Jesu Quellen der Inspiration & Kraft

Jesu Quellen der Inspiration & Kraft

Das Leben des Heilandes auf Erden war ein Leben der Gemeinschaft mit der Natur und mit Gott. In dieser Gemeinschaft offenbarte er für uns das Geheimnis eines kraftvollen Lebens.   
Jesus war ein ernster, beständiger Arbeiter. Niemals lebte unter den Menschen ein anderer, auf dem so viel Verantwortung ruhte, kein anderer trug je eine so schwere Last des Kummers und der Sünden der Welt. Kein anderer wirkte jemals mit solchem sich selbst verzehrenden Eifer zum Besten der Menschen, und doch war sein Leben ein Leben der Gesundheit. Er war sowohl körperlich wie geistig durch das geopferte Lamm dargestellt, ohne Makel und Fehl. (1.Petrus 1,19) Er war an Leib und Seele ein Vorbild von dem, was die ganze Menschheit nach dem Willen Gottes durch Gehorsam gegen seine Gesetze sein sollte. Als das Volk auf Jesum blickte, sahen sie ein Angesicht, in welchem göttliches Mitleid mit bewusster Kraft verbunden war. Er schien von einer Atmosphäre geistigen Lebens umgeben zu sein. Während sein Benehmen freundlich und anspruchslos war, machte er auf die Menschen doch einen gewaltigen Eindruck. Diese Kraft war wohl verborgen, aber sie konnte doch nicht gänzlich verhüllt werden. Während seines Lehramtes wurde er beständig von verschlagenen und heuchlerischen Menschen verfolgt, die ihm nach dem Leben trachteten. Spione waren auf seiner Fährte, passten auf seine Worte auf, um etwas gegen ihn zu finden. Die scharfsinnigsten und gelehrtesten Geister der Nation suchten ihn in Streitfragen zu überwinden, aber sie konnten niemals einen Vorteil erlangen. Verwirrt und durch den einfachen Lehrer von Galiläa beschämt, mussten sie sich zurückziehen. Die Lehren Christi waren von einer Frische und einer Macht, wie Menschen sie niemals vorher gesehen hatten. Selbst seine Feinde mussten bekennen: „Es hat nie ein Mensch so geredet wie dieser Mensch.“ (Johannes 7,46)

Die Kindheit Jesu, in Dürftigkeit verbracht, hatten die erkünstelten Gewohnheiten eines verdorbenen Zeitalters nicht beeinflussen können. Indem er als Zimmermann arbeitete, die Lasten des häuslichen Lebens trug, Gehorsam und Arbeit kennenlernte, fand er seine Erholung in der Natur und sammelte sich Kenntnisse, während er die Geheimnisse der Natur zu verstehen suchte. Er erforschte das Wort Gottes, und seine glücklichsten Stunden waren die, wenn er seine Arbeit verlassen und in die freie Natur gehen konnte, um in den stillen Tälern nachzudenken, auf den Bergen oder unter den Bäumen des Waldes Gemeinschaft mit Gott zu pflegen. Oft fand ihn der frühe Morgen an einem einsamen Orte in Betrachtungen versunken, die Schrift erforschend oder im Gebet. Mit Gesang begrüßte er das Morgenlicht, mit Dank- und Lobliedern erheiterte er seine Arbeitszeit und brachte des Himmels Freudigkeit den Ermüdeten und Verzagten. Während seines Lehramtes lebte er zum großen Teil in der freien Natur. Seine Reisen von Ort zu Ort wurden zu Fuß zurückgelegt und viele seiner Lehren wurden im Freien erteilt. Er zog sich von dem Leben und Treiben der Stadt nach der Stille von Wald und Flur zurück, um seine Jünger heranzubilden, da dies mehr in Übereinstimmung mit den Lehren der Einfachheit, des Glaubens und der Selbstverleugnung stand, die er ihnen einzuprägen wünschte.

Unter den schützenden Bäumen am Bergesabhang, nur eine kleine Strecke von dem Galiläischen Meer entfernt, berief er die Zwölfe zu dem Apostelamt; dort hielt er auch die Bergpredigt. Christus versammelte das Volk gern unter dem blauen Himmel um sich, auf einem grünen Hügel oder an dem Ufer des Sees. Hier konnte er, umgeben von den Werken seiner Schöpfung, ihre Gedanken von dem Künstlichen auf das Natürliche richten. In dem Wachstum und der Entwicklung der Natur waren die Grundsätze seines Reiches offenbart.   
Wenn die Menschen ihre Augen aufhoben zu den Bergen Gottes und die wunderbaren Werke seiner Hand betrachteten, konnten sie köstliche Lehren göttlicher Wahrheit empfangen. In künftigen Zeiten wurden ihnen durch eben diese Dinge in der Natur die herrlichen Worte des göttlichen Lehrers von neuem ins Gedächtnis zurückgerufen. Ihr Geist wurde so emporgehoben und das Herz fand Ruhe.

Den Jüngern, welche mit ihm in seiner Arbeit verbunden waren, gewährte Jesus öfter eine frei Zeit, damit sie ihr Heim besuchen und ausruhen könnten; aber vergeblich waren ihre Bemühungen, ihn von seiner Arbeit wegzuziehen. Den ganzen Tag diente er der Menge, welche zu ihm kam, und abends oder frühmorgens ging er in das Heiligtum der Berge und suchte Gemeinschaft mit seinem Vater.   
Oft erschöpften ihn seine unaufhörliche Arbeit und der Kampf mit den feindlichen Rabbinern und ihrer falschen Lehre so gänzlich, dass seine Mutter und Brüder und selbst seine Jünger fürchtete, dass es sein Leben aufzehren würde. Aber wenn er von dem Gebet zurückkehrte, welches den arbeitsreichen Tag beschloss, so bemerkten sie den Ausdruck des Friedens auf seinem Angesicht, die Lebensfrische und Kraft, welche sein ganzes Wesen zu durchdringen schien. Von den Stunden, die er allein mit seinem himmlischen Vater zubrachte, trat er jeden neuen Morgen hervor, um den Menschen das Licht des Himmels zu bringen.


Eine Ruhezeit 

Kurz nach der Rückkehr von ihrer ersten Missionsreise gebot Jesus seinen Jüngern: Lasset uns besonders gehen und ein wenig ruhen. Die Jünger waren zurückgekehrt, mit Freude erfüllt über ihren Erfolg als Verkündiger des Evangeliums, als sie die Nachricht von dem Tode Johannes des Täufers durch die Hand des Herodes erhielten. Es war für sie ein schwerer Kummer und eine Enttäuschung. Jesus wusste, dass er den Glauben der Jünger schwer geprüft hatte, indem er den Täufer im Gefängnis sterben ließ. Mit mitleidsvoller Zärtlichkeit blickte er auf ihre kummervollen, tränenfeuchten Angesichter. In seinen eigenen Augen standen Tränen und seine Stimme zitterte als er sagte: „Lasst uns besonders an eine wüste Stätte gehen, und ruht ein wenig.“ (Markus 6,31) Am nördlichen Ende des Galiläischen Meeres, nahe Bethsaida, war ein einsamer Ort, der zur Zeit in dem frischen Grün des Frühlings prangte und Jesus und seinen Jüngern einen willkommenen Zufluchtsort bot. Diesen Ort wollten sie jetzt aufsuchen, indem sie in ihrem Boot über den See fuhren. Hier konnten sie ruhen, abgesondert von dem Lärm der Menge. Hier konnten die Jünger auf die Worte Christi lauschen, ohne dass sie durch die Anschuldigungen und den Tadel der Pharisäer gestört wurden. Sie hofften, sich hier einer Kurzen Zeit der Gemeinschaft mit ihrem Herrn erfreuen zu können. Jesus genoss hier nur eine kurze Zeit mit seinen geliebten Jüngern; aber wie köstlich waren für sie solche kurze Augenblicke! Sie sprachen zusammen über das Werk des Evangeliums und über die Möglichkeit, ihre Arbeit durch Erreichung des Volkes erfolgreicher zu gestalten. Als Jesus ihnen die Schätze der Wahrheit öffnete, wurden sie von göttlicher Kraft belebt und mit Hoffnung und Mut erfüllt.

Bald suchte ihn die Menge wiederum auf. Da sie annahmen, dass er nach seinem gewohnten Ort gegangen sei, wohin er sich manchmal zu Ruhe zurückzog, folgte ihm das Volk hierher nach. Seine Hoffnung, nur eine kurze Stunde der Ruhe zu genießen, war vereitelt. Aber in den Tiefen seines reinen, mitleidsvollen Herzens hatte der gute Hirte der Schafe nur Liebe und Mitleid für diese ruhelosen, dürstenden Seelen. Den ganzen Tag diente er ihnen, und des Abends entließ er sie, damit sie nach Hause gehen und ruhen sollten. In einem Leben, welches gänzlich dem Besten anderer gewidmet war, fand der Heiland es notwendig, sich von der unaufhörlichen Tätigkeit und der Berührung mit menschlichen Bedürfnissen abzuwenden, um die Zurückgezogenheit und ungestörte Gemeinschaft mit seinem Vater zu suchen. Als die Menge, die ihm gefolgt war, ihn verließ, ging er ins Gebirge und dort, wo er allein mit seinem Gott war, schüttete er sein Herz aus und bat für diese leidenden, dürftigen, sündigen Seelen. Wenn Jesus zu seinen Jüngern sagte, dass die Ernte groß sei und der Arbeiter nur wenige, so drängte er sie damit nicht zu unaufhörlicher Arbeit, sondern sprach zu ihnen: „Bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende.“ (Matthäus 9,38) Diese Worte innigen Mitgefühls: „Lasst uns besonders … gehen und ruht ein wenig“, galten nicht nur den ersten Jüngern, sondern ebenso wohl seinen ermüdeten Arbeitern heutzutage. Alle, die sich in der Schule Gottes befinden, bedürfen einer stillen Stunde des Gebets, wo sie mit ihrem eigenen Herzen, mit der Natur und mit Gott verkehren können. In ihnen soll ein Leben offenbart werden, welches nicht im Einklang mit der Welt, ihren Gewohnheiten oder Gebräuchen steht; und jeder muss eine persönliche Erfahrung darin haben, den Willen Gottes kennen zu lernen. Wir müssen ihn, ein jeder für sich, zu dem Herrn sprechen hören. Wenn jede andere Stimme schweigt und wir in Ruhe vor ihm warten, so macht die Stille der Seele die Stimme Gottes deutlicher. Er gebietet uns: „Seid stille, und erkennt, dass ich Gott bin.“ (Psalm 46,11) Dies ist die erfolgreiche Vorbereitung auf alle Arbeit im Dienste Gottes. Wer auf diese Weise erquickt ist, wird inmitten der eilenden Menge und dem Drang der anspannenden Tätigkeit des Lebens mit einer Atmosphäre des Lichts und Friedens umgeben sein. Er wird mit neuer körperlicher und geistiger Kraft angetan werden. Sein Leben wird ein Wohlgeruch ausströmen und göttliche Macht offenbaren, welche das Herz der Menschen erreicht.