass beide verwendet werden, um die Regeneration des Herzens darzustellen. In ähnlicher Weise sind sie die beiden Mittel, durch die Gott diese Erde von Sünde und Sündern gereinigt hat bzw. reinigen wird (2. Petrus 3,5-7). Wenn die Menschen hartnäckig an der Sünde festhalten, müssen sie schließlich mit ihr verzehrt werden; wie viel besser ist es, dem Heiligen Geist zu erlauben, das reinigende Werk jetzt fortzusetzen, während die Bewährung noch andauert! Der Mensch wird entweder von der Sünde geläutert oder mit ihr. Paulus sagte: „Das Feuer wird das Werk eines jeden Menschen prüfen“ (1. Korinther 3,13). „mit Feuer taufen“ Diese Aussage könnte auf Pfingsten hinweisen, als die Jünger mit dem Heiligen Geist unter dem Symbol des Feuers getauft wurden (Apostelgeschichte 2,3.4). Es kann sich auf die Gnade Gottes beziehen, die die Seele reinigt oder auf die feurigen Prüfungen, von denen Petrus spricht, um den Christen zu prüfen (1. Petrus 4,12; vgl. Lukas 12,49.50). Wahrscheinlich beinhalten die Worte Johannes des Täufers mehr als einen Aspekt der biblischen Symbolik in Bezug auf das Feuer.

„Er hat die Wurfschaufel in seiner Hand und wird seine Tenne gründlich reinigen und seinen Weizen in die Scheune sammeln; die Spreu aber wird er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer.“ Die Wurfschaufel (Gr. ptuon, eine „Winzerschaufel“) war ein Gerät mit der das Getreide von der Tenne gehoben und gegen den Wind geworfen wurde, um es von der Spreu zu befreien (siehe Ruth 3,2). Die Körner fielen zurück auf den Boden, und die Spreu wurde zur Seite geblasen und schließlich verbrannt. „gründlich reinigen“ (Gr. diakatharizō, „gründlich, vollständig reinigen“, oder „von vorne bis hinten reinigen“.) Das Bild ist das eines Bauern, der auf der einen Seite seiner Tenne beginnt und systematisch zur anderen Seite geht. „und seinen Weizen in die Scheune sammeln“ Der Prozess der Trennung der Gerechten von den Bösen findet am „Ende der Welt“ statt (siehe Matthäus 13,30.39-43.49.50). „die Spreu aber wird er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer.“, wie es der judäische Bauer häufig tat, nachdem der Weizen sicher gelagert worden war. Das Feuer wird als „unauslöschlich“ (Gr. asbestos, „unauslöschlich“, „nicht löschbar“ oder „ungelöscht“) dargestellt. Zweifellos stützte Johannes der Täufer seine Botschaft auf die Worte Maleachis (Kap. 3,1-3.19-21). Christus erklärte ausdrücklich, dass Johannes die Vorhersage des Maleachi erfüllte (vgl. Matthäus 11,14; 17,12). Als Johannes von „unauslöschlichem Feuer“ sprach, dachte er vielleicht an die Worte aus Maleachi 3,19, die sich auf den Tag des Herrn beziehen, „der wie ein Ofen brennen wird“, wenn alle Gottlosen zu „Stoppeln“ werden. Das Feuer dieses großen Tages, so fährt Maleachi fort, würde sie so vollständig „verbrennen“, dass „weder Wurzel noch Zweig“ übrig bleiben würden (Kap. 3,19.2.3).
Weit davon entfernt, die Vorstellung eines ewig brennenden Feuers zu vermitteln, in dem die Bösen endlos gequält werden, betont die Heilige Schrift die Tatsache, dass die Bösen so vollständig verbrannt werden, dass nichts von ihnen übrig bleibt. Die Vorstellung eines ewig brennenden Höllenfeuers ist dem inspirierten Wort fremd und entspricht nicht dem Charakter Gottes. In der Heiligen Schrift heißt es über Sodom und Gomorra, dass sie „als Beispiel hingestellt werden, um die Strafe des ewigen Feuers zu erleiden“ (Judas 7; vgl. 2. Petrus 2,6). Aber die Feuer, die diese bösen Städte verbrannten, sind längst erloschen; sie brennen heute nicht mehr. Dennoch werden diese Städte als „Beispiel“ dafür angeführt, wie die Feuer des letzten großen Tages aussehen werden.
In ähnlicher Weise prophezeite Jeremia, dass Gott in den Toren Jerusalems ein Feuer entzünden würde, das sogar die Paläste der Stadt verzehren und „nicht gelöscht werden“ würde (Jeremia 17,27). Dies erfüllte sich buchstäblich einige Jahre später, als Nebukadnezar 586 v. Chr. die Stadt einnahm (Jeremia 52,12.13; vgl. Nehemia 1,3). Ganz offensichtlich brennt das Feuer heute nicht mehr. Wie die Spreu auf der Tenne in Judäa völlig verbrannt wurde und nichts als Asche übrig blieb, so werden die Gottlosen am letzten großen Tag mit „unauslöschlichem Feuer“ verbrannt werden, bis nichts als ihre Asche übrig bleibt (Maleachi 3,21). Der Lohn der Sünde ist der Tod (Römer 6,23), der ewige Tod, nicht das ewige Leben, das auf wundersame Weise von einem rachsüchtigen Gott inmitten eines nie erlöschenden Feuers erhalten wird. Den Gerechten ist das ewige Leben verheißen (Römer 2,7), und der Tod der Bösen wird ebenso dauerhaft sein wie das Leben der Gerechten. (vgl. Jesaja 66,24)

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