Die Erwählung der zwölf Apostel

Die Erwählung der zwölf Apostel

Markus 3,13-19; Lukas 6,12-16

»Später stieg Jesus auf einen Berg und rief die zu sich, die er bei sich haben wollte. Sie traten zu ihm. Er wählte zwölf von ihnen aus, die ihn ständig begleiten sollten, und nannte sie Apostel. Er wollte sie aussenden, damit sie predigen.« (Markus 3,13.14 NLB) Unter den schützenden Bäumen am Berghang unweit des Sees Genezareth wurden die Zwölf zum Apostelamt berufen. Hier hielt Jesus auch die Bergpredigt. Felder und Hügel waren seine liebsten Aufenthaltsorte. Deshalb wurden viele seiner Lehren nicht im Tempelbezirk oder in den Synagogen verkündigt, sondern unter freiem Himmel. Kein Gotteshaus hätte die Volksmenge fassen können, die ihm folgte. Aber dies war nicht der einzige Grund, warum er auf den Feldern und unter Bäumen lehrte. Jesus liebte es, von der Natur umgeben zu sein. Jeder stille Zufluchtsort war für ihn ein heiliger Tempel. 

Unter den Bäumen im Garten Eden hatten sich die ersten Bewohner der Erde einen Platz als ihr Heiligtum ausgesucht. Dort hatte Christus mit Adam, dem Vater der Menschheit, Gemeinschaft gepflegt. Nachdem unsere ersten Eltern aus dem Paradies ausgewiesen worden waren, beteten sie Gott weiterhin auf den Feldern und in den Hainen an. Dort war es, wo ihnen Christus mit dem Evangelium seiner Gnade begegnete. Es war Christus, der mit Abraham unter den Eichen von Mamre sprach. Mit Isaak redete er, als dieser abends aufs Feld hinausging, um zu beten. Er sprach mit Jakob auf den Höhen bei Bethel, mit Mose auf den Bergen von Midian und mit dem jungen David, als dieser die Herden seines Vaters weidete. Während 15 Jahrhunderten verließen die Israeliten auf die Anordnung von Christus hin jedes Jahr eine Woche lang ihre Häuser und wohnten in Hütten, die sie aus grünen Zweigen »von schönen Bäumen, Palmwedeln und Zweigen von Laubbäumen und Bachweiden« bauten (3. Mose 23,40b). Um seine Jünger auszubilden, zog sich Jesus gern aus dem Lärm der Stadt in die Stille der Felder und Hügel zurück. Diese Umgebung passte besser zur Lehre der Selbstverleugnung, die er ihnen nahebringen wollte. Während seines Dienstes hatte er es am liebsten, wenn sich die Menschen unter freiem Himmel, an grünen Hängen oder am Ufer des Sees um ihn versammelten. Umgeben von den Werken seiner eigenen Schöpfung konnte er die Gedanken seiner Zuhörer vom Künstlichen auf das Natürliche lenken. Im Wachstum und in der Entfaltung der Natur offenbarten sich die Grundsätze seines Königreichs. Wenn die Menschen zu den Höhen Gottes aufschauten und die Wunderwerke seiner Hände betrachteten, konnten sie Wertvolles über die göttliche Wahrheit lernen. Die Lehren von Christus wiederholten sich in dem, was in der Natur geschah. So geht es allen, die mit Christus in ihrem Herzen aufs Feld hinausgehen. Sie spüren, wie sie von einer heiligen Atmosphäre umgeben sind. Die Vorgänge in der Natur prägten die Gleichnisse von Jesus und vertieften seine Ratschläge. Durch die Gemeinschaft mit Gott in der Natur wird unser Geist emporgehoben, unser Herz findet Ruhe. Es galt nun, den ersten Schritt zu tun, um eine Gemeinde zu gründen, die nach dem Weggang von Christus seine Stellvertreterin auf Erden sein sollte. Dafür stand ihr kein kostspieliger Tempel zur Verfügung. Der Erlöser führte seine Jünger stattdessen an den Zufluchtsort, den er liebte. Auf diese Weise wurden ihre Erinnerungen an die heiligen Erlebnisse jenes Tages für immer mit der Schönheit der Berge, des Tals und des Sees verknüpft.

Jesus hatte seine Jünger berufen, um sie später als seine Zeugen in die Welt auszusenden. Sie sollten verkünden, was sie von ihm gesehen und gehört hatten. Ihr Dienst war der wichtigste, zu dem Menschen jemals berufen wurden, und stand in seiner Bedeutung gleich hinter dem Dienst von Christus selbst. Sie sollten mit Gott für die Errettung der Welt zusammenarbeiten. So wie die zwölf Stammesväter in alttestamentlichen Zeiten die Vertreter Israels darstellten, so sollten nun die zwölf Apostel die Vertreter für die christliche Gemeinde sein. Christus kannte den Charakter der Männer, die er auserwählt hatte. Er wusste alles über ihre Schwächen und Fehler, kannte die Gefahren, die sie zu überwinden hätten, und die Verantwortung, die auf ihnen liegen würde. Deshalb bangte sein Herz um diese Auserwählten. Während sie am Fuß des Berges schliefen, verbrachte er die ganze Nacht allein auf einem Berg in der Nähe des Sees Genezareth und betete für sie. Bei Tagesanbruch rief er sie zu sich, denn er hatte ihnen etwas Wichtiges mitzuteilen. Diese Jünger hatten Jesus nun schon einige Zeit in seinem Dienst begleitet und unterstützt. Johannes und Jakobus, Andreas und Petrus mit Philippus, Nathanael und Matthäus waren enger mit Jesus verbunden, denn sie hatten mehr von seinen Wundern gesehen als die anderen. Petrus, Jakobus und Johannes standen ihm am nächsten. Sie waren fast immer mit ihm zusammen, erlebten seine Wunder und hörten seine Worte. Johannes hatte ein besonders inniges Verhältnis zu seinem Herrn. Daher ist er als der Jünger bekannt, »den Jesus lieb hatte« (Johannes 21,20). Jesus liebte sie alle, doch Johannes war am empfänglichsten. Er war jünger als alle anderen. In kindlichem Vertrauen öffnete er Jesus sein Herz. Dadurch stand er ihm näher als die anderen. Durch ihn konnte der Erlöser seinem Volk die tiefsten geistlichen Lehren vermitteln. Die Apostel waren in verschiedene Gruppen eingeteilt. Philippus war der Leiter einer solchen Gruppe. Er war der erste Jünger, zu dem Jesus ausdrücklich gesagt hatte: »Folge mir nach!« (Johannes 1,43) Philippus stammte aus Betsaida, der Stadt, aus der auch Andreas und Petrus kamen. Er hatte die Botschaft von Johannes dem Täufer gehört und war dabei, als dieser Christus als das Lamm Gottes bezeichnete. Philippus suchte aufrichtig nach der Wahrheit, aber es fiel ihm schwer zu glauben. Obwohl er sich Jesus angeschlossen hatte, bewies seine Aussage gegenüber Nathanael, dass er von der Göttlichkeit von Jesus noch nicht völlig überzeugt war. Auch wenn die Stimme vom Himmel Jesus als Sohn Gottes bezeichnet hatte, war er für Philippus doch »Jesus, Josefs Sohn aus Nazareth« (Johannes 1,45) geblieben. Auch bei der Speisung der Fünftausend zeigte sich sein mangelndes Vertrauen. Um ihn zu prüfen, fragte ihn Jesus: »Wo kaufen wir Brot, damit diese zu essen haben?« (Johannes 6,5) Die Antwort des Philippus verriet seinen Kleinglauben: »200 Silberstücke wären nicht genug, um so viel zu kaufen, dass jeder auch nur einen Brocken abbekommt.« (Johannes 6,7 GNB) Jesus war traurig. Obwohl Philippus die Taten von Jesus gesehen und seine Kraft verspürt hatte, glaubte er doch nicht. Als ihn die Griechen nach Jesus fragten, verpasste Philippus die Gelegenheit, sie mit dem Erlöser bekanntzumachen. Stattdessen ging er zu Andreas und erzählte ihm davon. Und auch in den letzten Stunden vor der Kreuzigung waren die Worte von Philippus so, dass sie nicht zum Glauben ermutigten. Als Thomas zu Jesus sagte: »Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst; wie können wir den Weg wissen?«, erwiderte Jesus: »Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben … Wenn ihr mich erkannt habt, so werdet ihr auch meinen Vater erkennen.« Philippus antwortete in seinem Unglauben: »Herr, zeige uns den Vater und es genügt uns.« (Johannes 14,5-8) Dieser Jünger, der schon drei Jahre lang in der Gemeinschaft mit Jesus lebte, war halbherzig und schwach im Glauben. Im wohltuenden Gegensatz zum Unglauben von Philippus stand das kindliche Vertrauen von Nathanael. Er war ein Mann mit einem äußerst ernsthaften Charakter, der an der unsichtbaren Wirklichkeit Halt fand. Philippus hingegen war noch ein Lernender in der Schule von Christus, und der göttliche Lehrer ertrug seinen Unglauben und seine Trägheit geduldig. Als der Heilige Geist am Pfingstfest auf die Jünger ausgegossen wurde, stand Philippus als von Gott beauftragter Lehrer auf. Nun wusste er, wovon er sprach. Er lehrte mit einer solchen Gewissheit, dass seine Hörer überzeugt wurden. 

Während Jesus die Jünger auf ihren Dienst vorbereitete, drängte sich ihnen einer auf, der nicht dazu berufen worden war. Es war Judas Ischariot, ein Mann, der vorgab, ein Nachfolger von Jesus zu sein. Er drängte sich vor und bat um einen Platz im engsten Kreis der Jünger. Mit großem Ernst und scheinbarer Aufrichtigkeit erklärte er: »Meister, ich will dir folgen, wohin du gehst.« (Matthäus 8,19) Jesus wies ihn weder zurück, noch hieß er ihn willkommen, sondern äußerte die bedeutungsvollen Worte: »Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.« (Matthäus 8,20) Judas glaubte, dass Jesus der Messias war. Indem er sich den Jüngern anschloss, erhoffte er sich im neuen Königreich eine hohe Stellung. Mit dem Hinweis auf seine Armut versuchte Jesus, diese Hoffnung zu zerschlagen. Die Jünger bemühten sich darum, dass auch Judas zu ihnen gehören sollte. Er hatte ein sicheres Auftreten, besaß Führungsqualitäten und ein scharfes Urteilsvermögen. Sie empfahlen ihn Jesus als einen, der ihn in seiner Aufgabe großartig unterstützen könnte. Doch sie wunderten sich, dass Jesus ihn so kühl empfing. Die Jünger waren sehr enttäuscht, weil Jesus nicht versucht hatte, mit den führenden Männern Israels zusammenzuarbeiten. Sie betrachteten es als Fehler, dass er seine Sache nicht durch die Unterstützung dieser einflussreichen Männer aufwerten ließ. Hätte er Judas abgewiesen, hätten die Jünger insgeheim an der Weisheit ihres Meisters gezweifelt. Der spätere Verlauf von Judas‘ Geschichte zeigte ihnen jedoch, wie gefährlich es war, von weltlichen Gesichtspunkten aus darüber zu entscheiden, ob sich ein Mensch dafür eignet, im Werk Gottes zu arbeiten. Solche Männer, um deren Mitarbeit sich die Jünger so sehr bemühten, hätten das Werk Gottes verraten und es den schlimmsten Feinden in die Hände gespielt. Als sich Judas zu den Jüngern gesellte, war er nicht unempfänglich für die Schönheit des Charakters von Jesus. Er spürte den Einfluss der göttlichen Macht, welche die Herzen der Menschen zu Christus zog. Der Erlöser, der nicht gekommen war, das geknickte Rohr zu zerbrechen und den glimmenden Docht auszulöschen (vgl. Jesaja 42,3), wollte auch diesen Menschen nicht zurückweisen, solange er noch einen Wunsch nach Licht verspürte. Jesus kannte das Herz von Judas. Er wusste um die Tiefen der Bosheit, in die er versinken würde, wenn er sich nicht von der Gnade Gottes retten ließe. Mit der Aufnahme in seinen Jüngerkreis bot er Judas die Gelegenheit, Tag für Tag mit seiner überströmenden selbstlosen Liebe in Berührung zu kommen. Würde er Jesus sein Herz öffnen, könnte die göttliche Gnade den Dämon der Selbstsucht aus seinem Herzen vertreiben. So könnte sogar Judas ein Bürger des Reiches Gottes werden. Gott nimmt die Menschen an, wie sie sind, mit all ihren menschlichen Charakterzügen. Er bereitet sie für seinen Dienst vor, wenn sie von ihm lernen und sich beeinflussen lassen wollen. Sie werden nicht berufen, weil sie vollkommen sind, sondern trotz ihrer Unvollkommenheit, damit sie durch das Erkennen und Ausleben der Wahrheit und durch die Gnade von Christus in sein Bild verwandelt werden. Judas hatte dieselben Gelegenheiten wie die anderen Jünger auch. Er hörte dieselben wertvollen Unterweisungen. Die Umsetzung der Wahrheit aber, wie Christus es gebot, stand im Widerspruch zu seinen eigenen Wünschen und Absichten. Er war nicht bereit, seine eigenen Vorstellungen aufzugeben, um die Weisheit des Himmels zu empfangen. Wie liebevoll verhielt sich Jesus doch dem gegenüber, der einmal sein Verräter werden würde! In seinen Unterweisungen verweilte Jesus bei den Grundlagen der Nächstenliebe, die das Übel der Habsucht an der Wurzel packt. Er zeigte Judas, wie abscheulich Habgier ist. Oft erkannte dieser Jünger, dass damit sein eigener Charakter und seine eigenen Sünden gemeint waren. Doch er wollte seine Ungerechtigkeit nicht einsehen und aufgeben. Er war selbstzufrieden. Statt der Versuchung zu widerstehen, setzte er seine unehrlichen Machenschaften fort. Christus war für ihn ein lebendiges Beispiel dafür, wie er werden musste, wenn er den Segen göttlicher Vermittlung und göttlichen Wirkens ernten wollte. Aber Lektion um Lektion ging vorbei, ohne dass Judas darauf gehört hätte. Jesus machte Judas wegen seiner Habsucht keine schweren Vorwürfe, sondern ertrug diesen irrenden Mann in göttlicher Geduld. Er wies ihn sogar darauf hin, dass er in seinem Herzen wie in einem offenen Buch lesen könne. Judas erhielt durch Jesus die bestmögliche Motivation zum richtigen Handeln. Sollte er aber das Licht des Himmels ablehnen, hätte er dafür keine Entschuldigung. Anstatt im Licht zu wandeln, entschloss sich Judas, sein Fehlverhalten nicht aufzugeben. Sündige Begierden, rachsüchtige Gefühle, düstere und missmutige Gedanken wurden gehegt, bis Satan diesen Mann völlig beherrschte. So wurde Judas zum Vertreter des Feindes von Christus. Als Judas in die Gemeinschaft von Jesus aufgenommen wurde, besaß er einige bemerkenswerte Wesenszüge, die der Gemeinde zum Segen hätten gereichen können. Wäre er bereit gewesen, das Joch von Jesus zu tragen, hätte er einer der wichtigsten Apostel werden können. Aber er verhärtete sein Herz, wenn er auf seine Fehler hingewiesen wurde. Voller Stolz und Auflehnung entschied er sich für seine eigenen selbstsüchtigen Ziele und machte sich dadurch selbst für die Aufgabe untauglich, die Gott für ihn vorgesehen hatte.

Alle Jünger hatten große Schwächen, als Jesus sie in seinen Dienst berief. Sogar Johannes, der dem sanftmütigen und bescheidenen Herrn am nächsten stand, war von Natur aus überhaupt nicht demütig und ergeben. Er und sein Bruder wurden »Donnersöhne« genannt (vgl. Markus 3,17). Während sie mit Jesus zusammen waren, erregte jede Geringschätzung ihres Herrn ihren Zorn und ihre Kampfeslust. Jähzorn, Rachsucht und Kritikgeist waren Eigenschaften des geliebten Jüngers. Er war stolz und begierig darauf, der Erste im Reich Gottes zu sein. Aber als Gegenstück zu seinem eigenen ungestümen Wesen erlebte er Tag für Tag die Güte und Langmut von Jesus und hörte dessen Belehrungen über Demut und Geduld. Weil er sein Herz diesem göttlichen Einfluss öffnete, wurde er nicht nur ein Hörer, sondern auch ein Täter der Worte von Jesus. Sein altes Ich wurde in Christus verborgen. Er lernte das Joch von Jesus und dessen Lasten zu tragen. Jesus tadelte seine Jünger, ermahnte und warnte sie. Doch Johannes und seine Brüder verließen ihn nicht. Sie hatten sich trotz seiner Belehrungen für Jesus entschieden. Der Erlöser zog sich wegen ihrer Schwächen und Mängel nicht von ihnen zurück. Bis zum Ende blieben sie bei ihm, nahmen Anteil an Kummer und Leid und lernten aus seinem Leben. Indem sie auf Christus schauten, wurde ihr Wesen verändert. Die Apostel waren in ihren Gewohnheiten und Veranlagungen sehr verschieden. Da war Levi-Matthäus, der Zöllner, und der hitzige Zelot Simon mit seinem unversöhnlichen Hass auf die Herrschaft der Römer. Da war der großmütige, aber ungestüme Petrus und der hinterhältige Judas. Da war der treuherzige, schüchterne und furchtsame Thomas sowie der halbherzige Philippus mit seinem Hang zum Zweifel. Und dann gab es noch die ausgesprochen ehrgeizigen Söhne von Zebedäus mit ihren Brüdern. All diese Menschen waren hier zusammen, mit ihren verschiedenen Schwächen und ererbten und gehegten Neigungen zum Bösen. Aber durch Christus gehörten sie der göttlichen Familie an und lernten, eins zu werden im Glauben, in der Lehre und im Geist. Sie würden zwar Prüfungen und Schwierigkeiten erdulden sowie Meinungsverschiedenheiten austragen, aber solange Christus in ihren Herzen wohnte, würde es keinen Streit geben. Seine Liebe würde dazu führen, dass sie sich gegenseitig liebten. Die Unterweisungen des Meisters würden alle Unterschiede ausgleichen, bis die Jünger eins wären in Gedanken und im Urteil. Christus ist der große Mittelpunkt. Je näher sie diesem Mittelpunkt kämen, desto näher würden sie auch zueinander finden. Nachdem Jesus seine Unterweisung an die Jünger beendet hatte, versammelte er die kleine Schar um sich. Sie knieten nieder. Jesus, der in ihrer Mitte war, legte seine Hände auf ihre Häupter und weihte sie mit einem Gebet für ihren heiligen Dienst. Auf diese Weise wurden die Jünger für den Verkündigungsdienst eingesegnet.

Christus erwählte als seine Repräsentanten auf Erden nicht sündlose Engel, sondern Menschen mit den gleichen Empfindungen, wie sie jene haben, die gerettet werden sollen. Er selbst nahm die menschliche Natur an, um die Menschheit erreichen zu können. Die göttliche Natur bedurfte der menschlichen, denn es erforderte sowohl das Göttliche als auch das Menschliche, um der Welt die Erlösung zu bringen. Die göttliche Natur bedurfte der menschlichen, um eine Kommunikation zwischen Gott und den Menschen zu ermöglichen. So ist es auch mit den Dienern und Boten von Christus. Der Mensch bedarf einer Macht, die außerhalb seiner selbst liegt, um in ihm das Bild Gottes wiederherzustellen und ihn zu befähigen, Gottes Werk zu verrichten. Aber dadurch wird das Handeln des Menschen nicht bedeutungslos. Die Menschlichkeit findet ihren Halt in der göttlichen Macht. Christus wohnt durch den Glauben im Herzen des Menschen. Durch die Zusammenarbeit mit Gott wird dieser zum Guten fähig. Er, der die Fischer von Galiläa erwählte, ruft noch heute Menschen in seinen Dienst. Er möchte seine Macht durch uns offenbaren, genauso wie er dies durch die ersten Jünger getan hat. Wie unvollkommen und sündhaft wir auch sein mögen, der Herr streckt seine Hand aus und bietet uns an, seine Partner zu werden und uns von ihm ausbilden zu lassen. Er lädt uns ein, uns seiner göttlichen Weisung zu unterstellen, damit wir gemeinsam mit ihm Gottes Werk erfüllen können. »Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns.« (2. Korinther 4,7) Darum wurde die Verkündigung des Evangeliums den sündigen Menschen und nicht den Engeln anvertraut. Auf diese Weise wird offenbar, dass es Gottes Kraft ist, die durch die menschliche Schwachheit wirkt. Dadurch werden wir im Glauben bestärkt, dass diese Kraft, die anderen helfen kann, auch uns beistehen wird. Wer selbst mit Schwachheit behaftet ist, soll mit denen mitfühlen können, »die unwissend sind und irren« (Hebräer 5,2). Wer in Gefahr gewesen ist, kennt die Schwierigkeiten des Weges. Darum ist er aufgerufen, denen zu helfen, die sich in der gleichen Gefahr befinden. Es gibt Menschen, die von Zweifel geplagt, mit Problemen belastet und schwach im Glauben sind, unfähig, den noch unsichtbaren Erlöser zu erfassen. Aber ein Freund, den sie sehen können und der anstelle von Christus zu ihnen kommt, kann ein Bindeglied werden, um den schwankenden Glauben an Christus zu festigen. Wir müssen mit den Engeln des Himmels zusammenwirken, um der Welt den Erlöser nahezubringen. Mit großer Ungeduld warten sie auf unsere Mitarbeit, denn die gute Nachricht soll von Mensch zu Mensch weitergegeben werden. Wenn wir uns mit ungeteiltem Herzen Christus übergeben, freuen sich die Engel, dass sie durch unseren Mund der Welt Gottes Liebe verkündigen können.

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