Der Missionsauftrag

Der Missionsauftrag

Matthäus 28,16-20; Markus 16,15-20

Kurz vor seiner Himmelfahrt und der Besteigung seines himmlischen Throns erklärte Christus seinen Jüngern: »Mir ist alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben«, und gab ihnen den Auftrag: »Darum geht zu allen Völkern und macht sie zu Jüngern.« (Matthäus 28,18.19a NLB) »Geht in die ganze Welt und verkündet allen Menschen die gute Botschaft.« (Markus 16,15 NLB) Mehrfach wurden diese Worte wiederholt, damit die Jünger deren Bedeutung erfassen konnten. Auf alle Bewohner der Erde – ob groß oder klein, reich oder arm – sollte das Licht des Himmels mit hellen, kräftigen Strahlen scheinen. Die Jünger sollten mit ihrem Erlöser im Werk um die Errettung der Welt zusammenarbeiten.

Der Auftrag war den Zwölfen bereits gegeben worden, als Christus mit ihnen im Obergemach zusammengekommen war (vgl. Lukas 24,46-48; Johannes 20,21). Doch nun sollte er auch einer größeren Zahl von Menschen erteilt werden. Alle Gläubigen, die zusammengerufen werden konnten, waren bei diesem Treffen auf einem Berg in Galiläa versammelt. Noch vor seinem Tod hatte Christus selbst den Zeitpunkt und den Ort dieser Zusammenkunft festgelegt. Der Engel am Grab hatte die Jünger an das Versprechen von Jesus, sich mit ihnen in Galiläa zu treffen, erinnert. Diese Zusage wurde gegenüber den Gläubigen wiederholt, die sich während der Passawoche in Jerusalem eingefunden hatten. Durch sie erfuhren es viele Einsame, die den Tod ihres Herrn beklagten. Alle sahen der Begegnung mit großem Interesse entgegen. Auf Umwegen und aus den verschiedensten Richtungen gelangten sie zum Versammlungsort, um bei den eifersüchtigen Juden keinen Verdacht zu erwecken. Staunend kamen sie herbei und berichteten einander tief ergriffen, was sie über Christus erfahren hatten. Zur festgesetzten Zeit hatten sich etwa 500 Gläubige in kleinen Gruppen am Berghang versammelt und waren gespannt darauf, so viel wie möglich von jenen zu erfahren, die Christus nach seiner Auferstehung gesehen hatten. Die Jünger gingen von Gruppe zu Gruppe und berichteten alles, was sie von Jesus gesehen und gehört hatten. Sie legten die Heilige Schrift aus, so wie es Jesus bei ihnen getan hatte. Thomas sprach von seinem Unglauben und erzählte, wie ihm seine Zweifel genommen wurden. Plötzlich stand Jesus mitten unter ihnen. Niemand konnte sagen, woher oder wie er gekommen war. Viele der Anwesenden hatten ihn noch nie zuvor gesehen, doch sie sahen die Spuren der Kreuzigung an seinen Händen und Füßen. Sein Angesicht war wie das Antlitz Gottes. Als sie ihn erblickten, beteten sie ihn an. Einige aber zweifelten. So wird es immer sein. Es sind jene, denen es schwerfällt zu glauben. Deshalb stellen sie sich auf die Seite der Zweifelnden. Doch der Verlust aufgrund ihres Unglaubens ist groß. Dies war die einzige Begegnung, die Jesus nach seiner Auferstehung mit so vielen Gläubigen hatte. Er trat zu ihnen und sagte: »Mir ist alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben.« (Matthäus 28,18 NLB) Die Jünger hatten ihn bereits angebetet, bevor er zu ihnen sprach. Doch als diese Worte über seine Lippen kamen, die während des Todes verstummt waren, wurden die Menschen von einer besonderen Kraft durchdrungen. Er war nun der auferstandene Erlöser! Viele von ihnen hatten gesehen, wie er durch seine Macht Kranke geheilt und Dämonen bezwungen hatte. Sie glaubten, dass er die Macht besaß, sein Reich in Jerusalem aufzurichten, dass es ihm möglich war, jeden Widerstand zu brechen, und er die Elemente der Natur beherrschte. Er hatte den wütenden See gestillt, war auf den weiß gekrönten Wellen gegangen und hatte die Toten zum Leben erweckt. Nun erklärte er, dass ihm alle Vollmacht gegeben sei. Seine Worte lenkten die Gedanken seiner Zuhörer über die irdischen und zeitlichen Belange hinaus zu den himmlischen und ewigen Dingen. Ihnen wurden seine Würde und seine Herrlichkeit in höchstem Maß bewusst. Die Worte von Christus am Berghang ließen sie erkennen, dass sein für die Menschen erbrachtes Opfer ausreichend und vollkommen war. Die Bedingungen zur Versöhnung waren erfüllt worden. Die Aufgabe, für die er in die Welt gekommen war, hatte er vollendet. Nun war er auf seinem Weg zu Gottes Thron, um von Engeln, Herrschern und Mächten geehrt zu werden. Er hatte sein Mittleramt angetreten. Ausgestattet mit grenzenloser Vollmacht gab er seinen Jüngern den Auftrag: »Darum geht zu allen Völkern und macht sie zu Jüngern. Tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alle Gebote zu halten, die ich euch gegeben habe. Und ich versichere euch: Ich bin immer bei euch, bis ans Ende der Zeit.« (Matthäus 28,19.20 NLB) Das jüdische Volk war zum Hüter der heiligen Wahrheit bestimmt worden, doch das Pharisäertum hatte es im religiösen Sinn zum exklusivsten aber auch eingebildetsten Volk der Menschheit gemacht. Alles an den Priestern und Obersten – ihre Kleidung, ihre Sitten, die Zeremonien und Traditionen – machte sie unfähig, das Licht der Welt zu sein. Sie betrachteten sich selbst, die jüdische Nation, als die Welt. Doch Christus beauftragte seine Jünger, einen Glauben und eine Anbetung zu verkündigen, die nichts mit Gesellschaftsklassen und Ländern zu tun haben – einen Glauben, der für alle Völker, Nationen und Schichten geeignet ist.

Bevor Christus seine Jünger verließ, erklärte er ihnen deutlich das Wesen seines Reiches. Er erinnerte sie an das, was er ihnen früher darüber gesagt hatte, und machte ihnen deutlich, dass es nicht seine Absicht war, in dieser Welt ein zeitliches, sondern ein geistliches Reich zu gründen. Er wollte nicht als weltlicher König auf Davids Thron herrschen. Erneut zeigte er ihnen aus den heiligen Schriften, dass alles, was er durchgemacht hatte, schon im Himmel, in den Ratsversammlungen zwischen ihm selbst und dem Vater, festgelegt worden war. Alles war von Menschen, die vom Heiligen Geist erleuchtet waren, vorausgesagt worden. Ihr seht, sagte er zu ihnen, dass alles eingetroffen ist, was ich euch über meine Verwerfung als Messias offenbart habe. Alles ist in Erfüllung gegangen, was ich euch über die Demütigungen, die ich erlitt, und über den Tod, den ich starb, gesagt habe. Ich bin am dritten Tag auferstanden. Forscht noch sorgfältiger in den Schriften, und ihr werdet erkennen, dass sich die Einzelheiten der Vorhersagen über mich in all diesen Dingen erfüllt haben. Christus beauftragte seine Jünger, das Werk auszuführen, das er ihnen anvertraut hatte. Sie sollten damit in Jerusalem beginnen. Diese Stadt war der Schauplatz der unglaublichen Erniedrigung gewesen, die er für die Menschheit auf sich genommen hatte. Dort hatte er gelitten, dort war er abgelehnt und verurteilt worden. Judäa war sein Geburtsland. Dort war er in menschlicher Gestalt mit Menschen zusammen gewesen. Doch nur wenige hatten erkannt, wie nahe der Himmel der Erde gekommen war, als er unter ihnen weilte. In Jerusalem musste das Werk der Apostel beginnen. Im Hinblick auf all das, was Christus dort gelitten hatte, und angesichts all seiner nicht gewürdigten Mühe hätten die Jünger um ein vielversprechenderes Arbeitsfeld bitten können, doch sie äußerten keinen solchen Wunsch. Gerade der Boden, auf dem Jesus bereits den Samen der Wahrheit ausgestreut hatte, sollte von den Jüngern bearbeitet werden. Die Saat würde aufgehen und eine reiche Ernte hervorbringen. Die Jünger würden in ihrem Dienst wegen der Eifersucht und des Hasses der Juden Verfolgungen erleiden. Doch dies hatte auch ihr Meister ertragen. Deshalb sollten sie nicht davor zurückschrecken. Das erste Gnadenangebot sollte den Mördern des Erlösers gemacht werden. Zudem gab es in Jerusalem viele, die insgeheim an Jesus glaubten, und viele, die von den Priestern und Obersten getäuscht worden waren. Auch sie sollten mit dem Evangelium bekannt gemacht und zur Umkehr aufgerufen werden. Die wunderbare Wahrheit, dass allein durch Christus Vergebung der Sünden erlangt werden konnte, musste deutlich aufgezeigt werden. Solange noch ganz Jerusalem durch die spannenden Ereignisse der letzten Wochen in Aufregung war, würde die Verkündigung des Evangeliums den tiefsten Eindruck hinterlassen. Aber das Werk durfte dort nicht aufhören. Es sollte bis in die entlegensten Gebiete der Erde getragen werden. Christus sagte zu seinen Jüngern: Ihr seid Zeugen meines selbstaufopfernden Lebens für die Welt gewesen. Auch habt ihr miterlebt, wie ich mich um Israel bemüht habe. Obwohl sie nicht zu mir kommen wollten, um das Leben zu empfangen, obwohl mich die Priester und Obersten behandelten, wie es ihnen gefiel, und mich verwarfen, wie es in den heiligen Schriften vorausgesagt war, sollen sie dennoch eine weitere Gelegenheit haben, den Sohn Gottes anzunehmen. Ihr habt gesehen, dass ich alle bereitwillig annehme, die zu mir kommen und ihre Sünden bekennen. Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen (vgl. Johannes 6,37). Jeder, der will, kann mit Gott versöhnt werden und ewiges Leben empfangen. Euch, meinen Jüngern, vertraue ich diese Gnadenbotschaft an. Sie soll zuerst Israel verkündigt werden, danach allen anderen Nationen, Sprachen und Völkern. Juden und Heiden sollen sie empfangen, und alle, die daran glauben, sollen in einer Gemeinde versammelt werden.

Durch die Gabe des Heiligen Geistes sollten die Jünger mit unvorstellbarer Kraft ausgerüstet werden. Ihre Verkündigung sollte durch Zeichen und Wunder bestätigt werden. Nicht nur die Apostel sollten Wunder vollbringen, sondern auch jene, die ihre Botschaft annehmen. Jesus sagte: »Sie werden in meinem Namen Dämonen austreiben und neue Sprachen sprechen. Sie werden Schlangen anfassen oder etwas Tödliches trinken können, und es wird ihnen nicht schaden. Sie werden Kranken die Hände auflegen und sie heilen.« (Markus 16,17b.18 NLB) In jener Zeit kam es oft vor, dass Menschen vergiftet wurden. Gewissenlose Menschen zögerten nicht, jene, die ihrem Ehrgeiz im Weg standen, auf diese Weise zu beseitigen. Jesus wusste, dass dadurch auch das Leben seiner Jünger gefährdet war. Viele würden meinen, Gott einen Dienst zu erweisen, wenn sie seine Zeugen umbringen. Deshalb versprach er ihnen Schutz vor dieser Gefahr. Die Jünger sollten dieselbe Macht haben, die Jesus besaß, um »alle Krankheiten und alle Gebrechen im Volk« (Matthäus 4,23b) zu heilen. Wenn sie in seinem Namen die körperlichen Krankheiten heilten, würden sie seine Macht bezeugen, die Seele heilen zu können (vgl. Matthäus 9,6). Doch nun wurde ihnen noch eine zusätzliche Gabe versprochen. Da die Jünger auch in anderen Ländern predigen sollten, würden sie die Macht erhalten, in anderen Sprachen zu reden. Die Apostel und ihre Mitarbeiter waren ungebildete Männer. Doch durch die Ausgießung des Heiligen Geistes am Pfingstfest wurde ihre Rede – sowohl in der Wortwahl wie auch in der Aussprache und ganz gleich, ob in ihrer Muttersprache oder in einer Fremdsprache – klar, einfach und fehlerfrei. So erteilte Jesus seinen Jüngern ihren Auftrag. Er traf alle Vorkehrungen für die Durchführung seines Werkes und nahm die Verantwortung für den Erfolg auf sich. Solange sie seinem Wort folgten und in Verbindung mit ihm wirkten, konnten sie nicht versagen. Er gebot ihnen, zu allen Nationen zu gehen. Geht in die entferntesten Teile der bevölkerten Welt und wisst, dass auch ich dort sein werde! Wirkt im Glauben und Vertrauen, denn es wird nie eine Zeit geben, wo ich euch verlasse.

Der Auftrag des Erlösers an seine Jünger galt allen Gläubigen. Für alle, die an Christus glauben, ist er verbindlich, bis ans Ende der Zeit. Es ist ein verhängnisvoller Irrtum anzunehmen, die Aufgabe der Seelenrettung falle allein den ordinierten Geistlichen zu. Vielmehr ist allen, denen die himmlische Erkenntnis zuteilgeworden ist, das Evangelium anvertraut. Wer durch Christus neues Leben empfangen hat, ist dazu bestimmt, für die Erlösung seiner Mitmenschen zu wirken. Zu diesem Zweck wurde die Gemeinde gegründet. Alle, die gelobt haben, zur Gemeinschaft der Gläubigen zu gehören, sind damit verpflichtet, Mitarbeiter von Christus zu sein. »Der Geist und die Braut sprechen: Komm! Und wer es hört, der spreche: Komm!« (Offenbarung 22,17a) Jeder, der die Einladung hört, soll sie weitererzählen. Ungeachtet seiner beruflichen Pflichten sollte es sein erstes Anliegen sein, Menschen für Christus zu gewinnen. Er mag nicht in der Lage sein, vor großen Versammlungen zu sprechen, doch er kann für Einzelne wirken. Ihnen kann er die Anweisungen weitergeben, die er von seinem Herrn erhalten hat. Der Dienst für den Herrn besteht nicht nur aus Predigen. Ihm dient auch, wer Kranke und Leidende tröstet, den Bedürftigen hilft und den Verzagten und Kleingläubigen Trost zuspricht. Es gibt überall Menschen, die durch das Bewusstsein ihrer Schuld niedergedrückt werden. Die Menschheit wird weder durch Bedrängnis noch Mühe oder Armut erniedrigt, sondern durch Schuld und Fehlverhalten, die Unruhe und Unzufriedenheit mit sich bringen. Christus möchte, dass seine Diener für Menschen sorgen, die durch die Sünde krank geworden sind. Die Jünger sollten ihr Werk dort beginnen, wo sie sich befanden. Das schwierigste und am wenigsten versprechende Feld durfte nicht übergangen werden. So soll jeder Mitarbeiter von Christus dort beginnen, wo er ist. Vielleicht gibt es in unseren eigenen Familien Menschen, die nach Mitgefühl verlangen oder nach dem Brot des Lebens hungern. Vielleicht gibt es Kinder, die für Christus erzogen werden müssen. Es gibt Heiden direkt vor unserer Tür. Deshalb lasst uns die uns am nächsten liegende Aufgabe gewissenhaft erfüllen! Und dann lasst uns unseren Dienst ausdehnen, so weit, wie uns Gottes Hand auf dem Weg leitet! Bei vielen mag das Werk durch Umstände eingeschränkt erscheinen. Wird es jedoch – wo immer es auch verrichtet wird – im Glauben und mit Fleiß getan, wird es bis an die äußersten Enden der Welt zu spüren sein. Als Christus auf dieser Erde wirkte, schien sich seine Tätigkeit nur auf ein kleines Gebiet zu beschränken, und doch hörten Scharen von Menschen aus allen Ländern seine Botschaft. Gott verwendet oft die einfachsten Mittel, um die größten Erfolge zu erzielen. Es ist Gottes Plan, dass jeder Teil seines Werkes von jedem anderen Teil abhängt, so wie ein Rad in das andere greift und alles harmonisch läuft. Auch der einfachste Arbeiter wird – vom Heiligen Geist ergriffen – unsichtbare Saiten berühren, deren Schwingungen sich bis an die Enden der Erde fortsetzen und durch ewige Zeitalter hindurch erklingen werden. Der Befehl: »Geht in die ganze Welt!« (Markus 16,15a NLB) darf jedoch nie aus den Augen verloren werden. Wir sind dazu aufgerufen, unseren Blick auch auf »andere Orte« (vgl. 2. Korinther 10,16 NLB) zu richten. Christus reißt die Scheidewand, das trennende Vorurteil der Volkszugehörigkeit, nieder und lehrt die Liebe zu allen Angehörigen der menschlichen Familie. Er hebt die Menschen aus dem engen Umkreis heraus, der durch ihre Selbstsucht bestimmt wird. Er beseitigt alle Landesgrenzen und künstlich geschaffenen Gesellschaftsschichten. Er macht keinen Unterschied zwischen Nachbarn und Fremden, zwischen Freunden und Feinden. Er lehrt uns, jeden bedürftigen Menschen als unseren Bruder oder unsere Schwester und die ganze Welt als unser Arbeitsfeld zu betrachten.

Als der Erlöser gebot: »Geht zu allen Völkern und macht sie zu Jüngern« (Matthäus 28,19a NLB), sagte er auch: »Diese Zeichen werden die begleiten, die glauben: Sie werden in meinem Namen Dämonen austreiben und sie werden neue Sprachen sprechen. Sie werden Schlangen anfassen oder etwas Tödliches trinken können, und es wird ihnen nicht schaden. Sie werden Kranken die Hände auflegen und sie heilen.« (Markus 16,17.18 NLB) Das Versprechen ist so weitreichend wie der Auftrag. Doch nicht alle Gaben werden einem jeden Gläubigen verliehen, denn der Geist »allein entscheidet, welche Gabe jeder Einzelne erhält« (1. Korinther 12,11b NLB). Die Gaben des Geistes jedoch sind jedem Gläubigen in dem Maß verheißen, wie er sie im Dienst für das Werk Gottes benötigt. Das Versprechen ist heute noch genauso überzeugend und gültig wie in den Tagen der Apostel. »Diese Zeichen werden die begleiten, die glauben.« (Markus 16,17a NLB) Dies ist das Vorrecht der Kinder Gottes. Im Glauben sollten sie all das in Anspruch nehmen, was ihnen als Bestätigung des Glaubens dienen kann. »Sie werden Kranken die Hände auflegen und sie heilen.« (Markus 16,18b NLB) Diese Welt ist ein großes Krankenhaus, doch Christus kam, um die Kranken zu heilen und den Gefangenen Satans die Befreiung zu verkünden. Er verkörperte selbst Gesundheit und Stärke. Er schenkte sein Leben den Kranken, den Leidenden und den von Dämonen Besessenen. Er wies keinen ab, der kam, um seine heilende Kraft zu empfangen. Er wusste, dass manche, die ihn um Hilfe baten, durch eigenes Verschulden krank geworden waren; trotzdem weigerte er sich nicht, sie zu heilen. Wenn die armen Menschen dann von seiner Heilkraft erfüllt wurden, erkannten sie ihre Sünden und wurden sowohl von ihrer geistlichen Krankheit als auch von ihren körperlichen Gebrechen geheilt. Das Evangelium besitzt noch immer dieselbe Kraft. Warum sollten wir nicht auch heute dieselben Auswirkungen sehen? Christus spürt die Not jedes Leidenden. Wenn böse Geister einen menschlichen Leib peinigen, fühlt Christus den Fluch. Wenn Fieber die Lebenskraft verzehrt, empfindet er die Qual. Er ist heute genauso bereit, Kranke zu heilen wie damals, als er selbst auf der Erde weilte. Die Diener von Christus sind seine Repräsentanten, die Werkzeuge seines Wirkens. Durch sie möchte er seine heilende Kraft ausüben. In der Art und Weise, wie der Erlöser heilte, gab es vieles, was seine Jünger lernen konnten. Bei einer Gelegenheit strich er einem Blinden Lehm auf die Augen und gebot ihm: »Geh zum Teich Siloah … und wasche dich! Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder.« (Johannes 9,7) Die Heilung hätte allein durch die Macht des großen Arztes erfolgen können, doch Christus machte Gebrauch von den einfachen Mitteln aus der Natur. Während er für uns damit keinen Freibrief für die Behandlung mit allerlei Medikamenten ausstellte, bejahte er den Einsatz einfacher und natürlicher Heilmittel. Zu manchen Leidenden, die geheilt worden waren, sagte Jesus: »Sündige nicht mehr, damit dir nicht noch etwas Schlimmeres geschieht.« (Johannes 5,14b NGÜ) Damit lehrte er, dass Krankheit die Folge der Übertretung der göttlichen Gesetze ist, des Natur- und des Moralgesetzes. Hätten die Menschen im Einklang mit dem Plan des Schöpfers gelebt, gäbe es kein so großes Elend auf der Welt. Christus war der Führer und Lehrer des alten Israel gewesen und hatte das Volk gelehrt, dass Gesundheit die Belohnung für den Gehorsam gegenüber Gottes Gesetzen ist. Der große Arzt, der die Kranken in Palästina heilte, hatte einst aus der Wolkensäule zu den Israeliten gesprochen und ihnen aufgetragen, was sie tun sollten und was Gott für sie tun würde: »Wirst du der Stimme des Herrn, deines Gottes, gehorchen und tun, was vor ihm recht ist, und merken auf seine Gebote und halten alle seine Gesetze, so will ich dir keine der Krankheiten auferlegen, die ich den Ägyptern auferlegt habe; denn ich bin der Herr, dein Arzt.« (2. Mose 15,26) Christus gab den Israeliten genaue Anweisungen für ihre Lebensweise und versicherte ihnen: »Der Herr wird jede Krankheit von dir abwenden.« (5. Mose 7,15a Elb.) Solange sie sich an die Bedingungen hielten, erfüllte sich Gottes Zusage an ihnen: »Nicht einmal Schwache oder Kranke gab es unter ihnen.« (Psalm 105,37b NLB) Dies gilt auch für uns. Wer gesund bleiben will, muss sich an gewisse Bedingungen halten, und wir alle sollten sie kennen. Der Herr hat keinen Gefallen daran, wenn wir seine Gesetze nicht kennen, seien es natürliche oder geistliche Gesetze. Um die körperliche wie auch die seelische Gesundheit wiederherzustellen, sollen wir mit Gott zusammenarbeiten. Wir sollen andere darin unterweisen, wie sie ihre Gesundheit erhalten und wiedererlangen können. Bei den Kranken sollen wir die Heilmittel anwenden, die Gott in der Natur bereitgestellt hat. Wir sollen sie auf den hinweisen, der allein Genesung schenken kann. Es ist unsere Aufgabe, Kranke und Leidende auf den Armen unseres Glaubens zu Christus zu bringen und sie zu lehren, an den großen Arzt zu glauben. Wir sollen an seiner Verheißung festhalten und um die Offenbarung seiner Macht beten. Das eigentliche Wesen des Evangeliums ist die Wiederherstellung. Der Erlöser möchte, dass wir die Kranken, die Hoffnungslosen und die Betrübten auffordern, seine Stärke in Anspruch zu nehmen.

Die Macht der Liebe bekundete sich in jeder von Christus vollbrachten Heilung. Nur wenn wir durch den Glauben an dieser Liebe teilhaben, können wir Werkzeuge in seinem Dienst sein. Versäumen wir es, uns in göttlicher Verbindung mit Christus zu vereinen, kann der Strom der lebenspendenden Kraft nicht in reichem Maß durch uns auf andere Menschen überfließen. Es gab Orte, wo selbst der Erlöser nicht viele machtvolle Wunder vollbringen konnte, weil die Menschen nicht glaubten. Auch heute trennt der Unglaube die Gemeinde von ihrem göttlichen Helfer. Ihr Vertrauen auf ewige Werte ist schwach, und weil es ihr an Glauben mangelt, wird Gott enttäuscht und seiner Herrlichkeit beraubt. Wenn die Gemeinde das Werk von Christus ausführt, gilt ihr die Zusage seiner Gegenwart: »Geht zu allen Völkern … und lehrt sie«, sagte Jesus, »und ich versichere euch: Ich bin immer bei euch, bis ans Ende der Zeit.« (Matthäus 28,19.20 NLB) Damit wir seine Kraft erhalten, ist es eine der ersten Bedingungen, sein Joch auf uns zu nehmen. Tatsächlich hängt das Leben einer Gemeinde davon ab, mit welcher Hingabe sie den Missionsauftrag des Herrn erfüllt. Vernachlässigt sie diese Arbeit, wird sie mit Sicherheit ihre geistliche Kraft verlieren und zerfallen. Wo nicht tatkräftig für andere gearbeitet wird, schwindet die Liebe, und der Glaube wird schwach. Christus möchte, dass seine Diener die Gemeinden in der Verkündigung des Evangeliums ausbilden. Sie sollen die Menschen unterweisen, wie sie die Verlorenen suchen und retten können. Aber tun sie dies wirklich? Leider nicht! Wie viele mühen sich ab, den Lebensfunken einer sterbenden Gemeinde neu zu entfachen! Wie viele Gemeinden werden wie kranke Lämmer von denen gehegt und gepflegt, die eigentlich die verlorenen Schafe suchen sollten! Und die ganze Zeit über kommen Millionen und Abermillionen ohne Christus um. Gottes Liebe wurde um des Menschen willen bis aufs Äußerste entfacht. Die Engel sind verwundert, wenn sie sehen, wie die Empfänger solch großer Liebesbeweise so wenig Dankbarkeit zum Ausdruck bringen. Ebenso erstaunt sind sie darüber, wie wenig diese Liebe von den Menschen geschätzt wird. Der Himmel ist empört, wie Menschenseelen vernachlässigt werden. Was würde Christus wohl dazu sagen? Wie würden wohl Eltern empfinden, wenn sie wüssten, dass ihr in Schnee und Kälte verlorengegangenes Kind von den Vorübergehenden, die es hätten retten können, sich selbst und seinem Verderben überlassen wurde? Wären sie nicht schrecklich traurig und höchst entrüstet? Würden sie diese Mörder nicht im Zorn anklagen, der so heiß wie ihre Tränen und so stark wie ihre Liebe ist? Wenn ein Mensch leidet, leidet ein Kind Gottes. Wer seinem sterbenden Mitmenschen keine helfende Hand bietet, fordert Gottes gerechten Zorn heraus – das ist der Zorn des Lammes. Zu jenen, die behaupten, Gemeinschaft mit Christus zu haben, aber gegenüber den Bedürfnissen ihrer Mitmenschen gleichgültig geblieben sind, wird er am Tag des Jüngsten Gerichts sagen: »Ich kenne euch nicht; wo seid ihr her? Weicht alle von mir, ihr Übeltäter!« (Lukas 13,27b) Im Auftrag an seine Jünger fasste Christus nicht nur ihre Aufgabe, sondern auch ihre Botschaft zusammen: »Lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch aufgetragen habe.« (Matthäus 28,20a GNB) Die Jünger sollten andere das lehren, was Christus sie gelehrt hatte. Dies umfasste nicht nur das, was er persönlich zu ihnen gesagt hatte, sondern auch das, was er durch die Propheten und Lehrer des Alten Testaments verkündigt hatte. Menschliche Lehren sind davon ausgenommen. Da gibt es keinen Platz für Überlieferungen, menschliche Lehrgebäude, Schlussfolgerungen oder kirchliche Gesetze. Auch von kirchlichen Würdenträgern erlassene Gesetze sind nicht in diesem Auftrag enthalten. Die Diener von Christus sollen nichts davon verkündigen. Das »Gesetz und die Propheten«, dazu die Berichte seiner eigenen Worte und Taten sind der Schatz, der den Jüngern anvertraut worden ist und den sie an die Welt weitergeben sollen. Der Name von Christus ist ihre Losung und ihr Erkennungszeichen. Er ist das Band ihrer Einigkeit, die Vollmacht für ihre Handlungsweise und die Quelle ihres Erfolgs. Was nicht seinen Namen trägt, wird in seinem Reich nicht anerkannt werden. Macht es allen bekannt! Das Evangelium soll nicht als leblose Theorie dargestellt werden, sondern als eine lebendige Kraft, die das Leben verändert. Gott möchte, dass die Empfänger seiner Gnade zu Zeugen seiner Macht werden. Jene, die den Herrn in ihrem Leben am meisten beleidigt haben, nimmt er bereitwillig an. Wenn sie bereuen, schenkt er ihnen seinen göttlichen Geist, setzt sie in die höchsten Vertrauensstellungen ein und sendet sie zu den Treulosen, damit sie seine grenzenlose Barmherzigkeit verkündigen. Gott möchte, dass seine Diener bezeugen, dass Menschen durch seine Gnade einen christusähnlichen Charakter besitzen und sich im Wissen um seine große Liebe freuen können. Wir sind aufgerufen, Zeugnis dafür abzulegen, dass er sich nicht eher zufrieden gibt, bis die Menschen zurückgewonnen und wieder als seine Söhne und Töchter mit ihren heiligen Vorrechten eingesetzt sind. In Christus sind die Fürsorge des Hirten, die Zuneigung der Eltern und die beispiellose Gnade eines mitfühlenden Erlösers vereint. Seine Segnungen bietet er uns mit den verlockendsten Worten an. Er begnügt sich nicht damit, diese Segnungen einfach nur anzukündigen. Er stellt sie uns auf die ansprechendste Art und Weise dar, damit wir sie gern besitzen möchten. So sind auch seine Diener aufgefordert, den Reichtum der Herrlichkeit dieser unbeschreiblichen Gabe zu verkündigen. Die wunderbare Liebe von Christus wird Herzen erweichen und auftun, wo die bloße Wiederholung von Lehrpunkten nichts erreichen würde. »Tröstet, tröstet mein Volk! spricht euer Gott … Zion, du Freudenbotin, steige auf einen hohen Berg; Jerusalem, du Freudenbotin, erhebe deine Stimme mit Macht; erhebe sie und fürchte dich nicht! Sage den Städten Judas: Siehe, da ist euer Gott; siehe, da ist Gott, der Herr! Er kommt gewaltig, und sein Arm wird herrschen. Siehe, was er gewann, ist bei ihm, und was er sich erwarb, geht vor ihm her. Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte. Er wird die Lämmer in seinen Arm sammeln und im Bausch seines Gewandes tragen und die Mutterschafe führen.« (Jesaja 40,1.9-11) Erzählt den Menschen von dem, der »auserkoren unter vielen Tausenden« ist, denn »alles an ihm ist lieblich« (Hoheslied 5,10b.16b). Worte allein aber können dies nicht ausdrücken. Es soll sich in unserem Wesen widerspiegeln und in unserem Leben offenbaren! Christus lässt in jedem seiner Nachfolger sein Ebenbild entstehen. Jeden hat Gott dazu bestimmt, »seinem Sohn gleich zu werden. Nach dessen Bild sollen sie alle gestaltet werden« (Römer 8,29b GNB). In jedem Einzelnen sollen sich die langmütige Liebe von Christus, seine Heiligkeit, seine Sanftmut, seine Barmherzigkeit und seine Wahrheit der Welt offenbaren. Die ersten Jünger gingen hinaus, um die Botschaft von Christus zu verkündigen. Sie offenbarten ihn durch ihren Lebenswandel. Der Herr wirkte durch sie »und bestätigte alles, was sie sagten, durch viele wunderbare Zeichen« (Markus 16,20b NLB). Diese Jünger bereiteten sich auf ihre Aufgabe vor. Noch vor Pfingsten kamen sie zusammen und legten allen Zank bei. Sie waren einmütig beisammen und vertrauten auf die Zusage von Jesus, dass sie seinen Segen erhalten würden. Sie beteten im Glauben. Sie baten nicht nur um den Segen für sich selbst, sie spürten auch die Schwere der Last, für die Errettung von Menschen zu wirken. Das Evangelium sollte bis an die äußersten Enden der Erde getragen werden. Darum verlangte es sie danach, mit der Vollmacht ausgerüstet zu werden, die Christus verheißen hatte. Dann wurde der Heilige Geist ausgegossen, und Tausende bekehrten sich an einem Tag.

So kann es auch heute sein. Verkündigt Gottes Wort statt menschlicher Mutmaßungen! Christen sollten ihre Streitigkeiten beenden und sich Gott übergeben, um die Verlorenen zu retten. Sie sollten im Glauben um den Segen Gottes bitten, und er wird kommen! Die Ausgießung des Heiligen Geistes in den Tagen der Apostel war der »Frühregen«, und der Ertrag war großartig. Doch der »Spätregen« wird noch reichlicher sein (vgl. Joel 2,23). Alle, die Körper, Seele und Geist dem Herrn weihen, erhalten ständig neue körperliche und geistige Kraft. Die unerschöpflichen Vorräte des Himmels stehen ihnen zur Verfügung. Christus gibt ihnen den Odem seines eigenen Geistes und das Leben seines eigenen Lebens. Der Heilige Geist bemüht sich mit äußerstem Einsatz, um an Herz und Verstand zu wirken. Durch Gottes Gnade werden ihre Fähigkeiten erweitert und vervielfältigt, und jede Vollkommenheit der göttlichen Natur kommt ihnen im Wirken für verlorene Menschen zu Hilfe. Indem sie mit Christus zusammenarbeiten, sind sie in ihm vollkommen. In ihrer menschlichen Schwachheit sind sie fähig, die Taten des Allmächtigen zu vollbringen. Der Erlöser sehnt sich danach, seine Gnade zu offenbaren und seinen Charakter der ganzen Welt aufzuprägen. Sie ist sein erkauftes Eigentum. Es ist sein Wunsch, die Menschen frei, rein und heilig zu machen. Auch wenn Satan alles daransetzt, dies zu verhindern, sollen trotzdem durch das für die Welt vergossene Blut Siege errungen werden, die Gott und dem Lamm Ehre bringen. Christus wird nicht eher ruhen, bis der Sieg vollkommen ist. »Weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er sich dann an dem, was er zu sehen bekommt, erfreuen.« (Jesaja 53,11a NLB) Alle Völker der Erde sollen die frohe Botschaft von seiner Gnade hören. Zwar werden nicht alle seine Gnade annehmen, doch »kommende Generationen werden ihm dienen; ihnen wird man erzählen, was der Herr getan hat« (Psalm 22,31 NLB). »Das Reich und die Macht und die Gewalt über die Königreiche unter dem ganzen Himmel wird dem Volk der Heiligen des Höchsten gegeben werden« (Daniel 7,27a), und »so wie das Meer voll Wasser ist, wird das Land erfüllt sein von der Erkenntnis des Herrn« (Jesaja 11,9b GNB). »So wird man den Namen des Herrn fürchten, wo die Sonne untergeht, und seine Herrlichkeit, wo die Sonne aufgeht.« (Jesaja 59,19a ZÜ) »Was für eine Freude! Über die Berge kommt der Siegesbote herbeigeeilt! Er bringt gute Nachricht, er verkündet Frieden und Rettung, er sagt zur Zionsstadt: ›Dein Gott ist König der ganzen Welt!‹ … Jubelt vor Freude, ihr Trümmer Jerusalems; denn der Herr hat Erbarmen mit seinem Volk … Er hat seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker erhoben. Bis in den letzten Winkel der Erde sehen sie, wie unser Gott uns rettet.« (Jesaja 52,7.9.10 GNB)

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