Hiob 14,19-22

Hiob 14,19-22

„das Wasser höhlt Steine aus, und die Flut schwemmt den Staub der Erde fort: So machst du auch die Hoffnung des Sterblichen zunichte. Du überwältigst ihn für immer, und er fährt dahin; du entstellst sein Angesicht und jagst ihn fort. Ob seine Kinder zu Ehren kommen, weiß er nicht, und kommen sie herunter, so merkt er es nicht. Sein Fleisch empfindet nur noch seine eigenen Schmerzen, und seine Seele trauert nur über sich selbst!“

Vers 22 scheint zu besagen, dass der fleischliche Körper eines Toten ihm weiterhin Schmerzen bereiten kann und dass seine Seele betrübt sein kann. Obwohl es für jeden offensichtlich ist, dass die körperlichen Empfindungen mit dem Tod aufhören, offenbart ein genauerer Blick auf diese poetischen Worte ihre wahre Bedeutung. Man muss bedenken, dass in der hebräischen Poesie Intelligenz, Persönlichkeit und Gefühle oft Gegenständen oder Konzepten zugeschrieben werden, die diese Eigenschaften normalerweise nicht haben (vgl. Richter 9,8-15). Hiob beschreibt auf sehr anschauliche Weise die Auswirkungen, die beim Tod eintreten. Wenn ein Körper verwest, verformen sich in seinem schrecklichen Zustand alle körperlichen Merkmale zu einem Ausdruck des Schmerzes. Durch die poetische Personifizierung wird dem Körper im Grab Schmerz nachgesagt, und in ähnlicher Weise wird von der Seele gesagt, sie trauere. Dies ist ein anschauliches Bild für die Auswirkungen des Todes. Die Neue Englische Bibel vertauscht die Verse 21 und 22 und übersetzt die Passage korrekt wie folgt: „Sein Fleisch an ihm wird schwarz, und sein Lebenssaft trocknet in ihm aus. Seine Söhne erheben sich zu Ehren, und er sieht nichts davon; sie sinken in die Finsternis, und er weiß es nicht.“ In Vers 12 wird der Zustand des Menschen im Tod vollständig geklärt: „so legt sich auch der Mensch nieder und steht nicht wieder auf; bis die Himmel nicht mehr sind, regen sie sich nicht und werden nicht aufgeweckt aus ihrem Schlaf.“ Damit stimmt der Schreiber von Hiob vollkommen mit den Worten von Christus überein, der den Tod als einen unbewussten Schlaf bezeichnete (Johannes 11,11).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

YouTube