Christentum

Christentum

Das Christentum ist eine Weltreligion, die aus dem Judentum hervorging. Ihre Anhänger werden Christen genannt, die Gesamtheit der Christen wird auch als Christenheit bezeichnet. Von zentraler Bedeutung für das Christentum ist Jesus von Nazaret, ein jüdischer Wanderprediger, der in den Jahren 27–31 n. Chr. öffentlich auftrat und in Jerusalem auf Anstiften von jüdischen Geistlichen durch den römischen Staat hingerichtet wurde. Seine Jünger erkannten in ihm nach seiner Kreuzigung und Auferstehung den Sohn Gottes und den vom Judentum erwarteten Messias. Die zahlreichen Konfessionen bzw. Kirchen innerhalb des Christentums lassen sich in fünf Hauptgruppen zusammenfassen: die römisch-katholische Kirche, die orthodoxen Kirchen, die protestantischen Kirchen, die anglikanischen Kirchen und die Pfingstbewegung. Mit rund 2,3 Milliarden Anhängern ist das Christentum vor dem Islam (über 1,8 Milliarden) und dem Hinduismus (rund 900 Millionen) die weltweit am weitesten verbreitete Religion.

Mit der Verwerfung Jesu Christi, dem Befreier der Israeliten aus Ägypten und Urheber der jüdischen Religion, auf den alle sinnbildlichen gottesdienstlichen Handlungen der Juden hinwiesen, besiegelte die jüdische Nation ihr Schicksal. Die Tage Israels als bevorzugte und gesegnete Nation gingen zu Ende. „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden. Vom Herrn ist das geschehen, und er ist ein Wunder vor unsern Augen. Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch genommen und einem Volk gegeben werden, das seine Früchte bringt.“ (Mt. 21,42.43) Der Eckstein Jesu Christi wurde durch die jüdische Nation verworfen, doch war gerade er der vorhergesagte Messias, auf dessen Grundlage das Volk Gottes fortbestehen konnte. Unter denen, die sich zu Christus bekennen, hat es seit jeher zwei Gruppen gegeben. Während sich die eine mit dem Leben des Erlösers beschäftigt und sich ernsthaft bemüht, ihre Fehler zu korrigieren und seinem Vorbild immer ähnlicher zu werden, geht die andere den praktischen Wahrheiten aus dem Weg, die ihre Irrtümer bloßstellen. Als die Christen einwilligten, sich mit denen zusammenzutun, die dem Heidentum nur halbherzig abgesagt hatten, betraten sie einen Pfad, der sie immer weiter von der Wahrheit wegführte. Diese abtrünnigen Christen verbanden sich mit ihren halb-heidnischen Gefährten und verfälschten und bekämpften die wichtigen Fundamente der christlichen Lehre. 

In seinem zweiten Brief an die Gemeinde in Thessalonich kündete der Apostel Paulus einen großen Abfall an, der zur Errichtung des geistlichen Roms führen würde. Er schrieb: „Lasst euch durch niemand und auf keine Weise täuschen! Denn zuerst muss der Abfall von Gott kommen und der Mensch der Gesetzwidrigkeit erscheinen, der Sohn des Verderbens, der Widersacher, der sich über alles, was Gott oder Heiligtum heißt, so sehr erhebt, dass er sich sogar in den Tempel Gottes setzt und sich als Gott ausgibt.“ Weiter warnte der Apostel seine Brüder: „Denn die geheime Macht der Gesetzwidrigkeit ist schon am Werk; nur muss erst der beseitigt werden, der sie bis jetzt noch zurückhält.“ (2. Thessalonicher 2,3.4.7 EÜ) Schon zu dieser frühen Zeit sah er voraus, dass sich Irrtümer in die Gemeinde einschleichen und den Weg für die Papstkirche ebnen würden. Paulus schrieb: „Denn das weiß ich, dass nach meinem Abschied reißende Wölfe zu euch kommen, die die Herde nicht verschonen werden. Auch aus eurer Mitte werden Männer aufstehen, die Verkehrtes reden, um die Jünger an sich zu ziehen.“ (Apg. 20,29.30) Ganz allmählich, erst heimlich und stillschweigend, mit zunehmender Macht, aber immer offener gewann „das Geheimnis der Gesetzesfeindschaft“ (2. Thessalonicher 2,7 ZÜ) die Herrschaft über die Menschen und setzte sein trügerisches und gotteslästerliches Werk fort. Fast unmerklich fanden heidnische Bräuche Eingang in die christliche Kirche. Der Geist des Kompromisses und der Anpassung wurde eine Zeit lang durch heftige Verfolgungen zurückgehalten, die die Kirche unter dem Heidentum erdulden musste. Doch als die Verfolgungen aufhörten und das Christentum in Höfe und Paläste einzog, legte es die demütige Einfachheit Christi und seiner Apostel ab und machte dem Gepränge und Stolz heidnischer Priester und Herrscher Platz. An die Stelle von Gottes Geboten traten menschliche Theorien und Traditionen. Die formale Bekehrung von Kaiser Konstantin Anfang des vierten Jahrhunderts löste große Freude aus, und die Welt hielt unter dem Deckmantel der Gerechtigkeit Einzug in die christliche Kirche. Jetzt schritt der Prozess der Verfälschung rasch voran. Das scheinbar besiegte Heidentum wurde zum Sieger. Sein Geist beherrschte die Kirche. Heidnische Lehren, Zeremonien und Aberglaube verbanden sich mit dem Glauben und dem Gottesdienst der bekennenden Nachfolger Christi. Aus diesem Kompromiss zwischen Heidentum und Christentum entstand der „Mensch der Gesetzwidrigkeit“ (2. Thessalonicher 2,3 EÜ), der durch die Prophetie vorhergesagt worden war, der sich über Gott erhob und ihm entgegenstand. Dieses gigantische System falscher Religion ist ein Meisterwerk satanischer Macht, ein Denkmal seiner Bemühungen, sich selbst auf den Thron zu setzen, um die Welt nach seinem Willen zu regieren. Falsche Lehren wurden im Laufe der Jahrhunderte an die Stelle biblischer Wahrheiten gesetzt und so entstanden Irrlehren wie z.B. die Unsterblichkeit der Seele, Sonntagsheiligung, Verehrung von Heiligen, Eucharistiefeier, Fegefeuer, Zölibat, Bilderverehrung, Ablasslehre, Kindertaufe, Priesterbeichte und viele mehr. Gott hatte stets einfache und treue Nachfolger, die allein die Bibel als Richtschnur ihres Glaubens hochhielten. Durch das mächtige System der Papstkirche wurden diese jedoch über Jahrhunderte verfolgt und verbannt, die Bibel wurde verdrängt und menschliche Irrlehren verfinsterten die Gemüter des Volks.

Gott bewahrte sich jedoch zu allen Zeiten einen Überrest, der von Zeit zu Zeit in Erscheinung trat und versuchte, das Volk zurück zu den Lehren der Bibel zu führen. Die Waldenser und die Hugenotten, Wyclif und Huss, Hieronymus und Luther, Tyndale und Knox, Zinzendorf und Wesley und viele andere haben die Macht des Wortes Gottes gegen die menschliche Macht und Politik zugunsten des Bösen bezeugt. Durch die Arbeit von Wyclif, Huss und anderen Gleichgesinnten hatten Tausende von edlen Zeugen Zeugnis für die Wahrheit abgelegt; doch zu Beginn des sechzehnten Jahrhunderts lag die Finsternis der Unwissenheit und des Aberglaubens immer noch wie ein Schleier über der Kirche und der Welt. Die Religion bestand aus einem Reigen von Zeremonien, von denen viele dem Heidentum entlehnt waren und die alle von Satan ersonnen wurden, um die Menschen von Gott und der Wahrheit wegzuführen. Die Verehrung von Bildern und Reliquien wurde beibehalten. Die biblische Ordnung des Abendmahls wurde durch das götzendienerische Opfer der Messe verdrängt. Päpste und Priester beanspruchten die Macht, Sünden zu vergeben und die Pforten des Himmels für alle Menschen zu öffnen und zu schließen. Sinnloser Aberglaube und rigorose Vorschriften traten an die Stelle der wahren Gottesverehrung. Das Leben der Päpste und des Klerus war so verdorben, ihr stolzer Anspruch so gotteslästerlich, dass gute Menschen um die Moral der heranwachsenden Generation bangten.
Das Evangelium wurde den Menschen vorenthalten. Es wurde als Verbrechen angesehen, die Heilige Schrift zu besitzen oder zu lesen. Selbst für die höheren Schichten war es schwierig, einen Blick auf das Wort Gottes zu erhaschen. Satan wusste sehr wohl, dass seine Täuschungsmanöver schnell an Kraft verlieren würden, wenn man den Menschen erlaubte, die Bibel selbst zu lesen und auszulegen. Daher war er bestrebt, die Heilige Schrift vor den Menschen zu verbergen und zu verhindern, dass ihr Geist durch die Wahrheiten des Evangeliums erleuchtet wurde. Aber der Tag des religiösen Lichts und der Freiheit war im Begriff, über die Welt hereinzubrechen, und alle Bemühungen Satans und seiner Heerscharen waren machtlos, sein Kommen zu verhindern.

Martin Luther erkannte die Gefahr, menschliche Lehrsätze über das Wort Gottes zu erheben und trat der Philosophie und Theologie, die so lange einen herrschenden Einfluss auf das Volk ausgeübt hatten, entgegen. Johannes Calvin arbeitete fast dreißig Jahre in Genf, einmal, um dort eine Gemeinde zu gründen, die sich an die reine Sittlichkeit der Bibel hielte, und dann, um die Reformation über ganz Europa auszudehnen. Seine Art und Weise als öffentlicher Lehrer war nicht ohne Fehler, noch waren seine Lehren frei von Irrtum. Aber er war das Werkzeug der Verkündigung der großen Wahrheiten, die in seiner Zeit von besonderer Wichtigkeit waren, zur Aufrechterhaltung der Grundsätze des Protestantismus gegen die rasch zurückkehrende Flut des Papsttums und zur Förderung eines reinen und einfachen Lebens in den reformierten Gemeinden an Stelle des Stolzes und der Verderbnis, die durch die päpstlichen Lehren genährt wurden. Die beiden Wesley Brüder waren als Mitglieder der anglikanischen Kirche zwar den Formen ihres prunkvollen Gottesdienst sehr ergeben; aber der Herr hatte ihnen in seinem Wort ein höheres Ziel gezeigt. Der Heilige Geist nötigte sie, Christus, den Gekreuzigten, zu predigen. Die Macht des Höchsten begleitete ihre Arbeit. Tausende wurden überzeugt und wahrhaft bekehrt. Diese Schafe sollten vor den reißenden Wölfen geschützt werden. Wesley dachte zwar nicht im geringsten daran, eine neue Gemeinschaft zu gründen, doch vereinigte er seine Anhänger in einer sogenannten methodistischen Verbindung. Einige Geistliche wurden aus ihrer sittlichen Erstarrung aufgerüttelt und begannen eifrig in ihren eigenen Pfarreien zu predigen. Gemeinden, die durch ein veräußerlichtes Formenwesen versteinert waren, erwachten zu geistlichem Leben. Nach einiger Zeit bekundeten jedoch viele Geistliche eine ausgesprochene Feindschaft gegen sie, und die Türen der Kirche wurden dem reinen Glauben sowie denen, die ihn verkündigten, verschlossen… Die Methodisten jener Zeit — das Volk und auch die Prediger — ertrugen Spott und Verfolgung sowohl von Kirchengliedern als auch von den offenbar Gottlosen, die sich durch die falschen Darstellungen jener anstacheln ließen. Die englischen Reformatoren hatten, während sie den Lehren der römisch-katholischen Kirche entsagten, viele ihrer Formen beibehalten. Wenn auch der Anspruch und das Glaubensbekenntnis Roms verworfen war, wurden doch im Gottesdienst der anglikanischen Kirche viele seiner Sitten und Gebräuche geübt. Man behauptete, dass diese Dinge keine Gewissensfragen seien, weil sie in der Heiligen Schrift nicht geboten, deshalb auch nicht wesentlich, und weil sie nicht verboten, auch eigentlich nicht unrecht seien. Ihre Befolgung diene dazu, die Kluft, welche die protestantischen Kirchen von Rom trenne, zu verringern, und man betonte, dass sie die Annahme des protestantischen Glaubens durch die Anhänger Roms erleichtere. Viele wünschten ernstlich zu der Reinheit und Schlichtheit zurückzukehren, welche die erste Gemeinde ausgezeichnet hatten. Viele der in der anglikanischen Kirche eingeführten Gebräuche betrachteten sie als Denkmäler des Götzendienstes, und sie konnten sich nicht mit gutem Gewissen an ihrem Gottesdienst beteiligen. Die Kirche jedoch, vom Staat unterstützt, duldete keine Abweichung von ihren gottesdienstlichen Formen. Der Besuch ihrer Gottesdienste wurde vom Gesetz verlangt, und unerlaubte religiöse Versammlungen waren bei Androhung von Kerker, Verbannung und Todesstrafe untersagt. Als sich die Puritaner gezwungen fühlten, sich von der anglikanischen Kirche zu trennen, schlossen sie untereinander einen feierlichen Bund, als freies Volk des Herrn in „allen seinen Wegen, die ihnen bekannt waren oder noch bekanntgemacht würden, gemeinsam zu wandeln“. Dies war der wahre Geist der Freiheit, die lebendige Grundlage des Protestantismus. Mit diesem Vorsatz verließen die Pilger Holland um in der Neuen Welt eine Heimat zu suchen. John Robinson, ein puritanischer Prediger, sagte in einer Rede: „Was mich anbetrifft, so kann ich den Zustand der reformierten Kirchen nicht genug beklagen, die in der Religion bis zu einer gewissen Stufe gelangt sind und nicht weitergehen wollen, als die Werkzeuge ihrer Erneuerungsbewegung gegangen sind. Die Lutheraner sind nicht zu veranlassen, über das hinauszugehen, was Luther sah … Und die Calvinisten bleiben, wie ihr seht, da stehen, wo sie von jenem großen Gottesmann, der noch nicht alle Dinge sah, zurückgelassen wurden. Dies ist ein sehr beklagenswertes Elend; denn wenn jene Männer in ihrer Zeit auch brennende und leuchtende Lichter waren, so erkannten sie doch nicht alle Ratschläge Gottes; sie würden aber, lebten sie jetzt, ebenso bereit sein, weiteres Licht anzunehmen, wie sie damals bereit waren, das erste zu empfangen.“

Den von Robinson und Rogger Williams auf so edle Weise verteidigten Grundsatz, dass die Wahrheit sich entfaltet, und dass die Christen bereit sein sollten, alles Licht anzunehmen, das aus Gottes heiligem Wort scheinen mag, verloren ihre Nachkommen aus den Augen. Die protestantischen Kirchen Amerikas und auch Europas, die so sehr begünstigt worden waren, indem sie die Segnungen der Reformation empfingen, drangen auf dem Pfad der Reform nicht weiter vor. Wenn auch von Zeit zu Zeit etliche treue Männer auftraten, um neue Wahrheiten zu verkündigen und lang gehegte Irrtümer bloßzustellen, so war doch die Mehrzahl, wie die Juden in den Tagen Christi oder die Päpstlichen zur Zeit Luthers, damit zufrieden, zu glauben, was ihre Väter geglaubt, und zu leben, wie ihre Väter gelebt hatten. Deshalb artete ihre Religion abermals in Formenwesen aus, und Irrtümer und Aberglaube die man verworfen hätte, wäre die Gemeinde weiterhin im Lichte des Wortes Gottes gewandelt, wurden beibehalten und gepflegt. Auf diese Weise starb der von der Reformation eingeflößte Geist allmählich aus, bis sich in den protestantischen Kirchen ein beinahe ebenso großes Bedürfnis nach einer Reformation einstellte wie in der römischen Kirche zur Zeit Luthers. Es herrschte die gleiche weltliche Gesinnung, die gleiche geistliche Abgestumpftheit, eine ähnliche Ehrfurcht vor den Ansichten der Menschen, und man ersetzte die Lehren des Wortes Gottes durch menschliche Theorien. Als der Geist der Demut und Frömmigkeit in der Kirche von dem Stolz und dem Formenwesen verdrängt wurde, war die Liebe zu Christus und der Glaube an seine Wiederkunft erkaltet. Das bekennende Volk Gottes war ganz in Weltlichkeit und Vergnügungssucht aufgegangen und dadurch blind geworden für die Lehren des Heilandes hinsichtlich der Zeichen vor seinem Kommen

William Miller und andere eifrige Bibelstudenten wurden durch fleißiges Studium der Prophetie zur Überzeugung geführt, dass der Ablauf der 2300 Abende und Morgen aus Daniel 8,14 im Jahr 1844 ein höchst bedeutsames Ereignis darstellt. Obgleich ihre Berechnungen richtig waren, so erkannten sie die Bedeutung der angekündigten Reinigung des Heiligtums nicht, doch bereiteten sie den Weg für die Adventbewegung, welche durch fleißiges Bibelstudium und den Geist der Weissagung die Bedeutung der letzten und wichtigsten Botschaft für die Endzeit entdeckte (vgl. Offb. 14,6-12). Das richtige Verständnis dieser Botschaften ist von entscheidender Bedeutung und so erkannte man lange verdunkelte Wahrheiten der Bibel wieder, z.B.: die ewige Gültigkeit der 10 Gebote, die Bedeutung des Sabbats, den hohepriesterlichen Dienst Jesu im himmlischen Heiligtum und den Beginn des Untersuchungsgerichts. Alle christlichen Kirchen und Konfessionen, alle Religionen, welche diese Botschaften ablehnen, lehnen die gegenwärtige Wahrheit Jesu ab, die bis zur Wiederkunft Jesu von heilsentscheidender Bedeutung ist.

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