Die Verheißung des Heiligen Geistes

Die Verheißung des Heiligen Geistes

Johannes 13,31-17,26

Christus sah seine Jünger voll göttlicher Liebe und innigstem Mitgefühl an und sagte: »Jetzt wird der Menschensohn in seiner Herrlichkeit offenbart, und durch ihn wird Gott selbst in seiner Herrlichkeit offenbart.« (Johannes 13,31b NGÜ) Judas hatte das Obergemach verlassen, und Christus war mit den elf Jüngern allein. Nun wollte er über seine herannahende Trennung von ihnen sprechen. Doch zuvor wies er auf das große Ziel seiner Aufgabe hin. Dies hatte er stets vor Augen gehabt. Er freute sich, dass all seine Erniedrigung und seine Leiden den Namen des Vaters verherrlichen würden, und er lenkte die Gedanken seiner Jünger zuerst darauf. Dann nannte er sie liebevoll »meine Kinder« und sagte zu ihnen: »Ich bin nur noch kurze Zeit bei euch. Ihr werdet mich suchen, aber was ich schon den Juden gesagt habe, das sage ich jetzt auch euch: Da, wo ich hingehe, könnt ihr nicht hinkommen.« (Johannes 13,33 NGÜ) Die Jünger konnten sich nicht freuen, als sie dies hörten. Angst überkam sie. Sie drängten sich näher an Jesus heran. Ihr Meister und Herr, ihr geliebter Lehrer und Freund, war ihnen lieber als ihr Leben! In all ihren Schwierigkeiten hatten sie bei ihm Hilfe und Trost in ihren Sorgen und Enttäuschungen gesucht. Nun werde er sie verlassen, eine einsame, unselbstständige Schar. Düstere Vorahnungen erfüllten ihre Herzen.

Doch die Worte, die der Erlöser an sie richtete, waren voller Hoffnung. Er wusste, dass der Feind sie angreifen würde und Satans Wirken bei denen am erfolgreichsten ist, die von Schwierigkeiten bedrückt sind. Deshalb lenkte er ihre Gedanken vom Sichtbaren auf das Unsichtbare, vom irdischen Exil auf die himmlische Heimat (vgl. 2. Korinther 4,18). »Euer Herz erschrecke nicht!«, sagte er. »Glaubt an Gott und glaubt an mich! In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen. Wenn‘s nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten? Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin. Und wo ich hingehe, den Weg wisst ihr.« (Johannes 14,1-4) Mit anderen Worten: Um euretwillen bin ich in die Welt gekommen und euretwegen wirke ich. Wenn ich weggehe, werde ich weiterhin ernstlich für euch wirken. Ich kam in die Welt, um mich euch zu offenbaren, damit ihr glauben könnt. Ich gehe zum Vater, um gemeinsam mit ihm für euch zu wirken. – Mit seinem Weggang beabsichtigte Christus das Gegenteil von dem, was die Jünger befürchteten. Es gab keine endgültige Trennung. Christus ging hin, um einen Platz für sie vorzubereiten, damit er wiederkommen konnte, um sie zu sich zu nehmen. Während er Wohnungen für sie vorbereite, sollten sie gottähnliche Charaktere entwickeln. Die Jünger waren noch immer verwirrt. Thomas, der stets zweifelte, fragte: »Herr, wir wissen nicht einmal, wohin du gehst! Wie sollen wir dann den Weg dorthin kennen?« (Johannes 14,5 GNB) Jesus antwortete ihm: »Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr erkannt habt, wer ich bin, dann habt ihr auch erkannt, wer mein Vater ist. Doch von nun an kennt ihr ihn und habt ihn gesehen!« (Johannes 14,6-7 NLB) Es führen nicht viele Wege zum Himmel. Man kann nicht seinen eigenen Weg auswählen. Christus sagte: »Ich bin der Weg … Niemand kommt zum Vater außer durch mich.« Seit der ersten Evangeliumsverkündigung im Garten Eden, die besagte, dass der Nachkomme Evas der Schlange den Kopf zertreten wird (vgl. 1. Mose 3,15), war Christus bereits als der Weg, die Wahrheit und das Leben hoch erhoben worden. Er war der Weg, als Adam lebte und Abel das Blut des geschlachteten Lammes als Sinnbild für das Blut des Erlösers Gott darbrachte. Christus war der Weg, durch den Patriarchen und Propheten gerettet wurden. Er ist der einzige Weg, durch den wir Zugang zu Gott haben können. Jesus fuhr fort: »Wenn ihr erkannt habt, wer ich bin, dann habt ihr auch erkannt, wer mein Vater ist. Doch von nun an kennt ihr ihn und habt ihn gesehen!« (Johannes 14,7 NLB) Aber noch immer verstanden ihn die Jünger nicht. Philippus bat: »Herr, zeig uns den Vater, dann sind wir zufrieden.« (Johannes 14,8 NLB) Erstaunt darüber, wie schwer von Begriff sie waren, fragte Jesus schmerzlich überrascht: »Nun bin ich so lange mit euch zusammen gewesen, Philippus, und du kennst mich immer noch nicht?« Kann es sein, dass du den Vater in den Werken, die er durch mich tut, nicht erkennst? Glaubst du nicht, dass ich gekommen bin, um den Vater zu bezeugen? »Wie kannst du dann sagen: ›Zeige uns den Vater‹?« – »Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.« (Johannes 14,9 GNB) Christus hatte nicht aufgehört, Gott zu sein, als er Mensch wurde. Obwohl er sich erniedrigt und die menschliche Natur angenommen hatte, war er immer noch Gott. Allein Christus konnte der Menschheit den Vater darstellen. Und die Jünger hatten das Vorrecht, diese Darstellung mehr als drei Jahre lang zu sehen. »Glaubt es mir, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist. Wenn ihr immer noch nicht davon überzeugt seid, dann glaubt es doch aufgrund von dem, was durch mich geschieht.« (Johannes 14,11 NGÜ) Die Gewissheit ihres Glaubens beruhte auf dem Beweis der Werke von Christus. Diese Taten bezeugten seine Göttlichkeit. Durch ihn war der Vater offenbart worden. Wenn die Jünger dieser lebendigen Verbindung zwischen Vater und Sohn vertraut hätten, würde ihr Glaube sie nicht verlassen haben, als sie mitansehen mussten, wie Christus litt und für die Rettung einer untergehenden Welt starb. Er suchte sie aus dem Zustand ihres schwachen Glaubens zu jener Erfahrung zu führen, die sie machen konnten, wenn sie begriffen, wer er wirklich war: Gott in menschlicher Gestalt. Er wünschte, sie könnten erkennen, dass sie ihr Vertrauen ganz auf Gott setzen und dort verankert sein mussten. Wie ernsthaft und beharrlich versuchte unser mitfühlender Erlöser, seine Jünger auf die Versuchung vorzubereiten, die bald wie ein Sturm über sie hereinbrechen sollte! Er wollte sie mit ihm in Gott geborgen wissen. Als Christus diese Worte sprach, leuchtete die Herrlichkeit Gottes auf seinem Angesicht. Alle Anwesenden empfanden eine heilige Ehrfurcht, als sie wie gebannt seinen Worten lauschten. Ihre Herzen wurden noch entschiedener zu ihm hingezogen. Indem sie sich in noch größerer Liebe mit Christus verbanden, kamen sie sich auch untereinander näher. Sie spürten, dass der Himmel sehr nahe war und die Worte, die sie hörten, eine Botschaft des himmlischen Vaters an sie enthielt.

»Amen, ich versichere euch: Wer im Glauben mit mir verbunden bleibt, wird die gleichen Taten vollbringen, die ich tue. Ja, er wird noch größere Taten vollbringen.« (Johannes 14,12a GNB) Der Erlöser bemühte sich ernstlich, seinen Jüngern verständlich zu machen, zu welchem Zweck sich seine Göttlichkeit mit der Menschlichkeit verbunden hatte. Er war in die Welt gekommen, um die Herrlichkeit Gottes darzustellen, damit der Mensch durch deren erneuernde Kraft aufgerichtet würde. Gott offenbarte sich in ihm, damit er – Christus – in ihnen offenbart würde. Jesus besaß keine Eigenschaften und verfügte über keinerlei Kräfte, welche die Menschen durch den Glauben an ihn nicht auch haben könnten. Alle seine Nachfolger können sein vollkommenes Menschsein besitzen, wenn sie sich Gott so unterordnen, wie er es getan hat. »Ja, er wird noch größere Taten vollbringen, denn ich gehe zum Vater.« (Johannes 14,12b GNB) Damit meinte Christus nicht, dass das Werk der Jünger erhabener sein wird als sein eigenes, sondern dass es ein größeres Ausmaß annehmen würde. Er bezog sich damit nicht nur auf das Vollbringen von Wundertaten, sondern auf alles, was durch das Wirken des Heiligen Geistes geschehen wird. Nach der Himmelfahrt des Herrn nahmen die Jünger die Erfüllung seines Versprechens wahr. Die Ereignisse der Kreuzigung, der Auferstehung und der Himmelfahrt von Christus waren für sie zu einer lebendigen Wirklichkeit geworden. Sie sahen, dass sich die Prophezeiungen buchstäblich erfüllt hatten. Sie durchforschten die heiligen Schriften und nahmen deren Lehre mit einem Vertrauen und einer Gewissheit an, die sie zuvor nicht gekannt hatten. Sie waren davon überzeugt, dass der göttliche Lehrer all das war, was er von sich behauptet hatte. Als sie ihre Erfahrungen weitererzählten und Gottes Liebe begeistert verkündeten, wurden die Herzen der Menschen berührt und überwältigt, und viele glaubten an Jesus. Die Verheißung des Erlösers an seine Jünger ist zugleich ein Versprechen an seine Gemeinde bis ans Ende der Zeit. Es war nicht Gottes Absicht, dass sein wundervoller Erlösungsplan nur unbedeutenden Erfolg haben sollte. Wer an die Arbeit geht und nicht auf sich selbst vertraut, sondern auf das, was Gott für und durch ihn wirken kann, wird mit Sicherheit die Erfüllung seines Versprechens erfahren: Ihr werdet »noch größere Taten vollbringen, denn ich gehe zum Vater« (Johannes 14,12b GNB).

Bis dahin waren die Jünger weder mit den unbegrenzten Möglichkeiten noch mit der Macht von Christus vertraut. Da sagte er zu ihnen: »Bisher habt ihr um nichts gebeten in meinem Namen.« (Johannes 16,24a) Er erklärte ihnen, das Geheimnis ihres Erfolges liege darin, dass sie in seinem Namen um Kraft und Gnade bitten. Er selbst werde vor seinem Vater stehen und für sie bitten. Das Gebet des demütig Bittenden werde er zugunsten dieses Beters als seinen eigenen Wunsch Vorbringen. Jedes aufrichtige Gebet findet im Himmel Gehör. Es mag nicht flüssig gesprochen sein, doch wenn es von Herzen kommt, wird es in das Heiligtum emporsteigen, wo Jesus dient. Er wird es seinem Vater ohne ein einziges unbeholfenes oder gestammeltes Wort darbringen, schön und wohlriechend, versehen mit dem Weihrauch seiner eigenen Vollkommenheit. Der Weg der Aufrichtigkeit und Rechtschaffenheit ist nicht frei von Hindernissen, doch in jeder Schwierigkeit sollen wir eine Aufforderung zum Gebet erkennen. Es gibt niemanden, der irgendeine Kraft besitzt, die er nicht von Gott empfangen hätte, und die Quelle, aus der diese Kraft fließt, ist selbst für den schwächsten Menschen zugänglich. »Alles, worum ihr dann in meinem Namen bittet, werde ich tun, damit durch den Sohn die Herrlichkeit des Vaters offenbart wird. Wenn ihr mich in meinem Namen um etwas bitten werdet, werde ich es tun.« (Johannes 14,13.14 NGÜ) Christus forderte seine Jünger auf, in seinem Namen zu bitten. In seinem Namen sollen seine Nachfolger vor Gott treten. Durch die Größe des für sie dargebrachten Opfers sind sie in den Augen Gottes wertvoll. Wegen der ihnen zugerechneten Gerechtigkeit von Christus werden sie als kostbar erachtet. Wegen Christus vergibt der Herr denen, die ihn fürchten. Er sieht in ihnen nicht die Abscheulichkeit des Sünders. Er erkennt in ihnen das Abbild seines Sohnes, an den sie glauben. Der Herr ist enttäuscht, wenn sich seine Kinder selbst geringachten. Er möchte, dass sich seine auserwählten Erben nach dem Preis bewerten, den er für sie bezahlt hat. Gott hat Verlangen nach ihnen, sonst hätte er seinem Sohn nicht einen solch kostspieligen Auftrag zu ihrer Erlösung erteilt. Er möchte sie gebrauchen und freut sich sehr, wenn sie die höchsten Erwartungen an ihn stellen, um seinen Namen zu verherrlichen. Sie dürfen Großes erwarten, wenn sie seinen Verheißungen vertrauen.

Aber im Namen von Christus zu beten bedeutet viel. Es schließt ein, dass wir seinen Charakter annehmen, seine Wesensart aufweisen und seine Werke tun. Die Verheißung des Erlösers wurde unter der Bedingung gegeben: »Wenn ihr mich liebt, so werdet ihr meine Gebote halten.« (Johannes 14,15 Elb.) Er errettet die Menschen nicht in Sünde, sondern von Sünde, und jene, die ihn lieben, werden ihre Liebe durch Gehorsam zum Ausdruck bringen. Wahrer Gehorsam kommt aus dem Herzen. Auch bei Christus war es eine Herzenssache. Geben wir unsere Einwilligung, dann wird er sich so sehr unseren Gedanken und Zielen gleichsetzen und unser Herz und Denken so sehr mit seinem Willen in Übereinstimmung bringen, dass wir im Gehorsam ihm gegenüber nichts anderes tun, als unsere eigenen Absichten auszuführen. Für einen veredelten und geheiligten Willen wird es die größte Freude sein, in seinem Dienst zu wirken. Wenn wir Gott so kennen, wie wir ihn vorzugsweise kennen dürfen, wird unser Leben ein Leben anhaltenden Gehorsams sein. Wenn wir den Charakter von Christus wertschätzen und mit Gott Gemeinschaft pflegen, wird uns die Sünde verhasst werden. So wie Christus als Mensch das Gesetz auslebte, können es auch wir, sofern unsere Kraft aus dem Festhalten an ihm, dem Starken, kommt. Doch wir dürfen die Verantwortung für unsere Pflicht nicht anderen auferlegen und erwarten, dass sie uns sagen, was wir tun sollen. Wir können uns nicht auf den Rat von Menschen verlassen. Der Herr wird uns ebenso gerne auf unsere Pflichten hinweisen, wie er dies bei allen anderen tut. Wenn wir uns vertrauensvoll an ihn wenden, wird er uns seine Geheimnisse persönlich wissen lassen. Unser Herz wird oft in uns brennen, wenn sich der Eine naht, um mit uns zu sprechen, wie er es mit Henoch tat. Wer sich dafür entscheidet, in keinerlei Weise etwas zu tun, was Gott missfällt, wird – nachdem er Gott sein Anliegen vorgebracht hat – wissen, welchen Kurs er einschlagen soll. Er wird nicht nur Weisheit, sondern auch Kraft empfangen. Wie von Christus versprochen wird ihm die Kraft zum Gehorsam und zum Dienst verliehen werden. »Alles«, was Christus vom Vater gegeben wurde (vgl. Johannes 17,7), um den Bedürfnissen der gefallenen Menschen abzuhelfen, wurde ihm als Haupt und Vertreter der Menschheit gegeben. Deshalb heißt es: »Was wir bitten, werden wir von ihm empfangen; denn wir halten seine Gebote und tun, was vor ihm wohlgefällig ist.« (1. Johannes 3,22)

Bevor er sich selbst als Opfer hingab, wollte Christus seinen Nachfolgern die wichtigste und vollkommenste Gabe verleihen – eine Gabe, welche die unbegrenzten Schätze seiner Gnade in ihre Reichweite bringt. »Ich will den Vater bitten«, sagte er zu ihnen, »und er wird euch einen anderen Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit: den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch.« (Johannes 14,16-18) Der Heilige Geist war schon zuvor in der Welt gewesen. Seit Beginn des Erlösungswerks hatte er an den Herzen der Menschen gewirkt. Doch solange Christus auf der Erde war, hatten die Jünger kein Verlangen nach einem anderen Beistand. Erst wenn Jesus nicht mehr gegenwärtig wäre, würden sie das Bedürfnis nach dem Heiligen Geist verspüren. Dann würde er kommen. Der Heilige Geist ist der Stellvertreter von Christus, ohne jedoch in menschliche Gestalt gekleidet oder von ihr abhängig zu sein. Christus konnte, bedingt durch seine menschliche Gestalt, nicht an jedem Ort persönlich anwesend sein. Deshalb war es gut für seine Jünger, dass er zum Vater ging und den Heiligen Geist als seinen Nachfolger auf die Erde sandte. Auf diese Weise konnte niemand irgendeinen Vorteil aufgrund seines Aufenthaltsortes oder seines persönlichen Umgangs mit Christus haben. Durch den Heiligen Geist ist der Erlöser für alle Menschen erreichbar. In diesem Sinn würde Jesus ihnen näher sein, als wenn er nicht in den Himmel aufgefahren wäre. »Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist‘s, der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.« (Johannes 14,21) Jesus kannte die Zukunft seiner Jünger. Er sah, wie einer aufs Schafott geführt, ein anderer ans Kreuz gebracht und ein dritter auf eine einsame Felseninsel verbannt wurde. Andere wurden verfolgt und umgebracht. Er ermutigte sie mit der Verheißung, dass er in aller Verfolgung bei ihnen sein werde. Dieses Versprechen hat nichts von seiner Bedeutung verloren. Der Herr weiß alles über seine treuen Diener, die um seinetwillen im Gefängnis sitzen oder auf einsame Inseln verbannt sind. Er tröstet sie mit seiner Gegenwart. Wenn sich der Gläubige um der Wahrheit willen vor einem ungerechten Gericht verantworten muss, steht ihm der Herr zur Seite. Alle Beschuldigungen, die gegen ihn erhoben werden, fallen auf Christus; so wird er in der Person seines Jüngers von Neuem verurteilt. Ist jemand im Gefängnis eingekerkert, erfreut Jesus dessen Herz mit seiner Liebe. Wenn jemand um seinetwillen den Tod erleidet, sagt Christus: Ich bin »der Lebendige. Ich war tot, aber jetzt lebe ich in alle Ewigkeit, und ich habe die Schlüssel zum Tod und zum Totenreich.« (Offenbarung 1,18 NGÜ) Das Leben, das für Christus geopfert wird, wird für die ewige Herrlichkeit aufbewahrt. Zu allen Zeiten und an allen Orten, in allen Sorgen und in aller Bedrängnis, wenn der Ausblick düster und die Zukunft verworren erscheint oder wenn wir uns hilflos und einsam fühlen, wird uns der Tröster als Antwort auf unsere vertrauensvollen Gebete gesandt. Äußere Umstände mögen uns von jedem irdischen Freund trennen. Aber kein Umstand und keine Entfernung kann uns vom himmlischen Beistand scheiden. Wo immer wir sind, wo immer wir hingehen, er ist uns stets zur Seite, um uns beizustehen, zu stärken, zu unterstützen und aufzumuntern. Die Jünger verstanden die Worte von Christus in ihrer geistlichen Bedeutung immer noch nicht, und er erklärte sie ihnen erneut. Durch den Geist, so sagte er, werde er sich ihnen kundtun. »Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.« (Johannes 14,26 Elb.) Dann werdet ihr nicht mehr sagen: Ich kann es nicht verstehen. Ihr werdet auch nicht länger »ein unklares Bild wie in einem trüben Spiegel« sehen (1. Korinther 13,12a GNB). Stattdessen werdet ihr »mit allen Heiligen begreifen, welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe ist, auch die Liebe Christi erkennen, die alle Erkenntnis übertrifft« (Epheser 3,18.19a). Die Jünger sollten das Leben und Wirken von Christus bezeugen. Durch ihr Wort wollte er zu allen Menschen auf dem ganzen Erdball sprechen. Doch durch die Erniedrigung und den Tod von Christus würden sie schwere Anfechtung und Enttäuschung erleiden. Damit ihr Zeugnis auch nach diesen Erfahrungen zuverlässig bleiben würde, verhieß ihnen Jesus: Der Beistand »wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.« (Johannes 14,26b)

»Ich hätte euch noch so vieles zu sagen«, sprach Jesus weiter, »aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen. Doch wenn der Geist der Wahrheit kommt, wird er euch in alle Wahrheit leiten. Er wird nicht seine eigenen Anschauungen vertreten, sondern euch sagen, was er gehört hat. Er wird euch von dem erzählen, was kommt. Er wird mich verherrlichen, indem er euch alles offenbart, was er von mir empfängt.« (Johannes 16,12-14 NLB) Jesus hatte seinen Jüngern ein weites Spektrum von Wahrheiten eröffnet, doch es fiel ihnen äußerst schwer, seine Unterweisungen von den Überlieferungen und Prinzipien der Schriftgelehrten und Pharisäer zu unterscheiden. Sie waren dazu erzogen worden, die Lehre der Rabbiner als Stimme Gottes anzunehmen, und noch immer übte dies einen großen Einfluss auf ihr Denken und Empfinden aus. Irdische Vorstellungen und weltliche Dinge nahmen in ihren Gedanken nach wie vor einen breiten Raum ein. Obwohl er es ihnen so oft erklärt hatte, begriffen sie die geistliche Art des Reiches von Christus nicht. Sie waren verwirrt und verstanden den Wert der Schriftstellen nicht, die Jesus anführte. Viele seiner Lehren schienen sie gar nicht aufzunehmen. Er erkannte, dass sie die wahre Bedeutung seiner Worte nicht erfassten. Erbarmungsvoll versprach er, dass ihnen der Heilige Geist diese Reden ins Gedächtnis zurückrufen werde. Außerdem hatte er vieles, was die Jünger noch nicht verstehen konnten, unausgesprochen gelassen. Auch dies würde ihnen der Heilige Geist erschließen. Der Geist würde ihr Verständnis beleben, damit sie himmlische Dinge wertschätzen könnten. »Wenn der Geist der Wahrheit kommt, wird er euch in alle Wahrheit leiten.« (Johannes 16,13a NLB) Der Beistand wird »der Geist der Wahrheit« genannt. Seine Aufgabe ist es, die Wahrheit des Evangeliums zu erläutern und zu erhalten. Zuerst wohnt er als Geist der Wahrheit im Herzen. Dadurch wird er zum Tröster. In der Wahrheit liegen Trost und Frieden, in der Unwahrheit dagegen können weder wahrer Friede noch Trost gefunden werden. Gerade durch falsche Theorien und Traditionen gewinnt Satan Macht über den Verstand. Indem er die Menschen zu falschen Prinzipien lenkt, verunstaltet er ihren Charakter. Der Heilige Geist aber spricht durch die Heilige Schrift zum Verstand des Menschen und prägt ihm die Wahrheit ein. Dadurch deckt er den Irrtum auf und vertreibt ihn aus dem Menschen. Durch den Geist der Wahrheit, der durch Gottes Wort wirkt, macht sich Christus sein auserwähltes Volk untertan.

Indem er seinen Jüngern die Aufgabe des Heiligen Geistes beschrieb, wollte Jesus in ihnen die Freude und Hoffnung wachrufen, mit der sein eigenes Herz erfüllt war. Er freute sich über die ergiebige Hilfe, die er für seine Gemeinde vorbereitet hatte. Der Heilige Geist war die wertvollste aller Gaben, die Jesus von seinem Vater zur Erhöhung seines Volkes erbitten konnte. Der Geist sollte als erneuernde Kraft wirken, denn ohne ihn wäre das Opfer von Christus vergeblich gewesen. Die Macht des Bösen hatte im Laufe der Jahrhunderte an Kraft zugenommen. Es war unglaublich, wie sich die Menschen dieser satanischen Knechtschaft unterwarfen. Nur durch das mächtige Wirken der dritten Person der Gottheit war es möglich, der Sünde zu widerstehen und sie zu überwinden. Sie sollte nicht mit begrenzter Kraft, sondern in der ganzen Fülle göttlicher Macht in die Welt kommen. Dieser Geist macht erst wirksam, was der Erlöser der Welt vollbracht hat. Durch den Geist wird das Herz rein gemacht. Durch ihn wird der Gläubige ein »Teilhaber der göttlichen Natur« (vgl. 2. Petrus 1,4 Elb.). Christus hat seinen Geist als eine göttliche Kraft gegeben, um alle ererbten und erworbenen Neigungen zum Bösen zu überwinden und um seine Gemeinde nach seinem eigenen Charakter zu prägen. Über den Heiligen Geist sagte Jesus weiter: »Er wird mich verherrlichen.« (Johannes 16,14a NLB) Der Erlöser kam, um den Vater zu verherrlichen, indem er seine Liebe darstellte. So sollte der Geist Christus verherrlichen, indem er der Welt seine Gnade offenbarte. Das genaue Bild Gottes soll im Menschen wiederhergestellt werden. Die Ehre des Vaters sowie die Ehre von Christus gehen mit der Vervollkommnung des Charakters seines Volkes einher. »Wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht.« (Johannes 16,8) Die Verkündigung von Gottes Wort wird ohne die beständige Gegenwart und Hilfe des Heiligen Geistes erfolglos sein. Dieser ist der einzige verlässliche Lehrer der göttlichen Wahrheit. Nur wenn die Wahrheit auf dem Weg in unser Herz vom Heiligen Geist begleitet ist, wird sie das Gewissen anregen und das Leben verändern. Jemand mag das Wort Gottes buchstabengetreu auslegen können und mit allen Geboten und Verheißungen der Bibel vertraut sein. Doch wenn der Heilige Geist diese Wahrheit nicht in Herz und Sinn schreibt, wird kein Mensch auf den »Eckstein« fallen und daran »zerschellen« (vgl. Lukas 20,17.18). Kein Maß an Bildung und keine Vorteile, wie groß sie auch sein mögen, können jemanden ohne das Mitwirken des Geistes Gottes zu einem Kanal des Lichts machen. Die Aussaat des Evangeliums wird nur dann erfolgreich sein, wenn der Himmelstau das Samenkorn belebt. Bevor auch nur ein Buch des Neuen Testaments geschrieben und eine einzige Evangeliumspredigt nach der Himmelfahrt von Christus gehalten wurde, kam der Heilige Geist auf die betenden Apostel. Dann bezeugten ihre Feinde: »Ihr habt Jerusalem erfüllt mit eurer Lehre.« (Apostelgeschichte 5,28b) Christus hat seiner Gemeinde die Gabe des Heiligen Geistes versprochen, und diese Verheißung gilt uns ebenso wie den ersten Jüngern. Doch wie jede andere Verheißung wurde auch sie unter bestimmten Bedingungen gegeben. Es gibt viele, die an die Zusagen von Christus glauben und behaupten, sie in Anspruch zu nehmen. Sie sprechen über Christus und über den Heiligen Geist, haben aber keinen Nutzen davon. Sie übergeben ihr Herz nicht der göttlichen Führung und Leitung. Wir können nicht den Heiligen Geist gebrauchen, der Geist möchte uns gebrauchen. Durch den Geist bewirkt Gott in seinem Volk »nicht nur das Wollen, sondern auch das Vollbringen, so wie es ihm gefällt« (Philipper 2,13b GNB). Doch viele wollen sich dem nicht unterordnen. Sie wollen ihr Leben in eigener Regie führen. Deshalb empfangen sie die himmlische Gabe nicht. Nur wer demütig auf Gott wartet und auf dessen Führung und Gnade achtet, erhält den Heiligen Geist. Die Macht Gottes wartet darauf, dass nach ihr verlangt und sie dann auch angenommen wird. Wird dieser verheißene Segen im Glauben angenommen, bringt er alle anderen Segnungen mit sich. Er wird nach dem Reichtum der Gnade von Christus gegeben, und er ist bereit, jeden Gläubigen entsprechend seinem Aufnahmevermögen zu versorgen. Jesus machte in seiner Rede an die Jünger keine traurige Andeutung über seine eigenen Leiden und seinen Tod. Was er ihnen zuletzt hinterließ, war ein Vermächtnis des Friedens. Er sagte zu ihnen: »Ich lasse euch ein Geschenk zurück – meinen Frieden. Und der Friede, den ich schenke, ist nicht wie der Friede, den die Welt gibt. Deshalb sorgt euch nicht und habt keine Angst.« (Johannes 14,27 NLB) Bevor sie das Obergemach verließen, stimmte der Erlöser mit seinen Jüngern ein Loblied an. Seine Stimme hörte sich nicht traurig oder klagend an, vielmehr sang er die fröhliche Melodie des Passa-Hallelujas: »Lobt den Herrn, all ihr Völker. Lobt ihn, alle Menschen auf Erden. Denn seine Gnade ist groß und seine Treue besteht für alle Zeit. Halleluja!« (Psalm 117 NLB)

Nach dem Loblied gingen sie hinaus. Sie bahnten sich einen Weg durch die überfüllten Straßen und gingen durch das Stadttor zum Ölberg. Sie kamen nur langsam voran, denn jeder war mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt. Als sie begannen, in die Richtung des Ölbergs hinunterzugehen, sagte Jesus mit tieftrauriger Stimme: »Heute Nacht werdet ihr euch alle von mir abwenden. Denn es heißt in der Schrift: ›Ich werde den Hirten töten, und die Schafe der Herde werden sich zerstreuen.‹« (Matthäus 26,31 NGÜ, vgl. Sacharja 13,7) Bekümmert und verwundert hörten die Jünger zu. Sie erinnerten sich daran, wie sich Christus in der Synagoge von Kapernaum als Brot des Lebens bezeichnet hatte und sich viele danach empört von ihm abgewandt hatten. Aber die Zwölf waren ihm treu geblieben. Petrus, der für seine Brüder sprach, hatte damals Christus gegenüber seine Treue bekundet. Darauf hatte der erwidert: »Ich habe euch zwölf auserwählt, aber einer von euch ist ein Teufel.« (Johannes 6,70 NLB) Und im Obergemach hatte Jesus gesagt, dass ihn einer der Zwölf verraten und Petrus ihn verleugnen werde. Doch nun schlossen seine Worte alle ein. Nun hörte man die leidenschaftliche Stimme von Petrus, der einwandte: »Auch wenn alle sich von dir abwenden – ich nicht!« (Markus 14,29 NGÜ) Oben im Raum hatte er erklärt: »Ich will mein Leben für dich lassen.« (Johannes 13,37b) Jesus hatte ihn gewarnt, er werde noch in derselben Nacht seinen Erlöser verleugnen. Jetzt wiederholte er seine Warnung: »Ich sage dir: Noch heute Nacht, bevor der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.« Petrus aber verteidigte sich »mit aller Entschiedenheit: ›Und wenn ich mit dir sterben müsste – ich werde dich niemals verleug- nen!‹ Das Gleiche beteuerten auch alle anderen.« (Markus 14,30.31 NGÜ) Selbstsicher stritten sie die wiederholte Aussage des Einen ab, der über alles Bescheid wusste. Sie waren auf die Prüfung nicht vorbereitet. Wenn die Versuchung sie überwinden sollte, würden sie ihre eigene Schwachheit erkennen. Als Petrus sagte, er werde seinem Herrn ins Gefängnis und in den Tod folgen, meinte er jedes Wort aufrichtig und ehrlich. Doch er kannte sich selbst nicht. In seinem Herzen verborgen schlummerten böse Neigungen, die durch besondere Umstände leicht geweckt werden konnten. Brächte man ihm diese Gefahr nicht deutlich zum Bewusstsein, würde ihn dies unweigerlich in sein ewiges Verderben führen. Der Erlöser erkannte in ihm Eigenliebe und Selbstsicherheit, die sogar seine Liebe zu Jesus überwältigen würden. Große Schwäche und nicht überwundene Sünde, geistliche Gleichgültigkeit, ein ungeheiligtes Temperament und eine Sorglosigkeit gegenüber Versuchungen waren in seinem Leben sichtbar geworden. Die ernste Mahnung des Erlösers war eine Aufforderung zur Selbstprüfung. Petrus musste lernen, sich selbst zu misstrauen und mehr auf Christus zu vertrauen. Hätte er die Warnung demütig angenommen, hätte er den Hirten der Herde gebeten, seine Schafe zu bewahren. Als er damals auf dem See Genezareth zu versinken drohte, hatte er ausgerufen: »Herr, rette mich!« (Matthäus 14,30b Elb.) Dann hatte Christus seine Hand ausgestreckt, um die seine zu erfassen. So wäre er auch jetzt bewahrt geblieben, hätte er sich mit der Bitte: Rette mich vor mir selbst! an Jesus gewandt. Aber Petrus dachte, ihm werde misstraut. Er empfand es als gefühllos. Er war bereits verletzt und beharrte nun noch mehr auf seinem Selbstvertrauen. Jesus blickte voller Mitgefühl auf seine Jünger. Er konnte sie nicht vor der Versuchung bewahren, aber er ließ sie nicht ohne Trost. Deshalb versicherte er ihnen, dass er die Fesseln des Grabes sprengen werde. Seine Liebe zu ihnen werde niemals aufhören: »Doch wenn ich von den Toten auferstanden bin, werde ich euch nach Galiläa vorausgehen und euch dort treffen.« (Matthäus 26,32 NLB) Schon vor der Verleugnung hatten sie die Gewissheit der Vergebung. Nach seinem Tod und seiner Auferstehung wussten sie, dass ihnen vergeben war und sie von Jesus geliebt wurden.

Bei diesem letzten Zusammensein mit seinen Jüngern brachte Jesus den großen Wunsch zum Ausdruck, dass sie einander lieben, wie er sie geliebt hatte. Immer wieder sprach er davon. »Dies ist mein Gebot«, wiederholte er immer wieder, »dass ihr einander liebt.« (Johannes 15,12a Elb.) Allein mit ihnen im Obergemach war seine erste Aufforderung an sie: »So gebe ich euch nun ein neues Gebot: Liebt einander. So wie ich euch geliebt habe, sollt auch ihr einander lieben.« (Johannes 13,34 NLB) Für die Jünger war dieses Gebot neu, denn sie hatten einander nicht so geliebt, wie Jesus sie liebte. Jesus erkannte, dass sie von neuen Gedanken und Motiven geleitet werden sollten und nach neuen Prinzipien handeln müssten. Durch sein Leben und Sterben sollten sie eine neue Vorstellung von »Liebe« bekommen. Das Gebot, einander zu lieben, erhielt im Licht seiner Selbstaufopferung eine neue Bedeutung. Das ganze Wirken der Gnade ist ein einziger, beständiger Dienst aus Liebe, Selbstverleugnung und Selbstaufopferung. In jedem Augenblick seines Erdenlebens gingen unbändige Ströme der Liebe Gottes von Christus aus. Alle, die von seinem Geist durchdrungen sind, werden so lieben, wie er geliebt hat. Dasselbe Prinzip, das Jesus beseelte, wird auch sie in ihrem Handeln untereinander antreiben. Diese Liebe ist der Beweis ihrer Jüngerschaft: »An eurer Liebe zueinander werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid.« (Johannes 13,35 NGÜ) Wenn Menschen nicht aus Zwang oder Eigennutz, sondern aus Liebe miteinander verbunden sind, macht sich in ihrem Leben das Wirken einer Macht bemerkbar, die über jedem irdischen Einfluss steht. Wo diese Einheit besteht, ist sie ein Beweis dafür, dass Gottes Bild im Menschen wiederhergestellt wird und ihm ein neuer Lebensgrundsatz eingepflanzt worden ist. Sie zeigt, dass die göttliche Natur die Kraft besitzt, den übernatürlichen Mächten des Bösen zu widerstehen, und dass Gottes Gnade die im natürlichen Herzen wohnende Selbstsucht besiegt.

Wird diese Liebe in der Gemeinde sichtbar, erregt sie mit Sicherheit den Zorn Satans. Christus hat seinen Jüngern keinen leichten Weg gezeigt. Er sagte zu ihnen: »Wenn die Welt euch hasst, dann denkt daran, dass sie mich schon gehasst hat, ehe sie euch gehasst hat. Die Welt würde euch lieben, wenn ihr zu ihr gehören würdet, aber das tut ihr nicht. Ich habe euch erwählt, aus der Welt herauszutreten; deshalb hasst sie euch. Denkt an das Wort, das ich euch gesagt habe: ›Ein Diener ist nicht größer als sein Herr.‹ Da sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen. Und wenn sie auf mein Wort gehört haben, werden sie auch auf euch hören! Die Menschen in der Welt werden gegen euch sein, weil ihr zu mir gehört, denn sie kennen Gott nicht, der mich gesandt hat.« (Johannes 15,18-21 NLB) Das Evangelium muss in energischem Kampf inmitten von Widerstand, Gefahr, Verlust und Leiden verbreitet werden. Aber jene, die dieses Werk auf sich nehmen, folgen lediglich den Fußstapfen ihres Meisters. Als Erlöser der Welt begegnete Christus ständig scheinbarem Misserfolg. Er, der auf unsere Welt gesandte Bote der Barmherzigkeit, schien nur wenig von dem Dienst zu tun, den er gerne zur Erbauung und Errettung der Menschen getan hätte. Satanische Einflüsse waren ständig am Werk, um sich ihm auf seinem Weg entgegenzustellen. Doch er ließ sich nicht entmutigen. Durch die Weissagung des Jesaja erklärte er: »Ich aber hatte gedacht: Ich habe mich vergeblich abgemüht und meine Kraft umsonst und nutzlos verbraucht! Doch steht mein Recht bei dem Herrn und mein Lohn bei meinem Gott. … Israel aber wurde nicht gesammelt, und doch wurde ich geehrt in den Augen des Herrn, und mein Gott war meine Stärke.« (Jesaja 49,4.5b Schl.) Christus wurde das Versprechen gegeben: »So spricht der Herr, der Erlöser Israels, sein Heiliger, zu dem ganz und gar Verachteten, zu dem Verabscheuten der Nation … Ich werde dich behüten und dich zum Bund des Volkes machen, das Land aufzurichten, die verödeten Erbteile auszuteilen, den Gefangenen zu sagen: Geht hinaus!, und zu denen, die in Finsternis sind: Kommt ans Licht! … Sie werden nicht hungern und nicht dürsten, und weder Wüstenglut noch Sonne wird sie treffen. Denn ihr Erbarmer wird sie leiten und wird sie zu Wasserquellen führen.« (Jesaja 49,7-10 Elb.) Auf dieses Wort verließ sich Jesus, er gab Satan keinen Vorteil. Als Christus die letzten Schritte seiner Erniedrigung gehen musste und tiefstes Leid seine Seele bedrückte, sagte er zu seinen Jüngern: »Es kommt der Fürst dieser Welt. Er hat keine Macht über mich.« (Johannes 14,30b) »Der Fürst dieser Welt [ist] gerichtet.« (Johannes 16,11) »Jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden.« (Johannes 12,31b NGÜ) Mit prophetischem Blick verfolgte Christus die Ereignisse seines letzten großen Kampfes. Er wusste, dass bei seinem Ausruf: »Es ist vollbracht!« (Johannes 19,30b) der ganze Himmel freudig triumphieren wird. Sein Ohr vernahm bereits die fernen Klänge der Musik und der Siegesrufe in den himmlischen Höfen. Er wusste, dass dann die Totenglocke für Satans Reich läuten und der Name von Christus im ganzen Universum von Welt zu Welt gepriesen werden wird. Christus freute sich, dass er für seine Nachfolger mehr tun konnte, als sie zu bitten oder zu ahnen vermochten. Er sprach mit Gewissheit und im Bewusstsein, dass ein allmächtiger Ratschluss gefasst worden war, noch bevor die Welt geschaffen wurde. Er wusste, dass die Wahrheit – gerüstet mit der Allmacht des Heiligen Geistes – im Kampf mit dem Bösen siegen und das blutgetränkte Banner im Triumph über seinen Nachfolgern wehen werde. Er wusste, dass das Leben seiner ihm vertrauenden Jünger dem seinigen gleich sein werde – eine ununterbrochene Reihe von Siegen, auf Erden jedoch nicht als solche wahrgenommen, doch erkannt in der Ewigkeit. »Ich habe euch das alles gesagt, damit ihr in mir Frieden habt. Hier auf der Erde werdet ihr viel Schweres erleben. Aber habt Mut, denn ich habe die Welt überwunden.« (Johannes 16,33 NLB) Christus versagte nicht und ließ sich nicht entmutigen. Darum sollten auch seine Nachfolger einen ebenso beständigen Glauben bekunden. Sie sollen leben, wie er lebte, und wirken, wie er wirkte, weil sie von ihm, dem großen Meister, abhängig sind. Sie müssen Mut, Tatkraft und Ausdauer besitzen und in seiner Gnade vorangehen, auch wenn sich ihnen anscheinend unüberwindbare Hindernisse in den Weg stellen. Anstatt über Schwierigkeiten zu klagen, sind sie aufgerufen, diese zu überwinden. Sie sollen an nichts verzweifeln und auf alles hoffen. Christus hat sie mit der goldenen Kette seiner unbegreiflichen Liebe an Gottes Thron gebunden. Es ist seine Absicht, dass ihnen der größte Einfluss des Universums, der von der Quelle aller Macht ausgeht, zur Verfügung steht. Sie sollen Macht haben, dem Bösen zu widerstehen – solche Macht, dass weder die Erde, noch der Tod, noch die Hölle sie überwältigen können. Eine Kraft, die sie befähigt, zu überwinden, wie Christus überwunden hat.

Christus möchte, dass die himmlische Ordnung, die himmlische Regierungsform und die göttliche Eintracht durch seine Gemeinde auf Erden dargestellt werden. Auf diese Weise wird er durch seine Kinder verherrlicht. Durch sie wird die Sonne der Gerechtigkeit in ungetrübtem Glanz die Welt erleuchten. Christus hat seine Gemeinde reichlich mit Gaben ausgestattet, sodass ihm sein erlöstes und erkauftes Eigentum große Ehre einbringen kann. Er hat sein Volk mit Fähigkeiten und Segnungen beschenkt, damit es bezeugen kann: Seine Hilfe ist stets ausreichend. Die Gemeinde, ausgestattet mit der Gerechtigkeit von Christus, ist der Verwahrungsort, wo die Reichtümer seiner Barmherzigkeit, seine Gnade und seine Liebe zur vollen und endgültigen Entfaltung kommen sollen. Christus blickt auf sein Volk in seiner Reinheit und Vollkommenheit. Dies ist der Lohn für seine Erniedrigung und trägt zu seiner Herrlichkeit bei. Christus ist der große Mittelpunkt, von dem alle Herrlichkeit ausstrahlt. Mit überzeugenden und hoffnungsvollen Worten schloss Christus seine Unterweisung ab. Dann schüttete er sein Herz, das mit der Sorge um seine Jünger belastet war, im Gebet vor Gott aus. Seine Augen zum Himmel erhoben, sagte er: »Vater, die Stunde ist da: Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche; denn du hast ihm Macht gegeben über alle Menschen, damit er das ewige Leben gebe allen, die du ihm gegeben hast. Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.« (Johannes 17,1-3) Christus hatte das Werk vollendet, das ihm aufgetragen worden war. Er hatte Gott auf der Erde verherrlicht. Er hatte den Namen des Vaters offenbart und die Männer erwählt, die sein Werk unter den Menschen fortsetzen sollten. Und er sagte: »Durch sie wird meine Herrlichkeit sichtbar. Ich bin jetzt auf dem Weg zu dir. Ich bleibe nicht länger in der Welt, aber sie bleiben in der Welt. Heiliger Vater, bewahre sie in deiner göttlichen Gegenwart, die ich ihnen vermitteln durfte, damit sie eins sind, so wie du und ich eins sind.« (Johannes 17,10b.11 GNB) »Ich bete nicht nur für sie, sondern auch für alle, die durch ihr Wort von mir hören und zum Glauben an mich kommen werden. Ich bete darum, dass sie alle eins seien. … Ich lebe in ihnen, und du lebst in mir; so sollen auch sie vollkommen eins sein, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und dass du sie, die zu mir gehören, ebenso liebst wie mich.« (Johannes 17,20.21a.23 GNB) Mit diesen Worten, die seiner göttlichen Autorität entsprachen, legte Christus seine auserwählte Gemeinde in die Hände des Vaters. Als geweihter Hoherpriester tritt er für sein Volk ein. Als treuer Hirte versammelt er seine Herde unter dem Schatten des Allmächtigen in der starken und sicheren Zuflucht. Auf ihn aber wartete der letzte Kampf mit Satan. Er ging hin, um ihn aufzunehmen.

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