Die königliche Hochzeit

Die königliche Hochzeit

Matthäus 22,1-14

Das Gleichnis vom hochzeitlichen Kleid hat uns etwas besonders Wichtiges zu sagen. Die Hochzeit steht für die Vereinigung der Menschheit mit Gott; das hochzeitliche Kleid symbolisiert den Charakter, den jeder haben muss, der als Gast an der Hochzeit teilnehmen möchte.

Wie im Gleichnis vom großen Abendmahl, so wird uns auch hier gezeigt, wie das jüdische Volk die Evangeliumseinladung zurückwies und daraufhin die Heiden eingeladen wurden. Das vorliegende Gleichnis zeigt allerdings noch viel deutlicher das beleidigende Verhalten der zuerst geladenen Gäste, aber auch ihre harte Bestrafung. Die Einladung wird von einem König ausgesprochen, also von jemandem, der das Recht hat zu befehlen. Sie ist eine hohe Ehre, die aber offensichtlich niemand zu schätzen weiß. Man verachtet die Autorität des Königs. Während die Einladung des Hausherrn im anderen Gleichnis nur gleichgültig aufgenommen wurde, werden die Knechte des Königs verspottet, verachtet und sogar getötet. Als der Hausvater merkte, dass man seine Einladung leichtfertig ablehnte, begnügte er sich damit zu erklären, dass keiner der Eingeladenen jemals wieder sein Gast sein sollte. Doch wer den König beleidigt, muss mit einer schwereren Strafe rechnen: Er „schickte seine Heere aus und brachte diese Mörder um und zündete ihre Stadt an.“ Matthäus 22,7.

In beiden Gleichnissen erscheinen schließlich doch noch Gäste auf dem Fest; aber das zweite zeigt, dass sie sich alle erst darauf vorbereiten mussten. Wer das versäumt hat, wird hinausgeworfen. „Da ging der König hinein, sich die Gäste anzusehen, und sah da einen Menschen, der hatte kein hochzeitliches Gewand an, und sprach zu ihm: Freund, wie bist du hier hereingekommen und hast doch kein hochzeitliches Gewand an? Er aber verstummte. Da sprach der König zu seinen Dienern: Bindet ihm die Hände und Füße und werft ihn in die Finsternis hinaus! Da wird Heulen und Zähneklappern sein.“ Matthäus 22,11-13. Die Jünger Christi hatten zum Fest eingeladen. Der Herr hatte zuerst die Zwölf und danach die Siebzig hinausgeschickt, die verkündigten, dass das Reich Gottes nahe sei. Sie riefen die Menschen dazu auf, Buße zu tun und an das Evangelium zu glauben. Doch man schenkte ihnen kaum Gehör. Die Einladung wurde nicht angenommen. Deshalb schickte der Herr seine Knechte noch einmal aus mit der Botschaft: „Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh ist geschlachtet, und alles ist bereit; kommt zur Hochzeit!“ Matthäus 22,4. Das wurde dem Volk Israel nach der Kreuzigung Christi verkündet. Aber die Juden, die sich rühmten, Gottes auserwähltes Volk zu sein, wiesen das Evangelium, das ihnen in der Kraft des Heiligen Geistes gebracht wurde, von sich. Viele taten das voller Verachtung; andere gerieten dermaßen in Zorn über das Angebot Gottes, sie zu erretten und ihnen ihre Sünden zu vergeben, dass sie gegen die Träger der Botschaft tätlich wurden. „Es erhob sich aber … eine große Verfolgung über die Gemeinde in Jerusalem.“ Apostelgeschichte 8,1. Viele Männer und Frauen kamen ins Gefängnis, und einige Boten des Herrn, wie zum Beispiel Stephanus und Jakobus, mussten sogar ihr Leben lassen. Damit zeigten die Israeliten endgültig, dass sie die Gnade Gottes ablehnten. Die Folge davon hatte Christus ihnen bereits im Gleichnis vorhergesagt: „Der König … schickte seine Heere aus und brachte diese Mörder um und zündete ihre Stadt an.“ Dieses Urteil wurde schließlich an den Juden vollstreckt: Jerusalem wurde zerstört und das Volk in alle Welt zerstreut.

Die dritte Einladung zum Fest symbolisiert die Verkündigung des Evangeliums unter den Heiden. Der König sagte: „Die Hochzeit ist zwar bereit, aber die Gäste waren‘s nicht wert. Darum geht hinaus auf die Straßen und ladet zur Hochzeit ein, wen ihr findet.“ Matthäus 22,8.9. „Und die Knechte gingen auf die Straßen hinaus und brachten zusammen, wen sie fanden, Böse und Gute.“ Matthäus 22,10. Es wurde also eine recht gemischte Gesellschaft. Manche hatten vor dem Gastgeber auch nicht mehr Respekt als jene, die vorher abgesagt hatten. Die zuerst Eingeladenen hatten gemeint, sie könnten es sich nicht leisten, nur wegen des königlichen Mahls auf weltliche Vorteile zu verzichten. Einige von denen, die dann tatsächlich zu dem Bankett erschienen, wollten nur aus Egoismus teilnehmen, um einmal gut speisen zu können. Sie dachten aber nicht daran, den König zu ehren. Als der König hereinkam und sich die Gäste ansah, durchschaute er sofort jeden Einzelnen von ihnen. Jedem hatte er festliche Kleidung geschenkt. Wer sie trug, zeigte damit, dass er den Gastgeber achtete. Nun war da auch ein Mann, der seine Alltagskleidung anhatte. Er war nicht daran interessiert gewesen, sich in der geforderten Weise auf das Fest vorzubereiten, und verschmähte die kostbare Kleidung vom König. Damit beleidigte er seinen Herrn! Als der König ihn fragte: „Freund, wie bist du hier hereingekommen und hast doch kein hochzeitliches Gewand an?“, da wusste er keine Antwort. So verurteilte er sich selbst. „Da sprach der König zu seinen Dienern: Bindet ihm die Hände und Füße und werft ihn in die Finsternis hinaus!“

Wenn der König im Gleichnis die Gäste prüfend ansieht, so bedeutet dies Gericht. Die Gäste beim Evangeliumsfest sind die Menschen, die von sich behaupten, Gott zu dienen, und deren Namen im Buch des Lebens verzeichnet sind. Aber nicht alle sind wahre Christen. Ehe die endgültige Belohnung ausgeteilt werden kann, muss erst festgestellt werden, wer wirklich dafür geeignet ist, am Erbe der Gerechten Anteil zu haben. Die Entscheidung darüber muss vor der Wiederkunft Christi in den Wolken des Himmels getroffen werden, denn dann wird er kommen, „einem jeden zu geben, wie seine Werke sind“. Offenbarung 22,12. Schon vor Jesu Kommen wird also von jedem Menschen feststehen, „wie seine Werke sind“, und dementsprechend wird auch jeder Nachfolger Christi seinen Lohn erhalten. Während die Menschen noch hier auf der Erde leben, findet im Himmel das Untersuchungsgericht statt. Alle, die seine Nachfolger sein wollen, beurteilt Christus nach dem, was in den Lebensbüchern über sie festgehalten ist. Nach ihren Taten entscheidet sich dann ihr Schicksal.

Das hochzeitliche Kleid im Gleichnis symbolisiert das reine Herz, das Christi Nachfolger auszeichnet. Die Gemeinde kann sich „mit schönem reinem Leinen“ kleiden, und braucht keine „Flecken oder Runzel“ zu haben. „Das Leinen aber ist die Gerechtigkeit der Heiligen.“ Offenbarung 19,8; Epheser 5,27. Die Gerechtigkeit Christi, also sein in jeder Weise vollkommenes Wesen, wird durch den Glauben allen verliehen, die ihn als ihren persönlichen Heiland annehmen. Die ersten Menschen trugen dieses weiße Gewand der Unschuld, als Gott sie im Garten Eden ansiedelte. Sie lebten in völliger Übereinstimmung mit dem Willen Gottes und liebten ihren himmlischen Vater von ganzem Herzen. Ein wunderbar sanftes Licht, das Licht Gottes, umhüllte das erste Menschenpaar. Dieses Lichtkleid war ein Symbol ihrer Unschuld und hätte sie auch weiterhin bekleidet, wenn sie Gott treu geblieben wären. Doch durch den Sündenfall lösten sie ihre Verbindung zu Gott, und damit verschwand auch sein Licht, das sie umgeben hatte. Nackt und beschämt versuchten sie das verlorene Himmelskleid durch einen Schurz aus Feigenblättern zu ersetzen. Genau dies haben alle, die Gottes Gebote nicht halten wollen, seit den Tagen Adams und Evas immer wieder getan. Sie flechten Feigenblätter zusammen — im übertragenen Sinn —, um ihre Nacktheit, also die Folgen ihrer Sünde, zu verstecken. Sie tragen selbstgefertigte Gewänder — das heißt, durch eigene Werke wollen sie ihre Sünden bedecken, um von Gott wieder angenommen zu werden. Doch das wird ihnen nie gelingen. Keine Erfindung der Menschen kann das verloren gegangene Kleid der Unschuld ersetzen. Kein Schurz aus Feigenblättern, kein Kleidungsstück dieser Welt wird von denen getragen werden, die einmal mit Christus und den Engeln am himmlischen Hochzeitsmahl teilnehmen. Nur das Gewand, das Christus selbst für uns bereithält, berechtigt uns, vor Gott zu erscheinen. Mit diesem Kleid seiner eigenen Gerechtigkeit will Christus jeden bußfertigen, gläubigen Menschen anziehen. „Ich rate dir, dass du Gold von mir kaufst … und weiße Kleider, damit du sie anziehst und die Schande deiner Blöße nicht offenbar werde.“ Offenbarung 3,18. Ein solches himmlisches Gewand enthält nicht einen Faden menschlicher Erfindung. Als Christus Mensch war, entwickelte er einen vollkommenen Charakter, an dem wir nun teilhaben sollen. „Alle unsre Gerechtigkeit ist wie ein beflecktes Kleid.“ Jesaja 64,5.

Was wir aus eigener Kraft tun, ist von Sünde gezeichnet. Doch der Sohn Gottes wurde Mensch, „damit er — der ohne jede Sünde ist — uns von unseren Sünden befreit“. Sündigen heißt: „Gottes Gebote missachten“. 1.Johannes 3,5.4 (Hfa). Christus aber gehorchte allen Forderungen des Gesetzes; er konnte von sich sagen: „Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern, und dein Gesetz hab ich in meinem Herzen.“ Psalm 40,9. Als er auf der Erde lebte, forderte er seine Jünger auf, seine Gebote zu halten, „wie ich meines Vaters Gebote halte“. Johannes 15,10. Durch seinen vollkommenen Gehorsam zeigte er, dass es jedem Menschen möglich ist, nach Gottes Gesetz sein Leben zu gestalten. Wenn wir uns Christus ausliefern, schlägt unser Herz wie das seine, unser Wille geht in seinem Willen auf, unsere Gedanken richten sich ganz auf ihn und er selbst lebt in uns. Dann sind wir wirklich mit dem Gewand der Gerechtigkeit bekleidet, und wenn uns der Herr anschaut, sieht er nicht den Schurz aus Feigenblättern, nicht die hässliche Nacktheit der Sünde, sondern sein eigenes Kleid der Gerechtigkeit, nämlich vollkommenen Gehorsam gegenüber seinen Geboten.

Der König prüft seine Festgäste sehr genau. Eingang bei ihm finden sie nur, wenn sie seinen Vorschriften entsprechend festliche Kleidung tragen. Den Gästen beim Evangeliumsfest ergeht es nicht anders. Der große König sieht sich jeden einzeln an, und nur jene werden angenommen, die das Gewand der Gerechtigkeit Christi angelegt haben. Gerechtigkeit heißt, das Richtige zu tun. Jeder wird also nach seiner Handlungsweise, die ja ein Spiegel seines Charakters ist, gerichtet werden. Unser Leben zeigt, ob unser Glaube echt ist. Es genügt nicht, davon überzeugt zu sein, dass Jesus kein Betrüger war und die Bibel keine raffiniert ausgedachte Geschichte ist. Selbst wenn wir glauben, dass allein Christus die Menschen erretten kann, so bedeutet das noch keineswegs, dass wir ihn auch im Glauben zu unserem persönlichen Heiland gemacht haben. Es genügt nicht, der Wahrheit zuzustimmen, sich zu Christus zu bekennen und in die Gemeindeliste eingetragen zu sein. „Und wer seine Gebote hält, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Und daran erkennen wir, dass er in uns bleibt: an dem Geist, den er uns gegeben hat.“ 1.Johannes 3,24. „Und daran merken wir, dass wir ihn kennen, wenn wir seine Gebote halten.“ 1.Johannes 2,3. Das ist der Beweis dafür, dass wir wirklich bekehrt sind. Unser Glaubensbekenntnis ist nämlich ohne Bedeutung, wenn wir Christus nicht durch Werke der Gerechtigkeit offenbaren. Wir müssen so von der Wahrheit erfüllt sein, dass sie unser ganzes Denken und Fühlen, unser Herz und Wesen prägt. Das Wort Gottes soll sich auf unseren Alltag ohne Abstriche auswirken können. Wer am Wesen Gottes teilhat, der lebt in Übereinstimmung mit seinem Gesetz, dem großen Maßstab der Gerechtigkeit. An ihm wird Gott im Gericht die Handlungsweise jedes Menschen und seinen Charakter messen.

Viele vertreten die Ansicht, beim Tod Christi sei das Gesetz abgeschafft worden, aber damit stellen sie sich in Widerspruch zu Christi eigenen Worten: „Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen … Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz …“ Matthäus 5,17.18. Gerade weil die Menschen das Gesetz übertreten hatten, starb Christus den Opfertod. Das wäre aber unnötig gewesen, wenn man das Gesetz hätte ändern oder abschaffen können. Während seines ganzen Lebens auf dieser Erde hielt Christus das Gesetz Gottes hoch, durch seinen Tod bestätigte und erfüllte er es. Er opferte sein Leben nicht, um Gottes Gesetz aufzulösen oder dessen Forderungen herunterzuschrauben, sondern um der Gerechtigkeit Genüge zu tun und zu zeigen, dass dieses Gesetz für immer unveränderlich ist.

Satan hatte damals die Behauptung aufgestellt, dass es für den Menschen völlig unmöglich sei, die Gebote Gottes zu befolgen. Tatsächlich sind wir dazu aus eigener Kraft auch nicht im Stande. Doch Christus wurde Mensch, um uns durch seinen vorbildlichen Gehorsam zu zeigen, dass auch wir mit Gottes Hilfe das Gesetz halten können. „Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben.“ Johannes 1,12. Diese Macht hat keinen menschlichen Ursprung; sie kommt von Gott. Wer Christus annimmt, dem wird auch die Kraft gegeben, nach seinem Vorbild zu leben. Gott möchte, dass seine Kinder vollkommen sind. Das Gesetz spiegelt sein Wesen wider und ist gleichzeitig der ewig gültige Maßstab für unseren eigenen Charakter, sodass kein Zweifel darüber bestehen kann, welche Art von Menschen Gott in seinem Reich haben will. Christus richtete sein Leben auf dieser Erde ganz nach dem Gesetz Gottes aus. Wer also wie Christus leben will, wird wie er auch den Geboten Gottes gehorsam sein. Solchen Menschen kann der Herr sein Vertrauen schenken und sie einmal in der himmlischen Familie willkommen heißen. Bekleidet mit dem herrlichen Gewand der Gerechtigkeit Christi, werden sie am Fest des Königs teilnehmen, denn sie haben ihre Kleider im Blut Christi gewaschen. vgl. Offenbarung 7,14.

Der Mann, der in seiner Alltagskleidung zum Fest kam, steht für viele Zeitgenossen, die sich zwar zu Christus bekennen und die angenehmen Seiten des Evangeliums in Anspruch nehmen möchten, es andererseits aber nicht für nötig halten, sich zu ändern. Sie wissen weder, was es heißt, Buße zu tun, noch ist ihnen bewusst, wie sehr sie Christus brauchen und im Glauben an ihn noch wachsen müssen. Deshalb bemühen sie sich auch nicht, ihre ererbten und anerzogenen Neigungen zur Sünde zu überwinden. Mit sich selbst vollauf zufrieden, verlassen sie sich lieber auf ihre eigenen Verdienste als auf Christus. Sie haben zwar die Evangeliumseinladung gehört, kommen aber zur Hochzeit, ohne die Gerechtigkeit Christi angezogen zu haben. Viele bezeichnen sich als Christen, die man eher moralisch hochstehende Humanisten nennen könnte. Vom Wirken des Heiligen Geistes halten sie nicht viel und verzichten damit gerade auf die Gabe, die sie allein dazu befähigen würde, der Welt eine Vorstellung vom Wesen Christi zu vermitteln. Sie sind also keine Täter des Wortes. Nur noch schwach kann man in ihrem Leben die göttlichen Grundsätze erkennen, die einen Christen eigentlich vom Nichtchristen unterscheiden. Die Nachfolger Christi sind nicht länger ein besonderes Volk, das sich deutlich abgrenzt. Die Grenze ist fließend geworden. Immer mehr so genannte Christen ordnen sich Forderungen der Welt unter und schwimmen mit dem Strom. Die Kirche hat sich durch Übertretung des Gesetzes Gottes immer mehr der Welt angepasst, obwohl sie doch die Ungläubigen durch ihren vorbildlichen Gehorsam hätte zu Jesus führen sollen. Täglich neu findet diese Hinwendung zur Welt in der Gemeinde statt. Sie alle leben in dem Glauben, durch den Opfertod Christi errettet zu sein. Auf der anderen Seite hält es keiner von ihnen für nötig, so selbstlos wie Christus zu werden. Sie reden viel von der Gnade Gottes und geben sich gern den Anschein von Gerechtigkeit, um ihre schwachen Seiten zu verbergen; doch all dies wird ihnen im letzten Gericht nichts nützen. Die Gerechtigkeit Christi bedeckt keine Sünde, an der wir bewusst festgehalten haben. Wenn sich jemand nach außen hin nichts zu Schulden kommen lässt, mag er vor der Welt als rechtschaffen gelten, obwohl er vielleicht in seinem Herzen ein Gesetzesbrecher ist. Gott jedoch sieht auch das, was wir gerne verbergen möchten, und beurteilt alles, was wir tun, nach unseren Beweggründen. Nur was mit den Grundsätzen von Gottes Gesetz übereinstimmt, wird im Gericht bestehen können.

Gott ist Liebe. Diese Liebe hat er uns durch das Geschenk Christi bewiesen. Als „er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben“ (Johannes 3,16), da enthielt er seinem erkauften Eigentum nichts vor. Er schenkte uns die Kraft des Himmels, damit der große Widersacher uns nicht zurückwerfen oder besiegen kann. Doch alle Liebe kann Gott nicht dazu verleiten, die Sünde als solche zu entschuldigen. Das tat er weder bei Satan noch bei Adam und Kain; und auch bei keinem anderen Menschen wird er das je tun. Er wird nicht „eben mal ein Auge zudrücken“, wenn wir sündigen, oder unsere Charakterfehler einfach übersehen. Vielmehr erwartet er, dass wir mit seiner Hilfe alles Schlechte überwinden. Wer das Geschenk der Gerechtigkeit Christi zurückweist, lehnt damit die Charaktermerkmale ab, die einen Menschen zum Sohn oder zur Tochter Gottes machen. Er verzichtet damit auf die einzige Möglichkeit, würdig zu werden für die Teilnahme an der Hochzeitsfeier. Als der König im Gleichnis fragte: „Freund, wie bist du hier hereingekommen und hast doch kein hochzeitliches Gewand an?“, da konnte der Mann darauf nichts erwidern. Genauso wird es auch am großen Gerichtstag sein. Jetzt haben die Menschen für ihre Charakterfehler immer Entschuldigungen bereit, aber am Jüngsten Tag werden sie keine Ausrede mehr vorbringen können.

Die christlichen Kirchen unserer Tage sind in hohem Maße geistlich gesegnet, mehr noch als das alte Volk Israel; denn der Herr offenbart sich uns in immer hellerem Licht. Wir besitzen heute ja nicht nur das helle Licht, das Israel gegeben worden war, sondern haben darüber hinaus die sichere Erkenntnis, dass Christus uns erlöst hat. Was den Juden Vorbild und Symbol blieb, ist für uns Wirklichkeit. Sie besaßen das Alte Testament; wir haben dazu noch das Neue Testament und mit ihm die Gewissheit, dass der Heiland auf die Welt gekommen und gekreuzigt worden ist, dass er vom Tod auferstanden ist und von sich sagen konnte: „Ich bin die Auferstehung und das Leben.“ Johannes 11,25. Wenn wir Christus und seine Liebe erkennen, wird das Reich Gottes mitten unter uns aufgerichtet. Jesus wird uns in Predigten und Liedern immer wieder nahe gebracht. Das geistliche Festmahl ist uns bereitet, und jedem wird ein überaus kostbares Feierkleid als Geschenk angeboten. Mitarbeiter Gottes weisen uns hin auf die Gerechtigkeit Christi, die Rechtfertigung durch den Glauben, die großartigen und wunderbaren Verheißungen des Wortes Gottes, den freien Zugang zum Vater durch Christus, den Beistand des Heiligen Geistes und die Zusage, dass wir einmal im Reich Gottes das ewige Leben erhalten werden. Was hätte Gott bei der Zubereitung des großen himmlischen Festmahles darüber hinaus überhaupt noch tun können?

Im Himmel sagen die dienenden Engel: Wir haben unseren Auftrag ausgeführt und das Heer der bösen Engel zurückgedrängt. Wir haben den Menschen Licht und Klarheit geschenkt; wir haben sie an die Liebe Gottes erinnert, die sich in Jesus offenbart. Wir haben ihr Augenmerk auf das Kreuz Christi gelenkt. Die Erkenntnis, dass die Sünde den Sohn Gottes ans Kreuz brachte, hat viele tief bewegt und sie erkennen lassen, dass sie umkehren sollten. Sie haben die Kraft des Evangeliums erfahren, und die Liebe Gottes hat ihr Herz berührt. Sie wissen um das vollkommene Wesen Christi. Leider war aber bei den meisten dennoch alles umsonst. Sie wollen ihre alten Gewohnheiten und Fehler nicht aufgeben, wollen ihr Alltagskleid nicht ablegen, um das Kleid der Gerechtigkeit Christi anzuziehen. Sie haben sich ganz und gar der Jagd nach Geld verschrieben und lieben die Welt mehr als Gott. Der Tag der endgültigen Entscheidung wird sehr ernst sein. In prophetischer Schau beschreibt ihn der Apostel Johannes so: „Und ich sah einen großen, weißen Thron und den, der darauf saß; vor seinem Angesicht flohen die Erde und der Himmel, und es wurde keine Stätte für sie gefunden. Und ich sah die Toten, groß und klein, stehen vor dem Thron, und Bücher wurden aufgetan. Und ein andres Buch wurde aufgetan, welches ist das Buch des Lebens. Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben steht, nach ihren Werken.“ Offenbarung 20,11.12.

Traurig wird die Rückschau sein an dem Tag, an dem die Menschen der Ewigkeit gegenüberstehen. Dann sehen sie ihr Leben so, wie es wirklich gewesen ist. Sie erkennen, dass Vergnügen, Reichtum und Ehre der Welt völlig unwichtig sind und dass es allein auf die Gerechtigkeit ankommt, die sie so leichtfertig ausgeschlagen haben. Sie merken, wie sehr sie sich von den trügerischen Verlockungen Satans haben prägen lassen und dass die Kleider, die sie wählten, ein Ausdruck ihrer Treue zum Bösen sind. Erst jetzt wird ihnen bewusst, wohin ihr Leben geführt hat, und sie müssen nun in aller Bitterkeit erfahren, was es heißt, die Gebote Gottes übertreten zu haben. Danach wird es keine weitere Bewährungszeit für die Ewigkeit geben. In diesem Leben müssen wir das Gewand der Gerechtigkeit Christi anziehen. Nur dann sind wir fähig, uns charakterlich so zu entwickeln, dass wir einmal dort wohnen können, wo Christus alle erwartet, die seine Gebote halten. Die Gnadenzeit nähert sich schnell ihrem Ende. Christus warnt uns: „Hütet euch aber, dass eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen und mit täglichen Sorgen und dieser Tag nicht plötzlich über euch komme wie ein Fallstrick.“ Lukas 21,34. Hüten wir uns davor, unvorbereitet und ohne hochzeitliches Kleid angetroffen zu werden, wenn das königliche Mahl bereit ist. „Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr‘s nicht meint.“ Matthäus 24,44. „Selig ist, der da wacht und seine Kleider bewahrt, damit er nicht nackt gehe und man seine Blöße sehe.“ Offenbarung 16,15.

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