Begegnungen nach der Auferstehung

Begegnungen nach der Auferstehung

Matthäus 28,1.5-10; Markus 16,1-11; Lukas 24,1-12; Johannes 20,1-18

Die Frauen, die die Kreuzigung mitverfolgt hatten, warteten darauf, dass die Stunden des Sabbats vorübergingen. Am ersten Tag der Woche machten sie sich sehr früh auf den Weg zum Grab und nahmen kostbare Öle mit, um den Leib des Erlösers zu salben. Sie dachten nicht daran, dass er von den Toten auferstanden sein könnte. Die Sonne ihrer Hoffnung war untergegangen, und in ihren Herzen war es Nacht geworden. Auf dem Weg wiederholten sie zwar die tröstlichen Worte von Christus und sprachen über seine barmherzigen Taten, doch sie erinnerten sich nicht an sein Versprechen: »Ich will euch wiedersehen.« (Johannes 16,22b) Sie hatten keine Ahnung, was gerade geschah, als sie sich dem Garten näherten. Sie fragten sich: »Wer wird uns den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen?« (Markus 16,3b ZÜ) Sie wussten, dass sie den großen Stein nicht bewegen konnten, aber sie gingen weiter. Doch plötzlich wurde der Himmel von einem Glanz erleuchtet, der nicht von der aufgehenden Sonne kam. Die Erde bebte. Sie sahen, dass der große Stein zur Seite gewälzt war. Das Grab war leer!

Die Frauen waren nicht alle aus derselben Richtung zum Grab gekommen. Maria Magdalena hatte als erste die Stätte erreicht. Als sie sah, dass der Stein entfernt war, eilte sie davon, um es den Jüngern zu berichten. Inzwischen hatten auch die anderen Frauen den Garten betreten. Ein Licht erhellte das Grab, doch der Leichnam von Christus war nicht da. Als sie noch etwas verweilten, bemerkten sie plötzlich, dass sie nicht allein waren. Ein junger Mann, in leuchtende Gewänder gekleidet, saß beim Grab. Es war der Engel, der den Stein weggerollt hatte. Er hatte die Gestalt eines Menschen angenommen, um die Freunde von Jesus nicht zu erschrecken. Trotzdem war seine Gestalt noch immer vom Licht der himmlischen Herrlichkeit umhüllt, sodass sich die Frauen fürchteten. Sie wollten fliehen, doch die Worte des Engels hielten sie zurück. »Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Er ist nicht mehr hier. Er ist auferstanden, wie er es vorhergesagt hat. Kommt und seht euch die Stelle an, wo er gelegen hat. Dann beeilt euch, geht zu seinen Jüngern und sagt ihnen, dass Jesus von den Toten auferstanden ist.« (Matthäus 28,5-7a Hfa) Sie schauten erneut in die Grabhöhle, noch einmal hörten sie die wunderbare Botschaft. Ein anderer Engel in Menschengestalt war dort und sagte zu ihnen: »Warum sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier! Er ist auferstanden! Erinnert ihr euch nicht, wie er euch in Galiläa sagte, dass der Menschensohn in die Hände sündiger Menschen übergeben und gekreuzigt werden muss und dass er am dritten Tag wieder auferstehen wird?« (Lukas 24,5b-7 NLB) »Er ist auferstanden! Er ist auferstanden!« Die Frauen wiederholten diese Worte immer wieder. Nun brauchten sie die wohlriechenden Salböle nicht mehr! Der Erlöser lebte und war nicht mehr tot! Nun erinnerten sie sich daran, dass er, als er von seinem Tod sprach, gesagt hatte, er werde wieder auferstehen. Was für ein Tag für die Welt! »Sogleich verließen sie das Grab und eilten voll Furcht und großer Freude zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkündigen.« (Matthäus 28,8 EÜ). Maria Magdalena hatte die freudige Nachricht noch nicht gehört. Sie war auf dem Weg zu Petrus und Johannes, um ihnen die traurige Nachricht zu überbringen: »Sie haben den Herrn weggenommen aus dem Grab, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben.« (Johannes 20,2b) Die Jünger eilten zum Grab und fanden es vor, wie Maria gesagt hatte. Sie sahen die Leichentücher und »das Tuch, das den Kopf von Jesus bedeckt hatte« (Johannes 20,7a NLB), aber ihren Herrn sahen sie nicht. Doch selbst hier fanden sie einen Beweis dafür, dass er auferstanden war. Die Grabtücher waren nicht achtlos beiseite geworfen worden, sondern lagen sorgfältig zusammengefaltet auf ihrem Platz. Johannes »sah und glaubte« (Johannes 20,8b). Noch verstand er die Schriftstellen nicht, die davon sprachen, dass Christus von den Toten auferstehen müsse. Doch jetzt erinnerte er sich an die Worte des Erlösers, mit denen er seine Auferstehung vorausgesagt hatte. Christus selbst hatte die Leichentücher fein säuberlich an ihren Platz gelegt. Als der mächtige Engel zum Grab herabkam, schloss sich ihm ein anderer an, der mit seiner Schar den Leichnam des Herrn bewacht hatte. Als der Engel vom Himmel den Stein wegrollte, betrat der andere die Grabkammer und befreite Jesus von den Tüchern, mit denen sein Körper eingewickelt worden war. Aber es war die Hand des Erlösers gewesen, die jedes Tuch zusammengefaltet und an seinen Platz gelegt hatte. In den Augen dessen, der die Sterne genauso lenkt wie die Atome, ist nichts unwichtig. Ordnung und Vollkommenheit sind in all seinen Werken sichtbar.

Maria war Johannes und Petrus zum Grab gefolgt. Als die beiden nach Jerusalem zurückkehrten, blieb sie zurück. Als sie in die leere Grabkammer schaute, füllte sich ihr Herz mit Trauer. Doch als sie genauer hinschaute, erblickte sie die beiden Engel. Der eine stand dort, wo das Haupt von Jesus gelegen hatte, der andere dort, wo seine Füße gewesen waren. »›Warum weinst du?‹, fragten die Engel. ›Weil sie meinen Herrn weggenommen haben‹, erwiderte sie, ›und ich nicht weiß, wo sie ihn hingelegt haben.‹« (Johannes 20,13 NLB) Dann wandte sie sich ab, sogar von den Engeln, und dachte, sie müsste jemanden finden, der ihr sagen könnte, was mit dem Leichnam von Jesus geschehen war. Da wurde sie von einer anderen Stimme angesprochen: »Frau, warum weinst du? Wen suchst du?« Als Maria ihre verweinten Augen aufhob, sah sie die Gestalt eines Mannes und meinte, es sei der Gärtner. Sie sagte: »Herr, wenn du ihn fortgenommen hast, dann sag mir, wo du ihn hingelegt hast. Ich will hingehen und ihn holen.« (Johannes 20,15 GNB) Sollte die Grabstätte dieses reichen Mannes zu ehrenvoll für Jesus gewesen sein, würde sie sich selbst um einen Platz für ihn kümmern. Es gab ein Grab, das durch die eigene Stimme von Christus leer geworden war, das Grab, in dem Lazarus gelegen hatte. Könnte sie nicht dort einen Platz für ihren Herrn finden? Sich um seinen kostbaren, gekreuzigten Leichnam zu kümmern, wäre für sie in ihrem Schmerz ein großer Trost gewesen, das spürte sie. Doch plötzlich sagte Jesus in der ihr so wohlbekannten Stimme zu ihr: »Maria!« (Johannes 20,16a) Auf einmal wusste sie, dass es kein Fremder war, der sie auf diese Weise anredete. Als sie sich umdrehte, sah sie Christus lebendig vor sich stehen. In ihrer Freude vergaß sie, dass er gekreuzigt worden war. Sie stürzte auf ihn zu, als wollte sie seine Füße fest umschlingen, und rief aus: »Rabbuni!, das heißt: Meister!« (Johannes 20,16b) Jesus aber erhob seine Hand und sagte zu ihr: »Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.« (Johannes 20,17 EÜ) Maria machte sich auf den Weg zu den Jüngern, um ihnen die freudige Nachricht mitzuteilen. Jesus weigerte sich, von seinen Anhängern Huldigungen entgegenzunehmen, bevor er nicht die Gewissheit hatte, dass sein Opfer vom Vater angenommen war. So fuhr er zu den himmlischen Höfen auf und erhielt von Gott selbst die Zusicherung, dass sein Sühnopfer für die Sünden der Menschheit ausreichend war, sodass alle Menschen durch sein Blut ewiges Leben erlangen können. Der Vater bestätigte den Bund, den er mit Christus geschlossen hatte, dass er reumütige und gehorsame Menschen annehmen und sie so lieben werde wie seinen eigenen Sohn. Christus musste sein Werk vollenden und sein Versprechen erfüllen, »dass ein Mann kostbarer sein soll als feinstes Gold und ein Mensch wertvoller als Goldstücke aus Ofir« (Jesaja 13,12). Alle Macht im Himmel und auf Erden wurde dem Fürsten des Lebens übergeben. Dann kehrte er zu seinen Nachfolgern in eine sündige Welt zurück, um sie an seiner Macht und Herrlichkeit teilhaben zu lassen.

Während der Erlöser in Gottes Gegenwart Gaben für seine Gemeinde entgegennahm, dachten die Jünger an sein leeres Grab, trauerten und weinten. Der Tag, den der ganze Himmel als Freudentag feierte, war für die Jünger ein Tag der Ungewissheit, der Bestürzung und der Ratlosigkeit. Ihr Unglaube gegenüber den Aussagen der Frauen bewies, wie tief ihr Glaube gesunken war. Die Nachricht von der Auferstehung von Christus war so ganz anders als das, was sie erwartet hatten. Sie konnten es einfach nicht glauben. Sie dachten, es sei zu schön, um wahr zu sein. Sie hatten so viel über die Lehren und die sogenannten wissenschaftlichen Theorien der Sadduzäer gehört, dass sie sich von der Auferstehung kein klares Bild mehr machen konnten. Sie wussten kaum noch, was die Auferstehung von den Toten überhaupt bedeutete, und waren unfähig, dieses großartige Thema zu erfassen. »Und nun geht«, so hatte der Auftrag der Engel an die Frauen gelautet, »und sagt seinen Jüngern, vor allem Petrus: ›Er geht euch nach Galiläa voraus. Dort werdet ihr ihn sehen, genau wie er es euch gesagt hat.‹« (Markus 16,7 GNB) Diese Engel hatten Christus während seines ganzen Erdenlebens schützend begleitet. Sie hatten sein Verhör und seine Kreuzigung miterlebt und die Worte von Christus an seine Jünger gehört. Das ging aus ihrer Botschaft an die Jünger hervor und hätte sie eigentlich von deren Echtheit überzeugen sollen. Solche Worte konnten nur von den Boten ihres auferstandenen Herrn kommen. »Sagt [es] seinen Jüngern, vor allem Petrus«, geboten die Engel. Seit dem Tod von Christus war Petrus von Gewissensbissen geplagt worden und niedergeschlagen. Seine schmähliche Verleugnung des Herrn und der liebevolle und zugleich schmerzbewegte Blick des Erlösers standen ihm stets vor Augen. Von all den Jüngern hatte er am meisten gelitten. Nun wurde ihm versichert, dass seine Reue angenommen wurde und seine Sünde vergeben war. Er wurde namentlich erwähnt! »Sagt seinen Jüngern, vor allem Petrus: ›Er geht euch nach Galiläa voraus. Dort werdet ihr ihn sehen.« Alle Jünger hatten Jesus verlassen, und die Aufforderung, ihm wieder zu begegnen, schloss alle mit ein. Er hatte sie nicht verstoßen. Als ihnen Maria Magdalena erzählte, sie habe den Herrn gesehen, wiederholte sie auch die Aufforderung, ihn in Galiläa zu treffen. Noch ein drittes Mal wurde ihnen diese Botschaft überbracht. Nachdem er zum Vater aufgefahren war, erschien Jesus den anderen Frauen und sagte: »›Seid gegrüßt!‹ Die Frauen warfen sich vor ihm nieder und umfassten seine Füße. ›Habt keine Angst!‹, sagte Jesus zu ihnen. ›Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen. Dort werden sie mich sehen.‹« (Matthäus 28,9.10 GNB)

Nach seiner Auferstehung bestand die erste Tat von Jesus auf dieser Erde darin, seine Jünger von seiner ungeschmälerten Zuneigung und liebevollen Fürsorge zu überzeugen. Er wollte ihnen beweisen, dass er ihr lebendiger Erlöser war, dass er die Fesseln des Grabes gesprengt hatte und ihn der Feind, der Tod, nicht länger halten konnte. Sie sollten erkennen, dass er dasselbe liebende Herz besaß wie vorher, als er als ihr geliebter Lehrer unter ihnen weilte. Deshalb erschien er ihnen immer wieder und schlang das Band der Liebe noch enger um sie. »Verkündigt es meinen Brüdern, dass sie mich in Galiläa treffen werden.« Als die Jünger diese mit solcher Bestimmtheit gegebene Anordnung hörten, begannen sie sich an die Worte von Jesus zu erinnern, die seine Auferstehung voraussagten. Doch auch jetzt freuten sie sich nicht. Sie konnten ihre Zweifel und ihre Ratlosigkeit nicht abschütteln. Selbst als ihnen die Frauen mitteilten, dass sie den Herrn gesehen hatten, wollten es die Jünger nicht glauben. Sie meinten, die Frauen seien einer Täuschung erlegen. Ein Ungemach schien dem anderen zu folgen. Am sechsten Tag der Woche hatten sie mitangesehen, wie ihr Meister starb. Am ersten Tag der neuen Woche glaubten sie sich seines Leichnams beraubt und wurden selbst beschuldigt, ihn gestohlen zu haben, um auf diese Weise das Volk zu täuschen. Sie zweifelten daran, sich jemals von diesem Verdacht befreien zu können, der sich immer stärker gegen sie zu richten begann. Sie fürchteten die Feindschaft der Priester und den Zorn des Volkes und sehnten sich nach der Gegenwart von Jesus, der ihnen aus jeder Verlegenheit geholfen hatte. Oft wiederholten sie die Worte: »Wir hatten gehofft, er sei der Christus, der Israel retten und erlösen wird.« (Lukas 24,21a NLB) Einsam und tief traurig erinnerten sie sich an seine Worte: »Denn wenn man schon mit dem grünen Holz so umgeht, was wird dann erst mit dem dürren geschehen?« (Lukas 23,31 NGÜ) Sie trafen sich im Obergemach, schlossen die Türen und verriegelten sie, denn sie wussten, dass das Schicksal ihres geliebten Meisters sie jederzeit treffen konnte. Und dabei hätten sich die Jünger doch schon die ganze Zeit im Wissen um den auferstandenen Erlöser freuen können! Maria hatte weinend im Garten erlebt, wie Jesus ganz in ihrer Nähe stand. Ihre Augen waren so voller Tränen, dass sie ihn nicht erkannte. Doch die Herzen der Jünger waren derart bekümmert, dass sie weder der Botschaft der Engel noch den Worten von Christus zu glauben vermochten. Wie viele handeln noch immer so wie diese Jünger damals! Wie viele rufen genauso verzweifelt wie Maria: »Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin sie ihn gebracht haben.« (Johannes 20,13b NGÜ) Zu wie vielen könnte man die Worte des Erlösers sagen: »Warum weinst du? Wen suchst du?« (Johannes 20,15a) Er ist ihnen nahe, doch ihre verweinten Augen erkennen ihn nicht. Er spricht zu ihnen, aber sie verstehen es nicht. Mögen sich doch die gesenkten Häupter heben, damit die Augen geöffnet werden, um ihn zu sehen, und die Ohren seine Stimme vernehmen! »Beeilt euch, geht zu seinen Jüngern und sagt ihnen, dass Jesus von den Toten auferstanden ist!« (Matthäus 28,7a Hfa) Bittet sie, ihren Blick nicht auf Josefs neues Grab zu richten, das mit einem schweren Stein verschlossen und mit dem römischen Siegel gesichert wurde. Christus ist nicht dort! Schaut auch nicht in das leere Grab! Trauert nicht wie solche, die keine Hoffnung haben und hilflos sind! Jesus lebt, und weil er lebt, werden auch wir leben. Aus dankbarem Herzen und von Lippen, die vom heiligen Feuer brennen, soll der Jubelgesang erschallen: Christus ist auferstanden! Er lebt, um für uns einzutreten! (vgl. Römer 8,34) Ergreife diese Hoffnung! Sie wird deine Seele wie ein sicherer und bewährter Anker festhalten. Glaube und du wirst die Herrlichkeit Gottes sehen!

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