Gleichnis vom großen Gastmahl

Gleichnis vom großen Gastmahl

Lukas 14,15-24

Der Heiland war eines Tages bei einem Pharisäer zum Essen eingeladen. Er nahm Einladungen von Arm und Reich an, und wie immer ergriff er auch diesmal die Gelegenheit, um bestimmte Wahrheiten zu erläutern. Bei den Juden waren alle nationalen und religiösen Feiertage mit einem feierlichen Festmahl verbunden, das für sie zugleich ein Symbol der Segnungen des ewigen Lebens war. Das große Festessen, bei dem sie mit Abraham, Isaak und Jakob zusammen an einem Tisch sitzen würden, während die Heiden nur aus der Ferne sehnsüchtig zusehen könnten, war eines ihrer Lieblingsthemen. Deshalb veranschaulichte Christus die Warnung, die er ihnen zukommen lassen wollte, durch das Gleichnis vom großen Abendmahl. Die Juden wollten die Gaben Gottes für das irdische wie für das ewige Leben ganz allein in Anspruch nehmen; sie wollten nichts davon wissen, dass Gottes Gnade auch den Heiden galt. Christus dagegen sagte ihnen durch sein Gleichnis, dass sie selbst gerade zu ihrer Zeit die gnädige Einladung ins Reich Gottes ablehnten. Weil sie nicht kommen wollten, würden nun jene eingeladen, die sie verachteten und vor denen sie sich wie vor Aussätzigen ekelten. Der Pharisäer hatte seine Gäste nach recht egoistischen Gesichtspunkten ausgewählt. Christus sagte deshalb zu ihm: „Er sprach aber auch zu dem, der ihn eingeladen hatte: Wenn du ein Mittags- oder Abendmahl machst, so lade weder deine Freunde noch deine Brüder noch deine Verwandten noch reiche Nachbarn ein, damit sie dich nicht etwa wieder einladen und dir vergolten wird. Sondern wenn du ein Mahl machst, so lade Arme, Verkrüppelte, Lahme und Blinde ein, dann wirst du selig sein, denn sie haben nichts, um es dir zu vergelten; es wird dir aber vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.“ Lukas 14,12-14.

Christus wiederholte damit nur, was er schon durch Mose hatte sagen lassen: Zu den heiligen Festen sollten nach dem Willen Gottes „der Fremdling und die Waise und die Witwe“ eingeladen werden, damit sie „essen und sich sättigen“ konnten. 5.Mose 14,29. Diese vorgeschriebenen Zusammenkünfte sollten Israel als beispielhafte Anregung dienen. Das Volk sollte dabei lernen, wie viel Freude es macht, gastfrei zu sein, um so das ganze Jahr über für die Armen und Rechtlosen zu sorgen. Darüber hinaus waren diese Feste ein deutlicher Hinweis dafür, dass die geistlichen Gaben nicht für Israel allein bestimmt waren. Gott hatte diesem Volk das Brot des Lebens gegeben, damit sie es an die übrige Welt austeilen sollten. Dieser Aufgabe waren die Juden nicht nachgekommen. Christus prangerte daher ihre Selbstsucht an. Weil seine Worte besonders den Pharisäern sehr unangenehm waren, wollte einer von ihnen dem Gespräch eine andere Richtung geben, und er rief salbungsvoll aus: „Selig ist, der das Brot isst im Reich Gottes!“ Lukas 14,15. Dieser Mann sprach im Brustton der Überzeugung und war sich offenbar seines Platzes im Himmel schon ganz gewiss. Er hatte eine ähnliche Einstellung wie die Christen, die sich freuen, von Christus gerettet zu sein, ohne allerdings die Bedingungen zu erfüllen, unter denen allein das Heil verheißen ist. Ihn lenkte der gleiche Geist, der Bileam beten ließ: „Meine Seele möge sterben den Tod der Gerechten, und mein Ende werde wie ihr Ende!“ 4.Mose 23,10. Der Pharisäer dachte nur an das Glück, das er im Himmel zu genießen hoffte. Ob er auf Grund seiner inneren Einstellung dort überhaupt einmal sein könnte — darüber nachzudenken kam ihm nicht in den Sinn. Sein Einwurf sollte die Gedanken der Festgäste von den praktischen Pflichten ihres gegenwärtigen Lebens ablenken, indem er auf die ferne Zeit der Auferstehung der Gerechten hinwies. Christus durchschaute den Heuchler. Er hatte ihn fest im Auge, als er begann, zu der Festgesellschaft darüber zu sprechen, welche wertvollen Vorrechte sie gegenwärtig noch genossen. Er zeigte ihnen deutlich, dass sie erst einmal die ihnen zugewiesene Aufgabe erfüllen mussten, wenn sie in der Ewigkeit die verheißenen Segnungen erfahren wollten.

„Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl“, begann er, „und lud viele dazu ein. Und er sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist alles bereit!“ Aber alle waren plötzlich seltsam gleichgültig. „Sie fingen an alle nacheinander, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muss hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der zweite sprach: Ich habe fünf Gespanne Ochsen gekauft, und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der dritte sprach: Ich habe eine Frau genommen; darum kann ich nicht kommen.“ Lukas 14,16-20. Keine dieser Ausreden war wirklich stichhaltig. Der Mann, der so dringend den neuerworbenen Acker besichtigen musste, hatte den Kauf ja bereits abgeschlossen. Er konnte es allerdings kaum erwarten, den Acker endlich zu sehen, weil er in Gedanken nur noch damit beschäftigt war. Die Ochsen waren ebenfalls bereits endgültig gekauft. Der Käufer wollte sie nur aus Neugier sich gleich selbst ansehen. Auch die Entschuldigung des dritten war nicht besser als die der anderen: Die Heirat des eingeladenen Gastes war kein Grund, dem Fest fernzubleiben, denn seine Frau wäre genau wie er willkommen gewesen. Doch er hatte schon eigene Pläne geschmiedet in der Absicht, sich auf seine Weise besser zu unterhalten als bei dem Festessen, zu dem er ursprünglich zugesagt hatte. Inzwischen war er nämlich der Meinung, dass er sich anderswo besser amüsieren konnte. Er ließ sich nicht einmal entschuldigen, machte also erst gar nicht den Versuch, höflich zu sein. „Darum kann ich nicht kommen“ verschleierte nur schlecht die Tatsache, dass er einfach keine Lust dazu hatte. Alle Entschuldigungen der Gäste verrieten, dass sie in Gedanken vollkommen mit anderen Dingen beschäftigt waren. Ihre eigenen Interessen nahmen sie so stark in Anspruch, dass sie sogar die Einladung zum Fest ausschlugen, obwohl sie doch zuerst zugesagt hatten und jetzt durch ihre Gleichgültigkeit den großzügigen Gastgeber beleidigten.

Am Gleichnis des großen Abendmahls zeigt Christus uns symbolhaft all das Gute, das uns durch das Evangelium angeboten wird. Jesus Christus selbst wird dabei durch die Speise symbolisiert. Er ist das Brot vom Himmel; von ihm fließen die Ströme des Heils. Die Boten Gottes hatten den Juden die Ankunft des Erlösers vorhergesagt und auf ihn hingewiesen als „Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt.“ Johannes 1,29. Bei dem Fest, das er vorbereitet hatte, bot Gott ihnen die größte Gabe des Himmels an — eine Gabe, die alle Vorstellungen übertrifft. Voller Liebe hatte Gott das festliche Essen zusammenstellen lassen — in solchen Mengen, dass es einfach nicht ausgehen kann. „Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit.“ Johannes 6,51. Wer die Einladung zu diesem Fest — also die Einladung des Evangeliums — annehmen will, muss jedoch alle weltlichen Interessen dem einen Ziel unterordnen, Christus und seine Gerechtigkeit aufzunehmen. Gott gab für die Menschen alles hin, und er bittet uns, seine Sache dafür über alle irdischen Belange, die nur uns selbst betreffen, zu stellen. Halbherzigkeit ist bei ihm nicht gefragt. Wenn weltliche Wünsche unser Denken gefangen nehmen, können wir ihm nicht ungeteilt unser Herz schenken. Das Gleichnis hat uns auch heute noch etwas zu sagen. Wir sind ebenfalls eingeladen, dem Lamm Gottes zu folgen, wohin es auch geht, und uns von ihm führen zu lassen. Seine Nähe muss uns mehr bedeuten als das Zusammensein mit unseren Freunden. Christus sagt: „Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert.“ Matthäus 10,37.

Zur Zeit Christi war es bei vielen Leuten Sitte, vor dem Essen zu sagen: „Selig ist, der das Brot isst im Reich Gottes!“ Lukas 14,15. Christus jedoch zeigte, wie schwer es ist, überhaupt Gäste zu finden für das Festessen, das für den Preis eines unermesslichen Opfers bereitet wurde. Seine Zuhörer wussten ganz genau, dass sie selbst die gnädige Einladung gering geschätzt hatten. Wohlstand und Vergnügen waren ihnen wichtiger gewesen, und so hatten sie alle eine Ausrede zur Hand. So ist es noch heute. Die „Entschuldigungen“, die die Leute damals vorbrachten, um die Einladung zum Festmahl auszuschlagen, decken alles ab, was auch heute noch als Ausrede dafür dient, um das Evangelium abzulehnen. Manch einer sagt zum Beispiel, er könne seine Karriere doch nicht gefährden, indem er den Forderungen des Evangeliums nachkomme. Solchen Menschen ist ihr gutes Leben auf dieser Erde wichtiger als die Ewigkeit. Ausgerechnet die Gaben, die Gott ihnen geschenkt hat, lassen sie jetzt zu einer Schranke werden, die sie von ihrem Schöpfer und Erlöser trennt. Sie wollen in ihrem Streben nach den Dingen dieses Lebens nicht aufgehalten werden und sagen dem Boten, der die Einladung des Evangeliums überbringt: „Für diesmal geh! Zu gelegener Zeit will ich dich wieder rufen lassen.“ Apostelgeschichte 24,25. Andere entschuldigen sich mit den Schwierigkeiten, die ihnen im gesellschaftlichen Leben entstehen würden, wenn sie dem Ruf Gottes folgten. Sie können es sich angeblich nicht leisten, eine andere Lebensauffassung als ihre Verwandten und Bekannten zu haben. Kurz, auch sie gleichen in allen Einzelheiten den Personen im Gleichnis. Der Gastgeber muss an ihren fadenscheinigen Ausreden erkennen, dass sie für seine Einladung nur Geringschätzung übrig haben. Der Mann, der sagte: „Ich habe eine Frau genommen, darum kann ich nicht kommen“, steht für besonders viele. Wie oft kommt es vor, dass jemand sich von seinem Ehepartner daran hindern lässt, dem Ruf Gottes zu folgen! Der Ehemann sagt dann vielleicht: Ich kann nicht nach meiner religiösen Überzeugung leben, solange meine Frau dagegen ist. Ihr Einfluss würde mir das außerordentlich schwer machen. Die Frau hört die Einladung: „Kommt, denn es ist alles bereit!“ und sagt: „Ich bitte dich, entschuldige mich.“ Mein Mann muss leider absagen — aus geschäftlichen Gründen. Da ich zu ihm halten muss, kann ich auch nicht kommen. Oft fühlen sich die Kinder von der frohen Botschaft angesprochen und möchten ihr folgen. Aber wenn ihre Eltern, die sie lieben, dem Ruf keine Beachtung schenken, meinen sie, dass man es von ihnen wohl auch nicht erwarten kann — und sie lassen sich ebenfalls entschuldigen. Alle diese Menschen weisen die Einladung ihres Erlösers zurück, weil sie Angst vor Konflikten in der Familie haben. Sie geben sich der Illusion hin, den häuslichen Frieden und ihr Familienglück dadurch wahren zu können, dass sie sich weigern, Gott zu gehorchen. Was für ein tragischer Irrtum! Wer Selbstsucht sät, wird Selbstsucht ernten. Wer die Liebe Christi zurückweist, verzichtet damit auf das, was der zwischenmenschlichen Liebe Reinheit und Dauer verleiht. Er bringt sich auf diese Weise nicht nur um das ewige Leben, sondern auch um das echte Glück in diesem Leben, für das der Himmel doch sein großes Opfer brachte.

Als der Gastgeber im Gleichnis erfuhr, wie man auf seine Einladung reagierte, da wurde er „zornig und sprach zu seinem Knecht: Gehe schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen, Verkrüppelten, Blinden und Lahmen herein.“ Lukas 14,21. Er wandte sich jetzt von denen ab, die seine Gastfreundschaft zurückwiesen, und lud eine Gesellschaftsschicht ein, die nicht aus dem Vollen lebte, die keine Häuser und Ländereien besaß. Er lud Menschen ein, die arm und hungrig waren und die das Dargebotene wohl zu schätzen wussten. „Die Zöllner und Huren kommen eher ins Reich Gottes als ihr“ (Matthäus 21,31), sagte Christus. So elend und verachtet Menschen auch sein mögen, sie werden dennoch von Gott beachtet und geliebt. Gerade die sorgenbeladenen, seelisch erschöpften oder unterdrückten Menschen will Christus zu sich ziehen, will ihnen Licht, Freude und inneren Frieden schenken, Dinge, die sie nirgendwo sonst finden können. Auch die schlimmsten Sünder liebt er aufrichtig und sendet ihnen seinen Heiligen Geist, der ihnen seine Liebe offenbaren und sie zu ihm führen soll. Als der Knecht die Armen und Blinden hereingeführt hatte, meldete er: „Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde.“ Lukas 14,22.23. Christus verwies damit auf die Tatsache, dass das Evangelium auch außerhalb Israels verkündigt werden sollte: auf den Landstraßen und an den Zäunen der Welt. In Übereinstimmung damit erklärten Paulus und Barnabas den Juden: „Euch musste das Wort Gottes zuerst gesagt werden; da ihr es aber von euch stoßt und haltet euch selbst nicht für würdig des ewigen Lebens, siehe, so wenden wir uns zu den Heiden. Denn so hat uns der Herr geboten: ‚Ich habe dich zum Licht der Heiden gemacht, damit du das Heil seist bis an die Enden der Erde.‘ Als das die Heiden hörten, wurden sie froh und priesen das Wort des Herrn, und alle wurden gläubig, die zum ewigen Leben bestimmt waren.“ Apostelgeschichte 13,46-48. Die Jünger verkündeten das erste Kommen Christi in diese Welt. Die Frohe Botschaft lautete: Durch den Glauben an den Sohn Gottes können die Menschen gerettet werden. Diese Botschaft wies bereits auf sein zweites Kommen in Herrlichkeit hin, bei dem er sein Volk zu sich holen will, und vermittelte Menschen die Hoffnung, durch Glauben und Gehorsam zur Familie Gottes gehören zu können. Dieses Evangelium wird auch heute noch verkündigt, doch liegt jetzt besonderer Nachdruck auf dem nahe bevorstehenden zweiten Kommen Christi. Die Zeichen, die seine Wiederkunft ankündigen sollten, haben sich bereits erfüllt. Das Wort Gottes sagt uns deutlich, dass der Herr vor der Tür steht.

Johannes sagt in der Offenbarung voraus, dass kurz vor der Wiederkunft Christi das Evangelium verkündet werden wird: „Und ich sah einen andern Engel fliegen mitten durch den Himmel, der hatte ein ewiges Evangelium zu verkündigen denen, die auf Erden wohnen, allen Nationen und Stämmen und Sprachen und Völkern. Und er sprach mit großer Stimme: Fürchtet Gott und gebt ihm die Ehre; denn die Stunde seines Gerichts ist gekommen!“ Offenbarung 14,6.7. In der Prophezeiung wird im Anschluss an diese Warnung vor dem letzten Gericht und die damit verknüpften Botschaften die Wiederkunft des Menschensohnes in den Wolken des Himmels beschrieben. Die Ankündigung des Gerichts ist gleichzeitig die Verkündigung des bevorstehenden zweiten Kommens Christi und wird „ein ewiges Evangelium“ genannt. Somit ist die Botschaft, dass Jesus bald wiederkommen wird, ein wesentlicher Bestandteil des Evangeliums. Nach Aussagen der Bibel werden die Menschen in den letzten Tagen völlig von weltlichen Interessen beherrscht sein, von Vergnügungssucht und Geldgier. Sie sind blind für die göttliche Wirklichkeit. Christus sagte: „Denn wie es in den Tagen Noahs war, so wird auch sein das Kommen des Menschensohns. Denn wie sie waren in den Tagen vor der Sintflut — sie aßen, sie tranken, sie heirateten und ließen sich heiraten bis an den Tag, an dem Noah in die Arche hineinging; und sie beachteten es nicht, bis die Sintflut kam und raffte sie alle dahin —, so wird es auch sein beim Kommen des Menschensohns.“ Matthäus 24,37-39. Das ist die Situation unserer Tage, wo die Menschen materiellen Gewinn und Zerstreuung suchen, als gäbe es keinen Gott, keine Ewigkeit, kein Jenseits. Zur Zeit Noahs sollte die Warnung vor der Sintflut die gottlosen Menschen zu Besinnung und Buße veranlassen. Genauso will heute die Botschaft von der nahen Wiederkunft Christi die Menschen aus ihrem völlig auf das Diesseits gerichteten Denken reißen und ihnen die Augen für Gottes Wirklichkeit so weit öffnen, dass sie der Einladung zum Festessen des Herrn Folge leisten. Diese Einladung soll die ganze Welt erhalten, „allen Nationen und Geschlechtern und Sprachen und Völkern“ soll sie gebracht werden. Die letzte Warnungs- und Gnadenbotschaft wird gegeben, um die ganze Welt mit ihrem Licht zu erfüllen und alle Gesellschaftsschichten zu erreichen, Reiche und Arme, Angesehene und Außenseiter der Gesellschaft. „Gehe aus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, auf dass mein Haus voll werde.“ Lukas 14,22.23.

Die Welt geht zu Grunde, weil ihr das Evangelium fehlt. Die Menschen hungern nach dem Wort Gottes. Nur wenige predigen es unverfälscht von menschlichen Überlieferungen, und so kommt es, dass viele zwar die Bibel lesen, aber trotzdem nicht den Segen empfangen, den Gott für sie hineingelegt hat. Deshalb ruft der Herr seine Mitarbeiter auf, den Menschen die Frohe Botschaft zu bringen. Das Wort des ewigen Lebens muss an alle weitergegeben werden, die in der Sünde zu Grunde gehen. Mit dem Auftrag, auf die Landstraßen und an die Zäune zu gehen, umreißt Christus das Arbeitsfeld, das er allen seinen Nachfolgern zugewiesen hat: die ganze Welt, die ganze Menschheit. Der Herr will, dass jeder von seiner Gnade erfährt. Diese Aufgabe erfordert ein hohes Maß an persönlichem Einsatz. So ist auch Christus vorgegangen. Die meiste Zeit verbrachte er damit, sich mit einzelnen Menschen zu unterhalten. Dem persönlichen Gespräch maß er große Bedeutung bei, denn durch einen einzigen Menschen wurde oftmals das Evangelium unter Tausenden weiterverbreitet. Wir dürfen nicht darauf warten, dass die Menschen zu uns kommen; wir müssen zu ihnen gehen. Wenn das Wort von der Kanzel verkündigt worden ist, fängt die Arbeit eigentlich erst an. Wie viele gibt es, die vom Evangelium nie erreicht werden würden, wenn wir es ihnen nicht persönlich brächten!

Die Einladung zu Gottes Fest erging zuerst an die Juden, denn ihnen war ja zuerst die Aufgabe übertragen worden, Lehrer und Leiter der Menschheit zu sein. Sie besaßen die Schriftrollen der Propheten, die das Kommen Christi ankündigten, und ihnen war der Opferdienst mit seinen Symbolen, die auf den Erlöser hindeuteten, anvertraut worden. Hätten Priester und Volk ihren Auftrag erfüllt, dann wären sie gemeinsam mit den Boten Christi der Aufgabe nachgegangen, der ganzen Welt die Einladung des Evangeliums zu bringen. Die Wahrheit war ihnen schließlich unter der Bedingung geschenkt worden, sie weiterzugeben. Weil sie das nicht taten, wurde sie jetzt den Armen, Krüppeln, Lahmen und Blinden gegeben. Zöllner und Sünder wurden eingeladen. Die Ausbreitung des Evangeliums unter den nichtchristlichen Völkern soll in gleicher Weise vor sich gehen: Die Gute Nachricht muss im übertragenen Sinn zuerst auf die „Landstraßen“ gebracht werden, das heißt zu den Menschen, die in der Welt eine führende Rolle spielen, zu den bedeutenden Persönlichkeiten in Kultur und Politik eines Landes. Lasst uns das als Mitarbeiter Gottes stets beachten. Die Aufforderung, auf die „Landstraßen“ zu gehen, gilt allen Seelsorgern und allen Lehrern im Werk des Herrn. Die oberen Gesellschaftsschichten sollen von uns mit Taktgefühl und brüderlicher Anteilnahme aufgesucht werden. Männer und Frauen in einflussreichen Positionen der Wirtschaft, Wissenschaftler und Forscher, Menschen mit einer genialen Begabung, Verkündiger des Evangeliums, die die gegenwärtige Wahrheit noch nicht ausreichend erkannt haben — sie alle sollen die Einladung zuerst erhalten. Das Evangelium ist auch für die Reichen gedacht. Ihnen gilt es, die Augen zu öffnen für die Verantwortung, die ihnen aus ihrem von Gott geschenkten Besitz erwächst. Wir müssen sie daran erinnern, dass sie einmal vor dem Richter der Lebendigen und der Toten Rechenschaft abzulegen haben. Die Wohlhabenden sind darauf angewiesen, dass wir uns aus Ehrfurcht und Liebe zu Gott um sie bemühen. Nur allzu oft verlassen sie sich auf ihren Besitz und wiegen sich dabei in Sicherheit. Ihr Blick muss geschärft werden für das, was von unvergänglichem Wert ist, damit sie den erkennen können, der sie einlädt: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“ Matthäus 11,28-30. Menschen, die in der Welt eine hohe Stellung einnehmen — sei es auf Grund ihrer Bildung, ihres Reichtums oder ihrer beruflichen Tätigkeit —, werden viel zu selten wegen ihres Seelenheils persönlich angesprochen. Viele, die im Dienst des Evangeliums stehen, scheuen sich, an die oberen Gesellschaftsschichten heranzutreten. Das ist ein großer Fehler. Wenn jemand vor unseren Augen am Ertrinken wäre, würden wir doch auch nicht tatenlos zusehen, nur weil es ein Jurist oder Kaufmann ist! Keiner von uns würde zögern, einen Menschen, ungeachtet seiner sozialen Stellung, zurückzureißen, der einen Abgrund hinunterzustürzen droht. Ebenso wenig sollten wir falsche Hemmungen haben, wenn es darum geht, Menschen vor der Gefahr zu warnen, in der sie sich auf geistlichem Gebiet befinden. Auch wenn jemand ganz offensichtlich nur für die Dinge dieser Welt lebt, dürfen wir ihn nicht links liegen lassen. Viele hochgestellte Persönlichkeiten sind krank an ihrer Seele und der Jagd nach all dem Vergänglichen überdrüssig. Sie haben ein starkes Bedürfnis nach innerem Frieden, den sie nicht kennen. Gerade unter den „oberen Zehntausend“ gibt es viele, die sich nach Erlösung sehnen. Vielen könnte geholfen werden, wenn Gottes Mitarbeiter sie aus einem Herzen, das von der Liebe Christi einfühlsam gemacht wurde, persönlich ansprechen würden.

Ob die Botschaft die Menschen erreicht, hängt nicht von gekonnter Rhetorik, einem gut formulierten Bekenntnis zu Christus oder scharfsinnigen Argumenten ab. Vielmehr kommt es darauf an, das Evangelium für alle verständlich zu verkündigen und sich dabei nach den jeweiligen Zuhörern zu richten, die nach dem Brot des Lebens hungern. Ihnen stellt sich die Frage: „Was soll ich tun, damit ich selig werde?“ Tausende können auf die einfachste Weise erreicht werden. Männer und Frauen, die als besonders gebildet und begabt gelten, werden oft gerade durch das schlichte Zeugnis eines Menschen angesprochen, der über seine Liebe zu Gott ebenso natürlich reden kann wie ein anderer vielleicht über seine ganz und gar weltlichen Interessen. Es kann durchaus vorkommen, dass man sich in dem, was man sagen möchte, sehr gut vorbereitet hat und dennoch so gut wie keine Wirkung erzielt. Ein aufrichtiges, ungekünsteltes Bekenntnis zu unserem himmlischen Vater hat dagegen die Macht, auch Herzen zu gewinnen, die bisher Christus und seiner Liebe verschlossen waren. Lasst uns immer daran denken, dass wir nicht aus eigener Kraft für Christus tätig sind. Wir dürfen die Gewissheit haben, dass es in Gottes Macht steht, Menschen für die Ewigkeit zu retten. Deshalb wollen wir mit ihm im Gebet ringen und dann alle Fähigkeiten für ihn einsetzen, die er uns geschenkt hat. Der Heilige Geist und hilfsbereite Engel stehen uns zur Seite in unserem Bemühen, die Herzen zu erreichen.

Was für ein einflussreiches Missionszentrum hätte Jerusalem werden können, wenn seine geistlichen und politischen Führer nur die Wahrheit angenommen hätten, die Christus ihnen brachte! Das abtrünnige Volk Israel wäre bekehrt worden, eine riesige Gemeinde hätte sich um den Herrn geschart und das Evangelium in kürzester Zeit in die ganze Welt getragen. Und auch heute könnten viele Gestrauchelte wieder auf den rechten Weg gebracht, viele am Rande der Gesellschaft Stehende wieder hereingeholt und die Frohe Botschaft weit und breit verkündigt werden, wenn einflussreiche, fähige Menschen für Christus gewonnen würden. Dann wäre die Einladung bald an alle ergangen, und die Gäste könnten zum Festmahl des Herrn erscheinen.

Das heißt nun aber nicht, dass wir nur an die einflussreichen, wohlhabenden Schichten denken sollen, um darüber die Armen zu vergessen. Christus schickt uns auch „an die Zäune“, also zu denen, die im Allgemeinen verachtet und übersehen werden. In den Hinterhöfen und heruntergekommenen Gegenden der Großstädte, in einsamen Gehöften auf dem Land leben viele Menschen, entweder als Familie oder auch als Alleinstehende — oft auch Ausländer in einer ihnen fremden Umgebung —, die keinerlei Verbindung zu einer Kirche oder Gemeinschaft haben. Viele von ihnen haben das Gefühl, von Gott und der Welt verlassen zu sein. Sie wissen nicht, wie sie selig werden können, und sind vielleicht tief in die Sünde verstrickt. Andere wieder sind in großer Not, sind niedergedrückt von Leid, Entbehrung, Unglauben, Verzweiflung; sie sind mit körperlicher und seelischer Krankheit geschlagen und lassen sich von Satan dazu verführen, den Trost, den sie so sehr brauchen, in Ausschweifungen und weltlichen Vergnügen zu suchen, die sie doch nur ins Verderben führen. Der Verführer bietet ihnen die Früchte Sodoms an, die noch auf ihren Lippen zu Asche werden. Sie geben ihr Geld aus für das, was kein Brot ist, und sauren Verdienst für das, was nicht satt macht. vgl. Jesaja 55,2. In ihnen allen sollen wir Menschen sehen, für deren Erlösung Christus auf diese Erde kam. Er lädt sie ein: „Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch! … Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben. Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! Höret, so werdet ihr leben!“ Jesaja 55,1-3. Gott hat uns ausdrücklich aufgetragen, uns um die Fremden und um all die zu kümmern, die am Rande der Gesellschaft leben oder sittlich gefährdet sind. Wie viele stehen dem Glauben an Gott scheinbar gleichgültig gegenüber und sehnen sich doch im Grunde ihres Herzens nach Frieden und Geborgenheit! Auch wenn sie tief in die Sünde verstrickt sind, gibt es für sie doch noch Aussicht auf Rettung. Als Christi Nachfolger wollen wir uns an sein Vorbild halten. Wo er hinkam, leistete er Menschen in Not Beistand und heilte die Kranken. Erst dann sprach er zu ihnen über die großartigen Wahrheiten, die für sein Reich gelten. Wir sollen in gleicher Weise vorgehen. Wenn wir Menschen in ihrem körperlichen Leiden helfen, wird uns auch Gelegenheit gegeben werden, etwas für ihr geistliches Wohl zu tun. Dann können wir von unserem Erlöser erzählen, von dem großen Arzt, der allein die Macht hat, jede Krankheit zu heilen. Wir wollen allen, die vom rechten Weg abgekommen sind, sagen, dass sie nicht zu verzweifeln brauchen. Auch wenn sie im Leben schwere Fehler gemacht und es versäumt haben, an ihrem Charakter zu arbeiten, ist Gott doch gerne bereit, sie wieder aufzurichten und ihnen das Glück der Erlösung zu schenken. Wie freut er sich, wenn er scheinbar hoffnungslose Fälle, die zu Werkzeugen Satans geworden waren, für sich gewinnen und ihnen seine Gnade schenken kann! Er will sie vor seinem Zorn bewahren, der einmal die Ungehorsamen treffen wird. Lasst uns deshalb diesen Menschen sagen, dass auch sie geheilt und erlöst werden können. Jeder kann einen Platz am Tisch des Herrn finden. Gott selbst wartet darauf, alle willkommen zu heißen.

Bei der Evangeliumsverkündigung werden wir aber noch auf eine ganz andere Art von Menschen treffen, die unsere Hilfe brauchen: Menschen, die entsprechend der ihnen geschenkten Erkenntnis leben und Gott dienen, so gut sie es verstehen. Sie sind sich aber auch bewusst, wie viel an ihnen selbst und den Menschen in ihrer Umgebung noch getan werden muss, und haben ein großes Bedürfnis danach, Gott noch besser kennen zu lernen. Gerade erst haben sie den Schimmer eines größeren Lichtes entdeckt und beten jetzt zu Gott aus tiefster Seele, dass er ihnen den Segen zuteil werden lassen möge, den sie im Glauben erst noch von ferne sehen. Inmitten der Verderbtheit der Großstädte leben viele solcher Menschen, oft in so ärmlichen Verhältnissen, dass sie von ihrer Umgebung nicht beachtet werden. Ein Großteil von ihnen ist sogar bei den Geistlichen und den Gemeinden völlig unbekannt; trotzdem bewähren sie sich in ihrer verkommenen Umgebung als Zeugen des Herrn. Auch wenn sie nur wenig geistliche Erkenntnis besitzen und in der Lehre Christi fast nicht geschult sind, bemühen sie sich inmitten all des Elends um sie herum, anderen zu helfen. Als Übermittler der göttlichen Gnade sind wir aufgerufen, solche Menschen aufzusuchen und ihnen in der Kraft des Heiligen Geistes das zu geben, was ihnen noch fehlt. Lasst uns mit ihnen die Bibel studieren und mit ihnen so schlicht beten, wie es uns der Heilige Geist eingibt. Christus wird uns dann die rechten Worte schenken, die für diese Menschen das Brot des Lebens bedeuten. Auf diese Weise wird der Segen Gottes weitergereicht von einem zum anderen.

Der Auftrag im Gleichnis „Nötige sie, hereinzukommen!“ ist oft missverstanden worden. Man hat ihn so ausgelegt, als ob wir die Menschen zwingen sollten, das Evangelium anzunehmen. Dabei will diese Formulierung nur betonen, wie eindringlich wir die Einladung vorbringen und wie wirkungsvoll wir sie begründen sollen. Nie dürfen wir Gewalt anwenden, um Menschen zu Christus zu führen. Die Botschaft des Evangeliums lautet vielmehr: „Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser!“ Jesaja 55,1-3. „Und der Geist und die Braut sprechen: Komm! Und wer es hört, der spreche: Komm! Und wen dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.“ Offenbarung 22,17. Die Kraft der Liebe und Gnade Gottes fordern uns auf, zu kommen. Der Heiland sagt: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich eingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir.“ Offenbarung 3,20. Spott oder Drohungen schrecken ihn nicht ab; unermüdlich sucht er die Verlorenen und sagt: „Wie kann ich dich preisgeben?“ Hosea 11,8. Selbst wenn seine Liebe störrisch zurückgewiesen wird, bittet er nur umso eindringlicher: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an.“ Die Macht seiner Liebe „nötigt“ manchen, ihm „aufzutun“ und vor Christus zu bekennen: „Du hast dich zu mir herabgebeugt und mich groß gemacht.“ Psalm 18,36 (Hfa). Christus will seinen Mitarbeitern die gleiche sehnsüchtige Liebe schenken, mit der er selbst sich um die Verlorenen bemüht. Es genügt nicht, wenn wir sagen: „Komm!“ Manche Menschen hören die Einladung zwar, können aber nichts damit anfangen, weil sie zu abgestumpft sind. Ihr geistliches Sehvermögen ist zu schwach, um wahrnehmen zu können, was ihnen angeboten wird. Andere wieder sind sich ihres hoffnungslosen Zustandes voll bewusst. Sie sagen: Mir kann doch keiner mehr helfen. Lasst mich in Ruhe! — Wir dürfen dann dennoch nicht aufgeben. Mit Einfühlungsvermögen und echter Nächstenliebe wollen wir uns um alle kümmern, die den Mut verloren haben und unsere Hilfe brauchen. Ihnen wollen wir von unserem eigenen Mut, von unserer Hoffnung und Kraft abgeben, wollen sie freundlich einladen, hereinzukommen. „Erbarmt euch derer, die zweifeln; andere reißt aus dem Feuer und rettet sie; anderer erbarmt euch in Furcht …“ Judas 22-23. Wenn wir mit Gott im Glauben eng verbunden sind, wird er dem, was wir zu sagen haben, das nötige Gewicht verleihen. Dann sind wir in der Lage, von der Gefahr, die jedem droht, der die Gnade Gottes zurückweist, so eindringlich zu sprechen, dass die Menschen sich geradezu gedrungen fühlen, das Evangelium anzunehmen. Christus wird wahre Wunder an dem vollbringen, der bereit ist, das zu tun, was Gott von ihm erwartet. Ein Mensch kann in seinem Denken heute noch genauso umgewandelt werden wie in früheren Zeiten. John Bunyan, der vorher ein Spötter und Zechbruder gewesen war, und John Newton, ein ehemaliger Sklavenhändler, wandten sich Jesus Christus zu und predigten fortan das Evangelium. Auch heute noch können Menschen wie Bunyan und Newton Rettung finden.

Durch das Zusammenwirken menschlicher und göttlicher Kraft kann mancher von der Gesellschaft Ausgestoßene für Christus gewonnen werden, um dann von sich aus alles dafür zu tun, das Ebenbild Gottes in den Menschen wieder herzustellen. Viele leben in sehr ungünstigen Umständen und sind nur deshalb auf dem falschen Weg, weil sie bisher keinen besseren kannten; aber auch sie werden das Licht Gottes sehen. Was Christus damals zu Zachäus sagte, gilt für sie in gleicher Weise: „Ich muss heute in deinem Haus einkehren.“ Lukas 19,5. So kommt dann das Wort Gottes zu ihnen. Bei vielen vermeintlich verstockten Sündern zeigt es sich dann plötzlich, wie weichherzig und empfänglich für das Gute sie in Wirklichkeit sind, weil Christus ihnen Beachtung schenkt. Sie werden aus den schlimmsten Irrtümern und Sünden kommen und dann die Stelle derer einnehmen, die alle ihnen gebotenen Gelegenheiten und Vorrechte nicht zu schätzen wussten. Sie werden zu den Auserwählten Gottes gehören, die ihm lieb und wert sind. Wenn Christus sein Reich aufgerichtet hat, werden sie seinem Thron am nächsten sein.

„Sehet zu, dass ihr den nicht abweist, der da redet.“ Hebräer 12,25. Jesus versicherte seinen Zuhörern: „Denn ich sage euch, dass keiner der Männer, die eingeladen waren, mein Abendmahl schmecken wird.“ Lukas 14,24. Weil sie die Einladung ausschlugen, wurden sie kein zweites Mal geladen. Als die Juden Christus verwarfen, verhärteten sie dadurch ihr Herz und lieferten sich Satan aus, sodass es für sie schließlich unmöglich wurde, seine Gnade anzunehmen. Heute ist es nicht anders. Wenn wir Gottes Liebe nicht schätzen und sie nicht zu einem uns innewohnenden Grundsatz werden lassen, der unser Herz zart und mitfühlend macht, dann sind wir auf ewig verloren. Der Herr kann uns keinen deutlicheren Beweis seiner Liebe geben als den, den er bereits erbracht hat. Wenn selbst die Liebe Christi unser Herz nicht erreicht, dann ist dazu auch kein anderes Mittel im Stande. Mit jeder Weigerung, die Gnadenbotschaft anzuhören, wächst der Unglaube. Jedes Mal, wenn es jemand versäumt, Jesus sein Herz zu öffnen, verstärkt sich seine Abneigung gegen die Stimme des Heiligen Geistes, und so werden seine Aussichten immer geringer, den letzten Gnadenruf zu hören. Hoffentlich muss man nicht einmal von uns wie vom alten Volk Israel sagen: „Ephraim hat sich zu den Götzen gesellt; so lass es hinfahren.“ Hosea 4,17. Lasst nicht zu, dass Christus über einen von uns wie über Jerusalem weinend sagen muss: „Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt! Seht, euer Haus soll euch wüst gelassen werden.“ Lukas 13,34.35. Wir leben in einer Zeit, da die letzte Gnadenbotschaft, die letzte Einladung an die Menschen ergeht. Bald schon wird der Auftrag: „Gehe aus auf die Landstraßen und an die Zäune!“ ausgeführt sein. Gottes Mitarbeiter fordern jeden auf: „Kommt, denn es ist alles bereit!“, wobei ihnen die Engel des Himmels zur Seite stehen. Der Heilige Geist nötigt jeden auf alle nur mögliche Weise zu kommen. Christus wartet auf irgend ein Zeichen, das ihm andeutet, dass du die Riegel deines Herzen zurückgezogen hast und ihm nun die Tür öffnen willst, damit er eintreten kann. Die Engel möchten gern dem Himmel die frohe Mitteilung machen können, dass wieder ein verlorener Sünder gerettet werden konnte. Die ganzen himmlischen Heerscharen singen zum Klang der Harfen ein Freudenlied, wenn wieder ein Mensch die Einladung zum Fest des Evangeliums angenommen hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

YouTube