Jesu Rede auf dem Ölberg

Jesu Rede auf dem Ölberg

Matthäus 24; Markus 13; Lukas 12,35-46; 21,5-38

Die Worte von Christus: »Seht, euer Haus wird verlassen sein und verwüstet daliegen« (Matthäus 23,38 NGÜ) hatten die Priester und Obersten mit großer Furcht erfüllt. Sie taten so, als wäre es ihnen gleichgültig, doch im Innersten fragten sie sich immer wieder, was diese Worte wohl bedeuteten. Eine unsichtbare Gefahr schien sie zu bedrohen. Könnte es sein, dass der herrliche Tempel, der Ruhm der jüdischen Nation, schon bald in Schutt und Asche liegen würde? Auch die Jünger waren von einer bösen Vorahnung erfüllt und warteten ängstlich darauf, dass sich Jesus deutlicher ausdrücken würde. Als sie mit ihm den Tempel verließen, lenkten sie seine Aufmerksamkeit auf dessen Stärke und Schönheit. Die Steine des Tempels waren aus reinstem Marmor, blendend weiß. Einige von ihnen waren unbeschreiblich groß. Ein Teil der Mauer hatte sogar der Belagerung durch Nebukadnezars Heer standgehalten (588-586 v. Chr.). Das Mauerwerk war so makellos ineinandergefügt, dass man den Eindruck bekommen konnte, es wäre ein einziger massiver Block, der aus dem Steinbruch herausgebrochen worden war. Die Jünger konnten nicht verstehen, wie es jemals möglich wäre, diese mächtigen Mauern zu überwinden. Welche unausgesprochenen Gedanken mussten Christus, den Verworfenen, wohl bewegt haben, als er auf die Pracht des Tempels aufmerksam gemacht wurde! Der Anblick, der sich ihm bot, war wirklich wunderschön, doch er sagte mit trauriger Stimme: Ich sehe das alles! Die Bauwerke sind wahrhaftig eindrucksvoll. Ihr zeigt auf diese scheinbar unzerstörbaren Mauern. Doch hört auf meine Worte: Es kommt der Tag, da wird hier »kein Stein auf dem anderen bleiben. Alles wird bis auf den Grund zerstört werden.« (Matthäus 24,2b GNB).

Christus hatte diese Worte vor vielen Menschen ausgesprochen. Nun aber, da er allein auf dem Ölberg saß, traten Petrus, Johannes, Jakobus und Andreas zu ihm und fragten: »Sag uns, wann wird das geschehen, und woran können wir erkennen, dass du wiederkommst und das Ende der Welt da ist?« (Matthäus 24,3b GNB) In seiner Antwort an die Jünger ging Jesus nicht gesondert auf die Zerstörung Jerusalems und auf den großen Tag seiner Wiederkunft ein. Er verflocht die Beschreibung dieser beiden Ereignisse miteinander. Hätte Jesus seinen Jüngern das zukünftige Geschehen so geschildert, wie er es vor sich sah, wären sie unfähig gewesen, dies zu ertragen. Aus Erbarmen ihnen gegenüber verknüpfte er die Beschreibung dieser beiden großen und entscheidenden Ereignisse und überließ es den Jüngern, deren Bedeutung selbst herauszufinden. Als Jesus über die Zerstörung Jerusalems sprach, reichten seine prophetischen Worte über dieses Ereignis hinaus bis zum abschließenden Tag, an dem die Welt mit Feuer gereinigt wird – jener Tag, an dem sich der Herr aufmachen und die Welt für ihre Bosheit bestrafen wird, wenn die Erde alles vergossene Blut ans Licht bringen und die Erschlagenen nicht mehr bedecken wird. Diese ausführliche Rede war nicht nur für die Jünger gedacht, sondern für alle, die in den letzten Tagen der Weltgeschichte leben werden.

Christus wandte sich an die Jünger und sprach: »Lasst euch von niemandem etwas weismachen. Viele werden in meinem Namen auftreten und behaupten: ›Ich bin der Christus‹, und sie werden viele irreführen.« (Matthäus 24,4.5 NLB) Viele falsche Messiasse werden auftreten. Sie werden behaupten, Wunder zu vollbringen, und erklären, die Zeit für die Befreiung der jüdischen Nation sei gekommen. Sie werden viele Menschen irreführen. Die Worte von Christus erfüllten sich. In der Zeit zwischen seinem Tod und der Belagerung von Jerusalem traten viele falsche Messiasse auf. Doch diese Warnung von Jesus gilt auch den Menschen in unserer Zeit. Dieselben Täuschungen, die vor der Zerstörung Jerusalems geschehen sind, geschahen durch alle Zeitalter hindurch, und sie werden erneut geschehen. »Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei; seht zu und erschreckt nicht. Denn das muss so geschehen; aber es ist noch nicht das Ende da.« (Matthäus 24,6) Bereits vor der Zerstörung Jerusalems kämpften Männer um die Vorherrschaft. Herrscher wurden ermordet und vermeintliche Nachfolger erschlagen. Da war von Kriegen und Kriegsgeschrei zu hören. »Denn es muss geschehen«, sagte Christus, »aber es ist noch nicht das Ende [des jüdischen Volkes als politische Nation]. Denn es wird sich Nation gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich, und es werden Hungersnöte und Erdbeben da und dort sein. Alles dies aber ist der Anfang der Wehen.« (Matthäus 24,6b-8 Elb.) Der Herr sagte: Wenn die Rabbiner diese Zeichen sehen, werden sie erklären, diese seien die Gottesurteile über die Nationen dafür, dass sie sein auserwähltes Volk unterdrücken. Und sie werden behaupten, dies seien die Zeichen, welche die Ankunft des Messias ankündigen. Lasst euch nicht täuschen! Diese Zeichen sind der Anfang der göttlichen Gerichte. Die Menschen haben auf sich selbst geschaut, ihre Sünde nicht bereut und sich nicht bekehrt, sodass ich sie nicht heilen konnte. Die Zeichen, die sie als Beweis ihrer Befreiung aus der Knechtschaft ansehen, sind in Wirklichkeit Zeichen ihres Verderbens. »Dann werden sie euch an die Gerichte ausliefern, euch misshandeln und töten. Die ganze Welt wird euch hassen, weil ihr euch zu mir bekennt. Wenn es so weit ist, werden viele vom Glauben abfallen und sich gegenseitig verraten und einander hassen.« (Matthäus 24,9.10 GNB) Dies alles mussten die Christen erleiden. Eltern verrieten ihre Kinder, Kinder ihre Eltern, und Freunde lieferten einander an den Hohen Rat aus. Die Verfolger vollendeten ihr Vorhaben und töteten Stephanus, Jakobus und andere Christen. Gott gab dem jüdischen Volk durch seine Diener eine letzte Gelegenheit zur Umkehr. Er selbst offenbarte sich durch seine Zeugen, wenn sie gefangengenommen, verhört und eingekerkert wurden. Dennoch wurden sie von ihren Richtern zum Tod verurteilt. Die Welt war ihrer nicht wert. Indem die jüdischen Obersten sie töteten, wurde Gottes Sohn aufs Neue gekreuzigt. So wird es wieder geschehen. Die Regierungen werden Gesetze erlassen, um die religiöse Freiheit einzuschränken. Sie werden sich ein Recht anmaßen, das allein Gott zusteht. Sie meinen, sie könnten das menschliche Gewissen beherrschen, das allein Gott lenken darf. Der Anfang dazu ist bereits gemacht. Man wird mit dieser Unterdrückung fortfahren, bis eine Grenze erreicht ist, die nicht überschritten werden kann. Gott selbst wird dann zugunsten seines treuen Volkes, das seine Gebote hält, eingreifen. Bei jeder Verfolgung entscheiden sich diejenigen, die sie als Zeugen miterleben, für oder gegen Christus. Jene, die den zu Unrecht Verurteilten ihr Mitleid ausdrücken, zeigen auf diese Weise, dass sie mit Christus verbunden sind. Andere sind verärgert, weil sich die Grundsätze der Wahrheit nicht mit ihren Gewohnheiten vereinbaren lassen. Viele stolpern und fallen und sagen sich vom Glauben los, für den sie einmal eingestanden sind. Jene, die in Zeiten der Prüfung vom Glauben abfallen, werden um ihrer eigenen Sicherheit willen ein falsches Zeugnis ablegen und ihre Glaubensfreunde verraten. Christus hat uns davor gewarnt, damit wir von der unnatürlichen, herzlosen Handlungsweise derer, die das Licht verwerfen, nicht überrascht werden.

Christus gab seinen Jüngern ein Zeichen für die herannahende Zerstörung Jerusalems und sagte ihnen, wie sie ihr entfliehen könnten: »Wenn ihr Jerusalem von feindlichen Heeren eingeschlossen seht, dann seid gewiss: Seine Zerstörung steht bevor. Dann sollen die Bewohner Judäas in die Berge fliehen! Wer in der Stadt ist, soll sie schnell verlassen, und die Leute vom Land sollen nicht in die Stadt gehen! Denn dann kommen die Tage der Vergeltung, an denen alles in Erfüllung geht, was in den Heiligen Schriften vorausgesagt ist.« (Lukas 21,20-22 GNB) Diese Warnung wurde gegeben, damit sie 40 Jahre später bei der Zerstörung Jerusalems beachtet würde. Die Christen folgten diesem Aufruf. Nicht ein einziger von ihnen kam bei der Einnahme der Stadt ums Leben. Jesus fuhr fort: »Betet darum, dass ihr nicht im Winter oder an einem Sabbat fliehen müsst.« (Matthäus 24,20 EÜ) Christus, der den Sabbat eingesetzt hatte, schaffte ihn nicht ab, indem er ihn ans Kreuz heftete. Der Sabbat wurde durch den Tod von Jesus nicht für nichtig erklärt, sondern sollte auch 40 Jahre nach seiner Kreuzigung noch heiliggehalten werden. 40 Jahre lang sollten die Christen dafür beten, dass ihre Flucht nicht an einem Sabbat geschehe.

Von der Zerstörung Jerusalems kam Christus rasch auf das größere Ereignis zu sprechen, das letzte Glied in der Kette dieser Weltgeschichte: die Wiederkunft des Sohnes Gottes in großer Kraft und Herrlichkeit. Christus sah, dass zwischen diesen beiden Ereignissen lange, dunkle Jahrhunderte lagen – Jahrhunderte, die für seine Gemeinde von Blut, Tränen und Qualen gekennzeichnet waren. Die Jünger hätten es zu diesem Zeitpunkt nicht ertragen, wenn Jesus näher auf dieses Geschehen eingegangen wäre. Deshalb überging er es und begnügte sich mit einer kurzen Andeutung: »Denn es wird eine so große Not kommen, wie es noch nie eine gegeben hat, seit die Welt besteht, und wie es auch keine mehr geben wird. Und wenn jene Zeit nicht verkürzt würde, dann würde kein Mensch gerettet; doch um der Auserwählten willen wird jene Zeit verkürzt werden.« (Matthäus 24,21.22 EÜ) Mehr als 1000 Jahre lang sollte eine solche Verfolgung über die Nachfolger von Christus kommen, wie sie die Welt noch nie erlebt hatte. Millionen und Abermillionen seiner treuen Zeugen würden getötet werden. Hätte Gott nicht schützend die Hand über sein Volk gehalten, wären alle ums Leben gekommen. »Doch um der Auserwählten willen wird jene Zeit verkürzt werden.« (Matthäus 24,22b EÜ)

Nun sprach Jesus unmissverständlich von seinem zweiten Kommen und warnte vor den Gefahren, die seiner Wiederkunft vorausgehen werden: »Wenn dann jemand zu euch sagt: ›Seht her, hier ist Christus, der versprochene Retter!‹, oder: ›Dort ist er!‹ – glaubt ihm nicht. Denn es werden so manche mit dem Anspruch auftreten, der versprochene Retter oder ein Prophet zu sein. Sie werden sich durch große und Aufsehen erregende Wunder ausweisen und würden damit sogar die von Gott Erwählten irreführen, wenn das möglich wäre. Denkt daran, dass ich es euch vorausgesagt habe! Wenn also die Leute zu euch sagen: ›Draußen in der Wüste ist er‹, dann geht nicht hinaus! Oder wenn sie sagen: ›Er ist hier und hält sich in einem Haus verborgen‹, dann glaubt ihnen nicht! Denn der Menschensohn wird für alle sichtbar kommen, wie ein Blitz, der von Ost nach West über den Himmel zuckt.« (Matthäus 24,23-27 GNB) Eines der Zeichen der Zerstörung Jerusalems beschrieb Christus mit den Worten: »Zahlreiche falsche Propheten werden auftreten und viele von euch irreführen.« (Matthäus 24,11 GNB) Tatsächlich kamen falsche Propheten auf, verführten das Volk und lockten viele in die Wüste. Zauberer und Magier, die den Anspruch erhoben, übernatürliche Kräfte zu besitzen, veranlassten das Volk, ihnen in die Einsamkeit der Berge zu folgen. Doch diese Vorhersage gilt auch für die letzten Tage der Weltgeschichte. Die geschilderten Ereignisse sind als Zeichen der nahen Wiederkunft von Christus gegeben worden. Schon jetzt vollbringen falsche Christusse und falsche Propheten Zeichen und Wunder, um die Gläubigen zu verführen. Hören wir nicht den Ruf: »Siehe, er ist in der Wüste«? Sind nicht Tausende diesem Ruf gefolgt und in die Wüste gezogen, in der Hoffnung, Christus zu finden? Ertönt nicht in Tausenden von Zusammenkünften, wo Menschen vorgeben, mit den Geistern Verstorbener in Verbindung zu treten, der Ruf: »Siehe, er ist drinnen im Haus«? Dies ist genau der Anspruch, den der Spiritismus erhebt. Doch was sagte Jesus? »Glaubt ihnen nicht! Denn der Menschensohn wird für alle sichtbar kommen, wie ein Blitz, der von Ost nach West über den Himmel zuckt.« (Matthäus 24,26b.27 GNB) Der Herr gab uns Zeichen seiner Wiederkunft – ja, mehr noch, er legte die Zeit fest, wann das erste dieser Zeichen geschehen sollte. »Sofort nach den Tagen der großen Not wird sich die Sonne verfinstern, und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. Danach wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen; dann werden alle Völker der Erde jammern und klagen, und sie werden den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken des Himmels kommen sehen. Er wird seine Engel unter lautem Posaunenschall aussenden, und sie werden die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, von einem Ende des Himmels bis zum anderen.« (Matthäus 24,29-31 EÜ) Am Ende der großen päpstlichen Verfolgungen sollten Sonne und Mond ihren Schein verlieren. Dann sollten die Sterne vom Himmel fallen. Jesus fügte hinzu: »Lernt vom Feigenbaum: Wenn seine Knospen weich werden und die Blätter zu sprießen beginnen, wisst ihr, dass der Sommer kommt, ohne dass es euch jemand sagt. Wenn ihr also seht, wie alle diese Dinge passieren, dann wisst ihr, dass die Wiederkunft des Menschensohnes vor der Tür steht.« (Matthäus 24,32.33 NLB) Christus hat uns Zeichen für sein Kommen gegeben, damit wir erkennen können, wann seine Ankunft nahe ist und sogar, wann sie kurz bevorsteht. Er sagt über jene Menschen, die diese Zeichen sehen: »Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles geschehen ist.« (Matthäus 24,34 NGÜ) Diese Zeichen sind erschienen. Jetzt wissen wir gewiss, dass des Herrn Wiederkunft nahe ist. »Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen.« (Matthäus 24,35) Christus wird mit den Wolken des Himmels kommen, mit großer Herrlichkeit. Eine große Zahl leuchtender Engel wird ihn begleiten. Er wird kommen, um die Toten aufzuwecken und die lebenden Gerechten zu verwandeln – von einer Herrlichkeit zur anderen. Er wird wiederkommen, um die zu ehren und zu sich zu nehmen, die ihn geliebt und seine Gebote gehalten haben. Er hat weder sie noch seine Verheißung vergessen. Familien werden wieder miteinander vereint werden. Wenn wir an unsere Toten zurückdenken, dürfen wir an den Morgen glauben, an dem die Posaune Gottes ertönen wird, an dem »die Toten mit einem unvergänglichen Körper auferstehen, und wir Lebenden werden verwandelt werden, sodass wir nie mehr sterben« (1. Korinther 15,52b NLB). Nur noch kurze Zeit, und wir werden den König in seiner Herrlichkeit sehen. Nicht mehr lange, und er wird alle Tränen von unseren Augen abwischen. Bald schon wird er uns »vor seine Herrlichkeit tadellos mit Jubel« hinstellen (Judas 24b Elb.). Darum sagte Christus, als er von den Zeichen seiner Wiederkunft sprach: »Wenn all das anfängt, dann richtet euch auf und hebt den Blick, denn eure Erlösung ist ganz nahe!« (Lukas 21,28 NLB) Den Tag aber und die Stunde seiner Wiederkunft hat Christus nicht offenbart. Er sagte seinen Jüngern deutlich, dass er selbst ihnen den Tag oder die Stunde seines zweiten Kommens nicht bekannt geben könne: »Von dem Tag aber und von der Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater.« (Matthäus 24,36) Wäre es ihm freigestanden, ihnen die genaue Zeit zu offenbaren, warum sollte er sie dann ermahnt haben, in ständiger Erwartung zu bleiben? Es gibt Menschen, die behaupten, genau zu wissen, an welchem Tag und zu welcher Stunde Christus erscheinen wird. Ernsthaft bemühen sie sich darum, den Ablauf der Zukunft festzulegen. Doch der Herr hat sie davor gewarnt, diesen Grund zu betreten. Der genaue Zeitpunkt der Wiederkunft des Menschensohnes ist Gottes Geheimnis.

Christus setzte seine Rede fort, indem er auf den Zustand der Welt vor seinem Kommen hinwies: »Bei der Wiederkunft des Menschensohnes wird es wie in den Tagen Noahs sein. Damals vor der großen Flut aßen und tranken die Menschen, sie heirateten und wurden verheiratet – bis zu dem Tag, an dem Noah in die Arche ging. Sie merkten nichts, bis die Flut hereinbrach und sie alle hinwegraffte. So wird es auch bei der Wiederkunft des Menschensohnes sein.« (Matthäus 24,37-39 NGÜ) Jesus führt uns hier kein tausendjähriges Reich auf Erden vor Augen, in dem sich alle auf die Ewigkeit vorbereiten. Er zeigt uns, dass es bei seiner Wiederkunft genauso sein wird wie zur Zeit Noahs. Wie war es denn zu jener Zeit? »Der Herr sah, dass die Menschen auf der Erde völlig verdorben waren. Alles, was aus ihrem Herzen kam, ihr ganzes Denken und Planen, war durch und durch böse.« (1. Mose 6,5 GNB) Die Bewohner der vorsintflutlichen Welt wandten sich von ihrem Schöpfer ab und weigerten sich, seinem heiligen Willen zu gehorchen. Sie folgten lieber ihren eigenen, unheiligen Vorstellungen und verderbten Gedanken. Wegen ihrer Bosheit wurden sie vernichtet. Heute geht die Welt denselben Weg. Es gibt keine schmeichelhaften Anzeichen für eine tausendjährige Herrlichkeit. Die Übertreter des Gesetzes Gottes füllen die Erde mit ihrer Bosheit. Ihre Wetten, ihre Pferderennen, ihr Glücksspiel, ihre Verschwendung, ihre begehrlichen Gewohnheiten und ihre unbezähmbaren Leidenschaften breiten sich rasch und gewaltsam über die Welt aus. In der Weissagung von der Zerstörung Jerusalems sagte Christus: »Die Gesetzlosigkeit wird immer mehr überhandnehmen und die Liebe wird bei vielen erkalten. Doch wer bis zum Ende durchhält, wird gerettet werden. Die Botschaft vom Reich Gottes wird auf der ganzen Welt gepredigt werden, damit alle Völker sie hören, und dann erst wird das Ende kommen.« (Matthäus 24,12-14 NLB) Diese Weissagung wird sich noch einmal erfüllen. Die große Bosheit jener Tage und die Erfüllung der verheißenen Verkündigung des Evangeliums spiegeln sich in unserer Generation wider. Unter dem Einfluss des Heiligen Geistes stellte Paulus vor dem Fall Jerusalems fest, dass das Evangelium »in der ganzen Schöpfung unter dem Himmel gepredigt worden ist« (Kolosser 1,23b). So muss nun auch vor der Wiederkunft von Christus das ewige Evangelium »allen Nationen und Stämmen und Sprachen und Völkern« (Offenbarung 14,6b) verkündigt werden. Gott hat »einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis richten will« (Apostelgeschichte 17,31a). Christus teilte uns mit, wann diese Zeit eingeleitet wird. Er sagte nicht, dass sich die ganze Welt bekehren wird, sondern »die Botschaft vom Reich Gottes wird auf der ganzen Welt gepredigt werden, damit alle Völker sie hören, und dann erst wird das Ende kommen« (Matthäus 24,14 NLB). Durch die Verkündigung des Evangeliums liegt es in unserer Macht, die Wiederkunft von Christus zu beschleunigen. Wir sollen nicht nur »diesen Tag, an dem Gott kommt«, erwarten, sondern auch »alles dazu [tun], dass er nicht mehr lange auf sich warten lässt« (2. Petrus 3,12 Hfa). Hätte seine Gemeinde ihr Werk ausgeführt, wie es vom Herrn angeordnet worden war, wäre die ganze Welt schon längst gewarnt worden und der Herr Jesus wäre bereits mit Macht und großer Herrlichkeit zur Erde zurückgekehrt.

Nachdem Jesus ihnen die Zeichen seines Kommens genannt hatte, fuhr er fort: »Wenn ihr seht, dass dies alles geschieht, so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist.« »So seid allezeit wach und betet.« (Lukas 21,31.36a) Gott warnte die Menschen immer vor kommenden Gerichten. Diejenigen, die der Warnungsbotschaft Gottes für ihre Zeit vertrauten und im Glauben seinen Geboten gegenüber gehorsam lebten, blieben vor dem Gericht verschont, das über die Ungehorsamen und Ungläubigen hereinbrach. Zu Noah wurde gesagt: »Geh mit deiner ganzen Familie in das Schiff, denn unter allen Menschen auf der Erde bist du in meinen Augen der einzige, der gerecht ist.« (1. Mose 7,1 NLB) Noah gehorchte und wurde gerettet. Lot erhielt die Botschaft: »Schnell, verlasst die Stadt! Denn der Herr wird sie zerstören.« (1. Mose 19,14b NLB) Lot stellte sich unter den Schutz der himmlischen Boten und wurde bewahrt. Auch die Jünger wurden von Christus über die Zerstörung Jerusalems unterrichtet. Jene, die auf das Zeichen des nahenden Untergangs achteten und aus der Stadt flohen, entgingen der Vernichtung. So sind auch uns Warnzeichen für die Wiederkunft von Christus und für das Verderben, das über die Welt hereinbrechen soll, gegeben worden. Wer diese Warnung ernst nimmt, wird gerettet werden. Da wir den genauen Zeitpunkt seines Kommens nicht wissen, sind wir aufgefordert, wachsam zu bleiben. »Glücklich zu preisen sind die Diener, die der Herr wach und bereit findet, wenn er kommt.« (Lukas 12,37a NGÜ) Alle, die auf das Kommen des Herrn warten, bleiben nicht untätig. Die Erwartung auf die Wiederkunft von Christus soll die Menschen dazu veranlassen, vor dem Herrn Ehrfurcht zu haben und seine Gerichte über die Sünde zu fürchten. Dadurch sollen sie sich der großen Sünde, Gottes Gnadenangebote abzulehnen, bewusst werden. Jene, die auf das Erscheinen des Herrn warten, läutern ihre Herzen dadurch, dass sie der Wahrheit gehorsam sind. Sie verbinden ihr aufmerksames Wachen mit ernsthaftem Wirken. Weil sie wissen, dass das Kommen des Herrn nahe vor der Tür steht, werden sie in ihrer Begeisterung beflügelt, um mit den göttlichen Wesen für die Erlösung der Menschen zusammenzuarbeiten. Dies sind die treuen und umsichtigen Diener, die der ganzen Dienerschaft des Herrn »zur gegebenen Zeit das Essen« austeilen (Lukas 12,42b NGÜ). Sie verkündigen die Wahrheit, die besonders auf unsere heutige Zeit zutrifft. Wie Henoch, Noah, Abraham und Mose die Wahrheit für ihre Zeit verkündigten, so haben die Diener von Christus auch heute ihrer Generation eine besondere Warnungsbotschaft mitzuteilen.

Doch Christus weist noch auf eine andere Menschengruppe hin: »Wenn jener Diener aber ein böser Mensch ist und sich sagt: ›Mein Herr kommt noch lange nicht!‹ und anfängt, die anderen Diener zu schlagen, während er selbst mit Trunkenbolden schwelgt und prasst, dann wird sein Herr an einem Tag kommen, an dem er ihn nicht erwartet.« (Matthäus 24,48-50a NGÜ) Der untreue Knecht denkt in seinem Herzen: »Mein Herr kommt noch lange nicht.« Er sagt nicht, dass Christus überhaupt nicht kommen wird, und spottet auch nicht über den Gedanken seiner Wiederkunft. Doch durch sein Denken, Reden und Handeln macht er deutlich, dass sich die Ankunft des Herrn verzögert. Er raubt den anderen die Gewissheit der baldigen Wiederkunft. Sein Einfluss verleitet Menschen dazu, selbstzufrieden und sorglos in den Tag hineinzuleben. Sie fühlen sich in ihrem weltlichen, berauschenden Leben bestärkt. Irdische Leidenschaften und verdorbene Gedanken nehmen ihr Denken gefangen. Der untreue Knecht isst und trinkt mit den Betrunkenen und strebt gemeinsam mit der Welt nach Vergnügen. Er quält seine Mitknechte, indem er jene anklagt und verurteilt, die ihrem Meister treu ergeben sind. Er schließt sich der Welt an und verstrickt sich, so wie diese, immer tiefer in die Sünde. Es ist ein gefährliches Anpassen. Mit der Welt tappt er in eine Falle. »Dann wird sein Herr an einem Tag kommen … zu einem Zeitpunkt, an dem er es nicht vermutet. Er wird den Diener in Stücke hauen und dorthin bringen lassen, wo die Heuchler sind.« (Matthäus 24,50b.51a NGÜ) »Wenn du aber nicht wachen wirst, werde ich kommen wie ein Dieb und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde.« (Offenbarung 3,3b) Die falschen Lehrer werden überrascht sein, wenn Jesus wiederkommt. Sie sagen: »Friede und Sicherheit!« (1. Thessalonicher 5,3a Elb.) Wie die Priester und Schriftgelehrten vor dem Fall Jerusalems betrachten auch sie die Gemeinde als Mittel, um irdisches Wohlergehen und weltlichen Ruhm zu genießen, und legen die Zeichen der Zeit in diesem Sinn aus. Doch was sagt das von Gott eingegebene Wort über solche Menschen? »Dann kommt ein plötzliches Verderben über sie.« (1. Thessalonicher 5,3b Elb.) Über alle Bewohner der Erde, über alle, die diese Welt zu ihrer Heimat machen, wird der Tag Gottes wie ein Fallstrick kommen. Er wird überraschend wie ein Dieb kommen, der auf seine Beute aus ist. Die von Gewalt und gottlosem Vergnügen erfüllte Welt schläft und wiegt sich in menschlicher Sicherheit. Die Wiederkunft des Herrn wird von den Menschen in weite Ferne gerückt, und sie lachen über die Warnungsbotschaften. In stolzer Überheblichkeit sagen sie: »Soweit ein Mensch nur zurückdenken kann, ist doch alles genauso geblieben, wie es immer schon war, seit die Welt erschaffen wurde« (2. Petrus 3,4b NLB), und es »soll morgen sein wie heute und noch viel herrlicher« (Jesaja 56,12b). Wir wollen uns noch viel ausgelassener ins Vergnügen stürzen! Christus aber sagt: »Siehe, ich komme wie ein Dieb.« (Offenbarung 16,15a) Die Zeichen der Zeit erfüllen sich genau dann, wenn die Welt verächtlich fragt: »Was ist nun mit der Verheißung seines Kommens?« (2. Petrus 3,4a ZÜ) Während sie rufen: »Friede und Sicherheit«, bricht »ein plötzliches Verderben über sie« herein (1. Thessalonicher 5,3 Elb.). Wenn sich die Spötter und jene, welche die Wahrheit ablehnen, erheben, wenn die alltäglichen Geschäfte in den verschiedenen Erwerbszweigen ohne Rücksicht auf Einhaltung ehrenwerter Grundsätze betrieben werden und wenn der Gelehrte überall eifrig nach Wissen sucht, außer in seiner Bibel, dann kommt Christus wie ein Dieb.

Die ganze Welt ist im Aufruhr. Die Zeichen der Zeit sind bedrohlich, und kommende Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Gottes Geist zieht sich immer mehr von der Erde zurück. Eine Katastrophe folgt der anderen auf dem Wasser und auf dem Land. Es gibt Stürme, Erdbeben, Feuersbrünste, Überschwemmungen und Gewalttaten aller Art. Wer weiß, was die Zukunft bringt? Wo gibt es Sicherheit? Weder Menschliches noch Irdisches bietet Sicherheit. Eilig flüchten sich die Menschen unter das von ihnen auserwählte Banner und verfolgen voller Unruhe die Handlungen ihrer Führer. Doch da sind auch die anderen, die auf das Kommen ihres Herrn warten, danach Ausschau halten und darauf hinwirken. Wieder andere stellen sich unter das Kommando des ersten großen Abtrünnigen. Nur wenige glauben von Herzen daran, dass wir den Untergang zu fürchten, aber einen Himmel zu gewinnen haben. So kommt die Krise allmählich näher. Die Sonne scheint am Himmel und kreist auf ihrer gewohnten Bahn. Die Himmel erzählen nach wie vor von Gottes Herrlichkeit. Noch immer essen und trinken die Menschen. Sie pflanzen und bauen, heiraten und lassen sich verheiraten; und noch immer kaufen und verkaufen die Händler. Die Menschen, einer gegen den anderen, drängeln sich im Kampf um den höchsten Platz. Vergnügungssüchtige füllen noch immer Theater, Tribünen von Rennbahnen und Spielhöllen. Was Menschen zu höchster Begeisterung führt, hat Erfolg. Die Gnadenzeit jedoch geht schnell ihrem Ende entgegen, und das Schicksal jedes Einzelnen wird bald auf ewig entschieden sein. Satan sieht, dass er nur noch wenig Zeit hat. Er hat alle seine Kräfte eingesetzt, damit die Menschen getäuscht und betrogen, erobert und berauscht werden, bis die Gnadenzeit vorüber ist und sich die Tür der Barmherzigkeit für immer geschlossen hat. Die warnenden Worte, die unser Herr auf dem Ölberg ausgesprochen hat, dringen über all die Jahrhunderte hinweg ernst und feierlich an unser Ohr: »Seid wachsam! Lasst euch nicht von zu viel Essen und Trinken und den Sorgen des Alltags gefangen nehmen, damit euch dieser Tag nicht unvorbereitet trifft.« (Lukas 21,34 NLB) »Bleibt wach und hört nicht auf zu beten, damit ihr alles, was noch kommen wird, durchstehen und zuversichtlich vor den Menschensohn treten könnt!« (Lukas 21,36 GNB)

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