Satans Hass gegen das Gesetz

Satans Hass gegen das Gesetz

Den Versuch, Gottes Gesetz zu beseitigen, unternahm Satan bei den sündlosen Bewohnern des Himmels. Damit schien er eine Zeitlang Erfolg zu haben. Viele Engel ließen sich verführen; aber sein scheinbarer Triumph endete mit Niederlage und Verlust, mit der Trennung von Gott und der Verbannung aus dem Himmel (Offenbarung 12,7-9). Als er den Kampf auf der Erde erneut aufnahm, gewann Satan scheinbar wieder das Übergewicht. Durch Gesetzesübertretung wurde der Mensch sein Gefangener und dessen Reich außerdem an den Erzrebellen verraten. Nun schien der Weg für Satan dafür offenzustehen, ein unabhängiges Reich aufzurichten und sich der Autorität Gottes und seines Sohnes zu widersetzen. Aber der Erlösungsplan ermöglichte es dem Menschen, wieder in Übereinstimmung mit Gott zu gelangen und seinem Gesetz zu gehorchen. Für den Menschen und die Erde kam schließlich die Errettung aus der Gewalt des Bösen. Von neuem wurde Satan geschlagen, und wieder nahm er seine Zuflucht zum Betrug in der Hoffnung, seine Niederlage in Sieg zu verwandeln. Um bei dem gefallenen Geschlecht Empörung zu erregen, unterstellte er Gott Ungerechtigkeit, weil er es duldete, dass die Menschen sein Gesetz übertraten. „Warum“, so fragte der listige Versucher, „ließ Gott es zu, dass der Mensch in Versuchung geriet zu sündigen, wenn er doch wusste, dass die Folgen Elend und Tod sein würden?“ Und die Kinder Adams übersahen die langmütige Barmherzigkeit, die ihnen noch eine Bewährung zugestand. Ohne das unbegreifliche Opfer zu achten, das ihre Auflehnung den König des Himmels kostete, liehen sie dem Versucher das Ohr und murrten gegen das einzige Wesen, das sie von der verderblichen Gewalt Satans erretten konnte.   

Tausende wiederholen heute dieselben aufrührerischen Anklagen gegen Gott. Sie sehen nicht ein, dass man einem Menschen sein Vorrecht als vernunftbegabtes Wesen raubte und ihn zum bloßen Automaten machte, wenn man ihm die Willensfreiheit nähme. Gott will keinen Zwang ausüben. Der Mensch wurde als sittlich frei handelndes Wesen geschaffen. Wie die Bewohner aller anderen Welten muss er sich einer Gehorsamsprobe unterziehen. Aber er kommt niemals in eine solche Lage, dass er dem Bösen mit unausweichlicher Notwendigkeit nachgeben müsste. Keine Versuchung oder Anfechtung darf ihm begegnen, der er nicht widerstehen könnte. Gott hat umfassende Vorsorge dafür getroffen, dass der Mensch im Kampf mit Satan niemals überwältigt werden muss.

Als sich die Menschen auf der Erde mehrten, schloss sich fast die gesamte Welt der Empörung an. Noch einmal schien es, als habe Satan den Sieg davongetragen. Aber wieder unterbrach Gottes Allmacht das Wirken der Bosheit und reinigte die Erde durch die Sintflut von ihrer sittlichen Verdorbenheit. Der Prophet sagt: „Wenn deine Gerichte über die Erde gehen, so lernen die Bewohner des Erdkreises Gerechtigkeit. Aber wenn dem Gottlosen Gnade widerfährt, so lernt er doch nicht Gerechtigkeit … und sieht des Herrn Herrlichkeit nicht.“ (Jesaja 26,9.10) So war es nach der Sintflut. Kaum waren die Erdbewohner von Gottes Strafgericht befreit, empörten sie sich wieder gegen ihn. Zweimal schon hatte die Welt Gottes Bund und seine Gebote verworfen. Sowohl die Menschen vor der Sintflut als auch Noahs Nachkommen lehnten Gottes Autorität ab. Dann machte Gott einen Bund mit Abraham und erwählte sich ein Volk, das der Hüter seines Gesetzes werden sollte. Und sogleich begann Satan seine Fallstricke zu legen, um auch dieses Volk zu verführen und zu vernichten. Er verleitete die Kinder Jakobs dazu, Ehen mit Heiden zu schließen und deren Götzen anzubeten. Aber Joseph blieb Gott treu, und seine Gewissenhaftigkeit war ein fortwährendes Zeugnis für den wahren Glauben. Satan erregte deshalb den Neid seiner Brüder und veranlasste sie, ihn als Sklaven in ein heidnisches Land zu verkaufen, um diesen Geist zum Schweigen zu bringen. Doch Gott lenkte die Ereignisse so, dass dem Volk von Ägypten Kenntnis von ihm vermittelt würde. Sowohl im Hause Potiphars als auch im Gefängnis erhielt Joseph eine Erziehung und Ausbildung, die ihn in aller Gottesfurcht auf seine hohe Stellung als Ministerpräsident des Landes vorbereitete. Von Pharaos Palast aus war seine Einwirkung im ganzen Lande spürbar, und die Gotteserkenntnis breitete sich aus. Die Israeliten vermehrten sich in Ägypten rasch und wurden wohlhabend, und die Gott treu blieben, übten einen weitreichenden Einfluss aus. Die heidnischen Priester gerieten in Unruhe, als sie sahen, wie der neue Glaube Eingang fand. Mit dem gleichen Hass erfüllt, den Satan gegen den Gott des Himmels hegt, nahmen sie sich vor, diese Erkenntnis zu unterdrücken. Die Erziehung des Thronerben war den Priestern anvertraut, und diese entschlossene Gottesgegnerschaft einerseits und der Eifer für die Götter andererseits prägten die Persönlichkeit des künftigen Königs und führte letztlich zu der grausamen Unterdrückung der Hebräer.

In den 40 Jahren nach Moses Flucht aus Ägypten schien die Abgötterei gesiegt zu haben. Jahr um Jahr wurde das Gottvertrauen der Israeliten geringer. König und Volk triumphierten in ihrer Macht und verhöhnten den Gott Israels. Und diese Gesinnung breitete sich aus, bis sie ihren Höhepunkt in jenem Pharao erreichte, dem Mose gegenübertrat. Als der Hebräer mit einer Botschaft von Jahwe, dem Gott Israels, zum König kam, war es nicht Unkenntnis über den wahren Gott, sondern ein Trotzen auf seine Macht, das ihn die Antwort geben ließ: „Wer ist der Herr, daß ich ihm gehorchen müsse …? Ich weiß nichts von dem Herrn.“ (2.Mose 5,2) Vom Anfang bis zum Ende entsprang Pharaos Widerstand gegen den göttlichen Befehl also nicht der Unwissenheit, sondern dem Hass und trotziger Verachtung.   
Obwohl die Ägypter die Gotteserkenntnis so lange verworfen hatten, gab ihnen der Herr doch noch Gelegenheit zur Umkehr. Zu Josephs Zeit war Ägypten für Israel ein Zufluchtsort gewesen. Mit den Wohltaten, die man seinem Volk erwies, war Gott geehrt worden, und jetzt ließ der Langmütige, der langsam zum Zorn und voll Mitleids ist, zwischen jedem Strafgericht eine Gnadenfrist verstreichen. Die Ägypter wurden durch eben die Dinge verdammt, die sie anbeteten, und hatten Klarheit über die Macht Jahwes. Alle, die es wollten, konnten sich vor Gott demütigen und diesen Strafgerichten entrinnen. Und wirklich hatte der blinde Eifer und die Halsstarrigkeit des Königs die Ausbreitung der Gotteserkenntnis unter vielen Ägyptern zur Folge.


Weil die Israeliten dazu neigten, sich mit Heiden zu verbinden und deren Götzendienst nachzuahmen, ließ Gott es zu, dass sie nach Ägypten hinabzogen. Dort waren durch Josephs weithin spürbaren Einfluss die Umstände dafür günstig, ein abgesondertes Volk zu bleiben. Hier sollte ihnen auch der grobe Götzendienst der Ägypter und die grausame Bedrückung während der letzten Jahre ihres Aufenthalts Abscheu gegen die Abgötterei einflößen. Dann würden sie bei dem Gott ihrer Väter Zuflucht suchen. Aber gerade diese göttliche Vorsehung benutzte Satan für seine Zwecke. Er trübte ihren Blick und verführte sie dazu, sich den Bräuchen ihrer heidnischen Herren anzupassen. Mit Rücksicht auf deren abergläubische Verehrung von Tieren durften die Hebräer während ihrer Knechtschaft keine Opfer darbringen. Durch das Fehlen dieses Dienstes wurden ihre Gedanken auch nie auf das große Opfer Christi gerichtet, so dass ihr Glaube erlahmte. Als die Zeit für Israels Befreiung kam, leistete Satan selbst Gottes Absichten Widerstand. Er war entschlossen, dieses große Volk von über zwei Millionen Menschen in Unwissenheit und Aberglauben zu halten. Gott aber hatte verheißen, es zu segnen, zu mehren und zu einer weltbewegenden Kraft zu machen; es sollte seinen Willen offenbaren und zum Hüter seines Gesetzes werden. Und eben dieses Volk suchte Satan in Niedrigkeit und Knechtschaft zu halten, um die Erinnerung an Gott aus dessen Gedächtnis auszulöschen.   

Als die Wunder vor dem König geschahen, war Satan zur Stelle, um deren Wirkung zu vereiteln und Pharao daran zu hindern, Gottes Oberhoheit anzuerkennen und seinem Auftrag zu gehorchen. Er unternahm die äußersten Anstrengungen, das Werk Gottes zu fälschen und seinem Willen zu widerstehen. Die einzige Folge jedoch war, dass er den Weg für noch größere Offenbarungen göttlicher Macht und Herrlichkeit bereitete. Sowohl den Israeliten als auch allen Ägyptern wurden das Dasein und die Autorität des wahren, lebendigen Gottes um so deutlicher. Gott befreite Israel mit gewaltigen Machtbeweisen und mit Gerichten über alle Götter Ägyptens. „So führte er sein Volk in Freuden heraus und seine Auserwählten mit Jubel …, damit sie seine Gebote hielten und seine Gesetze bewahrten.“ (Psalm 105,43.45) Er errettete sie aus der Knechtschaft, um sie in ein gutes Land zu bringen, ein Land, das er in seiner Vorsehung ihnen als Zuflucht vor ihren Feinden bereitet hatte, wo sie unter dem Schatten seiner Flügel wohnen konnten. Er wollte sie zu sich ziehen und für immer mit seinem Schutz umgeben. Als Dank für alle seine Güte und Gnade verlangte er, daß sie neben ihm, dem lebendigen Gott, keine andern Götter hätten und seinen Namen auf Erden verherrlichten.   
Während der Knechtschaft in Ägypten hatten viele Israeliten die Kenntnis des Gesetzes Gottes weitgehend verloren und seine Vorschriften mit heidnischen Bräuchen und Überlieferungen vermischt. Gott führte sie zum Sinai und verkündete ihnen dort mit eigener Stimme sein Gesetz.   

Aber auch Satan und seine bösen Engel waren auf dem Plan. Sogar während Gott dem Volke sein Gesetz verkündete, ging der Teufel darauf aus, es zur Sünde zu verleiten. Gerade in der Gegenwart des Himmels wollte er Gott sein erwähltes Volk abspenstig machen. Wenn er es zum Götzendienst verführte, würde er die Wirksamkeit aller Anbetung zunichte machen. Denn wie kann ein Mensch innerlich erhoben werden, wenn er dem göttliche Verehrung bezeugt, das nicht höher steht als er selbst und von ihm selbst gestaltet werden konnte? Wie konnten Menschen sich gegenüber der Stärke, Majestät und Herrlichkeit des unendlichen Gottes so betören lassen, ihn durch ein gehauenes Bild, ja gar durch ein wildes Tier oder eine Schlange darzustellen! Dadurch, dass sie ihr Kindschaftsverhältnis zu Gott, nach dessen Bild sie geschaffen waren, so weit zu vergessen vermochten, dass sie sich vor diesen abstoßenden, toten Gegenständen verneigten, bahnten sie der Zügellosigkeit den Weg; die schlechten Triebe des Herzens kennen in solchem Fall keine Hemmungen mehr, und Satan kann seine Herrschaft voll und ganz ausüben. Schon am Sinai fing er an, sein Vorhaben zur Vernichtung des göttlichen Gesetzes zu verwirklichen und das Werk fortzusetzen, das er im Himmel begonnen hatte.

In den 40 Tagen, als Mose auf dem Berge bei Gott war, bemühte er sich eifrig, Zweifel, Abfall und Empörung zu erregen. Während Gott sein Gesetz niederschrieb, um es der gewissenhaften Obhut seines Bundesvolkes anzuvertrauen, versagten die Israeliten Jahwe die Treue und forderten goldene Götter. Als Mose aus der Ehrfurcht gebietenden Gegenwart der göttlichen Herrlichkeit kam und in den Händen die Verordnungen des Gesetzes hielt, die zu befolgen sie gelobt hatten, stellte er fest, dass sie sich anbetend vor einem goldenen Bilde verneigten und damit offenen Widerstand gegen die göttlichen Gebote leisteten. Satan beabsichtigte ihren Untergang, als er die Israeliten zu dieser vermessenen Beleidigung und Lästerung Jahwes verführte. Da sie sich als derart verderbt und bar aller Empfindungen für die Vorzüge und Segnungen erzeigten, die Gott ihnen erwiesen hatte, und weil sie ihre wiederholten feierlichen Treueschwüre vergaßen, meinte er, der Herr werde sich nun von ihnen trennen und sie dem Verderben überlassen. So würde der „Same Abrahams“ (vgl. Galater 3,19.29) gewiss ausgetilgt, jener Nachkomme der Verheißung, der die Erkenntnis des lebendigen Gottes bewahren und aus dem er, der wahre Nachkomme, geboren werden sollte, der Satan besiegen würde. Darum wollte der große Empörer Israel zugrunde richten und Gottes Absichten durchkreuzen. Aber wieder wurde sein Angriff zurückgeschlagen. Trotz seiner Sündhaftigkeit wurde Israel als Volk nicht vertilgt. Während alle, die sich hartnäckig auf Satans Seite stellten, ausgerottet wurden, konnten jene, die sich demütigten und bereuten, gnädige Verzeihung empfangen. Die Schilderung dieser Sünde aber sollte als ein ewiges Zeugnis für Schuld und Bestrafung der Abgötterei einerseits und der Gerechtigkeit und langmütigen Barmherzigkeit Gottes andererseits bestehenbleiben.   

Das ganze Weltall war Zeuge der Ereignisse am Sinai gewesen. Hier sah man die Auswirkungen der Gegensätze zwischen der Herrschaft Gottes und der Satans. Und wieder zeigten sich für die sündlosen Bewohner anderer Welten die Folgen von Satans Abfall und die Art der Regierung, die er im Himmel errichtet haben würde, wenn er darauf Einfluss gehabt hätte. Als Satan die Menschen veranlasste, das zweite Gebot zu übertreten, zielte er darauf ab, ihre Vorstellungen von dem Wesen Gottes herabzusetzen. Und wenn sie das vierte aufgaben, würde er sie so weit bringen, Gott (als Schöpfer) gänzlich zu vergessen. Gottes Anspruch auf Verehrung und Anbetung vor allen heidnischen Gottheiten gründet sich auf die Tatsache, dass er der Schöpfer ist und alle anderen Wesen ihm das Dasein verdanken. So stellt es die Bibel dar. Der Prophet Jeremia sagt z.B.: „Der Herr ist der wahrhaftige Gott, der lebendige Gott, der ewige König … Die Götter, die Himmel und Erde nicht gemacht haben, müssen vertilgt werden von der Erde und unter dem Himmel. Er aber hat die Erde durch seine Kraft gemacht und den Erdboden bereitet durch seine Weisheit und den Himmel ausgebreitet durch seinen Verstand … Alle Menschen aber sind Toren mit ihrer Kunst, und alle Goldschmiede stehen beschämt da mit ihren Bildern; denn ihre Götter sind Trug und haben kein Leben, sie sind nichts, ein Spottgebilde; sie müssen zugrunde gehen, wenn sie heimgesucht werden. Aber so ist der nicht, der Jakobs Reichtum ist; sondern er ist’s, der alles geschaffen hat.“ (Jeremia 10,10-12.14-16) Der Sabbat als Erinnerungszeichen der Schöpferkraft Gottes weist auf ihn hin als den, der Himmel und Erde gemacht hat. Deshalb ist er ein unveränderliches Zeugnis seines Daseins und eine Erinnerung an seine Größe, Weisheit und Liebe. Wäre der Sabbat stets heilig gehalten worden, hätte es niemals Gottesleugner oder Götzendiener gegeben. 

Die Einrichtung des Sabbats, der seinen Ursprung in Eden hat, ist so alt wie die Welt. Von der Schöpfung an beachteten ihn alle Patriarchen. Aber während der Knechtschaft in Ägypten wurden die Israeliten von ihren Fronvögten gezwungen, ihn zu übertreten. So verlor sich bei ihnen die Erkenntnis seiner Heiligkeit auf lange Zeit. Als Gott das Gesetz am Sinai verkündete, lauteten die ersten Worte des vierten Gebotes: „Gedenke des Sabbattages, daß du ihn heiligest.“ (2.Mose 20,8) Sie zeigen, dass der Sabbat nicht erst damals eingesetzt wurde. Was seinen Ursprung betrifft, werden wir auf die Schöpfung zurückverwiesen. Um Gott aus dem Gedächtnis der Menschen auszulöschen, strebte Satan danach, dieses große Erinnerungszeichen niederzureißen. Waren die Menschen erst einmal dahin gebracht, dass sie ihren Schöpfer vergessen hatten, würden sie sich keine Mühe mehr geben, der Macht des Bösen zu widerstehen. Satan wäre dann seiner Beute sicher.


Seine Feindschaft gegen das Gesetz trieb Satan, jedes Gebot des Dekalogs zu bekämpfen. Dem edlen Grundsatz der Liebe und Treue zu Gott, dem Vater aller Lebewesen, sind kindliche Liebe und Gehorsam nahe verwandt. Missachtung der elterlichen Autorität führt bald zur Geringschätzung der göttlichen — darum Satans Anstrengungen, die Verpflichtung des fünften Gebotes abzuschwächen. Unter heidnischen Völkern wurde der dieser Vorschrift zugrundeliegende Gedanke kaum beachtet. Bei vielen Völkern wurden die Eltern sich selbstüberlassen oder gar umgebracht, sobald sie aus Altersgründen nicht länger für sich selbst sorgen konnten. In der Familie behandelte man die Mutter wenig achtungsvoll, und beim Tode ihres Mannes musste sie sich der Gewalt des ältesten Sohnes fügen. Demgegenüber schärfte Mose den Israeliten kindlichen Gehorsam ein. Aber als sie sich vom Herrn entfernten, begannen sie — außer den anderen Geboten — auch das fünfte zu missachten.   

Satan war „ein Mörder von Anfang“; (Johannes 8,44) sobald er Macht über die Menschheit gewann, trieb er sie nicht nur dazu, sich gegenseitig zu hassen und umzubringen, sondern der Autorität Gottes immer dreister zu trotzen. Ja, er machte die Übertretung des sechsten Gebotes zu einem Bestandteil ihrer religiösen Haltung. Weil sie verkehrte Vorstellungen von den göttlichen Eigenschaften erhalten hatten, wurden Heidenvölker zu der Annahme verführt, Menschenopfer seien eine notwendige Voraussetzung für die Gunst ihrer Götter. Im Rahmen der verschiedenartigen Formen des Götzendienstes wurden die entsetzlichsten Grausamkeiten verübt. Dazu gehörte der Brauch, Kinder vor den Götterbildern durch das Feuer gehen zu lassen. Bestand jemand diese Feuerprobe unversehrt, glaubten sie, ihre Opfer seien angenommen. Einen auf diese Weise Geretteten sah man als besonderen Günstling der Götter an. Man überhäufte ihn mit Wohltaten und hielt ihn hoch in Ehren. Mochte seine Schuld auch noch so groß sein, er wurde niemals bestraft. Wurde aber einer verbrannt, wenn er durch das Feuer ging, war sein Schicksal besiegelt. Man glaubte den Zorn der Götter nur dadurch besänftigen zu können, dass man ihn tötete und als Opfer darbrachte. In Zeiten großen Abfalls gab es solche Greueltaten bis zu einem gewissen Grade sogar bei den Israeliten.   

Auch die Übertretung des siebenten Gebotes wurde schon früh im Namen der Religion geübt. Die ausschweifendsten, widerwärtigsten Bräuche gehörten zum heidnischen Gottesdienst. Selbst die Götter stellte man unkeusch dar, und ihre Anbeter ließen den niedrigen Eigenschaften die Zügel schießen. Die widerwärtigsten Laster setzten sich durch, und die religiösen Feste waren durch allgemeine, offene Unzucht gekennzeichnet. Sehr früh wurde die Vielehe üblich. Sie gehörte zu den Sünden, die den Zorn Gottes über die vorsintflutliche Welt herabriefen. Doch war sie auch nach der Sintflut weit verbreitet. Es war Satans wohldurchdachtes Bestreben, die Ehe als Stiftung zu verderben, ihre Verbindlichkeit abzuschwächen und ihre Heiligkeit herabzusetzen. Es gab keinen zuverlässigeren Weg, das Ebenbild Gottes im Menschen zu entstellen und damit dem Elend und Laster Tür und Tor zu öffnen.


Seit Beginn des großen Kampfes war es Satans Absicht, Gottes Wesen falsch darzustellen und Auflehnung gegen sein Gesetz zu erregen. Sein Werk scheint mit Erfolg gekrönt zu sein, denn bis heute hören die Massen auf Satans Täuschungen und wenden sich gegen Gott. Aber trotz aller Anstrengung des Bösen gehen Gottes Absichten sicher ihrer Vollendung entgegen. Einsichtigen Geschöpfen offenbart er seine Gerechtigkeit und Güte. Durch Satans Versuchungen sind die Menschen zwar Übertreter des Gesetzes Gottes geworden, aber das Opfer Jesu Christi hat ihnen den Weg zu Gott zurück geöffnet. Durch seine Gnade können sie dem Gesetz des Vaters Gehorsam leisten. So sammelt sich Gott zu allen Zeiten mitten aus Abfall und Empörung ein Volk, das ihm treu ist, „in dessen Herzen mein Gesetz ist“. (Jesaja 51,7) Durch Betrug verführte Satan die Engel. So ist er auch in all den Jahrhunderten unter den Menschen zu Werke gegangen, und er wird diese Methode bis zuletzt anwenden. Gäbe er offen zu erkennen, dass er gegen Gott und sein Gesetz streitet, würde man sich vor ihm in acht nehmen; aber er verstellt sich und vermengt Wahrheit mit Irrtum. Die gefährlichsten Lügen sind die mit Wahrheit vermischten. So lassen sich die Menschen von Irrtümern gefangennehmen und zugrunde richten. Und mit solchen Mitteln gewinnt Satan alle Welt. Aber es kommt ein Tag, an dem es mit seiner Siegesfreude für immer vorbei sein wird.   
Gott wird schließlich dieses aufrührerische Treiben, das der Böse so lange im Geheimen fortsetzte, vollständig enthüllen. Das Ergebnis der satanischen Herrschaft, die Folgen der Verwerfung göttlicher Gebote werden allen Einsichtigen eröffnet. Gottes Gesetz wird voll gerechtfertigt werden. Und dann wird sich zeigen, dass Gottes Handeln insgesamt im Hinblick auf das ewige Heil seines Volkes und aller von ihm erschaffenen Wesen geschah. Vor dem ganzen Weltall wird Satan dann die Gerechtigkeit der Herrschaft Gottes und seines Gesetzes anerkennen müssen.

Die Zeit ist nicht mehr fern, dass Gott sich aufmachen wird, um seine geschmähte Autorität zu rechtfertigen. „Der Herr wird ausgehen von seinem Ort, heimzusuchen die Bosheit der Bewohner der Erde.“ (Jesaja 26,21)–  „Wer wird aber den Tag seines Kommens ertragen können, und wer wird bestehen, wenn er erscheint?“ (Maleachi 3,2) Wegen seiner Sündhaftigkeit durfte sich das Volk Israel dem Berge nicht nahen, als Gott herabkam, um sein Gesetz zu verkündigen. Es wäre durch den verzehrenden Glanz seiner Gegenwart umgekommen. Wenn schon solche Offenbarung seiner Macht den für die Verkündigung des göttlichen Gesetzes erwählten Ort so auffallend kennzeichnete, wie furchtbar muss erst das Gericht sein, wenn er zur Vollstreckung dieser heiligen Verordnungen kommt! Wie werden jene, die seine Autorität mit Füßen getreten haben, am großen Tage der endgültigen Vergeltung seine Majestät ertragen? Der Schrecken am Sinai sollte dem Volk eine Vorstellung des Gerichts vermitteln. Der Schall einer Posaune forderte Israel auf, Gott zu begegnen. Die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes werden die Lebendigen und die Toten der ganzen Welt vor ihren Richter fordern. Gott Vater und Gott Sohn waren mit vielen Engeln auf dem Berge gegenwärtig. Am großen Gerichtstag wird Christus „in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln“ (Matthäus 16,27) kommen. Dann wird er „sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit, und werden vor ihm alle Völker versammelt werden.“ (Matthäus 25,31.32) Als sich die Gegenwart Gottes auf dem Sinai offenbarte, erschien der Strahlenglanz des Herrn vor den Augen ganz Israels wie ein verzehrendes Feuer. Wenn aber Christus mit seinen heiligen Engeln in Herrlichkeit erscheinen wird, soll die ganze Erde lodern von dem schrecklichen Glanz seiner Gegenwart. „Unser Gott kommt und schweiget nicht. Fressendes Feuer geht vor ihm her und um ihn her ein mächtiges Wetter. Er ruft Himmel und Erde zu, daß er sein Volk richten wolle.“ (Psalm 50,3.4) Ein feuriger Lichtstrahl wird von ihm ausgehen, von dessen glühender Hitze die Elemente schmelzen und die Erde mit allen Werken darauf verbrannt werden. „Das soll geschehen, wenn sich der Herr Jesus mit seinem Engelheere vom Himmel aus in Feuerflammen offenbart, um die zu strafen, die Gott nicht kennen und der Frohen Botschaft unseres Herrn Jesus keinen Glauben schenken.“ (2.Thessalonicher 1,7.8)   

Niemals seit der Erschaffung des Menschen konnte eine solche Offenbarung göttlicher Macht beobachtet werden wie bei der Gesetzesverkündung am Sinai: „Da bebte die Erde, und die Himmel zerbarsten, da bebte der Sinaiberg vor Gott, dem Gott Israels.“ (Psalm 68,8) (Bruns). Mitten unter den schreckenerregenden Erschütterungen der Natur hörte man die Stimme Gottes einer Posaune gleich aus der Wolke. Der Berg erbebte von den Grundfesten bis zum Gipfel, und alle Israeliten lagen bleich und zitternd vor Angst mit den Gesichtern am Boden. Er, dessen Stimme die Erde damals erbeben ließ, hat gesagt: „Noch einmal will ich bewegen nicht allein die Erde, sondern auch den Himmel.“ (Hebräer 12,26) Die Schrift sagt: „Der Herr wird brüllen aus der Höhe und seinen Donner hören lassen aus seiner heiligen Wohnung“, „daß Himmel und Erde erbeben werden.“ (Jeremia 25,30; Joel 4,16) An jenem kommenden großen Tag wird der Himmel entweichen, „wie ein Buch zusammengerollt wird.“ (Offenbarung 6,14) Und alle Berge und Inseln sollen aus ihren Örtern bewegt werden. „Die Erde wird taumeln wie ein Trunkener und wird hin und her geworfen wie eine schwankende Hütte; denn ihre Missetat drückt sie, daß sie fallen muß und nicht wieder aufstehen kann.“ (Jesaja 24,20)

„Darum werden alle Hände schlaff“ (Jesaja 13,7) und „alle Angesichter so bleich“ (Jeremia 30,6) sein. „Aller Menschen Herz wird feige sein. Schrecken, Angst und Schmerzen wird sie ankommen.“(Jesaja 13,7.8)– „Ich will den Erdkreis heimsuchen um seiner Bosheit willen“, sagt der Herr, „und die Gottlosen um ihrer Missetat willen und will dem Hochmut der Stolzen ein Ende machen und die Hoffart der Gewaltigen demütigen.“ (Jesaja 13,11) Als Mose aus der Gegenwart Gottes vom Berge kam, wo er die Tafeln des Gesetzes empfangen hatte, konnte das schuldig gewordene Israel den Glanz nicht ertragen, der sein Angesicht verklärte. Wieviel weniger können Sünder den Sohn Gottes anschauen, wenn er in der Herrlichkeit seines Vaters kommen wird, umgeben von allen himmlischen Heerscharen, um Gericht zu halten über alle, die sein Gesetz übertreten und seine Versöhnung verworfen haben. Die Gottes Gesetz missachteten und das Blut Christi mit Füßen traten, zumal „die Könige der Erde und die Großen und die Obersten und die Reichen und die Gewaltigen“ werden „sich in den Klüften und Felsen an den Bergen“ verstecken und sagen „zu den Bergen und Felsen: Fallet über uns und verberget uns vor dem Angesicht des, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes! Denn es ist gekommen der große Tag seines Zorns, und wer kann bestehen?“(Offenbarung 6,15-17) —  „An jenem Tage wird jedermann wegwerfen seine silbernen und goldenen Götzen … zu den Maulwürfen und Fledermäusen, damit er sich verkriechen kann in die Felsspalten und Steinklüfte vor dem Schrecken des Herrn und vor seiner herrlichen Majestät, wenn er sich aufmachen wird, zu schrecken die Erde.“ Jesaja 2,20.21.
Dann wird sich zeigen, dass Satans Empörung gegen Gott zu seinem eigenen Untergang geführt hat und zur Vernichtung all derer, die ihm dienstbar wurden. Er hatte es ihnen so dargestellt, als werde sich aus der Übertretung viel Gutes ergeben; aber man wird erkennen, dass der Tod „der Sünde Sold“ (Römer 6,23) ist. „Denn siehe, es kommt ein Tag, der brennen soll wie ein Ofen. Da werden alle Verächter und Gottlosen Stroh sein, und der kommende Tag wird sie anzünden, spricht der Herr Zebaoth, und er wird ihnen weder Wurzel noch Zweig lassen.“ (Maleachi 3,19) Satan, gewissermaßen die Wurzel der Sünde, und alle Übeltäter als seine Zweige werden gänzlich vertilgt. Gott wird mit der Sünde und mit allem Leid und aller Zerstörung, die sie hervorgebracht hat, ein Ende machen. Der Psalmist sagt: Du „bringst die Gottlosen um; ihren Namen vertilgst du auf immer und ewig. Der Feind ist vernichtet, zertrümmert für immer.“ (Psalm 9,6.7) Aber auch mitten im Sturm des göttlichen Gerichtes brauchen sich Gottes Kinder nicht zu fürchten. „Seinem Volk wird der Herr eine Zuflucht sein und eine Burg den Kindern Israel.“(Joel 4,16) Der Tag, der für die Übertreter des Gesetzes Gottes Schrecken und Vernichtung bedeutet, wird für die Gehorsamen zu einem Tag unaussprechlicher und herrlicher Freude werden. (1.Petrus 1,8) „>Versammelt mir meine Heiligen<, spricht der Herr, >die den Bund mit mir schlossen beim Opfer.< Und die Himmel werden seine Gerechtigkeit verkünden; denn Gott selbst ist Richter.“ (Psalm 50,5.6)   

„Ihr werdet am Ende doch sehen, was für ein Unterschied ist zwischen dem Gerechten und dem Gottlosen, zwischen dem, der Gott dient, und dem, der ihm nicht dient.“ (Maleachi 3,18)– „Hört mir zu, die ihr Gerechtigkeit kennt, du Volk, in dessen Herzen mein Gesetz ist!“ (Jesaja 51,7) — „Siehe, ich nehme den Taumelkelch aus deiner Hand … Du sollst ihn nicht mehr trinken.“ (Jesaja 51,22) — „Ich, ich bin euer Tröster!“ (Jesaja 51,12) — „Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer.“ (Jesaja 54,10) Der Erlösungsplan wird damit enden, dass der Welt Gottes Gnade in vollem Umfang zurückgebracht wird. Alles, was durch die Sünde verlorenging, ist wiederhergestellt. Nicht nur der Mensch, die ganze Erde ist erlöst, damit sie für ewig die Wohnstätte der Gehorsamen bleibe. Sechstausend Jahre lang hat Satan um den Besitz dieser Welt gekämpft. Nun aber ist Gottes ursprüngliche Absicht mit ihrer Erschaffung verwirklicht. „Aber die Heiligen des Höchsten werden das Reich empfangen und werden’s immer und ewig besitzen.“ (Daniel 7,18) „Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobt der Name des Herrn!“ (Psalm 113,3) — „Der Herr wird König sein über alle Lande. Zu der Zeit wird der Herr der einzige sein und sein Name der einzige.“ (Sacharja 14,9) Die Schrift sagt: „Herr, dein Wort bleibt ewiglich, so weit der Himmel reicht.“ (Psalm 119,89) — „Alle seine Ordnungen sind beständig. Sie stehen fest für immer und ewig.“ (Psalm 111,7.8) Die heiligen Gebote, die Satan hasste und zu vernichten suchte, werden in einem sündlosen Weltall hoch in Ehren gehalten werden. „Denn gleichwie Gewächs aus der Erde wächst und Same im Garten aufgeht, so läßt Gott der Herr Gerechtigkeit aufgehen und Ruhm vor allen Heidenvölkern.“(Jesaja 61,11)