Matthäus 16,18

Matthäus 16,18

„Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.“

Die katholische Kirche interpretiert diesen Text derart, dass Petrus der Fels sei und begründet die Lehre der apostolischen Sukzession u.a. durch eine Misinterpretation dieses Verses. Beachtet man jedoch den Kontext und den Grundtext dieses Schriftwortes, werden wir die wahre Bedeutung verstehen.

Jesus stellte den Jüngern vorher eine Frage: „Wer sagt denn ihr, dass ich sei? Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist der Christus, des lebendigen Gottes Sohn!“ (Matthäus 16,15.16) Petrus hatte von Anfang an geglaubt, dass Jesus der Messias war. Viele andere, die durch die Predigt des Täufers überzeugt worden waren und Christus angenommen hatten, begannen an der Sendung des Johannes zu zweifeln, als dieser eingekerkert und hingerichtet wurde. Und nun bezweifelten sie, dass Jesus der Messias war, nachdem sie schon so lange nach ihm Ausschau gehalten hatten. Viele Jünger, die begeistert darauf gewartet hatten, dass Jesus den Thron Davids besteigen würde, verließen ihn, als sie merkten, dass er dies gar nicht vorhatte. Nur Petrus und seine Begleiter blieben Jesus treu. Der Wankelmut derer, die ihn gestern gepriesen hatten und heute verdammten, konnte den Glauben eines wahren Nachfolgers von Jesus nicht zerstören. Petrus erklärte: „Du bist der Christus, des lebendigen Gottes Sohn!“ (Matthäus 16,16) Er wartete nicht darauf, bis sein Herr mit königlichen Ehren gekrönt wurde, sondern nahm ihn in seiner Niedrigkeit an. Petrus bekundete den Glauben der Zwölf. Trotzdem waren die Jünger noch weit davon entfernt, die Aufgabe von Christus zu verstehen. Obwohl der Widerstand und die Unterstellungen der Priester und Würdenträger sie nicht von Christus trennen konnten, wurden sie dennoch sehr verunsichert. Die Jünger konnten ihren Weg nicht deutlich erkennen. Der Einfluss ihrer früheren Erziehung, die Lehren der Rabbiner und die Macht der Tradition trübten immer noch ihren Blick für die Wahrheit. Von Zeit zu Zeit erhellten kostbare Strahlen des Lichts, das von Jesus ausging, ihren Weg. Oft aber waren sie wie Menschen, die im Dunkeln tappen. Doch an diesem Tag, als sie noch vor ihrer großen Glaubensprüfung standen, ruhte die Kraft des Heiligen Geistes auf ihnen. Für kurze Zeit waren ihre Augen vom „Sichtbaren“ abgewandt, um das „Unsichtbare“ zu schauen (vgl. 2. Korinther 4,18). Hinter seiner menschlichen Gestalt erkannten sie die Herrlichkeit des Sohnes Gottes. Jesus antwortete Petrus und sprach: „Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel.“ (Matthäus 16,17) Die Wahrheit, zu der sich Petrus hier bekannte, ist die Glaubensgrundlage der Christen. Jesus selbst erklärte, dass darin das ewige Leben bestehe. Doch diese Erkenntnis war kein Grund, sich selbst zu rühmen. Sie wurde Petrus nicht durch eigene Weisheit oder Güte offenbart. Menschen können niemals aus sich selbst heraus göttliche Erkenntnis erlangen. Sie ist „höher als der Himmel: Was willst du tun?, tiefer als die Unterwelt: Was kannst du wissen?“ (Hiob 11,8). Nur der Geist Gottes kann uns die Tiefe der göttlichen Dinge offenbaren, die „kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen“ sind (1. Korinther 2,9). Gott aber hat sie „uns durch seinen Geist offenbart … Sein Geist weiß alles und schenkt uns einen Blick selbst in die tiefsten Geheimnisse Gottes“ (1. Korinther 2,10). „Am Rat des HERRN haben teil, die ihn fürchten; und seinen Bund lässt er sie wissen.“ (Psalm 25,14) Die Tatsache, dass Petrus die Herrlichkeit von Christus erkannte, war ein Beweis dafür, dass er „von Gott gelehrt“ war (Johannes 6,45b). Ja, in der Tat, „glücklich bist du zu preisen, Simon, Sohn des Jona; denn nicht menschliche Klugheit hat dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel“ (Matthäus 16,17 NGÜ).

„Du bist Petrus“ Als Jesus Simon Bar-Jona (Matthäus 16,17) als Petrus ansprach, benutzte er den Namen, den er Petrus bei seiner ersten Begegnung gegeben hatte (siehe Johannes 1,40-42; Matthäus 4,18). Jesus sprach weiter: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.“ (Matthäus 16,18) Das Wort „Petrus“ [Gr. petros] bedeutet Stein – ein rollender Stein. Jesus benutzte das gleiche griechische Wort, das 161 Mal im Neuen Testament für Petrus verwendet wird: „petros“. Es wird im Neuen Testament nie für etwas anderes verwendet als zur Bezeichnung von Petrus. Der Name bedeutet „Kieselstein“ oder „rollender Stein“. Petrus war nicht der Fels [Gr. petra], auf dem die Gemeinde gegründet wurde. Die „Pforten der Hölle“ überwältigten ihn u.a., als er seinen Herrn unter Fluchen und Schwören verleugnete. Die Gemeinde wurde auf den Einen gebaut, den die „Pforten der Hölle“ nicht überwältigen konnten. „Auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen“ Hier benutzte Christus das Wort „petra“ für „Fels“. Das Wort „petra“ bezeichnet einen riesigen, unbeweglichen Felsbrocken. Dieses Wort wird nie verwendet, um Petrus zu bezeichnen.

Schon Jahrhunderte bevor Christus kam, hatte Mose auf den Fels des Heils für Israel hingewiesen (vgl. 5. Mose 32,4). Der Psalmist hatte vom „Fels meiner Stärke“ (Psalm 62,8) gesungen, und bei Jesaja steht geschrieben: „Darum spricht Gott, der Herr: Siehe, ich lege in Zion einen Grundstein, einen bewährten Stein, einen kostbaren Eckstein, der fest gegründet ist.“ (Jesaja 28,16) Petrus selbst bezog diese Weissagung auf Jesus, als er – inspiriert vom Heiligen Geist – schrieb: „Denn ihr habt erfahren, wie gütig der Herr ist. Kommt zu ihm, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist. Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen.“ (1. Petrus 2,3-5 EÜ) „Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ (1. Korinther 3,11) „Auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen“ (Matthäus 16,18), sagte der Herr. In der Gegenwart Gottes und aller himmlischen Wesen sowie in der Gegenwart der unsichtbaren Heere Satans gründete Christus seine Gemeinde auf den lebendigen Felsen. Dieser Felsen ist er selbst – sein Leib, der für uns gebrochen und durchbohrt worden ist. Die Pforten der Hölle werden eine Gemeinde, die auf diesen Grund gebaut wurde, nicht überwältigen. Wie schwach erschien die Gemeinde, als Jesus diese Worte sprach! Es gab nur einige wenige Gläubige, gegen die sich die ganze Macht der Dämonen und der bösen Menschen richtete. Und doch sollten sich die Nachfolger von Christus nicht fürchten. Gebaut auf dem Fels ihrer Stärke konnten sie nicht überwunden werden. Seit rund 6000 Jahren gründet sich der Glaube auf Christus, und seither haben Stürme und die Brandung satanischer Wut gegen den Felsen unseres Heils (vgl. Psalm 95,1b) gekämpft. Aber er steht unverrückbar da. Petrus hatte die Wahrheit, die das Fundament des christlichen Glaubens ist, zum Ausdruck gebracht. Christus allein ist das Fundament der Gemeinde, denn „einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus“ (1. Korinther 3,11), „und in keinem anderen ist das Heil“ (Apostelgeschichte 4,12). Eng verbunden mit Jesus Christus als „Eckstein“ im Fundament der Gemeinde sind „die Apostel und Propheten“ (Epheser 2,20). In demselben Sinne, in dem Christus der Fels ist, „ein lebendiger Stein, von den Menschen verworfen, von Gott aber auserwählt“, sind alle, die an ihn glauben, „als lebendige Steine ein geistliches Haus“ (1. Petrus 2,4.5), „zusammengefügt … ein heiliger Tempel in dem Herrn“ (Epheser 2,21). Aber Jesus ist immer und allein der „Fels“, auf dem der ganze Bau ruht, denn ohne ihn gäbe es überhaupt keine Gemeinde. Der Glaube an ihn als den Sohn Gottes macht es möglich, dass auch wir Söhne Gottes werden können (vgl. Johannes 1,12; 1. Johannes 3,1.2). Die Erkenntnis, dass Jesus Christus tatsächlich der Sohn Gottes ist, wie Petrus bei dieser Gelegenheit nachdrücklich bekräftigte (siehe Matthäus 16,16), ist der Schlüssel zur Tür des Heils.

Erst als man für die Ansprüche des Bischofs von Rom auf den Primat der Kirche nach biblischer Unterstützung suchte, wurden die Worte Christi aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gerissen und so interpretiert, dass Petrus dieser Fels sei. Leo I. war der erste römische Pontifex, der behauptete (etwa 445 n. Chr.), seine Autorität stamme von Christus durch Petrus. Kenneth Scott Latourette, ein führender Kirchenhistoriker, sagt über ihn: „Er bestand darauf, dass Petrus durch das Dekret Christi der Fels, das Fundament, der Türhüter des Himmelreichs war, der zum Binden und Lösen bestimmt war, dessen Urteile im Himmel ihre Gültigkeit behielten, und dass Petrus durch den Papst als seinen Nachfolger weiterhin die Aufgabe erfüllte, die ihm anvertraut worden war“ (A History of Christianity [1953], S. 186). Es ist in der Tat seltsam, dass, wenn dies wirklich das ist, was Christus meinte, weder Petrus noch irgendein anderer der Jünger noch andere Christen vier Jahrhunderte lang danach diese Tatsache entdeckten! Wie außergewöhnlich, dass kein römischer Bischof diese Bedeutung in den Worten Christi entdeckte, bis ein Bischof aus dem fünften Jahrhundert es für notwendig hielt, eine biblische Stütze für den päpstlichen Primat zu finden. Die Bedeutung, die den Worten Christi beigemessen wird, um den so genannten Nachfolgern Petri, den Bischöfen von Rom, den Primat zu verleihen, steht jedoch im völligen Widerspruch zu allen Lehren, die Christus seinen Nachfolgern gegeben hat.
Der vielleicht beste Beweis dafür, dass Christus Petrus nicht zum „Felsen“ ernannt hat, auf den er seine Gemeinde bauen würde, ist die Tatsache, dass keiner von denen, die Christus bei dieser Gelegenheit hörten – nicht einmal Petrus – seine Worte so auslegte, weder während der Zeit, als Christus auf der Erde war, noch später. Hätte Christus Petrus zum Haupt unter den Jüngern gemacht, wären sie danach nicht in wiederholte Auseinandersetzungen darüber verwickelt worden, wer von ihnen „als der Größte angesehen werden sollte“ (Lukas 22,24; Matthäus 18,1; Markus 9,33-35). Es liegt auf der Hand, dass ein „petros“, ein kleiner Stein, ein unmögliches Fundament für ein Gebäude wäre, und Jesus bekräftigt hier, dass nichts Geringeres als ein „petra“, ein „Fels“, ausreichen könnte. Diese Tatsache wird noch deutlicher durch die Worte Christi in Matthäus 7,24: „Wer diese meine Worte hört und sie tut“, ist wie „ein kluger Mann, der sein Haus auf einen Felsen [gr. petra] baute“. Jedes Gebäude, das auf Petrus, petros, einen schwachen, irrenden Menschen, gebaut ist, hat, wie der Bericht des Evangeliums deutlich macht, ein Fundament, das kaum besser ist als Sand.

„die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.“ (Hölle; Gr. hadēs, wörtlich „unsichtbar“, d.h. die „unsichtbare [Welt]“, das Reich oder der Aufenthaltsort der Toten; daher „Tod“ oder „Grab“). Im jüdischen Sprachgebrauch ist „she’ol“ der vorübergehende Aufenthaltsort aller Toten, sowohl der Gerechten als auch der Ungerechten. Der neutestamentliche Gebrauch von „hadēs“ ist derselbe wie der alttestamentliche von „she’ol“. Es ist wichtig, zwischen der „Hölle“ von hadēs und der von Gehenna (gr. geenan), der „Hölle“ des Feuers, zu unterscheiden. In der LXX ist „hadēs“ die übliche Übersetzung für das hebr. „she’ol“, „Grab“, wie in Hosea 13,14, wo „she’ol“, „Grab“, poetisch parallel zu „maweth“, „Tod“, steht. Hier werden sowohl „Grab“ als auch „Tod“ personifiziert. Das Wort „hadēs taucht auf vielen alten Grabsteinen in Kleinasien auf und bezeichnet das „Grab“ dieser oder jener Person. Im übertragenen Sinne hatten die „Pforten der Hölle“ die Oberhand über Petrus, als er seinen Herrn dreimal verleugnete, und buchstäblich bei seinem Tod (siehe Johannes 21,18.19). Die volle Bedeutung dessen, was Christus meinte, als er sagte, dass „die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.“, lässt sich am besten verstehen, wenn man bedenkt, dass er gleich darauf davon sprach, wie er „getötet und am dritten Tag auferweckt“ werden würde (vgl. Matthäus 12,40). Christus triumphierte glorreich über alle Mächte Satans, und durch diesen Triumph gab er die Gewissheit, dass auch seine Gemeinde auf Erden triumphieren würde, wenn sie auf ihm und seinen Lehren gegründet bliebe.

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