Welche Ziele hat Satan besonders ?

Der große Streit zwischen Christus und Satan, der schon nahezu 6000 Jahre währt, wird bald zu Ende gehen, und der Boshafte verdoppelt seine Bemühungen, Christi Werk für die Menschen zu vereiteln und Seelen in seinen Schlingen zu verstricken (vgl. Offb. 12, 12.). Das Ziel, wonach er strebt, ist, die Menschen in Dunkel und Unbußfertigkeit zu halten, bis das Mittleramt Christi beendet ist und es für die Sünde kein Opfer mehr gibt.
Wird keine besondere Anstrengung gemacht, seiner Macht zu widerstehen, herrscht in der Gemeinde und der Welt Gleichgültigkeit, dann ist Satan unbekümmert; denn da ist keine Gefahr vorhanden, die zu verlieren, die er nach seinem Willen gefangenführt. Wird aber die Aufmerksamkeit auf ewige Dinge gelenkt und fragen Seelen: "Was muss ich tun, dass ich selig werde?", so ist er da, sucht mit seiner Stärke der Macht Christi zu widerstehen und wirkt dem Einfluss des Heiligen Geistes entgegen.
Die Heilige Schrift sagt, dass bei einem bestimmten Anlass, "da die Gottessöhne kamen und vor den Herrn traten, kam auch der Satan unter ihnen" (Hiob 1, 6), nicht etwa, um vor dem ewigen König anzubeten, sondern um seine böswilligen Anschläge gegen die Gerechten zu fördern. Dasselbe Ziel verfolgend, ist er zugegen, wo die Menschen sich zum Gottesdienst versammeln. Wenn auch dem Auge verborgen, wirkt er doch mit allem Fleiss, die Gedanken der Anbetenden zu beherrschen. Einem geschickten Feldherrn gleich, legt er seine Pläne im voraus. Sieht er, dass Gottes Boten die Heilige Schrift durchforschen, so merkt er sich den Gegenstand, der den Leuten vorgetragen werden soll. Dann wendet er alle seine List und Verschlagenheit an, um die Umstände so einzurichten, dass die Botschaft jene nicht erreichen kann, die er gerade über diesen Punkt täuschen will. Wer der Warnung am meisten bedarf, wird in irgendeine dringende Geschäftssache verwickelt, die seine Anwesenheit verlangt, oder durch irgendein anderes Mittel vom Anhören der Worte abgehalten, die sich für ihn zu einem "Geruch des Lebens zum Leben" erweisen könnten.

Satan sieht auch, wenn des Herrn Diener bedrückt sind wegen der geistlichen Finsternis, die das Volk einhüllt; er hört ihre ernsten Gebete um göttliche Gnade und um Kraft, den Bann der Gleichgültigkeit, der Sorglosigkeit und der Trägheit zu brechen. Dann betreibt er mit erneutem Eifer seine Anschläge. Er versucht die Menschen, der Esslust zu frönen oder sich irgendeiner anderen Genußsucht hinzugeben, und betäubt auf diese Weise ihr Feingefühl, so dass sie gerade die Dinge nicht hören, die zu lernen sie so sehr nötig haben.
Der böse Feind weiß wohl, dass alle, die er verleiten kann, das Gebet und das Forschen in der Heiligen Schrift zu vernachlässigen, durch seine Angriffe überwunden werden. Deshalb erfindet er alle möglichen Pläne, um den Geist in Anspruch zu nehmen. Es hat von jeher eine Klasse von Menschen gegeben, die vorgibt, gottselig zu leben, die aber statt in der Erkenntnis der Wahrheit fortzuschreiten, es zu ihrer Religion macht, irgendeinen Fehler des Charakters oder einen Irrtum im Glauben an jenen zu suchen, mit denen sie nicht übereinstimmen. Solche Seelen sind Satans Hauptgehilfen. Es gibt viele Verkläger der Brüder, und man findet sie stets tätig, wenn Gott am Wirken ist und seine Diener ihm wahre Huldigung erweisen. Sie werfen auf die Worte und Handlungen derer, die die Wahrheit lieben und ihr gehorchen, ein falsches Licht und stellen die sehr ernsten, eifrigen, selbstverleugnenden Diener Christi als Betrogene oder als Betrüger hin. Sie missdeuten die Beweggründe jeder guten und edlen Tat, bringen Gerüchte in Umlauf und erwecken Argwohn in den Gemütern der Unerfahrenen. In jeder denkbaren Weise trachten sie danach, dass das Reine und Gerechte als verderbt und trügerisch angesehen werde.
Aber niemand braucht ihretwegen getäuscht zu werden. Es läßt sich leicht ersehen, wessen Kinder sie sind, wessen Beispiel sie folgen und wessen Werke sie tun. "An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen." (Matth. 7, 16.) Ihr Benehmen gleicht demjenigen Satans, dem giftigen Verleumder, dem "Verkläger der Brüder". (Offb. 12, 10.)


Der große Betrüger hat viele Vertreter, die bereitwillig alle und jede Art von Irrtum ersinnen, um Seelen zu verstricken -- Ketzereien, die dazu angelegt sind, sich dem verschiedenen Geschmack und Fassungsvermögen derer anzupassen, die er verderben möchte. Es ist sein Plan, unaufrichtige, unwiedergeborene Personen in die Gemeinde zu bringen, die Zweifel und Unglauben ermutigen und all denen hindernd in den Weg treten, die Gottes Werk wachsen sehen und mit ihm vorwärtskommen möchten. Viele, die keinen wirklichen Glauben an Gott oder an sein Wort haben, stimmen gewissen Grundsätzen der Wahrheit zu und gelten als Christen und führen dadurch ihre Irrtümer als schriftgemäße Lehren ein.
Die Behauptung, dass es gleichgültig sei, was die Menschen glauben, ist eine der erfolgreichsten Täuschungen Satans. Er weiß, dass die in Liebe aufgenommene Wahrheit die Seele des Empfängers heiligt; deshalb sucht er beständig falsche Theorien, Fabeln, ja ein anderes Evangelium unterzuschieben. Von Anbeginn haben Gottes Diener gegen falsche Lehrer gekämpft, nicht nur als gegen lasterhafte Menschen, sondern als Verbreiter von Irrtümern, die der Seele zum Verderben gereichen. Elia, Jeremia, Paulus widersetzten sich jenen, die die Menschen dem Worte Gottes abspenstig machten, mit Entschiedenheit und Furchtlosigkeit. Jener Freisinn, der einen richtigen religiösen Glauben als unwichtig betrachtet, fand keine Anerkennung bei diesen heiligen Verteidigern der Wahrheit.
Die leeren und überspannten Auslegungen der Heiligen Schrift und die vielen sich widersprechenden Ansichten über den religiösen Glauben, wie sie unter Christen gefunden werden, sind das Werk unseres großen Widersachers, der die Gemüter so verwirren will, dass sie die Wahrheit nicht unterscheiden können. Und die Uneinigkeit und Spaltungen, wie sie in den christlichen Gemeinschaften bestehen, sind vorwiegend dem herrschenden Brauch zuzuschreiben, die Heilige Schrift zu verdrehen, um eine beliebte Ansicht zu unterstützen. Statt Gottes Wort sorgfältig mit demütigem Herzen zu studieren, um die Kenntnis seines Willens zu erlangen, suchen viele nur darin, um etwas Wunderliches oder Eigentümliches zu entdecken.
Um Irrlehren oder unchristliche Bräuche zu unterstützen, greifen manche gewisse Schriftstellen aus dem Zusammenhang heraus und führen vielleicht die Hälfte eines einzelnen Verses zur Bestätigung ihrer Behauptung an, obgleich der übrige Teil den Sinn als ganz entgegengesetzt zeigen würde. Mit der List der Schlange verschanzen sie sich hinter unzusammenhängenden Äußerungen, aufgestellt, um ihren fleischlichen Gelüsten zu entsprechen. So verdrehen viele absichtlich das Wort Gottes. Andere, die eine lebendige Einbildungskraft besitzen, nehmen die Bilder und Sinnbilder der Heiligen Schrift, legen sie aus, wie es ihrer Phantasie passt, mit wenig Rücksicht auf das Zeugnis des Wortes Gottes als eigener Ausleger und tragen dann ihre Einfälle als die Lehren der Bibel vor.
Wird das Studium der Heiligen Schrift ohne einen betenden, demütigen, lernbegierigen Geist unternommen, dann werden stets sowohl die einfachsten und deutlichsten als auch die schweren Stellen ihrem wahren Sinne nach entstellt.

Die päpstlichen Würdenträger wählen solche Teile der Heiligen Schrift, die ihrer Absicht am besten dienen, legen sie aus, wie es ihnen passt, und tragen sie dann dem Volke vor, während sie ihm das Vorrecht, die Bibel zu studieren und deren heilige Wahrheiten für sich selbst zu verstehen, versagen. Die ganze Bibel in ihrem vollständigen Wortlaut sollte dem Volk zugänglich sein. Es wäre besser, ihm überhaupt keinen biblischen Unterricht zu erteilen, als die Lehren der Heiligen Schrift auf so grobe Weise zu verfälschen. Die Bibel war bestimmt, allen denen ein Führer zu sein, die mit dem Willen ihres Schöpfers bekannt zu werden wünschten. Gott gab dem Menschen das feste prophetische Wort; Engel und sogar Christus selbst kamen, um Daniel und Johannes die Dinge kundzutun, die sich in Kürze zutragen müssen. Jene wichtigen Angelegenheiten betreffs unseres Heils blieben keineswegs geheimnisvoll, wurden auch nicht in einer solchen Weise offenbart, dass sie den aufrichtigen Forscher nach Wahrheit verwirren oder irreleiten konnten. Der Herr sagte durch den Propheten Habakuk: "Schreib auf, was du geschaut hast, deutlich auf eine Tafel, das es lesen könne, wer vorüberläuft!" (Hab. 2, 2.) Das Wort Gottes ist allen verständlich, die darin mit betendem Herzen forschen. Jede wahrhaft aufrichtige Seele wird zum Licht der Wahrheit gelangen. "Dem Gerechten muß das Licht immer wieder aufgehen." (Ps. 97, 11.) Keine Gemeinde kann in der Heiligung Fortschritte machen, es sei denn, ihre Mitglieder suchen nach der Wahrheit wie nach einem verborgenen Schatz.
Durch den Ruf: Nur nicht engherzig! werden die Menschen blind gegen die Pläne ihres Widersachers, während er beständig auf die Erreichung seiner Absicht hinwirkt. Gelingt es ihm, die Bibel durch menschliche Ansichten zu verdrängen, dann wird das Gesetz Gottes beiseitegesetzt, und die Kirchen stehen unter der Knechtschaft der Sünde, während sie den Anspruch erheben, frei zu sein.


Vielen ist die wissenschaftliche Forschung zum Fluch geworden. Gott hat der Welt viel Licht zu den Entdeckungen in der Wissenschaft und Kunst gegeben; aber selbst die größten Geister werden, wenn nicht vom Geiste Gottes geleitet, verwirrt, wenn sie versuchen, die Beziehungen zwischen Wissenschaft und Offenbarung zu ergründen.
Die menschliche Erkenntnis, sowohl in materiellen als auch in geistlichen Dingen, ist Stückwerk und unvollkommen; deshalb sind viele nicht imstande, ihre wissenschaftlichen Ansichten mit schriftgemäßen Erklärungen in Übereinstimmung zu bringen. Manche nehmen bloße Theorien und Spekulationen als wissenschaftliche Tatsachen an und meinen, das Wort Gottes müsse an "der fälschlich so genannten Erkenntnis" geprüft werden. (1. Tim. 6, 20.) Der Schöpfer und seine Werke gehen über ihr Begriffsvermögen hinaus, und weil sie diese nicht durch natürliche Gesetze erklären können, wird die biblische Geschichte als unzuverlässig betrachtet. Und wenn sie die Berichte des Alten und Neuen Testaments bezweifeln, gehen sie nur zu oft noch einen Schritt weiter und stellen das Dasein Gottes in Frage und schreiben der Natur eine unendliche Macht zu. Wenn sie so ihren Anker losgelassen haben, werden sie an die Felsen des Unglaubens verschlagen.
Auf diese Weise irren viele vom Glauben ab und werden vom Teufel verführt. Die Menschen haben danach getrachtet, weiser zu sein als ihr Schöpfer; menschliche Weisheit hat es versucht, Geheimnisse zu ergründen und zu erklären, die in Ewigkeit nicht offenbar werden. Wollten die Menschen doch untersuchen und verstehen, was Gott von sich selbst und seinen Ratschlägen bekanntgemacht hat, so würden sie einen solchen Blick von der Herrlichkeit, Majestät und Macht Gottes gewinnen, dass sie ihre eigene Kleinheit einsähen und zufrieden wären mit dem, was ihnen und ihren Kindern offenbart worden ist.
Satans Meisterstück der Täuschung besteht darin, den Geist der Menschen am Suchen und Vermuten zu erhalten bezüglich dessen, was Gott nicht kundgetan hat und was er nicht will, dass wir verstehen sollen. Auf diese Weise verlor Luzifer seinen Platz im Himmel. Er wurde unzufrieden, weil ihm nicht alle Geheimnisse der Ratschläge Gottes anvertraut wurden, und missachtete das völlig, was ihm offenbart wurde über seine Aufgabe  in der ihm zugewiesenen erhabenen Stellung. Indem er in den Herzen der seinem Befehl unterstellten Engel die gleiche Unzufriedenheit erweckte, verursachte er ihren Fall. Jetzt versucht er, denselben Geist auf die Menschen zu übertragen und sie ebenfalls zu verleiten, die klaren Gebote Gottes zu missachten.

Die nicht willens sind, die deutlichen, tiefgreifenden Wahrheiten der Bibel anzunehmen, suchen beständig nach angenehmen Fabeln, die das Gewissen beruhigen. Je weniger geistlich, selbstverleugnend und demütigend die vorgetragenen Lehren sind, mit desto größerer Gunst werden sie aufgenommen. Solche Leute würdigen die Kräfte des Verstandes herab, um ihren fleischlichen Begierden zu frönen. In ihrem Hochmut zu weise, um in der Heiligen Schrift mit bußfertigem Herzen und unter ernstem Gebet um göttliche Leitung zu suchen, haben sie keinen Schild gegen die Verblendung. Satan steht bereit, das Verlangen des Herzens zu stillen und setzt seine Täuschungen an die Stelle der Wahrheit. Auf diese Weise gewann das Papsttum seine Macht über die Menschen, und durch die Verwerfung der Wahrheit, weil diese ein Kreuz in sich schließt, verfolgen die Protestanten den gleichen Pfad. Alle, die das Wort Gottes vernachlässigen, um sich mit Bequemlichkeit und Klugheit zu beraten, damit sie sich nicht von der Welt unterscheiden, werden verdammungswürdige Ketzerei für religiöse Wahrheit empfangen. Jede erdenkliche Form des Irrtums wird von denen angenommen werden, die die Wahrheit vorsätzlich verwerfen. Wer mit Schrecken auf eine Täuschung sehen mag, wird eine andere willig annehmen. Der Apostel Paulus spricht von Menschen, die "die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben, daß sie gerettet würden", und sagt von ihnen: "Darum sendet ihnen Gott die Macht der Verführung, so daß sie der Lüge glauben, damit gerichtet werden alle, die der Wahrheit nicht glaubten, sondern Lust hatten an der Ungerechtigkeit." (2. Thess. 2, 1012.) Mit solcher Warnung vor Augen geziemt es uns, auf der Hut zu sein bezüglich der Lehren, die wir annehmen.

Zu den erfolgreichsten Werkzeugen des großen Betrügers gehören die trügerischen Lehren und lügenhaften Wunder des Spiritismus. Indem er sich zu einem Engel des Lichts verstellt, wirft er seine Netze aus, wo es am wenigsten vermutet wird. Möchten die Menschen doch das Buch Gottes unter ernstem Gebet durchforschen, um seine Lehren zu verstehen, so würden sie nicht in der Finsternis bleiben und falsche Lehren annehmen. Weil sie aber die Wahrheit verwerfen, fallen sie Täuschungen zum Opfer. Ein anderer gefährlicher Irrtum ist die Lehre, die die Gottheit Christi verleugnet und behauptet, dass er vor seinem Kommen in diese Welt nicht existiert habe. Diese Ansicht wird von vielen günstig aufgenommen, die vorgeben, an die Bibel zu glauben; dennoch widerspricht sie den eindeutigen Erklärungen unseres Heilandes über seine Verwandtschaft zum Vater, seinen göttlichen Charakter und sein früheres Dasein. Man kann diese Ansicht nicht aufrechthalten, ohne die Heilige Schrift auf die unverantwortlichste Weise zu verdrehen. Sie erniedrigt nicht nur des Menschen Begriff vom Erlösungswerk, sondern untergräbt auch den Glauben an die Bibel als eine Offenbarung Gottes. Je gefährlicher sie dadurch wird, desto schwieriger ist es, ihr entgegenzutreten. Stellen die Menschen das Zeugnis der von Gott eingegebenen Heiligen Schrift über die Gottheit Christi in Abrede, so wird man diesen Punkt vergebens mit ihnen behandeln, denn kein auch noch so folgerichtiger Beweis wird sie überzeugen können. "Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen; denn es muß geistlich beurteilt sein." (1. Kor. 2, 14.) Wer in diesem Irrtum befangen ist, kann weder vom Charakter und Werk Christi, noch von dem großen Plan Gottes zur Erlösung der Menschen eine rechte Vorstellung haben.


Noch ein anderer geschickt angelegter und unheilvoller Irrtum besteht in der sich schnell verbreitenden Auffassung, dass Satan kein persönliches Wesen sei; dass dieser Name in der Heiligen Schrift nur gebraucht werde, um der Menschen böse Gedanken und Begierden zu veranschaulichen. Die so weithin von volkstümlichen Kanzeln herab ertönende Lehre, dass die zweite Ankunft Christi in seinem Kommen zu jedem einzelnen bei dessen Tode bestehe, ist eine Erfindung, die die Gedanken der Menschen von seinem persönlichen Erscheinen in den Wolken des Himmels ablenken soll. Jahrelang hat Satan auf diese Weise gesagt: "Siehe, er ist drinnen im Haus" (Matth. 24, 23.26); und viele Seelen sind verloren gegangen, weil sie diese Täuschung angenommen hatten.
Wiederum lehrt die weltliche Weisheit, dass das Gebet nicht wesentlich sei. Männer der Wissenschaft behaupten, dass es keine wirkliche Antwort auf ein Gebet geben könne; dass dies eine Verkehrung der Gesetze, ein Wunder sein würde, und dass es keine Wunder gebe. Das Weltall, sagen sie, wird von feststehenden Gesetzen regiert, und Gott selbst tut nichts, was diesen Gesetzen entgegen ist. Auf diese Weise stellen sie Gott dar, als ob er durch seine eigenen Gesetze gebunden sei; als ob die Wirkung göttlicher Gesetze die göttliche Freiheit ausschließen könne. Solche Lehre ist dem Zeugnis der Heiligen Schrift zuwider. Wurden nicht Wunder gewirkt durch Christus und seine Apostel? Derselbe erbarmungsvolle Heiland lebt heute noch, und er ist jetzt ebenso bereit, auf die Gebete des Glaubens zu hören wie damals, als er sichtbar unter den Menschen wandelte. Das Natürliche wirkt zusammen mit dem Übernatürlichen. Es ist ein Teil von Gottes Plan, uns in Erhörung des im Glauben dargebrachten Gebetes das zu gewähren, was er uns nicht verleihen würde, wenn wir nicht zu ihm beteten.
Unzählig sind die irrtümlichen Lehren und die überspannten Vorstellungen, die in den Kirchen der Christenheit bestehen. Es ist unmöglich, die üblen Folgen der Verrückung von auch nur einem durch das Wort Gottes festgesetzten Grenzstein abzuschätzen. Nur wenige von denen, die dies zu tun wagen, bleiben bei der Verwerfung einer Wahrheit stehen; die Mehrheit fährt fort, einen Grundsatz der Wahrheit nach dem andern zu verwerfen, bis sie tatsächlich Ungläubige werden.

Die Irrtümer der volkstümlichen Theologie haben manchen Menschen der Zweifelsucht in die Arme getrieben, der sonst bibelgläubig hätte werden können. Es ist ihm unmöglich, Lehren anzunehmen, die seinen Begriffen von Gerechtigkeit, Gnade und Güte Gewalt antun; und wenn solche Auffassungen als Lehren der Bibel hingestellt werden, weigert er sich, sie als Gottes Wort anzuerkennen. Das ist es, was Satan zu erreichen sucht. Nichts wünscht er mehr, als das Vertrauen zu Gott und seinem Wort zu zerstören. Satan steht an der Spitze des großen Heeres von Zweiflern, und er arbeitet mit größter Anstrengung, um Menschen in seine Reihen zu ziehen. Das Zweifeln fängt an, Mode zu werden. Zahlreiche Menschen sehen das Wort Gottes aus demselben Grunde wie seinen Urheber mit Mißtrauen an, weil es die Sünde straft und verurteilt. Die nicht willens sind, seinen Anforderungen zu gehorchen, versuchen seine Autorität über den Haufen zu werfen. Sie lesen die Bibel oder lauschen auf deren Lehren, wie sie von der Kanzel herab verkündigt werden, nur um an der Heiligen Schrift oder an der Predigt etwas Tadelnswertes zu finden. Nicht wenige werden Ungläubige, um sich für die Vernachlässigung ihrer Pflicht zu rechtfertigen oder zu entschuldigen. Andere nehmen aus Stolz und Trägheit zweifelhafte Grundsätze an. Zu sehr für ein bequemes Leben eingenommen, um irgend etwas zu vollbringen, was der Ehre wert wäre oder was Anstrengung und Selbstverleugnung erforderte, streben sie danach, sich einen Ruf höherer Weisheit zu verschaffen, indem sie die Bibel bekritteln. Es gibt dort vieles, was der von der göttlichen Weisheit unerleuchtete Verstand unmöglich verstehen kann; und auf diese Weise finden sie Anlaß zum Kritisieren. Viele scheinen anzunehmen, dass es eine Tugend sei, auf der Seite des Unglaubens und des Zweifels zu stehen. Aber man wird finden, dass solche Menschen unter dem Anschein von Aufrichtigkeit in Wirklichkeit von Selbstvertrauen und Stolz angetrieben werden. Viele machen sich das größte Vergnügen daraus, etwas in der Heiligen Schrift zu finden, das andere in Verlegenheit bringt. Etliche kritisieren und diskutieren auf der Seite des Unrechts, nur aus Liebe zum Wortstreit. Sie werden nicht gewahr, dass sie sich auf diese Weise selbst in den Schlingen des Voglers verstricken. Da sie aber offen ihrem Unglauben Ausdruck gegeben haben, glauben sie, ihre Stellung behaupten zu müssen. Auf diese Weise verbinden sie sich mit den Gottlosen und verschließen sich die Tore des Paradieses.


Gott hat in seinem Wort genügend Beweise von dessen göttlichem Ursprung gegeben. Die großen Wahrheiten, die sich auf unsere Erlösung beziehen, sind klar dargelegt. Mit der Hilfe des Heiligen Geistes, der allen, die aufrichtig darum bitten, verheißen ist, vermag jeder diese Wahrheiten für sich selbst zu verstehen. Gott hat den Menschen einen starken Grund verliehen, auf den sie ihren Glauben stützen können. Doch der begrenzte Verstand der Menschen ist unzureichend, um die Pläne und Ratschlüsse des ewigen Gottes völlig zu erfassen. Wir können durch Forschen nie Gott ergründen. Wir dürfen es nicht wagen, mit vermessener Hand den Vorhang zu heben, mit dem er seine Majestät verhüllt. Der Apostel ruft aus: "Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege!" (Röm. 11, 33.) Wir können sein Verfahren mit uns und die ihn leitenden Beweggründe so weit begreifen, dass wir unbegrenzte Liebe und Barmherzigkeit, mit unendlicher Macht verbunden, erkennen können. Unser himmlischer Vater ordnet alles in Weisheit und Gerechtigkeit, und wir dürfen nicht unzufrieden oder misstrauisch sein, sondern müssen uns in ehrfurchtsvoller Demut beugen. Er wird uns so viel von seinen Ratschlüssen enthüllen, wie zu unserem Besten dient; darüber hinaus müssen wir vertrauen auf die Hand, die allmächtig, auf das Herz, das voller Liebe ist.

Während Gott reichliche Beweise für den Glauben gibt, wird er niemals alles beseitigen, was zur Entschuldigung des Unglaubens dienen könnte. Wer nach irgendeiner Stütze für seinen Zweifel sucht, wird sie auch finden. Und wer sich weigert, Gottes Wort anzunehmen und zu befolgen, bis jeglicher Einwand beseitigt worden ist, so dass nicht länger ein Anlass zum Zweifel besteht, wird nie zum Licht kommen.
Das Misstrauen gegen Gott ist eine Folge des nicht erneuerten Herzens, das in Feindschaft gegen Gott ist. Aber der Glaube wird von dem Heiligen Geist eingegeben und wird nur dann gedeihen, wenn er gepflegt wird. Niemand kann ohne eine entschlossene Anstrengung im Glauben wachsen. Der Unglaube verstärkt sich, je nachdem er ermutigt wird; und wenn Menschen, statt sich mit den Beweisen zu beschäftigen, die Gott zur Bestätigung ihres Glaubens gegeben hat, es sich erlauben, zu zweifeln und zu kritteln, werden sie ihre Zweifel mehr und mehr bestätigt finden.
Die an Gottes Verheißungen zweifeln und den Versicherungen seiner Gnade misstrauen, entehren ihn, und ihr Einfluss neigt dahin, andere von Christus zu entfernen, statt sie zu ihm zu ziehen. Sie sind unfruchtbare Bäume, die ihre dürren Zweige weit und breit ausbreiten und dadurch anderen Pflanzen das Sonnenlicht wegnehmen, so dass sie in dem kalten Schatten welken und sterben. Ihr Lebenswerk wird als ein unaufhörliches Zeugnis gegen sie erscheinen. Sie säen den Samen des Zweifels und des Unglaubens, der eine unausbleibliche Ernte tragen wird.
Es gibt nur einen Weg, den die einschlagen müssen, die aufrichtig danach trachten, von Zweifeln befreit zu werden: anstatt das, was sie nicht verstehen, zu bezweifeln und zu bekritteln, müssen sie auf das bereits auf sie scheinende Licht achtgeben und sie werden größeres Licht empfangen. Erfüllen sie jede Pflicht, die sie klar erkannt haben, dann werden sie befähigt, auch diejenige zu verstehen und auszuführen, über die sie jetzt noch im Zweifel sind. (vgl. Joh. 7, 17.)

Satan vermag Fälschungen zu entwerfen, die der Wahrheit so genau gleichen, dass Seelen von ihnen getäuscht werden, die willig sind, sich täuschen zu lassen, die das von der Wahrheit geforderte Opfer und die Selbstverleugnung umgehen möchten; es ist ihm jedoch unmöglich, eine Seele unter seiner Macht zu halten, die aufrichtig wünscht, die Wahrheit zu erkennen, koste es, was es wolle. Christus ist die Wahrheit und "das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen." (Joh. 1, 9.) Der Geist der Wahrheit ist gesandt worden, um die Menschen in alle Wahrheit zu leiten. Und mit Vollmacht des Sohnes Gottes ist geschrieben: "Suchet, so werdet ihr finden." "Wenn jemand dessen (Vaters) Willen tun will, wird er innewerden, ob diese Lehre von Gott ist." (Matth. 7, 7; Joh. 7, 17).
Die Nachfolger Christi wissen wenig von den Intrigen, die Satan und seine Scharen gegen sie schmieden. Er aber, der im Himmel thront, wird alle diese Anschläge zur Erfüllung seiner unerforschlichen Pläne lenken. Der Herr lässt es zu, dass seine Kinder in die Feuerprobe der Versuchung geraten, nicht weil er an ihren Leiden und an ihrer Trübsal Wohlgefallen hätte, sondern weil dieses Verfahren zu ihrem Sieg wesentlich ist. Er kann sie nicht in Übereinstimmung mit seiner eigenen Vollkommenheit vor der Versuchung schützen; denn es ist gerade der Zweck der Prüfung, sie zuzubereiten, allen bösen Lockungen widerstehen zu können.


Weder gottlose Menschen noch Teufel können Gottes Werk hindern oder seine Gegenwart seinem Volk entziehen, wenn es mit gebeugtem, zerschlagenem Herzen seine Sünden bekennt und lässt und im Glauben seine Verheißungen beansprucht. Jeder Versuchung, jedem widerstreitenden Einfluss, ob offen oder geheim, kann erfolgreich widerstanden werden, "nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist, ... spricht der Herr Zebaoth." (Sach. 4, 6.)
"Die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten und seine Ohren hören auf ihr Gebet. ... Und wer ist, der euch schaden könnte, wenn ihr dem Guten nacheifert?" (1. Petr. 3, 12. 13.) Als Bileam, verlockt durch das Versprechen einer großen Belohnung, Zauberformeln gegen Israel anwandte und durch dem Herrn dargebrachte Opfer einen Fluch über Gottes Volk zu bringen versuchte, wandte Gottes Geist das Übel, das ausgesprochen werden sollte, ab, und Bileam sah sich gezwungen auszurufen: "Wie soll ich fluchen, dem Gott nicht flucht? Wie soll ich verwünschen, den der Herr nicht verwünscht? ... Meine Seele möge sterben den Tod der Gerechten, und mein Ende werde wie ihr Ende!" Als abermals geopfert worden war, erklärte der gottlose Prophet: "Siehe, zu segnen ist mir befohlen; er hat gesegnet und ich kann's nicht wenden. Man sieht kein Unheil [Ungerechtigkeit] in Jakob und kein Verderben [Verkehrtheit] in Israel. Der Herr, sein Gott, ist bei ihm, und es jauchzt dem König zu. ... Denn es gibt kein Zaubern in Jakob und kein Wahrsagen in Israel. Zu rechter Zeit wird Jakob und Israel gesagt, welche Wunder Gott tut." (4. Mose 23, 8. 10. 20. 21. 23; 24, 9.) Dennoch wurden zum drittenmal Altäre gebaut, und abermals versuchte Bileam einen Fluch auszusprechen. Durch die unwilligen Lippen des Propheten erklärte der Geist Gottes jedoch das Gedeihen seiner Auserwählten und strafte die Torheit und Bosheit ihrer Feinde: "Gesegnet sei, wer dich segnet, und verflucht, wer dich verflucht!"

Zu dieser Zeit war das Volk Israel Gott treu, und solange es im Gehorsam gegen sein Gesetz beharrte, konnte keine Macht der Erde oder der Hölle es überwältigen. Aber schließlich gelang es Bileam doch, den Fluch, den er nicht über Gottes Volk aussprechen durfte, über es zu bringen, indem er es zur Sünde verleitete. Als es Gottes Gebote übertrat, trennte es sich von ihm und musste die Macht des Verderbers fühlen.
Satan ist sich wohl bewusst, dass die schwächste Seele, die in Christus bleibt, den Scharen der Finsternis überlegen ist und dass er, wenn er sich offen zeigt, ihr nicht standhalten kann, sondern überwunden wird. Deshalb versucht er, die Streiter des Kreuzes aus ihrer Festung herauszulocken, während er mit seinen Streitkräften im Hinterhalt liegt, bereit, alle zu verderben, die sich auf sein Gebiet wagen sollten. Nur in demütigem Vertrauen auf Gott und im Gehorsam gegen alle seine Gebote können wir sicher sein.
Niemand ist auch nur für einen Tag oder eine Stunde ohne das Gebet sicher. Besonders sollten wir den Herrn um Weisheit bitten, sein Wort zu verstehen. Hier werden die Anschläge des Versuchers offenbart sowie auch die Mittel, durch die er erfolgreich zurückgeschlagen werden kann. Satan ist sachkundig in der Anführung von Bibelstellen, denen er seine eigene Auslegung beifügt, um uns zu Fall zu bringen. Wir müssen die Bibel mit demütigem Herzen studieren und nie unsere Abhängigkeit von Gott außer Augen lassen. Während wir vor den Anschlägen Satans beständig auf der Hut sein müssen, sollten wir ohne Unterlaß im Glauben beten: "Führe uns nicht in Versuchung."