Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen

Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen

Markus 1,14.15; Daniel 9,24-27

Jesus zog nach Galiläa, um dort das Evangelium Gottes zu verkündigen: »Jetzt ist die Zeit gekommen … Das Reich Gottes ist nahe! Kehrt euch ab von euren Sünden und glaubt an diese gute Botschaft!« (Markus 1,15 NLB) Die Ankunft des Messias war zuerst in Judäa verkündigt worden. Als Zacharias im Tempel von Jerusalem seinen Dienst am Altar versah, wurde ihm die Geburt des Wegbereiters von Jesus vorhergesagt. Auf den Hügeln von Bethlehem hatten die Engel die Geburt von Jesus verkündet. Die Weisen waren nach Jerusalem gekommen, um den neugeborenen König zu suchen. Im Tempel hatten Simeon und Hanna seine Göttlichkeit bezeugt. »Jerusalem und ganz Judäa« (Matthäus 3,5) hatten die Predigt von Johannes dem Täufer vernommen. Eine Abordnung des Hohen Rates und eine große Volksmenge hatten das Zeugnis des Johannes über Jesus gehört. Zu Beginn seines Wirkens verbrachte Jesus viel Zeit in Judäa. Dort wählte er auch seine ersten Jünger aus. Das Aufleuchten seiner Göttlichkeit bei der Reinigung des Tempels, seine Heilungswunder und die Predigt der göttlichen Wahrheit aus seinem Mund wiesen auf das hin, was er bereits nach der Heilung in Betesda vor dem Hohen Rat erklärt hatte – dass er der Sohn des Ewigen sei.

Hätten die Führer Israels Jesus als Messias willkommen geheißen, wäre ihnen die Ehre zuteilgeworden, als seine Boten das Evangelium in die ganze Welt hinauszutragen. Sie hätten als Erste die Möglichkeit erhalten, Verkünder des Reiches und der Gnade Gottes zu werden. Aber Israel erkannte die Zeit nicht, in der es »heimgesucht« wurde (vgl. Lukas 19,44). Die Eifersucht und das Misstrauen der jüdischen Führer waren zu offenem Hass herangereift, und die Herzen der Menschen wurden von Jesus abgewendet. Der Hohe Rat hatte die Botschaft von Jesus zurückgewiesen und war nun fest entschlossen, ihn zu töten. Deshalb entfernte sich Jesus von Jerusalem, den Priestern, dem Tempel, den religiösen Führern und den im Gesetz geschulten Menschen und wandte sich einer anderen Gesellschaftsschicht zu. Diesen Menschen wollte er seine Botschaft verkünden. Aus ihnen sollten jene ausgesucht werden, die sein Evangelium der ganzen Welt bringen würden. So wie damals das »Licht« und das »Leben« der Menschheit von den religiösen Führern zurückgewiesen wurde (vgl. Johannes 1,4.5), wurde es auch in jeder nachfolgenden Generation abgelehnt. Die Geschichte vom Rückzug von Christus aus Judäa wiederholte sich immer wieder. Als die Reformatoren das Wort Gottes predigten, wollten sie sich nicht von der alteingesessenen Kirche trennen. Doch die religiösen Führer wollten das Licht nicht dulden. Dadurch wurden alle, die das Licht verbreiten wollten, genötigt, sich nach Menschen umzusehen, die sich nach der Wahrheit sehnten. Heute lassen sich nur wenige sogenannte Nachfolger der Reformatoren von deren Geist leiten. Nur wenige hören auf Gottes Stimme und sind bereit, die Wahrheit anzunehmen, in welcher Form sie auch angeboten werden mag. Oft werden diejenigen, die in den Fußstapfen der Reformatoren gehen, gezwungen, sich von den Kirchen, die sie lieben, abzuwenden, um die klaren Lehren der Heiligen Schrift zu verkünden. Und oftmals sehen sich die, die nach geistlichem Licht suchen, durch dieselbe Lehre genötigt, die Kirche ihrer Väter zu verlassen, um Gott gehorchen zu können.

Die Rabbiner in Jerusalem verachteten die Einwohner Galiläas als einfältig und ungebildet. Doch für den Erlöser war dies ein günstigeres Wirkungsfeld. Die Menschen waren ernsthafter und aufrichtiger, weniger scheinheilig und ihr Geist war für die Wahrheit empfänglicher. Jesus begab sich nicht nach Galiläa, weil er die Abgeschiedenheit oder Einsamkeit suchte. Das Land war damals dicht besiedelt und hatte einen viel höheren Anteil an Fremden als Judäa. Als Jesus lehrend und heilend durch Galiläa zog, versammelten sich um ihn Scharen von Menschen, die aus den Städten und Dörfern herbeiströmten. Viele kamen sogar aus Judäa und den angrenzenden Provinzen. Oft musste er sich vor der Menge verbergen. Weil deren Begeisterung so groß war, mussten Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden. Die römischen Behörden sollten nicht aufgeschreckt werden und einen Aufstand befürchten. Nie zuvor hatte die Welt solches erlebt. Der Himmel kam zu den Menschen. Hungernde und Dürstende, die lange auf das Heil Israels gewartet hatten, erfreuten sich jetzt der Gnade eines barmherzigen Erlösers.

Der Grundgedanke der Predigten von Christus war: »Jetzt ist die Zeit gekommen … Das Reich Gottes ist nahe! Kehrt euch ab von euren Sünden und glaubt an diese gute Botschaft!« (Markus 1,15 NLB) Somit gründete sich die gute Nachricht, wie Jesus sie selbst verkündigte, auf die Prophetie. Die »Zeit«, die nach seinen Worten erfüllt war, umfasste den Abschnitt, den der Engel Gabriel dem Propheten Daniel genannt hatte: »70 Wochen sind verhängt über dein Volk und über deine heilige Stadt; dann wird dem Frevel ein Ende gemacht und die Sünde abgetan und die Schuld gesühnt, und es wird ewige Gerechtigkeit gebracht und Gesicht und Weissagung erfüllt und das Allerheiligste gesalbt werden.« (Daniel 9,24) Ein Tag in der Prophetie bedeutet ein Jahr (vgl. 4. Mose 14,34; Hesekiel 4,6). Die 70 Wochen oder 490 Tage stehen somit für 490 Jahre. Der Anfangspunkt dieses Zeitabschnitts wird folgendermaßen festgelegt: »So wisse und verstehe: Vom Erlass des Befehls zur Wiederherstellung und zum Aufbau Jerusalems bis zu dem Gesalbten, dem Fürsten, vergehen 7 Wochen und 62 Wochen« (Daniel 9,25a Schl.), insgesamt also 69 Jahrwochen oder 483 Jahre. Der Befehl zur Wiederherstellung und zum Aufbau Jerusalems wurde durch einen Erlass des persischen Königs Artaxerxes Longimanus erteilt und trat im Herbst des Jahres 457 v. Chr. in Kraft (vgl. Esra 6,14; 7,1.9). 49 Die 483 Jahre enden somit im Herbst des Jahres 27 n. Chr. Gemäß der Vorhersage sollte dieser Zeitabschnitt bis zum Auftreten des Messias, »des Gesalbten«, reichen. Im Jahre 27 n. Chr. empfing Jesus bei seiner Taufe die Salbung mit dem Heiligen Geist und begann kurze Zeit später seinen Dienst. Von nun an hieß es: »Die Zeit ist erfüllt.« (Markus 1,15a) Der Engel fuhr fort und erklärte: »Er wird mit den vielen einen festen Bund schließen eine Woche [7 Jahre] lang.« (Daniel 9,27a Schl.) Nachdem Jesus seinen Dienst angetreten hatte, sollte das Evangelium sieben Jahre lang besonders den Juden verkündet werden: dreieinhalb Jahre durch Christus selbst und anschließend durch die Apostel. »In der Mitte der Woche wird er die Schlachtopfer und Speiseopfer abschaffen.« (Daniel 9,27b) Im Frühjahr des Jahres 31 n. Chr. wurde der Messias als das wahre Opfer auf Golgatha dargebracht. Der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Teile (vgl. Matthäus 27,50.51), um anzuzeigen, dass alle Opferhandlungen ihre Heiligkeit sowie Sinn und Bedeutung verloren hatten. Die Zeit der irdischen Opfer und Gaben war vorbei. Die letzte Woche (sieben Jahre) endete 34 n. Chr. Damals besiegelten die Juden durch die Steinigung des Stephanus ihre endgültige Ablehnung des Evangeliums. Die Jünger wurden durch die Verfolgung zerstreut und »zogen umher und predigten das Wort« (Apostelgeschichte 8,4). Kurz danach bekehrte sich Saulus, der Verfolger, und wurde zum Heidenapostel Paulus. Die Zeit des Kommens von Christus, seine Salbung durch den Heiligen Geist, sein Tod und die Verbreitung des Evangeliums unter den Völkern – auf all diese Ereignisse war eindeutig hingewiesen worden. Die Juden hatten das Vorrecht, diese Weissagungen zu verstehen und durch das Wirken von Jesus ihre Erfüllung zu erkennen. Christus machte seinen Jüngern bewusst, wie wichtig das Studium der Prophezeiungen ist. Als er auf die Weissagungen Daniels und deren Bedeutung für ihre Zeit hinwies, sagte er: »Wer das liest, der merke auf!« (Matthäus 24,15b) Nach seiner Auferstehung erklärte er seinen Jüngern, was in »allen Propheten … von ihm gesagt war« (Lukas 24,27). Christus selbst hatte durch alle Propheten geredet. »Und der Geist wirkte in ihnen, und sie versuchten zu erkennen, auf welche Zeit er sie hinwies, als er ihnen die Leiden von Christus und seine Herrlichkeit bereits damals ankündigte.« (1. Petrus 1,11 NLB)

Der Engel Gabriel, der nach dem Sohn Gottes die höchste Stellung einnimmt, überbrachte einst Daniel die göttliche Botschaft. Gabriel, »seinen Engel«, würde Christus später zu seinem geliebten Jünger Johannes senden, um ihm die Zukunft zu zeigen. Und gesegnet ist, »der da liest und die da hören die Worte der Weissagung und behalten, was darin geschrieben ist« (Offenbarung 1,1-3). »Gott, der Herr, tut nichts, er offenbare denn seinen Ratschluss den Propheten, seinen Knechten.« (Amos 3,7) »Was verborgen ist, ist des Herrn, unseres Gottes; was aber offenbart ist, das gilt uns und unseren Kindern ewiglich.« (5. Mose 29,28) Das, was offenbart ist, hat uns Gott gegeben. Sein Segen ist jedem zugesagt, der die prophetischen Schriften mit Ehrfurcht und unter Gebet studiert. Wie die Nachricht vom ersten Kommen von Christus das Reich seiner Gnade ankündigte, so kündigt die Nachricht von seinem zweiten Kommen das Reich seiner Herrlichkeit an. Wie die erste Nachricht gründet sich auch die zweite auf die Prophezeiungen der Bibel. Was der Engel dem Propheten Daniel über die letzte Zeit mitteilte, sollte in der »Zeit des Endes« (Daniel 12,4.9) verstanden werden. Von dieser Zeit heißt es: »Viele werden darin forschen, und so wird die Erkenntnis zunehmen … Diejenigen, die sich von Gott abgewandt haben, werden weiterhin Böses tun. Sie werden auch bis zum Schluss nichts begreifen, die Klugen aber werden dieses alles verstehen.« (Daniel 12,4.10 NLB) Jesus hat selbst Zeichen seines Kommens genannt und dann gesagt: »Wenn ihr seht, dass dies alles geschieht, so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist … Hütet euch aber, dass eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen und mit täglichen Sorgen und dieser Tag nicht plötzlich über euch komme wie ein Fallstrick … So seid allezeit wach und betet, dass ihr stark werdet, zu entfliehen diesem allen, was geschehen soll, und zu stehen vor dem Menschensohn.« (Lukas 21,31.34. 36) Die von der Heiligen Schrift vorhergesagte Zeit ist nun da. Die Zeit des Endes ist angebrochen. Die Vorhersagen der Propheten sind entsiegelt, und deren ernste Warnungen weisen uns darauf hin, dass das Kommen unseres Herrn in Herrlichkeit nahe bevorsteht. Die Juden hatten das Wort Gottes falsch gedeutet und falsch angewandt und erkannten darum die Zeit ihrer Heimsuchung nicht. Die wertvollen letzten Jahre der Gnade für das auserwählte Volk, die Jahre des Wirkens von Christus und der Apostel, verbrachte man damit, Pläne zur Vernichtung der Boten Gottes zu schmieden. Weltlicher Ehrgeiz zog sie völlig in den Bann. Das geistliche Königreich wurde ihnen vergeblich angeboten. So ist es auch heute. Das Reich dieser Welt nimmt die Gedanken der Menschen gefangen, die nichts von den sich schnell erfüllenden Weissagungen und den Zeichen des rasch näherkommenden Gottesreiches bemerken. »Aber ihr, liebe Brüder, lebt nicht in der Finsternis und werdet nicht überrascht sein, wenn der Tag des Herrn kommt wie ein Dieb. Denn ihr seid alle Kinder des Lichts und des Tages; wir gehören nicht der Finsternis noch der Nacht.« (1. Thessalonicher 5,4.5 NLB) Wir brauchen zwar nicht zu wissen, zu welcher Stunde unser Herr wiederkommt, wohl aber, wann sein Kommen nahe ist. »So lasst uns nun nicht schlafen wie die anderen, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein.« (1. Thessalonicher 5,6) 

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