Ein Volk steht vor dem Untergang

Ein Volk steht vor dem Untergang

Markus 11,11-14.20.21; Matthäus 21,17-20; Lukas 13,6-9

Der triumphale Einzug von Christus in Jerusalem war nur ein kleiner Vorgeschmack auf sein Kommen in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit, inmitten der Siegesfreude der Engel und des Jubels der Heiligen. Dann werden sich die Worte von Christus erfüllen, die er an die Priester und Pharisäer gerichtet hatte: »Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sprecht: Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!« (Matthäus 23,39) Dem Propheten Sacharja war jener Tag des abschließenden Triumphes in einem Gesicht gezeigt worden. Gleichzeitig hatte er das Schicksal derer gesehen, die Christus bei seinem ersten Kommen abgelehnt hatten: »Sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben, und werden über ihn wehklagen, wie man über den einzigen Sohn wehklagt, und werden bitter über ihn weinen, wie man bitter über den Erstgeborenen weint.« (Sacharja 12,10b Elb.) Dieses Geschehen sah Jesus auch voraus, als er die Stadt erblickte und über sie weinte. In der bevorstehenden Zerstörung von Jerusalem sah er die endgültige Vernichtung jener Menschen, die am Blut des Sohnes Gottes schuldig geworden waren.

Die Jünger bemerkten den Hass der Juden auf Christus. Doch sie begriffen noch nicht, wohin dies führen wird. Sie erkannten noch nicht den wahren Zustand des jüdischen Volkes und hatten keine Ahnung von der Vergeltung, die Jerusalem heimsuchen wird. Christus erklärte ihnen dies anhand eines aussagekräftigen Gleichnisses. Die letzte Warnung war vergeblich an Jerusalem ergangen. Die Priester und Obersten hatten auf ihre Frage: »Wer ist der?« (Matthäus 21,10b) das prophetische Zeugnis aus der Vergangenheit noch einmal von der Menge gehört, doch sie erkannten dies nicht als göttliche Eingebung an. Zornig und bestürzt versuchten sie, die Volksmenge zum Schweigen zu bringen. Sie beschuldigten Jesus vor den römischen Beamten, die sich unter der Menge befanden, er sei der Anführer eines Aufstandes. Sie stellten es so dar, als wolle er nun den Tempel einnehmen und dann als König in Jerusalem herrschen. Doch die ruhige Stimme von Jesus beschwichtigte die lärmende Menge für einen Augenblick, als er erneut erklärte, dass er nicht gekommen sei, eine weltliche Herrschaft aufzurichten. Er werde bald zu seinem Vater auffahren, und seine Ankläger würden ihn nicht mehr sehen, bis er in Herrlichkeit wiederkommt. Dann erst, wenn es für ihre Errettung zu spät sei, würden sie ihn anerkennen. Jesus war betrübt, als er dies sagte, doch er redete mit außerordentlicher Vollmacht. Die römischen Beamten waren überwältigt und schwiegen. Obwohl ihnen der göttliche Einfluss fremd war, waren sie tief bewegt wie nie zuvor. Im ruhigen und ernsthaften Gesichtsausdruck von Jesus sahen sie Liebe, Güte und stille Würde. Sie empfanden ein Mitgefühl, das sie sich nicht erklären konnten. Statt Jesus festzunehmen, waren sie eher geneigt, ihm Ehre zu erweisen. Sie wandten sich an die Priester und Obersten und warfen ihnen vor, den Aufruhr verursacht zu haben. Besiegt und verärgert richteten diese Würdenträger ihre Beschwerden nun an das Volk und stritten wütend untereinander. In der Zwischenzeit ging Jesus unbemerkt zum Tempel. Dort war es ganz still, denn das Geschehen auf dem Ölberg hatte die Menschen angezogen. Für kurze Zeit verweilte er beim Tempel. Er betrachtete ihn mit sorgenvollem Blick. Dann kehrte er mit seinen Jüngern nach Betanien zurück. Als ihn die Menschen suchten, um ihn zum König zu küren, konnten sie ihn nirgends finden.

Die ganze Nacht verbrachte Jesus im Gebet. Am Morgen ging er wieder zum Tempel. Unterwegs kam er an einem Obstgarten mit Feigenbäumen vorbei. Er hatte Hunger, und »da sah er in einiger Entfernung einen Feigenbaum, der schon Blätter trug. Er ging hin, um zu sehen, ob nicht Früchte an ihm wären. Aber er fand nichts als Blätter, denn es war nicht die Jahreszeit für Feigen« (Markus 11,13 GNB). In dieser Jahreszeit gab es noch keine reifen Feigen, außer in bestimmten Gegenden. In Bezug auf das höher gelegene Gebiet um Jerusalem konnte man jedenfalls sagen: »Es war nicht die Jahreszeit für Feigen.« Aber im Obstgarten, in den Jesus kam, schien ein Baum allen anderen voraus zu sein. Seine Äste waren bereits voller Blätter. Es liegt in der Natur des Feigenbaums, dass zuerst die wachsende Frucht erscheint, bevor sich die Blätter öffnen. Weil dieser Baum voller Blätter war, erwartete man eigentlich eine Menge gut ausgereifter Früchte. Aber der Schein trog. Als Jesus den Baum vom untersten Ast bis zur höchsten Spitze nach Früchten absuchte, fand er »nichts als Blätter«. Es handelte sich bloß um ein vielversprechendes Blätterwerk, weiter nichts. Da verfluchte Christus den Baum und sprach: »Nie wieder soll jemand von deinen Früchten essen!« (Markus 11,14a NLB) Am nächsten Morgen, als er mit seinen Jüngern wieder auf dem Weg in die Stadt war, fielen ihnen die verdorrten Zweige und die verwelkten Blätter auf. Petrus sagte verwundert: »Sieh doch, Rabbi! Der Feigenbaum, den du verflucht hast, ist vertrocknet!« (Markus 11,21b NLB) Dass Christus diesen Feigenbaum verfluchte, überraschte die Jünger. Es schien, als stünde diese Tat im Gegensatz zu seinem sonstigen Tun und Handeln. Oft hatten sie ihn sagen hören, dass er nicht gekommen sei, die Welt zu verdammen, sondern zu erlösen. Sie dachten an seine Worte: »Der Menschensohn ist nicht gekommen, das Leben der Menschen zu vernichten, sondern zu erhalten.« (Lukas 9,56a Anm.) Sein wunderbares Handeln hatte stets dazu beigetragen wiederherzustellen, niemals aber zu zerstören. Die Jünger hatten ihn immer als den erlebt, der erneuerte und heilte. Diese Tat war so ganz anders. Darum fragten sie sich, was er wohl damit beabsichtigte. Gott »hat Gefallen an Gnade« (Micha 7,18 Elb.). »Aber der Herr, der mächtige Gott, sagt: So gewiss ich lebe, mir macht es keine Freude, wenn ein Mensch wegen seiner Vergehen sterben muss.« (Hesekiel 33,11a GNB) Für ihn ist das Vernichten und Verurteilen »befremdend«. Es heißt: »Befremdend ist sein Werk und … seltsam ist seine Arbeit« (Jesaja 28,21b Elb.). Aus Erbarmen und Liebe lüftete er das Geheimnis der Zukunft und offenbarte den Menschen die Folgen ihrer sündigen Wege.

Das Verfluchen des Feigenbaums war eine gleichnishafte Handlung. Dieser unfruchtbare Baum, der unmittelbar vor Jesus sein üppiges Laubwerk zur Schau stellte, war ein Sinnbild für die jüdische Nation. Jesus wollte seinen Jüngern damit deutlich machen, was die Ursache für Israels sicheren Untergang war. Zu diesem Zweck stattete er den Baum mit moralischen Eigenschaften aus, damit er die göttliche Wahrheit darstellen konnte. Die Juden unterschieden sich von allen anderen Nationen, denn sie bekannten sich zum Bündnis mit Gott. Sie waren von Gott besonders bevorzugt worden und erhoben den Anspruch, gerechter zu sein als alle anderen Völker. Doch die Liebe zur Welt und die Gier nach Gewinn hatten sie verdorben. Sie prahlten mit ihrer Erkenntnis, wussten jedoch nichts von Gottes Forderungen und waren durch und durch scheinheilig. So wie der unfruchtbare Baum streckten auch sie ihre Äste protzig in die Höhe. Diese sahen zwar üppig aus und waren für das Auge schön anzusehen, doch sie brachten nichts als Blätter hervor. Die jüdische Religion mit ihrem prachtvollen Tempel, ihren geweihten Altären, ihren edel gekleideten Priestern und den beeindruckenden Zeremonien war äußerlich zwar schön anzusehen, doch Demut, Liebe und Güte fehlten. Auch alle anderen Bäume im Obstgarten trugen keine Früchte, doch diese blätterlosen Bäume weckten keine Erwartungen und führten deshalb auch zu keiner Enttäuschung. Diese Bäume stellten die Heiden dar. So wie den Juden fehlte auch ihnen die Frömmigkeit. Doch sie hatten nicht vorgegeben, Gott zu dienen, und erhoben nicht den vermessenen Anspruch, gut zu sein. Sie waren blind für Gottes Wirken und kannten seine Wege nicht. Für sie »war nicht die Zeit für Feigen« (Markus 11,13) angebrochen. Sie warteten noch immer auf den Tag, der ihnen Licht und Hoffnung bringen würde. Das Volk Israel aber, das größere Segnungen von Gott erhalten hatte, würde Rechenschaft ablegen müssen für den Missbrauch dieser Gaben. Die Vorrechte, auf die sie so stolz waren, ließen ihre Schuld nur größer werden. Jesus war hungrig zum Feigenbaum gekommen und hoffte, etwas Essbares zu finden. Genauso war er zum Volk Israel gekommen, hungernd nach Früchten der Gerechtigkeit. Er hatte sie mit seinen Gaben überhäuft und gehofft, dass sie Früchte zum Segen der Welt erbringen würden. Jede Gelegenheit und jedes Vorrecht wurde ihnen gewährt. Als Gegenleistung suchte er nach ihrem Mitgefühl und ihrer Mitarbeit in seinem Gnadenwerk. Er sehnte sich danach, in ihnen Aufopferungsbereitschaft, Mitgefühl und Begeisterung für Gott zu sehen, sowie das tiefe Verlangen des Herzens nach der Erlösung ihrer Mitmenschen. Hätten sie Gottes Gesetz gehalten, wären sie in ihrem Tun ebenso selbstlos gewesen wie Christus. Doch die Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen wurde von Stolz und Selbstzufriedenheit in den Hintergrund gedrängt. Dadurch, dass sie sich weigerten, anderen zu dienen, brachten sie Unglück über sich selbst. Die Schätze der Wahrheit, die ihnen Gott anvertraut hatte, gaben sie nicht an die Welt weiter. Am Beispiel des unfruchtbaren Feigenbaums konnten sie ihre Sünde und deren Bestrafung erkennen. Unter dem Fluch des Erlösers verwelkt und bis an die Wurzel vertrocknet, stand der Feigenbaum da und wies auf den Zustand des jüdischen Volkes hin, wenn ihm Gottes Gnade entzogen würde. Weigerten sie sich, den Segen weiterzugeben, würden sie diesen auch nicht länger empfangen. »›Es ist dein Untergang, Israel, dass du dich gegen mich, deinen einzigen Helfer, gewandt hast‹, sagte der Herr.« (Hosea 13,9 GNB)

Die Warnung gilt für alle Zeiten. Der durch Christus ausgesprochene Fluch über den Baum, den er aus eigener Macht erschaffen hatte, ist eine Warnung an alle Kirchen und Christen. Niemand kann Gottes Gesetz erfüllen, ohne dem Nächsten zu dienen. Aber es gibt viele, die nicht wie Christus ein barmherziges und selbstloses Leben führen. Einige, die sich selbst für ausgezeichnete Christen halten, verstehen nicht, was der Dienst für Gott alles umfasst. Sie überlegen und streben danach, sich selbst zu gefallen, und handeln nur in ihrem eigenen Interesse. Zeit bedeutet ihnen nur dann etwas, wenn sie diese zu ihrem eigenen Nutzen einsetzen können. In allen Lebensbereichen ist das ihr einziges Ziel. Sie dienen nicht anderen, sondern nur sich selbst. Gott aber erschuf sie für eine Welt, in der ein selbstloser Dienst getan werden muss. Er bestimmte sie dazu, ihren Mitmenschen auf jede nur mögliche Art und Weise zu helfen. Doch ihr Ich ist so groß, dass sie nichts anderes sehen können. Sie haben keine Beziehung zu den Menschen. Wer auf diese Weise nur für sich selbst lebt, gleicht dem Feigenbaum, der so vielversprechend aussah, aber unfruchtbar war. Solche Menschen halten zwar die Formen des Gottesdienstes ein, doch ohne Reue und ohne Glauben. Sie geben vor, Gottes Gesetz zu ehren, doch es mangelt ihnen an Gehorsam. Sie reden nur und handeln nicht. Im Urteil, das Christus über den Feigenbaum aussprach, zeigte er auf, wie abscheulich in seinen Augen dieser aufgeblasene Anspruch ist. Er machte deutlich, dass jemand, der für alle sichtbar sündigt, weniger Schuld hat als einer, der vorgibt, Gott zu dienen, aber keine Frucht zu dessen Ehre hervorbringt. Das Gleichnis vom Feigenbaum, das Jesus bereits vor seinem Besuch in Jerusalem erzählt hatte (vgl. Lukas 13,6-9), stand in direktem Zusammenhang mit der Lehre, die er ihnen vermittelte, als er den fruchtlosen Baum verfluchte. Im Gleichnis bat der Gärtner für den unfruchtbaren Baum: »Herr, lass ihn noch dieses Jahr, bis ich um ihn grabe und ihn dünge; vielleicht bringt er doch noch Frucht; wenn aber nicht, so haue ihn ab.« (Lukas 13,8.9) Dieser unfruchtbare Baum musste besser gepflegt werden. Er sollte in den Genuss jedes Vorteils kommen. Würde er trotzdem keine Frucht bringen, könnte ihn nichts vor der Vernichtung bewahren. Im Gleichnis wurde nichts über den Erfolg des Gärtners vorausgesagt. Das hing ganz von den Leuten ab, zu denen Christus diese Worte sprach. Der unfruchtbare Baum stellte sie dar, und es lag an ihnen, über ihr eigenes Schicksal zu entscheiden. Jede Annehmlichkeit, die der Himmel zu geben vermochte, wurde ihnen geschenkt, doch sie zogen keinen Nutzen aus dem vermehrten Segen. Als Christus den nutzlosen Feigenbaum verfluchte, wurde das Ergebnis sichtbar. Sie hatten ihren eigenen Untergang festgelegt. Mehr als 1000 Jahre lang hatte die jüdische Nation Gottes Barmherzigkeit verschmäht und dadurch sein Gericht heraufbeschworen. Sie hatten seine Warnungen abgelehnt und seine Propheten umgebracht. Als Jesus auf dieser Erde wirkte, machten sich die Menschen dieser Sünden ebenfalls schuldig, indem sie denselben Weg einschlugen. Die Schuld dieser Generation lag darin, dass sie die Segnungen und Warnungen ihrer Zeit verwarf. Die Fesseln, die die Nation Jahrhunderte lang geschmiedet hatte, legte sie sich nun selbst an. In jedem Zeitalter werden den Menschen Tage des Lichts und der Vorrechte gewährt, eine Prüfungszeit, in der sie sich mit Gott versöhnen können. Doch diese Gnadenzeit hat eine Grenze. Die Gnade mag jahrelang inständig bitten und dennoch geringgeschätzt und verworfen werden. Aber es kommt eine Zeit, in der der Ruf der Gnade zum letzten Mal ertönt. Das Herz kann so verhärtet werden, dass es aufhört, auf Gottes Geist zu antworten. Dann wird der Sünder nicht mehr von der freundlichen, gewinnenden Stimme angefleht. Belehrungen und Warnungen verstummen. Für Jerusalem war diese Zeit nun gekommen. Jesus weinte vor Schmerz über die dem Untergang geweihte Stadt, doch er konnte sie nicht retten. Er hatte alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Indem Israel die Warnungen des Heiligen Geistes zurückwies, lehnte es die einzig mögliche Hilfe ab. Es gab keine andere Macht, die es noch hätte retten können.

Die jüdische Nation war ein Sinnbild der Menschen aller Zeitalter, welche die Bitten der unendlichen Liebe Gottes verachten. Die Tränen, die Jesus über Jerusalem weinte, galten den Sünden aller Zeiten. In den Gerichten, die Israel angekündigt wurden, können alle, die die Ermahnungen und Warnungen des Heiligen Geistes ablehnen, ihre eigene Verurteilung erkennen. In dieser Generation gibt es viele Menschen, die denselben Weg einschlagen wie einst die ungläubigen Juden. Ihnen wird die Macht Gottes offenbart, und der Heilige Geist spricht zu ihren Herzen. Doch sie halten an ihrem Unglauben und Widerstand fest. Gott lässt sie warnen und zurechtweisen; doch sie wollen ihre Fehler nicht eingestehen. Sie lehnen seine Botschaft ab und weisen seine Boten zurück. Gerade die Mittel, die Gott zu ihrer Rettung einsetzt, werden für sie zum Stein des Anstoßes. Gottes Propheten wurden vom abgefallenen Israel gehasst, weil sie dessen verborgene Sünden ans Licht brachten. König Ahab betrachtete Elia als seinen Feind, weil der Prophet gewissenhaft seine geheimen Sünden tadelte. So ergeht es auch heute denen, die Christus dienen. Wer die Sünde anprangert, erntet Verachtung und Ablehnung. Die biblische Wahrheit und der christliche Glaube kämpfen gegen eine starke Strömung von sittlichem Zerfall. Die Vorurteile in den Herzen der Menschen sind heute sogar noch größer als in der damaligen Zeit. Christus entsprach nicht den Erwartungen der Menschen. Sein Leben war ein stetiger Vorwurf gegen ihre Sünden. Deshalb verwarfen sie ihn. So stimmt auch heute die Wahrheit aus Gottes Wort nicht mit dem Verhalten und den natürlichen Neigungen der Menschen überein. Darum lehnen Tausende das Licht der Wahrheit ab. Von Satan beeinflusst, zweifeln Menschen an Gottes Wort und wollen lieber unabhängig urteilen. Sie wählen lieber die Dunkelheit als das Licht und gefährden dadurch ihre Erlösung. Jene, die damals an den Worten von Christus Anstoß nahmen, fanden ständig neuen Anlass zur Kritik, bis sie sich von der Wahrheit und dem Leben abwandten (vgl. Johannes 14,6). So ist es auch heute. Gott hat nicht die Absicht, jeden Einwand zu beseitigen, den ein weltlich gesinnter Mensch gegen die Wahrheit vorbringen mag. Wer sich den kostbaren Strahlen des Lichts, welche die Finsternis erhellen, verschließt, dem bleibt das Wort Gottes für immer ein Geheimnis. Ihm bleibt die Wahrheit verborgen. Er läuft blind umher und erkennt das Verderben nicht, das ihm bevorsteht. Von der Anhöhe des Ölbergs aus überschaute Christus die Welt und all ihre Zeitalter. Seine Worte gelten jedem Menschen, der die Fürsprache der göttlichen Gnade geringschätzt. Heute wendet er sich an dich, wenn du ein Spötter seiner Liebe bist: »Wenn du doch nur erkannt hättest, was dir Frieden bringt!« (Lukas 19,42 Hfa) Christus vergießt bittere Tränen für dich, der du keine Tränen für dich selbst hast. Diese verhängnisvolle Hartherzigkeit, welche die Pharisäer ins Verderben führte, zeigt sich bereits in deinem Herzen. Jeder Beweis der göttlichen Gnade und jeder Lichtstrahl, der von Gott ausgeht, wird das Herz entweder erweichen und überwältigen oder in seiner hoffnungslosen Verstocktheit bestärken. Christus sah voraus, dass die Einwohner Jerusalems starrsinnig und verstockt bleiben würden. Doch all die Schuld und die Folgen der zurückgewiesenen Barmherzigkeit Gottes lagen in ihrer Verantwortung. So wird es allen Menschen ergehen, die denselben Weg wählen. Gott sagte: »Es ist dein Untergang, Israel, dass du dich gegen mich, deinen einzigen Helfer, gewandt hast.« (Hosea 13,9a GNB) Und: »Die ganze Erde soll es hören: Ich will Unheil bringen über dieses Volk, es ist der gerechte Lohn für ihre Machenschaften. Denn sie haben meine Worte in den Wind geschlagen und meine Weisungen missachtet.« (Jeremia 6,19 Hfa) 

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